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Katrin Alt: Mit Kindern Bilderbuchwelten vielfältig entdecken

Cover Katrin Alt: Mit Kindern Bilderbuchwelten vielfältig entdecken. Basiswissen & Praxisideen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 127 Seiten. ISBN 978-3-407-72748-0. D: 18,95 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 26,80 sFr.
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Thema

Die positive Wirkung von Bilderbuchbetrachtungen auf die kindliche Entwicklung und besonders auf die Entwicklung der Sprachfähigkeiten ist Gegenstand dieses Buches. Durch Studien wird belegt, dass regelmäßiges Vorlesen unterstützt durch begleitende Gespräche und kreative Angebote, sich förderlich auf die Bildung und Entwicklung der Kinder auswirken.

Das vorliegende Buch vermittelt kompaktes Basiswissen und gibt fachlich fundierte praktische Anregungen für die Umsetzung in den Kita Alltag.

Im Praxisteil werden konkrete Bilderbücher vorgestellt. Anhand dieser Bilderbücher entfalten sich modellhaft Praxisideen die jeweils mit Theorien verknüpft sind.

Autorin

Katrin Alt ist Dipl. Pädagogin und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Bremen beschäftigt sie sich mit sprachlicher und literarischer Bildung im Elementarbereich.

Entstehungshintergrund

Frau Alt hat bei der Entwicklung dieses fundierten Praxisratgebers mit verschiedenen Kitas zusammengearbeitet. Durch ihre wissenschaftliche Tätigkeit hat sie unter anderem Kontakte zum Institut für Bilderbuchforschung der Universität Bremen. Praxiserfahrungen konnten so mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpft werden.

Aufbau

Das broschierte Buch im Format 16,6 x 24,1 x 1,1cm umfasst 128 Seiten. Die Grundstruktur besteht aus zwei Teilen, Basiswissen und Praxisideen. Der größte Teil des Buches befasst sich mit praktischen Anregungen, die theoretisch begründet und erklärt werden.

Inhalt

Der erste Teil, der sich mit dem Basiswissen beschäftigt untergliedert sich in die Kernbereiche:

  • Gespräche mit Kindern
  • Methoden(wechsel) im Gespräch
  • Gespräche über Bilderbücher initiieren

Der erste Teil des Buches umfasst 23 Seiten. Es wird beschrieben welche Gespräche in der Kita stattfinden können und welche Aspekte es jeweils zu beachten gibt. Hierbei wird sowohl auf die Raumgestaltung als auch auf Gesprächsregeln und Grundsätze, die für eine Gesprächsführung wichtig sind eingegangen. Die Theorien von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun werden nicht nur beschrieben, sondern es entstehen Ableitungen und die Erkenntnisse werden auf die Arbeit mit Kindern übertragen. Watzlawick beschreibt, dass Kommunikation und Wahrnehmung die Grundlage für unsere Verständigung untereinander sind. Schulz von Thun hat mit dem Kommunikationsquadrat zur Veranschaulichung beigetragen.

Die Pädagogen werden mit beispielhaften Fragen dazu angeregt, ihre eigene Gesprächskultur zu reflektieren. Tabellen fassen zusammen, listen Grundsätze und praktische Beispiele auf und bilden eine Zusammenfassung von wichtigen Punkten für das Gelingen von Gesprächen in der Kita.

Im nächsten Abschnitt wird auf die Möglichkeiten des Methodenwechsels bei Gesprächen mit Kindern eingegangen. Kinder haben oft nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und unterschiedliche Gesprächsformen können helfen, dass die Kinder länger interessiert bleiben. Auf zwei Formen wird genauer eingegangen, das DAB- Prinzip (Denken-Austauschen-Besprechen) und die Redekette, bei der die Bezugnahme der Kinder untereinander im Vordergrund steht. Beide Modelle werden praxisnah erklärt.

Der letzte Teil des Basiswissens schafft eine Überleitung zum Praxisteil, indem er auf die vielfältigen Möglichkeiten hinweist, die Bilderbücher bieten, um Gespräche anzustoßen.

Die verwendete Literatur des Basis Teils wird zum Abschluss aufgelistet.

Die jetzt folgenden Praxisideen sind in fünf Abschnitte untergliedert:

  1. Erzählfähigkeiten entwickeln
  2. Dialogisches Vorlesen
  3. Philosophieren mit Kindern
  4. Literacy- Erfahrungen
  5. Mehrsprachigkeit

Zu Beginn jedes Bereiches steht ein Zitat, es folgt eine Einführung in das Thema, mit Blick auf die Besonderheiten, die sich für die Bilderbuchbetrachtungen ergeben. Praktische Tipps, zusammengefasst in übersichtlichen Punkten und Literaturhinweise runden diese Ausführungen ab. Daraufhin kommt der Bilderbuchteil. Zu jedem Abschnitt werden jeweils fünf Bilderbücher angeführt, die Beispielhaft den Fokus besonders auf das jeweilige Thema setzen. Insgesamt werden so 25 Bilderbücher vorgestellt und jeweils unter folgenden Aspekten erörtert:

  • Über das Buch
  • Sprachliche Anregungen
  • Ästhetische Anregungen
  • Inhaltliche Vertiefung

Der Abschnitt „Erzählfähigkeit entwickeln“ erläutert wie das faktuale und das fiktionale Erzählen bei Kindern mit Hilfe von Bilderbüchern gefördert werden kann. Literarische Strukturen wie Rhythmus, Wendepunkte und Reihungen sowie Bilderbücher ohne Text, eignen sich, um die Erzählfähigkeit von Kindern zu fördern. Für diesen Einsatzbereich wurden Bücher wie zum Beispiel: „Der rote Regenschirm“ von I.&D. Schubert ausgewählt.

Das „Dialogische Vorlesen“ stellt den Dialog mit den Kindern in den Vordergrund. Damit Bilderbuchbetrachtungen besonders sprachbildend wirken, ist es erforderlich, dass das Kind durch eigenes Erzählen Verbindungen zwischen sich und der Geschichte herstellen kann. Die Orientierung an den sprachlichen Entwicklungszonen empfiehlt Kinder nicht nur auf der aktuellen Entwicklungsstufe anzuregen, sondern im Sinne von Leo Wygotski die Impulse so anzubieten, dass das Kind „auf der Stufe der nächsten Entwicklung“(Leo Wytgotski 1987) angesprochen wird. Je nach Entwicklungsstand stehen unterschiedliche Entwicklungsaufgaben bei der dialogischen Bilderbuchbetrachtung im Fokus. Für jüngere Kinder bietet sich zum Beispiel das Bilderbuch „Guten Morgen, Karlchen!“ von R.S. Berner an. Es greift „Guck-Guck-Spiele“ auf und regt zum Versteckspiel an. Dies bietet vielfältige Gesprächsanlässe.

Beispielhaft wird hier das Kapitel „Philosophieren mit Kindern“ etwas näher erläutert. „Staunen veranlasste zuerst-wie noch heute-die Menschen zum Philosophieren.“ (Aristoteles).

Philosophische Gespräche in Kitas ermöglichen einen Rollentausch. Die Erzieher/innen als Wissensvermittler/innen begeben sich auf das Kenntnisniveau der Kinder. Die großen philosophischen Fragen sind nicht abschließend zu beantworten und fordern zu Diskussionen heraus. Erwachsene und Kinder beschäftigen sich hierbei mit Themen auf die es keine allgemeingültigen Antworten gibt. Impulsfragen können helfen diese Gespräche in Gang zu setzen und zu strukturieren. Beispiele: „Was meinst du, wenn du … sagst?“ oder „Könnte es auch ganz anders sein?“. Es werden auch Fragen aufgeführt die die Bezugnahme der Kinder aufeinander fördern sollen. Beispiel:„Was sagst du dazu?“ Oder „Hat jemand etwas Ähnliches oder etwas ganz Anderes gedacht?“. Beim Philosophieren mit Kindern werden ihre grammatischen und syntaktischen Fähigkeiten sowie ihre dialogischen und argumentativen Fertigkeiten angeregt. Der Einstieg in ein philosophisches Gespräch kann durch ein Bilderbuch erleichtert werden. Hier ist es jedoch erforderlich, geeignete Bücher auszuwählen, die:

  • ein offenes Ende haben,
  • Fragen aufwerfen,
  • Widerspruch auslösen,
  • Raum für Zweifel lassen,
  • nicht moralisieren.

Wichtig ist die Offenheit eines Buches. Leerstellen und Deutungsspielräume haben Aufforderungscharakter und fordern auf Stellung zu nehmen.

Das methodische Vorgehen bei einer Bilderbuchbetrachtung, die zum Ziel das philosophische Gespräch hat, untergliedert sich in vier Punkte:

  1. Vorlesen des Buches / bzw. von Ausschnitten
  2. Gesprächsrunde
  3. Ästhetischer oder kinästhetische Zugang – zur Vertiefung und um Kindern, die sich nicht/oder noch nicht sprachlich differenziert ausdrücken können Teilhabemöglichkeiten anzubieten
  4. Metagespräch „Welche Fragen sind offen geblieben?“

An Hand von fünf Bilderbüchern wird praxisnah mögliches Vorgehen erarbeitet. Diese Ideen lassen sich variieren und auf andere geeignete Bücher übertragen.

Bilderbücher dieses Kapitels mit möglichen Gesprächsthemen sind:

Bilderbuch

Themen dieses Bilderbuches

Steinsuppe von A. Vaugelade

Vorurteile, Gemeinschaft, Zugehörigkeit

Was war zuerst da? K. Boie/P. Wachter

Die Welt infrage stellen, sich auf den Weg machen, Neues zu entdecken, auf Unerwartetes stoßen

He Duda von J.Blake/A.Scheffler

Identität, Zugehörigkeit, ein Held sein

Wo ist mein Hut? von J. Klassen

Verlust, Diebstahl, Rache und Gewalt, Gut und Böse

Das platte Kaninchen von B. Oskarsson

Tod, Beerdigungen, Leben nach dem Tode, Was soll mit einem toten Tier passieren?

Zu jedem der hier aufgeführten Bilderbücher werden nicht nur sprachliche Anregungen und inhaltliche Vertiefungen, sondern auch kreative Vorschläge (ästhetische Anregungen) aufgezeigt.

Der Abschnitt, der sich mit „Literacy-Erfahrungen“ befasst greift drei Bereiche auf: die Entwicklung von Sprach-, Schrift- und literarischen Erfahrungen. Für das ganzheitliche Lernen bieten sich hier besonders das Verknüpfen zwischen Geschichten und Rollenspielen (szenische Darstellungen, Handpuppen, Stabpuppen, Schattentheater) an. Das Bilderbuch „Frederik“ von L. Lionni eignet sich hier zum Beispiel sehr gut. Im Abschnitt ästhetische Anregungen findet man hierzu eine Anleitung zum Schattenspiel.

Mit einem eigenen Kapitel wird auf den Punkt „Mehrsprachigkeit“ eigegangen. Kinder profitieren von Mehrsprachigkeit in unterschiedlichen Entwicklungsbereichen. Quantität und Qualität der Sprachkontakte spielen hier eine wichtige Rolle. Mehrsprachige Bilderbücher werten die Erstsprache von Familien auf und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Kommunikation. Als Bilderbuch bietet sich zum Beispiel an „Rück mal ein Stück!“ von Y. Iwata. Das Buch ist zweisprachig aufgebaut und ist in Verbindung mit Deutsch in vielen verschiedenen Sprachen (arabisch, persisch, urdu, bulgarisch, albanisch, bosnisch, kurdisch und weitere Sprachen) erhältlich.

Zum Schluss des Gesamtbuches wird noch einmal darauf verwiesen, dass Bilderbuchbetrachtungen für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft enorm wichtig sind. Sie fördern die Entwicklung der Perspektivenübernahme und Empathie. Sie wirken sprachbildend und unterstützen Vorläuferfunktionen für den Schriftspracherwerb. Zeit und Ruhe sind wichtig um in Kitas „Räume“ zu finden, Bilderbücher nicht nur vorzulesen, sondern die Bilderbuchwelten ganzheitlich zu erfassen und zu erobern.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist leicht verständlich geschrieben. Durch die ansprechende Gestaltung, farbliche Markierungen, Absätze, Infokästen und Zusammenfassungen ist es angenehm zu lesen. Der interessierte Leser kann sich schnell orientieren, ohne das Buch von Anfang bis zum Ende durchzulesen. Besonders gut ist es gelungen, die Basisinformationen auf das Wesentliche zu beschränken, ohne Entscheidendes auszulassen. Die gut gewählten Literaturverweise geben Informationen, um sich näher mit einer speziellen Thematik zu beschäftigen.

Der anfangs sehr knapp erscheinende Theorieteil wird erstaunlicherweise durch die Praxisideen zu einem umfangreichen Wissensportal. Alle Praxisideen werden fundiert fachlich aufbereitet und zwar so, dass das Kernthema „Bilderbuchwelten vielfältig entdecken“ immer im Fokus bleibt. Durch die klare Strukturierung gelingt es, die Anregungen flexibel einzusetzen. Die Fülle und Vielfalt der Beispiele lässt staunen, welche Möglichkeiten ein Bilderbuch bietet. Katrin Alt gelingt es beim Leser Freude am wissenschaftlichen Denken zu entwickeln und zu zeigen wie hilfreich fachliche Erkenntnisse für den Kita Alltag sein können. Die Einbettung von Zitaten lädt zum eigenen Nachdenken und Philosophieren ein.

Das Buch ist interessant und lehrreich, außerdem gibt es Anregungen zu eigenen Projekten und zum Weiterdenken. Mir gefällt besonders, dass die Literaturhinweise nicht am Ende des Buches erscheinen, sondern nach jedem Kapitel aufgelistet werden. So ist der direkte Bezug gegeben und es wird Interesse am weitern Literaturstudium geweckt.

Das vorliegende Buch kann allen empfohlen werden, die kreativ mit Bilderbüchern arbeiten möchten und gleichzeitig Interesse haben ihre Tätigkeit fachlich zu begründen.

Fazit

Das Werk „Mit Kindern Bilderbuchwelten vielfältig entdecken“ von Katrin Alt ist im Beltz Verlag in der Reihe Kita kompakt erschienen. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Hintergrundinformationen zur Bedeutsamkeit von Bilderbuchbetrachtungen zu bündeln und Methoden für die Erschließung von Bilderbüchern zu erläutern. Bilderbuchbetrachtungen wirken sich förderlich auf die kindliche Entwicklung und auf die gesamte Bildung aus, besonders wenn gemeinsame Gespräche über Bilderbücher geführt werden. Für eine gute Gesprächsqualität sind Rahmenbedingungen erforderlich die hier praxisnah erläutert werden. Zugleich bietet das Buch Beispiele mit welchen Bilderbüchern und Methoden die Entwicklung der Kinder förderlich unterstützt werden können. Hierbei werden sprachliche Anregungen, kreative Praxisbeispiele und Hinweise zur inhaltlichen Vertiefung gegeben. Das kompakte Basiswissen wird gekoppelt mit detailliertem Fachwissen und Ideen für den Kita Alltag. Eine Tabelle mit den verwendeten Bilderbüchern erleichtert die Umsetzung in der Praxis.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Mitarbeiter/innen in Kitas. Daneben bietet das Buch auch interessante Hinweise für Eltern, die im häuslichen Umfeld nicht nur „Vorlesen“ möchten und sich dafür interessieren, wie sie mit ihren Kindern ins Gespräch kommen können.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 22.02.2017 zu: Katrin Alt: Mit Kindern Bilderbuchwelten vielfältig entdecken. Basiswissen & Praxisideen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-407-72748-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22244.php, Datum des Zugriffs 14.12.2017.


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