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Corinna Kegel: Die fabelhafte Welt der Hochsensiblen und Hochbegabten

Cover Corinna Kegel: Die fabelhafte Welt der Hochsensiblen und Hochbegabten. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2016. 223 Seiten. ISBN 978-3-579-08639-2. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

Wie der Titel bereits verrät, beschäftigt sich Corinna Kegel mit den aktuellen Trendthemen Hochsensibilität und Hochbegabung. Hierbei handelt es ich um keine wissenschaftliche Arbeit, sondern um eine Beschreibung, um ein Geschichtenbuch, wie es die Autorin selbst kategorisiert.

Autorin

Corinna Kegel arbeitet als Coach für hochbegabte und hochsensible Erwachsene in eigener Praxis. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf Talentförderung, Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation.

Aufbau

Das Buch besteht aus 15 Hauptkapiteln, die jeweils in sich abgeschlossen sind. Die Autorin orientiert sich dabei an einer Chronologie, die zunächst ein bestimmtes Phänomen beschreibt, zum Beispiel das Phänomen Wissensdurst oder Reizüberflutung. Sodann folgen Alltagsgeschichten von Menschen, an denen exemplarisch das jeweilige Phänomen beschrieben wird.

Jedes Kapitel schließt mit einer Typisierung, einer Zusammenfassung. Die Kategorisierungen der einzelnen Abschnitte sind zusätzlich durch starken bzw. schwachen Textdruck, durch Kursivdruck und Rahmen bekräftigt.

Inhalt

Corinna Kegel möchte mit ihren Bildergeschichten „Beschenkte“, wie sie die Hochsensiblen und Hochbegabten nennt, motivieren und inspirieren. Sie möchte den Blick vom Defizit zum Potential hin lenken und mit den Beispielen aus ihrer Praxis neue Lösungswege aufzeigen.

Dass hochbegabte Erwachsene und Hochsensible häufig um ihre Talente und Fähigkeiten nicht wissen, sich nicht selten einsam und allein fühlen, den Eindruck von Andersartigkeit und Ausgeschlossensein erleben und ihre eigene Dünnhäutigkeit als Makel wahrnehmen, beschreibt die Autoren exemplarisch.

Es ist genau dieses Erleben, welches sie in ihrer Coaching-Praxis regelmäßig erfährt und anhand derer sie sich für die Darstellung folgender Phänomene entscheidet:

  • Einsamkeit
  • Feinsinnigkeit
  • Fehlkontakte
  • Wissensdurst
  • Spiritualität
  • Reizüberflutung
  • Perfektionismus
  • Zweifel
  • Autonomie

So beschreibt die Autorin die Feinsinnigkeit der Hochsensiblen, die sich in einer hohen Empfindungs- und Genussfähigkeit äußern. Die Stimulierung aller Sinne beispielsweise durch den Genuss einer Speise, eines Musikstückes oder eines Duftes, die zu sehr intensiven Erlebnissen führen können, die große Sehnsucht nach Ästhetik- als wichtiges Lebenselixier- sind Beispiele dieses Phänomens. Diese Feinsinnigkeit geht über das übliche Erleben hinaus. Corinna Kegel erzählt von einem 30-jährigen Mann, der derart viel von seinem Gegenüber wahrnimmt, jede kleinste äußere und innere Veränderung registriert, dass er sich selbst dabei vergisst und vernachlässigt. Andererseits sind die Sinnenreize so stark ausgeprägt, dass Genussfreuden in einer Differenziertheit möglich sind, die seinesgleichen suchen.

Ein anderes Phänomen ist beispielsweise das der Autonomie, ein Merkmal, welches bei Hochbegabten sehr häufig anzutreffen ist. Damit meint die Autorin, das unkonventionelle und nonkonforme Denken und Handeln, das Infrage-stellen von Autoritäten und das damit oft einhergehende Konfliktpotential insbesondere in der Arbeitswelt. In sozialen Beziehungen werden oberflächliche Kontakte gemieden und nur die mit Tiefe gesucht.

Martin ist Grafik- Designer und arbeitete als Angestellter für Presseagenturen in der Großstadt. Die vorgegebenen Strukturen, die Hektik an seinem Arbeitsplatz und der Termindruck decken sich nicht mit seinem Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit. Doch er änderte sein Leben, wohnt auf einem kleinen Bauernhof abgeschieden von der nächsten Stadt und genießt das Landleben, die Naturverbundenheit und das unabhängige Arbeiten.

Solche und ähnliche Geschichten ziehen sich durch das Buch von Corinna Kegel. Szenische Kurzbiografien, die exemplarisch für ein Phänomen stehen, verdeutlichen ihre Perspektive auf Hochbegabte und Hochsensible.

Diskussion und Fazit

Das Buch reiht sich in die Lesebücher und Ratgeber zum Thema Hochbegabung und Hochsensibilität, die es bereits auf dem Literaturmarkt gibt. Ihren Ansprüchen und ihrem selbst gesetzten Auftrag wird sie gerecht, indem sie ein Geschichtenbuch präsentiert, genauer gesagt ein Bilder-Geschichtenbuch. Der Leser folgt den beschriebenen Bildern, vergleicht diese mit den eigenen Erfahrungen oder mit Personen, die möglicherweise hochbegabt und hochsensibel sind oder verwirft sie wieder. Gleichwohl erklärt sich dem Leser nicht, weshalb die Autorin diese Kategorisierung der Phänomene wählte. Sind es subjektive Annahmen und falls ja, auf welchen Hypothesen beruhen diese oder basieren die Kategorisierungen auf wissenschaftliche Untersuchungen? Weshalb zum Beispiel beschreibt sie das Phänomen Partnerwahl und Paarbeziehung nicht, dafür aber das Phänomen Fehlkontakte?

Dennoch ist Corinna Kegel ein Geschichtenbuch gelungen, welches die bunten und vielfältigen Talente und Fähigkeiten Hochbegabter und Hochsensibler analog zum facettenreichen Musterspiel eines Kaleidoskops beschreibt, wertschätzend und humorvoll motiviert und letztlich durch Erfahrungen zum Handeln anregt.

Ein Lesebuch zum Einstieg in das Thema und möglicherweise auch rückblickend zum Umstieg der eigenen Biografie.


Rezensentin
Ann-Christin Röver
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Zitiervorschlag
Ann-Christin Röver. Rezension vom 20.06.2017 zu: Corinna Kegel: Die fabelhafte Welt der Hochsensiblen und Hochbegabten. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2016. ISBN 978-3-579-08639-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22171.php, Datum des Zugriffs 17.06.2019.


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