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Elke Schleth-Tams: Stark durch Resilienztraining

Cover Elke Schleth-Tams: Stark durch Resilienztraining. Belastbarkeit in der Ausbildung und im Berufsalltag entwickeln. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2016. 150 Seiten. ISBN 978-3-427-40171-1. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Die Resilienz von in der Ausbildung bzw. im Berufsleben stehenden Erzieher/innen steht im Fokus dieser Veröffentlichung. Die Stärkung der eigenen psychischen Widerstandskraft oder die Erweiterung der Beratungskompetenz zum Themenkomplex zu erhöhen ist das Ziel dieses Buches.

Autorin

Elke Schleth-Tams ist ausgebildete Erzieherin und Fachberaterin für Tageseinrichtungen für Kinder. Bei ihrer Lehrtätigkeit in der Erzieherausbildung (Fachschule Sozialpädagogik) bringt sie ihre weitreichenden Erfahrungen ein. Als Praktikerin kennt sie sich im Feld bestens aus und hat sich mit dem Thema der Persönlichkeitsbildung in der Ausbildung schon lange beschäftigt. Sie sieht klar die Notwendigkeit, mit Resilienztrainings in Ausbildung und Studium jungen Menschen zur Seite zu stehen.

Entstehungshintergrund

Der Wandel in den familialen Lebensformen spiegelt sich oft bei Kindern wieder, die als Symptomträger/innen „herausforderndes Verhalten“ zeigen. Damit sind Erziehungsprofis in den Tageseinrichtungen direkt konfrontiert. Sie kommen zunehmend dabei an die eigenen Grenzen. Teilweise stellen auch Eltern mit ihren diversen Problemlagen hohe Ansprüche an die Mitarbeiter/innen von Kindertageseinrichtungen. Je mehr im familialen Feld Wertschätzung und Respekt abhanden komme, desto deutlicher werde die Notwendigkeit, diese Qualitäten im pädagogischen Fachbezug zu vermitteln, so Schleth-Tams. Dies kann wiederum nur erfolgen, wenn diese Fachpersonen selbst in sich ruhen und sich nicht von stressigen Umständen mit- und hinreißen lassen. Kinder und Jugendliche haben so die Chance, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, was wiederum deren eigene Resilienz fördert!

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei Teile:

  1. Teil 1 „Resilienz – der Schlüssel zur psychischen Widerstandskraft“ schafft die theoretische Grundlage: Persönlichkeitsentwicklung als Basis allen professionellen Tuns, die thematische Verankerung im Lehrplan, Erkenntnisse der Neurowissenschaften, die Auswirkungen mangelnder Resilienz und potentielle Stärkung von Resilienz in Bildungsprozessen werden beschrieben.
  2. Im Praxisteil werden auf der Grundlage eines 7-Säulen-Modells sieben Resilienzfaktoren vorgestellt. Zu jedem Faktor finden sich jeweils sieben oder acht Wochenimpulse. Jeder Wochenimpuls widmet sich einem konkreten Aspekt des Resilienzfaktors. Z. B. lautet zum Resilenzfaktor „Akzeptanz“, ein Wochenimpuls „Akzeptieren Sie sich selbst“. Dazu findet sich auf der entsprechenden Seite eine konkrete Aufgabenstellung, incl. Platz für Eintragungen direkt ins Buch. So geht es dann immer weiter, bis man am Ende des Buches für 53 Wochen, also über ein Jahr hinweg, sein ganz persönliches Trainingsprogramm durchlaufen kann. Die Leserin/der Leser kann so ein persönliches „Wochentagebuch“ entwickeln, das alle Überlegungen an einem Ort beisammenhält.

Es findet sich noch ein Literaturverzeichnis, das Grundlagenwerke übersichtlich zusammenführt.

Der Aufbau des Werks mit Untertiteln:

1. Resilienz – der Schlüssel zur psychischen Widerstandskraft

  1. Persönlichkeitsentwicklung ist die Voraussetzung
  2. Wie ist Resilienz im Lehrplan der Erzieherausbildung verankert?
  3. „Resilienz ist lernbar“, sagt die Neurowissenschaft
  4. Was mangelnde Resilienz bewirkt
  5. Wie die Aus- und Weiterbildung Resilienz stärken kann

2. Praxisteil

  1. Optimismus – 8 Wochenimpulse
  2. Akzeptanz – 8 Wochenimpulse
  3. Lösungsorientierung – 7 Wochenimpulse
  4. Selbstwirksamkeit – 8 Wochenimpulse
  5. Netzwerken – die „Wir“-Intelligenz – 7 Wochenimpulse
  6. Verantwortung – 7 Wochenimpulse
  7. Zukunftsplanung – 8 Wochenimpulse

Ausgewählte Inhalte

Aus dem ersten Teil des Buches wird an dieser Stelle das Kapitel 1.5 auszugsweise dargestellt. Es bezieht sich auf die Frage, wie die Aus- und Weiterbildung Resilienz stärken kann. Schleth-Tams richtet sich neben den Rahmen- und Gestaltungsbedingungen auf Träger-, Politik- und Gesellschaftsebene an die Selbstkompetenz der angehenden Fachkräfte. Sie fokussiert auf die Änderung von Einstellungen und Verhaltensweisen. Der Einsatz von Resilienztrainings während der Ausbildung wird als Teil einer fundierten Burnout-Prophylaxe gesehen und kann u.a. folgende Inhalte umfassen:

  • wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation;
  • mit Stärken arbeiten;
  • Achtsamkeitsmeditation;
  • Bewegung/Yoga;
  • gesunde Ernährung;
  • Philosophieren.

Fachkräfte sollen so von Anfang an lernen, mit den Anforderungen des beruflichen Alltags besser umzugehen. Schleth-Tams sieht hierfür eine grundsätzliche Notwendigkeit, da die Aufgaben in ihrer Komplexität und hinsichtlich ihres Anforderungsniveaus stetig steigen und zunehmende Flexibilität erfordern. Strukturelle Mängel haben eine zusätzliche verschärfende Wirkung, so dass die Balancierung der eigenen Gesundheit eine wichtige Grundlage für die Arbeit bildet: „Gesunde pädagogische Fachkräfte haben mehr Ressourcen, die ihnen bei der Arbeit mit Kindern zur Verfügung stehen. Wenn Menschen in Balance sind oder Kenntnisse darüber haben, wie sie sich gut in die Balance bringen können, trägt dies zu einer guten zwischenmenschlichen Atmosphäre bei, die sich in diesem Falle positiv auf Kinder und Jugendliche übertragen kann und psychisch gesund hält.“

Die Autorin verbindet das Beste aus zwei Welten: Positive Psychologie und Resilienztraining. Die Entwicklung einer entsprechenden Haltung bei den in Ausbildung befindlichen Fachkräften, ist ihr Credo. Sie schafft es gleichzeitig auch, die Relevanz der Thematik auf das direkte professionelle Agieren im Feld zu übertragen, so dass die resiliente Haltung der Profis kein „Tüpfelchen“ auf dem i darstellt, sondern zu einem „must have“ wird.

Mit Hilfe des Beispiels „Elterngespräche“ kommt sie zu folgendem Schluss: „Es ist jedoch zu bedenken, dass man als sozialpädagogische Fachkraft, … in der pädagogischen Arbeit möglicherweise mit Eltern konfrontiert wird, die wenig Interesse an der Arbeit zeigen, Kritik äußern und insgesamt schwer erreichbar und nicht zur Zusammenarbeit bereit sind. Dann ist es wichtig, dass man sich als sozialpädagogische Fachkraft seiner Stärken und Resilienz bewusst ist.“ Für die im Ausbildungskontext zu führenden Gespräche bietet sich laut Schleth-Tams ein strukturiertes Beratungsverfahren an, das sich in acht Phasen gliedert. Dies wird sehr anschaulich und detailliert in einer Tabelle dargestellt und fundiert begründet. Explizites Ziel ist, die angehende Fachkraft als Gestalter.in des eigenen Lernprozesses zu verstehen, die für den Verlauf desselben Verantwortung übernimmt, sich / ihr Tun zu reflektieren versteht.

Diskussion

Schleth-Tams gelingt es, ein facettenreiches Thema prägnant, gut strukturiert und didaktisch ansprechend aufbereitet (Fotos, Skizzen, farbliche Hervorhebungen, Kästen, Beispiele etc.) zu präsentieren. Sie bezieht gängige Bilder (Schilfrohr, Eiche) ein und diskutiert auch das Konzept der Salutogenese von Antonovsky. Es bietet solide Kenntnisse und machbare praktische Impulse. Es kann ein kontinuierlicher Begleiter in der Ausbildung und im Selbststudium sein. Da explizit Platz für eigene Eintragungen vorgesehen ist, lädt es ausdrücklich zur Bearbeitung und persönlichen Aneignung ein und kann auch gut den eigenen Entwicklungsgang dokumentieren.

Aufgrund des hohen Grades an Lösungsorientierung ist es durchaus vorstellbar, dass dieses Buch gerade auch junge Leute in der Ausbildung dabei hilft, ihre Motivation zu stärken. „Alten Hasen“ erfahren Anregungen, wieder für sich „in die Spur“ zu finden. Denn: gerade aufgrund der großen – und teilweise besorgniserregenden Entwicklungen im familialen Feld und der betroffenen Kinder, können Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit entstehen, die auch auf Erziehungsprofis sehr belastend wirken können.

Fazit

Stark durch Resilienztraining – Belastbarkeit in der Ausbildung und im Berufsalltag entwickeln, bietet sehr gut nachvollziehbare Informationen zum Themenkomplex Resilienz. Das Buch wendet sich an Erzieher/innen in der Ausbildung bzw. bereits berufstätiges pädagogisches Fachpersonal. Es setzt am aktuellen Handlungsbezug mit seinen Herausforderungen an und bietet entsprechend konkrete Anregungen. Diese können zur Selbstreflexion (eigene Persönlichkeitsbildung) und zur Gestaltung des eigenen professionellen pädagogischen Bezugs einen hohen Nutzen entfalten: sie sind stark lösungsorientiert ausgerichtet, ohne in rezeptartige Verschreibungen zu verfallen.

Die Aufteilung in einen Theorie- und einen Praxisteil, ist sehr übersichtlich und gelungen. Die Grundlage bildet ein Resilienz-Modell mit folgenden sieben Säulen: Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Selbstwirksamkeit, Netzwerken, Verantwortung, Zukunftsplanung. Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft, zu Schutz- und Risikofaktoren und zu Veränderungspotentialen/Trainierbarkeit von Resilienz werden gut verständlich aufbereitet.

Der Praxisteil ist so aufgebaut, dass für jeden Wochenimpuls eine Seite bereitsteht. Diese Aufbereitung verdeutlicht, dass die Aufgaben machbar sind. Der Ansatz, ein Training über ein Jahr hinweg zu konzipieren, zeugt von einem fundierten Verständnis von Resilienz, das eben auch die Arbeit an der eigenen Haltung bedeutet. Und die braucht eben Zeit. Die ansprechende Gestaltung macht Lust, sich mit den Inhalten zu beschäftigen.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Ines Polzin
Prozessberaterin für KMU im Förderprogramm unternehmensWert:Mensch, Resilienz-Coach/-Trainerin
Homepage www.inespolzin.de
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Zitiervorschlag
Ines Polzin. Rezension vom 21.07.2017 zu: Elke Schleth-Tams: Stark durch Resilienztraining. Belastbarkeit in der Ausbildung und im Berufsalltag entwickeln. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2016. ISBN 978-3-427-40171-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22232.php, Datum des Zugriffs 22.10.2017.


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