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Friedrich Vogelbusch: BWLSozial - Entwicklung einer modernen Managementlehre für Sozialunternehmen

Cover Friedrich Vogelbusch: BWLSozial - Entwicklung einer modernen Managementlehre für Sozialunternehmen. interim2000 (Köln) 2017. 252 Seiten. ISBN 978-3-00-054111-7. 29,50 EUR.
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Thema

Die Monographie bietet einen historischen bzw. ideengeschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre als Wissenschaft. Dargestellt werden Ansätze der klassischen BWL, ausgewählte Konzeptionen interdisziplinärer Managementlehren sowie erste Ansatzpunkte von Sozialwirtschaftslehren.

Aufbau und Inhalt

Das Werk setzt sich zusammen aus vier Hauptteilen:

  • Teil 1 widmet sich der „Entwicklung der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre“.
  • Teil 2 befasst sich mit der „Erweiterung und Vertiefung des Blickwinkels“ und der „Berücksichtigung anderer Disziplinen für neue Fragestellungen“.
  • Teil 3 greift „Ausdifferenzierung der Betriebswirtschaftslehre hin zu einer speziellen Managementlehre für Sozialunternehmen“ auf.
  • Teil 4 enthält das „Ergebnis und Fazit“.

Im ersten Teil bietet der Autor gewissermaßen einen „Crash-Kurs“ zur Historie der klassischen Betriebswirtschaftslehre (BWL). Ausgehend von einer kompakten Verortung der BWL als wissenschaftliche Disziplin, werden 4000 Jahre alte erste Wurzeln bereits für die Antike und weiter dann im Mittelalter über Ansätze der italienischen Kaufmannskunst bis hin zur Industrialisierung beschrieben. Dem folgt dann quasi ein „Who is who“ der Betriebswirtschaftslehre. Nahezu allen Vätern und Mitbegründern der BWL (z.B. Schmalenbach, Rieger, Mellerowicz, Kosiol, Gutenberg, Albach, Heinen) widmet der Autor ein bis zweiten Seiten Raum, um deren zentralen Beitrag einerseits kurz vorzustellen, in Umrissen zu würdigen sowie auch Bezüge untereinander aufzuzeigen (z.B. „Methodenstreit“). Der eilige Leser, der grob erfahren möchte, auf welchen Denkern und Ansätzen die klassische BWL fußt, wird hier trotz der komprimierten Darstellung bestens bedient.

Der zweite Teil steht im Zeichen der Abkehr vom klassisch betriebswirtschaftlichen Denken der zuvor beschriebenen Gründungsväter. Im Kern wird hier historisch nachgezeichnet, wie die BWL zu der geworden ist, als die wir sie heute kennen, nämlich eine Managementlehre. BWL wird als verhaltenswissenschaftlich ausgerichtete Sozialwissenschaft vorgestellt, was dem Autor wiederum mit Bezug auf entsprechende Wissenschaftler wie Simon, Ulrich oder auch Coase und Williamson in kurzweilig lesbarer Form gelingt. Es wird deutlich, wie und aufgrund welcher Forschungsbemühungen weichere Teildisziplinen wie Personal- und Organisationslehren einerseits, aber auch Marketing und Controlling andererseits die Forschungsperspektiven der BWL ergänzten. Während bei den genannten Teildisziplinen die ökonomische Grundorientierung meistenteils noch gut erkennbar ist, wird sie bei der Öffnung für „vor-finanzielle … Aspekte“ (Unternehmensethik, Corporate Social Responsibility etc.) zunehmend unscharf und steht nicht zuletzt auch stellvertretend für eine Berücksichtigung von weiteren mutmaßlichen Modethemen.

In Teil 3 wird der Kerngedanke des Buchtitels explizit aufgegriffen, in dem es hier darum gehen soll, die „Ausdifferenzierung der Betriebswirtschaftslehre hin zu einer speziellen Managementlehre für Sozialunternehmen“ aufzuzeigen. Wer aufgrund des Titels des Buches sich mit dem Text beschäftigt, der wird i.e.S. erst hier im dritten Teil fündig. Dabei geht der Autor angesichts der Hauptüberschrift einerseits von einem erweiterten Verständnis von Sozialunternehmen aus, in dem er mit Bezug auf die Gebrüder Eichhorn sowohl Krankenhäuser (Krankenhausbetriebswirtschaftslehre) und damit den Gesundheitssektor als auch den öffentlichen Sektor (Öffentliche Betriebswirtschaftslehre) als Teil des Sozialbereichs begreift. Andererseits widmet er der BWL für Sozialunternehmen als „Sozialmanagement“ einen eigenen Abschnitt. Aufgrund der Vorarbeiten der ersten beiden Teile wird es auch dem nicht grundständig betriebswirtschaftlich ausgebildeten Leser leicht fallen, die Anwendung des betriebswirtschaftlichen Vokabulars auf den Sozialbereich nachzuvollziehen. Dass die „Dienstleistungsbetriebswirtschaftslehre“ auf einer Gliederungsebene mit den oben genannten Ausdifferenzierungen behandelt wird, verkennt die Gegebenheit, dass alle im dritten Teil behandelten Ausdifferenzierungen (Krankenhäuser, öffentliche Verwaltungen, NPO, Verbände) in letzter Konsequenz (nur) Spezialfälle von Dienstleistungsbetrieben darstellen.

Managementmodellen für NPOs wird folgend ein eigener größerer Abschnitt gewidmet. Behandelt werden darin das St. Galler, das Freiburger, das Darmstädter Management-Modell sowie „Management-Modelle mit explizit theologischen Dimensionen“. Während die erstgenannten durch ähnliche Schriften zum Sozialmanagement als hinreichend bekannt gelten können, bringt der Autor mit Modellen für ein „christliches Unternehmen“ (Jäger und Lohnmann) dem Leser auch ggf. weniger bekannte Ansätze näher. Der dritte Teil schließt mit einer nach Jahreszahlen gestaffelten historischen Übersicht zur Entwicklung einer Betriebswirtschaftslehre für Sozialunternehmen sowie einer weiteren mit einschlägigen Fach- und Lehrbüchern.

Der 4. Teil ist mit „Ergebnis / Fazit“ betitelt. Während in den ersten drei Etappen die einzelnen Wissenschaftler, Denkschulen und Modelle zwar geordnet, aber vorwiegend nebeneinander dar- und vorgestellt wurden, geht es im letzten Teil darum, diese Inhalte rückblickend als zusammenhängende Entwicklung zu beschreiben. Ausgehend von einer tabellarischen Übersicht zur „Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre hin zu einer Managementlehre für Sozialunternehmen“ werden die zentralen Fäden des Buches noch einmal aufgenommen und im Hinblick auf die BWL für Sozialunternehmen gewürdigt. Der Autor weist dabei insbesondere dem Controlling, der Systemtheorie und dem Qualitätsthema ein hervorstehende Relevanz für Sozialunternehmen zu.

Diskussion und Fazit

In den letzten Sätzen des Buches formuliert der Autor die Hoffnung, dem betriebswirtschaftlich interessierten Manager einen Überblick über die Entwicklungen seines Faches (der BWL) zu geben. Diese Hoffnung wird erfüllt. Das Buch stellt einen gelungen kompakt gehaltenen Streifzug durch die Geschichte der Betriebswirtschaftslehre dar, der den Leser mit den wichtigsten Köpfen und Konzepten vertraut macht. Auch für BWL-Studenten, die nicht gerade im Hauptfach das Modul „Ideengeschichte der BWL“ belegt haben, dürfte das Buch einen lesenswerten Überblick bieten. Wer angesichts des Titels allerdings im Schwerpunkt eine Darlegung mit im engeren Sinne sozialwirtschaftlichen Inhalten erwartet, muss sich fast bis zum Ende gedulden und erhält auch hier – gemessen am Buchtitel – eher wenig Input.

Summa summarum: Ein empfehlenswertes Buch, nur die Titelwahl erscheint etwas unglücklich.


Rezensent
Prof. Dr. Michael Mroß
Professur für Sozialmanagement, insbes. Organisation und Personalmanagement in der Sozialwirtschaft, Technische Hochschule Köln - TH Köln
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Zitiervorschlag
Michael Mroß. Rezension vom 27.02.2018 zu: Friedrich Vogelbusch: BWLSozial - Entwicklung einer modernen Managementlehre für Sozialunternehmen. interim2000 (Köln) 2017. ISBN 978-3-00-054111-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22243.php, Datum des Zugriffs 22.06.2018.


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