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Nicole Adam: Pflegepersonen und demente Pflegeheimbewohner

Cover Nicole Adam: Pflegepersonen und demente Pflegeheimbewohner. Wissen, Einstellung und Pflegebereitschaft des Personals. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 124 Seiten. ISBN 978-3-658-16335-8. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

Das zentrale Element der Demenzpflege besteht aus den Interaktionen zwischen den Pflegenden und den Demenzkranken. Von der Qualität dieser Beziehung hängt überwiegend das Wohlbefinden der Erkrankten und zugleich auch die Leistungsqualität der Pflege und Betreuung ab, denn hier kommen sich zwei Menschen bei der Pflege und Betreuung körperlich und auch seelisch sehr nahe. Wenn hierbei die „Chemie“ nicht stimmt, dann können in der Regel die Pflege- und Betreuungsleistungen nicht angemessen erbracht werden und es drohen dann Ablehnung und teils auch Pflegeverweigerung, die oft mit verbaler und tätlicher Aggression seitens der überforderten Demenzkranken einhergehen. Eine zentrale Aufgabe der Einrichtung Pflegeheim besteht diesbezüglich darin, möglichst optimale Rahmenbedingungen für die Pflege und Betreuung zu gestalten. Doch der gegenwärtig bestehende Zeitdruck und die damit verbundene Hektik im Alltag der Pflege aufgrund des niedrigen Personalstandes kontrakarieren jedoch diesen Anspruch auf eine angemessene Demenzpflege.

Bei der vorliegenden Arbeit, eine Literaturrecherche zu diesem Themenbereich, handelt es sich um eine Masterarbeit an der Medizinischen Universität Graz aus dem Jahr 2015.

Autorin

Nicole Adam ist diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester. Zusätzlich hat sie die Qualifikation als Pflegewissenschaftlerin. Sie ist in einer Rehabilitationsklinik mit dem Schwerpunkt Querschnittpatienten tätig.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation ist in acht Kapitel untergliedert.

Kapitel 1 (Einleitung: Seite 1 – 10) thematisiert in knappen Worten die demografische Entwicklung, das Wissen, die Einstellung und die Pflegebereitschaft der Pflegenden und Informationen über die Demenz (Definition und Formen der Demenz, Alzheimer- und vaskuläre Demenz, Inzidenzen und Prävalenz der Demenz und die Kosten dieser Erkrankung). Anschließend wird der theoretische Rahmen der Recherche vorgestellt: die Theorie eines geplanten Verhaltens nach Ajzen mit den drei Faktoren „Einstellung zum Verhalten“, „subjektive Norm“ und „wahrgenommene Verhaltenskontrolle“. Forschungsziel und Forschungsfragen sind das Wissen, die Einstellung und die Pflegebereitschaft der Pflegenden im Pflegeheim zum Themenkomplex Demenz.

Kapitel 2 (Methode: Seite 11 – 18) skizziert das methodische Vorgehen: das Forschungsziel soll vermittels einer Literaturauswertung erfasst werden, wobei folgende Einschränkungen vorgenommen werden: englische und deutschsprachige Fachliteratur im Zeitraum von 2004 bis 2014. Es werden in Gestalt von graphischen Abbildungen u.a. die verwendeten Datenbanken (u.a. PubMed), die Stichworte („Keywords“) für die Internetrecherche angeführt. Des Weiteren wurde eine „Handsuche“ in den Referenzlisten durchgeführt. Insgesamt wurden 16 Beiträge herausgefiltert.

Kapitel 3 (Ergebnisse: Seite 19 – 34) beschreibt die Rohdaten der Literaturrecherche: Es sind insgesamt 16 Aufsätze für die Studie ausgewählt worden, zehn zum Themenfeld Wissen über Demenz bei den Pflegenden, drei zum Themenfeld Einstellung zum Arbeitsbereich Demenzpflege und drei zum Themenfeld Pflegebereitschaft. Die 16 Erhebungen werden tabellarisch und knapp mit den Punkten „Autor/Jahr/Land“, „Ziel“, „Population/Setting“, „Methode/Design“ und „Ergebnis“ dargestellt.

Kapitel 4 (Diskussion: Seite 35 – 46) fasst wesentliche Ergebnisse der Literaturrecherche zusammen. Zum Themenfeld „Wissen über Demenz“ sind folgende Aspekte angeführt: teils fehlendes Wissen über die Wahrnehmung und Einordnung des Schmerzempfindens bei Demenzkranken, Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit Demenzkranken und der Deutung ihres nonverbalen Verhaltens; mangelndes Wissen führt oft zu Stress- und Überforderungsempfindungen und beeinträchtigt auch demgemäß die Arbeitszufriedenheit. Unzureichende Pflege- und Betreuungsleistungen werden auch teils mit fehlenden Kenntnissen der Mitarbeiter erklärt. Zum Themenfeld „Einstellung zu Demenzkranken“ ist Folgendes angegeben: Es herrscht eine positive Einstellung gegenüber den Demenzkranken seitens der Pflegenden vor, die zum Wohle der demenzkranken Heimbewohner und zugleich auch zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beiträgt. Zum Themenkomplex „Pflegebereitschaft Demenzkranker“ weisen die Studien auf den Zusammenhang zwischen Pflegebereitschaft und Berufserfahrung hin. Je länger die Pflegenden bereits in der Pflege beschäftigt sind, umso mehr Kompetenzen haben sie in der Pflege und Betreuung Demenzkranker entwickelt. Zum Abschluss werden die Ergebnisse im Kontext des Bezugsrahmens in Anlehnung an Ajzen gestellt und kurze Empfehlungen für die weitere Forschung und die Praxis formuliert.

Kapitel 5 – 8 bestehen aus dem

  • Literaturverzeichnis (Seite 47 – 56),
  • Anhang 1 (Suchprotokolle der Literaturrecherche: Seite 57 – 60),
  • Anhang 2 (Bewertung der quantitativen Studien: Seite 61 – 116) und
  • Anhang 3 (Bewertung der qualitativen Studien: Seite 117 – 124).

Diskussion und Fazit

Es liegt eine Qualifizierungsarbeit mit dem Themenschwerpunkt Pflegender im Umgang mit Demenzkranken mittels einer eingeschränkten Literaturrecherche im Internet vor. Anhand von nur 16 Untersuchungen werden recht allgemeine Annahmen formuliert, die dem Wissensstand auf diesem Arbeitsfeld nicht widersprechen. Neue Erkenntnisse oder Perspektiven können in diesem Kontext nicht erwartet werden.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 07.07.2017 zu: Nicole Adam: Pflegepersonen und demente Pflegeheimbewohner. Wissen, Einstellung und Pflegebereitschaft des Personals. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-16335-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22222.php, Datum des Zugriffs 17.06.2019.


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