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Paula Heimann (Hrsg.): Gegenübertragung und andere Schriften zur Psychoanalyse

Cover Paula Heimann (Hrsg.): Gegenübertragung und andere Schriften zur Psychoanalyse. Vorträge und Aufsätze aus den Jahren 1942-1980. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2016. 473 Seiten. ISBN 978-3-608-94941-4. D: 59,95 EUR, A: 61,70 EUR.

Margret Tönnesmann (Hrsg.).
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Autorin

Paula Heimann (geb. in Danzig 1899, gest. in London 1982) erhielt ab 1928 ihre erste Ausbildung in Psychoanalyse am Berliner Psychoanalytischen Institut. Dort war sie Schülerin u.a. von Theodor Reik (bei dem sie auch in Analyse war), Karen Horney, Otto Fenichel und Franz Alexander. Nach ihrer durch John Eitington in die Wege geleiteten Emigration nach London (1933) arbeitete sie eng mit Melanie Klein zusammen (bei der sie eine zweite Analyse machte), bis sie sich Mitte der 50-er Jahre wegen theoretischer Differenzen von ihr trennte. Nach dem Krieg hatte sie erheblichen Anteil am Wiederaufbau der Psychoanalyse in Deutschland.

Textauswahl und Aufbau

Die Edition der englischen Originalausgabe wurde Ende der 70-er Jahre noch von Paula Heimann selbst geplant. Sie erschien 1989 unter dem Titel „About Children and Children-no-longer“. Collected Papers 1942–80 bei Routledge, Taylor and Francis Groups, London and New York.

Die nunmehrige deutsche Publikation umfasst neben einer „Einführung zur deutschen Ausgabe“ von Werner Bohleber, einem „Memoire“ von Pearl King und einer „Einführung der Herausgeberin“ (Margret Tönnesmann) 24 chronologisch geordnete Texte von Paula Heimann. Über ihr erstes Erscheinen und über Erstübersetzungen ins Deutsche informiert im Anhang eine „Bibliographie ausgewählter Publikationen Paula Heimanns“. Ihr schließen sich ein Literaturverzeichnis sowie ein Personen- und Sachregister an.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Werner Bohleber: Einführung zur deutschen Ausgabe (S. 13-29)

Werner Bohleber hebt in seiner Hinführung die Bedeutung Paula Heimanns für die Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie hervor. So habe sie (1.) bei ihrem Konzept vom Ich vor allem dessen schöpferische Leistung hervorgehoben. Ferner (2.) habe sie „Ich“ und „Es“ als „primäre Entitäten“ angesehen, die im Rahmen einer fortschreitenden Differenzierung das Individuum aus der Infantilität hin „zu Individuation und reifer Autonomie“ führten (S. 17f). Sie habe (3.) im Gegensatz zu Melanie Klein Traumatisierungen nicht auf eine unüberwindliche Aufspaltung in gute und böse innere Objekte zurückgeführt, sondern auf eine Überwältigung des Ich. Besonders innovativ aber sei (4.) ihr Verständnis von „Gegenübertragung“ gewesen, insonderheit die Öffnung des Begriffs im Sinne aller in der Analyse ausgelösten Gefühle des Analytikers gegenüber dem Patienten, seine Befreiung aus der negativen Konnotation durch Freud und die der Gegenübertragung zugewiesene Bedeutung im Zusammenspiel mit der Übertragung. Mit ihr habe sie „das klinische Feld der Psychoanalyse für interpersonal-intersubjektive Konzeptionen geöffnet“ (S. 23).

Pearl King: Paula Heimanns Suche nach der eigenen Identität als Psychoanalytikerin: ein Memoire zur Einführung (S. 30-39)

Pearl King, die frühere Kollegin Paula Heimanns und spätere Präsidentin der British Psycho-Analytical Society, zeichnet den Lebenslauf der Analytikerin nach. Ausführlich beschreibt sie deren Annäherung an Melanie Klein wegen Übereinstimmungen im Verständnis von Aggression und Todestrieb. Umgekehrt habe Klein sie als Stütze bei familiären Schicksalsschlägen und bei ihren Kontroversen innerhalb der Psychoanalytischen Gesellschaft erlebt. Wie Pearl King aus ihrer persönlichen Nähe zu Paula Heimann weiß, war Melanie Klein aber sehr unduldsam gegen selbstständiges Denken in ihrer Umgebung, so etwa, als Heimann ihr Gegenübertragungskonzept publizierte, ohne es vorher mit ihr abgesprochen zu haben. Die Entfremdung führte schließlich 1955 zum formellen Austritt aus dem Melanie-Klein-Trust. In der BAS schloss sie sich der Gruppe der „ungebundenen Analytiker“ an, der sie bis zu ihrem Tod angehörte. Pearl King schließt ihr Memoire: „Während ich diesen Text schrieb, ist mir einmal mehr klar geworden, mit welch großem Mut Paula Heimann für ihr Recht gekämpft hat, die Psychoanalyse auf ihre Weise zu verstehen“ (S. 38f).

Margret Tönnesmann: Einführung der Herausgeberin (S. 40-58)

Margret Tönnesmann referiert in Kürze die im Band enthaltenen Beiträge und skizziert dabei die Entwicklung Paula Heimanns von der freudianisch ausgebildeten und denkenden Analytikerin über die Kleinianerin hin zu einer selbstständigen Theoretikerin, die aber ihre beiden wichtigsten Wurzeln niemals verleugnet hat. Paula Heimann bleibt der Objektbeziehungstheorie verbunden, auch wenn sie ihr Verständnis vom Ich über Freud und Klein hinaus erweitert („Schöpferisches Ich“). Sie geht über die Todestriebtheorie beider hinaus, indem sie eine evolutionär angelegte und dem Leben dienende Aggression postuliert und daneben die spezifisch menschliche Grausamkeit von einem Destruktionstrieb herleitet. Einen eigenen Weg entwickelt sie auch im Hinblick auf die Behandlungstechniken: Sie weitet den Begriff „Gegenübertragung“ im Vergleich zu Freud aus, ohne ihn völlig zu liberalisieren, und sieht in der Gegenübertragung des Analytikers die „projektive Identifikation“ (S. 52) am Werk. Daneben wendet sie sich von der Ausschließlichkeit von Übertragungsdeutungen ab und gesteht dem Patienten „schöpferische Rückzüge“ (S. 51) zu. Schließlich ist sie skeptisch gegenüber einer „absoluten Neutralität“ (S. 56) des Analytikers und sieht sich darin durch Freuds Praxis bestätigt. Wie er versteht sie die Herstellung eines „psychoanalytischen Milieus“ (S. 54) durch das Setting als „symbolische Fürsorge“ (S. 55).

Paula Heimann: Beiträge

Nachdem die Inhalte des Buchs durch Werner Bohleber und Margret Tönnesmann kursorisch kommentiert worden sind, wähle ich für die eigene Darstellung jene Beiträge aus, die im engeren Sinn mit der Beziehung zwischen Analytiker und Patient zu tun haben. In den von mir nicht besprochenen Beiträgen geht es u.a. um Sublimierung, introjizierte Objekte, den Ödipuskomplex, Abwehrmechanismen, frühe Entwicklung, die anale Phase, den Arbeitsbegriff in der Psychoanalyse, Objektbeziehungen, Fehlleistungen und um Erkenntnisprozesse des Analytikers.

Zur Gegenübertragung (S. 111-117) und Bemerkungen zur Gegenübertragung (S. 199-209)

Von allen ihren Publikationen wird der kurze Vortragstext von 1949 vermutlich am häufigsten zitiert. In einer Zeit, in der es mehr als heute darauf ankam, psychoanalytisch „rechtgläubig“ zu sein, kam es durchaus einer Mutprobe gleich, sich theoretisch von Freud zu entfernen und zugleich den Dissens mit ihrer Analytikerin, Lehrerin und Kollegin Melanie Klein in Kauf zu nehmen. Paula Heimann verwendet den Begriff „Gegenübertragung“ zumindest in dieser Erstfassung des Textes „zur Bezeichnung sämtlicher Gefühle, die der Analytiker gegenüber seinem Patienten empfindet“ (S. 112). Sie setzt Gegenübertragung auch nicht mit einer positiven Antwort auf die Übertragungsliebe des Patienten gleich wie Freud, für den sich darin eine Überschreitung der Abstinenz ankündigte, sondern erblickt in ihr eine Chance: „Meine These lautet, dass die emotionale Reaktion des Analytikers auf seinen Patienten in der analytischen Situation eines der wichtigsten Instrumente für seine Arbeit darstellt. Die Gegenübertragung des Analytikers ist ein Instrument, mit dessen Hilfe er das Unbewusste des Patienten erforschen kann.“ (112). Er solle also von seinen Gefühlen „Gebrauch machen“ (S. 113), um die latente und manifeste Bedeutung der Worte des Patienten adäquat erfassen zu können. Die Gegenübertragung sei „eine Schöpfung des Patienten, ein Teil der Persönlichkeit des Patienten“ (S. 116). Eine Gefahr bestehe allenfalls darin, dass der Analytiker Gefühle, die mit seiner Geschichte zu tun haben, hineinmischt, ohne das zu bemerken.

Zehn Jahre später sieht Paula Heimann keinen Anlass, früher Gesagtes zu korrigieren, wohl aber möchte sie aufgrund ihrer Erfahrungen mit Ausbildungskandidaten das eine oder andere akzentuieren. Sie verweist auf die durch sie ausgelöste Diskussion und bekräftigt noch einmal ihre Überzeugung, dass die Gegenübertragung ein wichtiges Arbeitsmittel des Analytikers sei. Aber um die auf den Patienten bezogenen und die mit der eigenen Geschichte zusammenhängenden Gefühle zu trennen und die Sensibilität für alles vom Patienten Ausgehende zu erhöhen, sei eine fortgesetzte „Selbstanalyse“ (S. 209) vonnöten. Die daraus erwachsende „Kunst“ (S. 207) übersteige das, was der Analytiker als Persönlichkeit in die analytische Beziehung hineinträgt: „Was ihn für den Patienten so unersetzlich macht, ist sein Können, das er während seiner Spezialausbildung gewonnen hat“ (S. 206).

Die Dynamik der Übertragungsdeutungen (S. 149-164) und Postskriptum zu „Die Dynamik der Übertragungsdeutungen“ (S. 349-359)

Im ersten Beitrag aus dem Jahr 1956 greift Paula Heimann auf Freuds Umschreibung der psychoanalytischen Behandlung in „Wege der psychoanalytischen Therapie“ (1918) zurück. Sie hält sie immer noch für gültig, auch weil sie durch aktuelle Theorien bestätigt worden ist: „Seelische Krankheit wird durch unbewusste Konflikte hervorgerufen […]. Seelische Gesundung setzt die bewusste Bearbeitung dieser Konflikte voraus, und diese Arbeit geschieht durch das Medium der emotionalen Beziehung des Patienten zu seinem Analytiker. Mithin richtet sich die psychoanalytische Behandlung an das Ich des Patienten […]“ (S. 149). Dieses Wissen kann sie bei den Analytikern voraussetzen. Weshalb sie das Ich an dieser Stelle dennoch hervorhebt, hat damit zu tun, dass sie in ihm das „Sinnes- und Ausführungsorgan des gesamten Organismus“ (S. 151) sieht. Es kann seiner Aufgabe aber nur gerecht werden, wenn ihm die Wahrnehmung die Objekte der Welt angemessen präsentiert. Insofern ist sie die Garantin für ein „gesundes Leben“ (S. 151). „Wahrnehmungsverzerrungen und Halluzinationen“ dagegen führen zu „Fehlbildungen des Ichs und zu psychischer Erkrankung […]“ (S. 151). Wenn das Ich geheilt werden soll, kommt die Übertragung als Bühne für die Bearbeitung der Konflikte ins Spiel. So weit sieht sich Paula Heimann in Übereinstimmung mit Freud und mit den meisten ihrer Analytikerkollegen. Unzureichend findet sie bei vielen den Umgang mit den unbewussten Phantasien in der Übertragung. In ihnen gehe es nicht nur um Wiederholungszwang und Konfliktverschiebungen, sondern um infantile Wünsche und Ängste sowohl im Hinblick auf andere Objekte als auch das Selbst betreffend: „Die unbewusste Phantasie bewirkt, dass der Patient seine eigenen Gedanken, seine Erinnerungen an Erlebtes, seine Wünsche, Ängste usw. als personifizierte Entitäten behandelt, die er in sich selbst beherbergt. Auch diese inneren Objekte überträgt er auf den Analytiker“ (S. 154f). In diesem Zusammenhang greift sie auf die Spiegel-Metapher Freuds zurück, betont aber deren Funktion als „Ergänzungs-Ich“ (S. 157) für den Patienten, das „dessen Prozesse aufgreift und bewusst macht“ (S. 160). Das gelingt nicht immer und schon gar nicht immer auf Anhieb, und manchmal ist das Verständnis des Analytikers überfordert. Dann heißt es, sich mit Deutungen zurückzuhalten, damit er keine falschen Spuren legt.

Das fünfzehn Jahre später veröffentlichte „Postskriptum“ schließt nicht unmittelbar an die Deutungsproblematik an, sondern dient Paula Heimann zunächst dazu, zu begründen, weshalb sie von Freuds Todestriebtheorie Abstand genommen hat und eher auf einen evolutionär und empirisch begründbaren „Überlebenstrieb“ setzt. Daraufhin präzisiert sie noch einmal ihre Auffassung von der Bedeutung der Objektbeziehungen für die Entwicklung des Ich. Erst dann schlägt sie mit dem Satz „Die Deutung ist das einzige wichtige Instrument, das der Psychoanalyse spezifisch ist“ (S. 354) den Bogen zurück – allerdings nicht, um ihr Deutungsverständnis durch neue Facetten zu bereichern. Stattdessen will sie noch einmal die Bedeutung des „psychoanalytischen Milieus“ (S. 354) als Ort der Übertragungen und ihrer Deutungen und insbesondere dessen nötige „Stabilität“ (S. 355) in Erinnerung rufen. Wichtig ist ihr schließlich, auf die häufig falsche Verwendung des Übertragungsbegriffs aufmerksam zu machen. Die Fokussierung auf die „Gefühle des Patienten für den Analytiker“ (S. 358) lasse leicht übersehen, dass es immer um seine Gefühle für das eigentlich gemeinte Objekt gehe.

Über die Notwendigkeit für den Analytiker, mit seinem Patienten natürlich zu sein (S. 416-429)

Die Überlegungen zu Gegenübertragung und Übertragung, zur Deutung und zum analytischen Milieu könnten den Eindruck erwecken, die analytische Beziehung falle aus allen anderen Beziehungen durch ihre besondere Künstlichkeit heraus. Ihn möchte Paula Heimann mit ihrer Forderung nach „Natürlichkeit“ korrigieren. Dazu erinnert sie an Sigmund Freuds Umgang mit seinen Patienten, an seine Art, Klinik und Forschung zu verbinden und an die Praxis seiner Selbstanalyse: Die Bausteine seiner Theorie entstammen der genauen Beobachtung der eigenen Psychodynamik. Bei sich und bei anderen sah er „das Erleben der Analyse als eine Befreiung zur Natürlichkeit und Ehrlichkeit“ (S. 418) an. Mit ihrer polemischen Äußerung „Vom neutralen Analytiker zum Neutrum ist, meine ich, nur eine sehr kurze Distanz“ (S. 418) kritisiert sie nicht nur den Habitus von Analytikern, die als erfahren gelten oder sich so einschätzen, sondern auch rigide Ausbildungsformen und ihr Ergebnis: Kandidaten, die – wie sie an einem Fall demonstriert – nicht den Mut aufbringen, die Ebene der Deutungen zu verlassen, obwohl ihnen ihre Gefühle eigentlich etwas anderes sagen. Am Beispiel der eigenen Analyse einer Frau zeigt sie, wie sie mit einer spontanen Bemerkung über deren Äußeres einen Erinnerungs- und Erzählprozess in Gang setzt, der vermutlich noch lange zurückgehalten worden wäre. „Intuitionsdeutungen“ und „Spontanverhalten“ seien „verschwistert“ (S. 423). Die „Natürlichkeit“ der Beziehung schließt für sie jedoch weder körperliche Berührungen noch die Mitteilung eigener Gefühle an den Patienten ein.

Diskussion

Die eingangs genannten Themen verweisen auf die Breite der theoretischen Interessen Paula Heimanns, die referierten Aufsätze belegen darüber hinaus die Art und Weise ihres Arbeitens. Sie ist ihrer ersten Ausbildung nach Freudianerin, ihrer späteren nach Kleinianerin, beides aber nicht einfach als gläubige Rezipientin und Anwenderin. Was sie an Theorien aufnimmt, kommt auf den Prüfstand ihrer analytischen Erfahrung und des eigenen Denkens. So hält sie die Entdeckung von Übertragung und Gegenübertragung für das Spezifikum der analytischen Arbeit schlechthin, aber sie präzisiert einerseits die Übertragung in ihrer Doppelschichtigkeit der Gefühle, andererseits betont sie den wertvollen Charakter von Gegenübertragungsgefühlen als analytisches Instrument und weicht damit von Freud wie von Klein ab. Sie erkennt die sublim stabilisierende Wirkung des „analytischen Milieus“ deutlicher als andere und entdeckt, dass die Konzepte Freuds und Kleins vom Todestrieb evolutionären Gegebenheiten widersprechen. Sie steht hinter der Abstinenz des Analytikers und hinter dem Primat der Deutung, aber beides muss sich mit einer natürlichen Haltung vereinbaren lassen, zu der auch ein Schuss Spontaneität gehören darf. Autorität ist nicht gleichzusetzen mit Unberührbarkeit, die Spiegel-Funktion nicht mit Starrheit, Deutungskunst nicht mit der Ausblendung all dessen, was die Beziehung zum Patienten sonst noch bereichert und ihn zum Erinnern und Erzählen bringen kann. Hinter der theoretisch eigenständigen und eigenwilligen Analytikerin tritt stets die revisionsbereite hervor – abzulesen an den Überlegungen zum gleichen Thema zu unterschiedlichen Zeiten. Das ist eine Eigenschaft, bei der wohl Sigmund Freud eher Pate gestanden hat als Melanie Klein. – Vielleicht hätte Paula Heimann irgendwann auch noch den Zugang zur Körperarbeit in der Psychoanalyse gefunden.

Fazit

Die von Margret Tönnesmann verantwortete deutsche Ausgabe von Schriften Paula Heimanns bringt eine souveräne psychoanalytische Theoretikerin und Praktikerin in Erinnerung. Wer historisch interessiert ist, mag M. Holmes' Heimann-Biographie (2016) heranziehen, um deutlicher zu verstehen, warum die Analytikerin einmal ihren ersten Analytiker Paul Reik in einem Brief fragt, woher es kommt, „dass ich alles so anders sehe“ (Heimann 1933). Beziehungstheoretiker könnten der Frage nachgehen, ob sich in Heimanns Verständnis von Übertragung und Gegenübertragung nicht schon früh ein Mentalisierungskonzept findet (das nur noch nicht so heißt). „Normale“ Vertreterinnen und Vertreter der Psychoanalyse oder anderer psychodynamischer Psychotherapiekonzepte finden eine Fülle von Anregungen für ihr professionelles Denken und Handeln und nicht zuletzt die Ermutigung, „natürlich“ zu bleiben und aus ihren analytischen Erfahrungen eigene Schlüsse zu ziehen. Die Lektüre lohnt sich also für einen großen Leserkreis.

Die Herausgeberin Margret Tönnesmann ist zwei Jahre vor Erscheinen des Buchs im Alter von annähernd 90 Jahren gestorben (2014). Einen Hinweis darauf, verbunden mit einer kurzen Würdigung, habe ich vermisst.

Literatur

  • Heimann, P. (1933/2005). „… wie geht es zu, dass ich alles so anders sehe …?“ Ein Brief zur psychoanalytischen Technik an Theodor Reik (Berlin, 7. 2. 1933). Hg. von E.J. Rolnik. Luzifer-Amor. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse 18 (36): 7–15.
  • Holmes, M. (2016). Paula Heimann. Leben, Werk und Einfluss auf die Psychoanalyse. Gießen: Psychosozial-Verlag.

Rezensent
Helmwart Hierdeis
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Zitiervorschlag
Helmwart Hierdeis. Rezension vom 15.11.2018 zu: Paula Heimann (Hrsg.): Gegenübertragung und andere Schriften zur Psychoanalyse. Vorträge und Aufsätze aus den Jahren 1942-1980. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-608-94941-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22172.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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