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Herbert Winkens: Der Beitrag von Supervision zur Stärkung von Resilienz in der Jugendhilfe

Cover Herbert Winkens: Der Beitrag von Supervision zur Stärkung von Resilienz in der Jugendhilfe. Eine empirische Untersuchung der Risikofaktoren für Arbeitnehmer. Kassel University Press (Kassel) 2016. 209 Seiten. ISBN 978-3-7376-0190-0. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR, CH: 42,50 sFr.
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Thema

Im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe sehen sich Mitarbeitende und Führungskräfte einer Vielzahl an Erwartungen ausgesetzt. Zum einen sind es die KlientInnen selbst, die durch die Multiproblemlagen Ansprüche an die Fachkräfte stellen. Aber auch die Orientierung der Arbeit an gesellschaftlichen Vorstellungen und politisch gesetzlichen Vorgaben zu pädagogischen Förderungsprozessen und der Gestaltung und Umsetzung der Sicherung des Kindeswohls, stellt hohe Ansprüche an die Fachkräfte. Führungskräfte sehen sich aufgrund der wachsenden Wettbewerbssituation auch vermehrt mit ökonomischen Kriterien konfrontiert, die erfüllt werden müssen, um die Einrichtungen am Leben zu erhalten.

Diese Arbeitsbedingungen ließen den Autor des hier rezensierten Buches, Herbert Winkens, zum einen die Frage aufwerfen, welches Risiko- und Belastungsfaktoren für die Fachkräfte der Jugendhilfe sind. Zum anderen setzt sich der Autor mit der Frage auseinander, wie Supervision die Ausbildung, Aufrechterhaltung und Förderung der Resilienz von Mitarbeitenden und Führungskräften, sowie die Resilienz von Organisationen stärkt.

Autor

Herbert Winkens ist Supervisor MSc Dipl. Sozialpädagoge, Gestalttherapeut, Familientherapeut und Fachberater Psychotraumatologie. Winkens ist pädagogischer Leiter einer Jugendhilfeeinrichtung und leitet eine eigene Praxis für Supervision, Training und Coaching für die Jugendhilfe.

Entstehungshintergrund

Das hier rezensierte Buch ist die Veröffentlichung der Abschlussarbeit des Masterstudiengangs ‚Supervision und Coaching‘ der Fachhochschule Vorarlberg/Schloss Hofen, mit der Winkens seinen Titel Supervisor MSc erlangte.

Aufbau

Der Aufbau des Buches folgt dem klassischen Schema empirischer Arbeiten und enthält neben den Verzeichnissen für Tabellen und Abbildungen folgende Abschnitte:

  1. Einleitung
  2. Supervision
  3. Resilienz
  4. Jugendhilfe
  5. Belastungs- und Risikofaktoren
  6. Forschungsdesign
  7. Darstellung, Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
  8. Folgen für die Supervision im Arbeitsfeld Jugendhilfe
  9. Forschungsausblick

Inhalt

Nach einer Einleitung führt der Autor in einzelnen Abschnitten die zentralen Untersuchungsgegenstände Supervision und Resilienz ein. Unter Supervision wird ein komplexes Beratungsformat verstanden, das die Fachkräfte bildet und begleitet, indem es durch verschiedene methodische Ansätze die Anliegen der SupervisandInnen beleuchtet. Einen Fokus legt der Autor bei seinen Ausführungen auf die salutogenetische, ressourcenstärkende Perspektive auf Supervision. Auch der Resilienzbegriff wird differenziert eingeführt, indem die verschiedenen Verständismöglichkeiten des Untersuchungsgegenstandes und der aktuelle Stand der Forschung vorgestellt sowie ausgesucht Resilienzfaktoren aufgezählt werden.

Darauffolgend erörtert Winkens das Feld der Jugendhilfe sowie das dem Text zugrunde liegende Verständnis von Belastungs- und Risikofaktoren. Hier steht vor allem das Wachstum der Ansprüche an Mitarbeitende und Führungskräfte im Zentrum der Ausführungen des Autors. In diesem Rahmen stellt der Autor einige Belastungs- und Risikofaktoren sowie die jeweiligen Folgen für Mitarbeitende und Führungskräfte vor. Die betrachteten Faktoren sind

  • Qualitative und quantitative Ausweitung des Hilfebedarfs von KlientInnen
  • Ökonomisierung und geringe wirtschaftliche Ressourcen
  • Zunahme der Komplexität durch ansteigende Informationsmengen
  • Politische Steuerung von Jugendhilfeprozessen
  • Verdichtung und Beschleunigung von Hilfe- un d Arbeitsprozessen
  • Krankheit im Kontext beruflicher Risikofaktoren

Nach dieser theoretischen Einführung der Untersuchungsgegenstände und Begriffe folgt eine Darstellung des angewandten Forschungsdesigns.Herbert Winkens hat mittels Leitfadeninterviews mit ExpertInnen Daten nach dem Prinzip der qualitativen Sozialforschung erhoben. Der Autor stellt sowohl sein methodisches Vorgehen als auch die Fragen und Auswahl der Stichprobe ausführlich vor.

Die Ergebnisse werden analog zu den in den theoretischen Ausführungen eingeführten Untersuchungsgegenständen vorgestellt. So präsentiert Winkens zuerst die von ihm identifizierten Kategorien zu Belastungs- und Risikofaktoren, die von den befragten ExpertInnen benannt wurden. In einem zweiten Abschnitt führt Winkens häufig genannte Faktoren zur Stärkung der Resilienz durch Supervision an. Anhand dieser Ergebnisse beantwortet der Autor seine Forschungsfrage dahingehend, „dass Supervision in einer vielschichtigen, multimethodischen, mehrperspektivischen und reflexiven Art und Weise die Resilienz von Mitarbeitenden und Führungskräften der Jugendhilfe stärkt.“ (S. 160)

Zuletzt spricht der Autor einige aus dem Datenmaterial abgeleitete Empfehlungen für Supervision in der Jugendhilfe aus, bevor er im Forschungsausblick für weitere Untersuchungen im Themenfeld plädiert.

Diskussion

Winkens ermöglicht dem Leser einen Einblick in das von ihm betrachtete Themenfeld. Da das Buch die Veröffentlichung einer Abschlussarbeit ist, unterliegt es den Anforderungen empirischer Arbeiten. Dies bedeutet unter anderem, dass für die theoretischen Ausführungen zu den einzelnen Untersuchungsgegenständen nur limitiert Platz ist und dass die LeserInnen sich mit den Beschreibungen und Auswertungen des Datenmaterials konfrontiert sehen. Dem Autor gelingt es gut, in der vorgegebenen Kürze die Untersuchungsgegenstände Supervision, Resilienz und Jugendhilfe so zu beschreiben, dass die LeserInnen einen guten Überblick bekommen. Vor allem der empirische Teil der Arbeit und auch die Diskussion der Befunde kann für LeserInnen, die mit empirischen Arbeiten weniger vertraut sind, schwieriger zu lesen sein. Deshalb ist das Buch für LeserInnen, die mit diesem Publikationsformat vertraut sind, empfehlenswerter als für EinsteigerInnen.

Außerdem kann die Perspektive der Mitarbeitenden der Jugendhilfe vermisst werden. Winkens arbeitet mit Interviewmaterial von Führungskräften aus Jugendhilfeeinrichtungen, sodass die im Titel erwähnte Perspektive der ArbeitnehmerInnen eher einseitig ist. Da die Tätigkeitsbereiche und damit auch die Anforderungen an Supervision von Mitarbeitenden und Führungskräften sich durchaus unterscheiden, wird der Fokus der Arbeit durch den Titel nicht deutlich.

Fazit

Das Buch gibt einen guten und prägnanten Einblick in die untersuchten Themenfelder. Für LeserInnen, die sich tiefergehend mit der Thematik auseinandersetzen wollen, steht jedoch ein umfangreiches Literaturverzeichnis zur Verfügung. Vermisst wird bei der Perspektive der ArbeitnehmerInnen die Seite der Mitarbeitenden der Jugendhilfe, hier beschränkt sich der Autor auf Führungskräfte von Jugendhilfeeinrichtungen. Für LeserInnen aus dem wissenschaftlichen Bereich eröffnet das Buch interessante Perspektiven und kann Anregungen für weitere wissenschaftliche Untersuchungen liefern.


Rezensentin
Anne Wilcks
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Zitiervorschlag
Anne Wilcks. Rezension vom 04.08.2017 zu: Herbert Winkens: Der Beitrag von Supervision zur Stärkung von Resilienz in der Jugendhilfe. Eine empirische Untersuchung der Risikofaktoren für Arbeitnehmer. Kassel University Press (Kassel) 2016. ISBN 978-3-7376-0190-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22204.php, Datum des Zugriffs 24.11.2017.


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