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Silvia Höfer: Spieltherapie (... in der Verhaltenstherapie)

Cover Silvia Höfer: Spieltherapie. Geleitetes individuelles Spiel in der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 2., überarbeitete Auflage. 248 Seiten. ISBN 978-3-621-28301-4. 39,95 EUR.

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Thema

Silvia Höfer zeigt Möglichkeiten auf, Spiel als basale menschliche Ausdrucksfähigkeit, in die zielorientierte Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen zu integrieren. Sie stellt ihr Konzept, das „Geleitete individuelle Spiel in der Verhaltenstherapie (GiS)“, vor. Das spieltherapeutische Arbeiten mit dem Geleiteten individuellen Spiel (GiS) baut auf den Erkenntnissen der Spielpsychologie, der Entwicklungspsychologie und der Neurobiologie auf. Erfahrungen aus anderen Therapieschulen werden mit einbezogen. Silvia Höfer möchte keine neue wissenschaftlich fundierte Theorie entwerfen, sondern weist auf die Möglichkeiten hin, die das GiS innerhalb der Verhaltenstherapie bietet.

Im Vorwort der 2. Auflage stellt sie fest, dass das Interesse am Medium Spiel innerhalb der Verhaltenstherapie gestiegen ist. Es sind neue Erkenntnisse und Therapieformen entstanden, auf die sie im vorliegenden Buch eingeht.

Autorin

Silvia Höfer ist Dipl. Pädagogin und Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Reutlingen.

Entstehungshintergrund

Höfer hat beobachtet, dass das Spiel besonders im therapeutischen Kontext häufig nur zum Kennenlernen und zur Belohnung genutzt wird.

Die Intention des Buches jedoch gründet sich auf der Begeisterung für das Spiel und den Wunsch die Möglichkeiten, die das kindliche Spiel bietet, in Verbindung zur Verhaltenstherapie zu setzen.

Die erste Auflage des Buches erschien 2013. In der vorliegenden 2. Auflage wurden neue Anregungen aus der Praxis integriert und Abschnitte zur hypnotherapeutischen Arbeit mit dem Spiel und zu elektronischen Spielen hinzugefügt. Auch wurden Informationen über interpersonelle Aspekte von neuronalen Prozessen hinzugefügt.

Aufbau

Das Fachbuch ist in drei Teile, die jeweils weiter untergliedert sind, aufgeteilt:

  1. Individuelles Spiel und Kognitive Verhaltenstherapie
  2. Das Geleitete individuelle Spiel (GiS) innerhalb der Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie
  3. Anwendungen

Zusätzlich wird ein E-Book mit einem Download-Code angeboten. Enthalten ist das komplette Buch als PDF Dokument und 12 Arbeitsblätter, die zum Beispiel hilfreich für die Planung (Checkliste zur Einrichtung eines Spielzimmers) und für den Verlauf (Leitfaden zur Beobachtung kindespezifischer Aspekte im therapeutischen Spiel) des GiS sind.

Zu I

Teil I „Individuelles Spiel und Kognitive Verhaltenstherapie“ betrachtet zunächst die entwicklungspsychologischen Aspekte des Spiels. Abhängig von der jeweiligen kindlichen Entwicklung sind unterschiedliche Spielformen zu beobachten:

  • Sensomotorisches Spiel
  • Exploratives bzw. Informationsspiel
  • Konstruktionsspiel
  • Symbolspiel
  • Parallelspiel
  • Rollenspiel
  • Regelspiel
  • Elektronische Spiele
  • Emotionsgehemmtes kaltes Spiel

Damit Spiel therapeutisch genutzt werden kann, ist es erforderlich sichere Kenntnis über den zeitlichen Ablauf des Sozialspiels zu haben. Die Entwicklung des Sozialspiels wird in einer Zusammenschau kurz dargestellt. Das Erkennen des Entwicklungsstandes hilft bei der angemessen Zielsetzung und beugt einer Über- oder Unterforderung vor.

Ebenso werden neurobiologische Erkenntnisse berücksichtigt, um mit Hilfe des Geleiteten individuellen Spiels (GiS) durch unterschiedliche Sinnesanreize neue neuronale Verknüpfungen zu aktivieren.

Im therapeutischen Kontext bestimmen die Kinder das Spielthema und die Auswahl des Spielmaterials aus dem Spielzimmer selbst. Das Spiel orientiert sich so in der Regel am aktuellen Entwicklungsstand des Kindes und an seinen aktuellen Problemen. Eine große Bedeutung kommt der Raumgestaltung, der Auswahl des Materials und dem Verhalten des Therapeuten zu.

Durch das Geleitete individuelle Spiel wird ein positiver Regelkreislauf ausgelöst.

Die Autorin gibt einen Überblick der Sichtweisen auf das kindliche Spiel in verschiedenen Therapieschulen:

  • Analytische Kindertherapie
  • Therapeutisches Sandspiel
  • Personenzentrierte Spieltherapie
  • Gestalttherapeutisches Spiel
  • Theraplay
  • Heilpädagogische Spieltherapie
  • Hypnosystemische Therapie
  • Systemischen Spieltherapie
  • Spiel in der Verhaltenstherapie

Sie fasst die zusammengetragen Kernpunkte unter den Aspekten:

  • Ziel und Intension des therapeutischen Spiels,
  • Interventionsmethoden
  • und Aufgaben der Therapeutin

tabellarisch zusammen. Das GiS im Rahmen der Verhaltenstherapie verortet sie in der Personenzentrierten Spieltherapie, erweitert durch Elemente des therapeutischen Sandspiels und der systemisch-lösungsorientierten und hypnotherapeutischen Kindertherapie.

Das erste Kapitel des Buches wird abgeschlossen mit der Betrachtung der Interventionsebenen im Spielprozess (Verhalten, Kognition, Emotion und Körperempfinden und Struktur- und Prozessebene) innerhalb der Verhaltenstherapie.

Zu II

Teil II „Das Geleitete individuelle Spiel (GiS) innerhalb der Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie“beleuchtet zuerst Merkmale wie äußerer Rahmen, grundlegende Merkmale und Setting, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausrichten. Es wird versucht eine Methodenverknüpfung zwischen Verhaltenstherapie und spieltherapeutischen Interventionen herzustellen.

Die Therapeutenvariablen wie Haltung, Kompetenz und therapeutische Aufgaben tragen zum Gelingen des GiS bei. Eine hohe Professionalität und regelmäßige Reflexion mit einem spielerfahrenen Supervisor ist erforderlich. Höfer unterscheidet bei den Wirkfaktoren des GiS zwischen allgemein spieltypischen und therapeutischen Wirkfaktoren. Sie ergeben sich aus der Spiel- und aus der Therapieforschung.

Eine umfassende Diagnostik ist zu Beginn, im Verlauf und zum Ende der Therapie erforderlich. So wird zum Beispiel die Bedeutung der Spielbeobachtung aufgeführt. Hierbei muss die Therapeutin unter anderem die für den Gesamtprozess wichtigen Spielthemen erkennen.

Die Therapeutischen Interventionen im GiS umfassen die Verbindung emotionaler und kognitiver Arbeit im Spiel, sowie verhaltenstherapeutische Inhalte. Höfer greift hier Themen auf, wie zum Beispiel: die angemessene Attributierung, das Herausgreifen und Verstärken therapierelevanter Themen, die Spielimanente Psychoedukation, der Wechsel der Interventionsebene und den Alltagstransfer. Die Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen, deren Anleitung, als auch die Einbeziehung von Geschwisterkindern und Freunden wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Auch hierzu sind entsprechende Arbeitsblätter enthalten.

Zu III

In Teil III „Anwendungen“sind unterschiedliche Fallbeispiele aufgeführt. Es werden sowohl ausgesuchte störungsspezifische Therapiethemen, wie zum Beispiel die depressive Episode, die hyperkinetische Störung oder die spezifische Phobie praxisnah dargestellt. Auch werden einzelne zusammengefasste Gesamtspielverläufe aufgeführt. Ergänzt werden diese Beispiele mit Schwarzweißfotografien.

Diskussion

Damit die Ausführungen von Silvia Höfer angemessen eingeordnet werden können, ist es entscheidend, dass der Leser den Kontext beachtet unter dem dieses Buch geschrieben wurde. Verhaltenstherapeutische Interventionen werden in das Spielgeschehen integriert. Das Spiel im Rahmen von GiS eröffnet neue Möglichkeiten für die Beobachtung, Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen.

Das Ziel der Autorin ist weder eine Abhandlung über Spieltherapie zu verfassen noch eine neue wissenschaftliche Therapie aufzuzeigen. Höfer hat sich im vorliegenden Werk auf die Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen bezogen.

Das Buch stellt Grundlagen des Spiels zusammen und zeigt auf, welche Aufgaben sich daraus im therapeutischen Kontext ergeben können. Höfer hat gut herausgearbeitet, wie wichtig es ist Kenntnisse über die Spielformen und das Sozialspiel zu haben. Gerade das Wissen über die Spielentwicklung in Verbindung mit dem Entwicklungsstand des Kindes hilft Verhaltensweisen zu verstehen, einzuordnen und geeignete Interventionen innerhalb der Verhaltenstherapie zu entwickeln.

Bei der Darstellung des Spiels innerhalb der Kindertherapie ist es gelungen das sehr komplexe Thema an Hand einer Tabelle zusammenzufassen und so dem Leser einen Überblick zu gewähren. Jede dieser aufgeführten Therapien umfasst komplexe Theorien, die im Rahmen dieses Buches nicht aufgeführt werden können. Entsprechende Literaturhinweise informieren über die Möglichkeiten der weiteren fachlichen Auseinandersetzung. Hilfreich sind die farblich abgesetzten und knapp zusammengefassten Exkurse zu Themen wie: der Psychologie von C.G. Jung und Erich Neumann oder der klientzentrierten Gesprächspsychotherapie.

Im zweiten Teil des Buches erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Thema des Buches, das GiS innerhalb der Kinder- und Jugendlichentherapie. Schrittweise wird der Leser in die Abläufe eingeführt und kann sich an den Merkmalen und Wirkfaktoren des GiS orientieren. Hilfreich ist der Abschnitt über die Diagnostik, in dem die Erläuterungen teilweise mit Fotografien unterstützt werden. Die anschließenden Fallbeispiele mit entsprechenden Fotos helfen die praktische Umsetzung der vorangegangen Theorie nachzuvollziehen.

Durch das E-Book erhält der Leser die Möglichkeiten flexibel mit den Inhalten des Buches zu agieren. Die Arbeitsblätter sind praxisorientiert und sehr hilfreich.

Fazit

Das Fachbuch „Spieltherapie, Geleitetes individuelles Spiel in der Verhaltenstherapie“ ist im Beltz Verlag in der 2. Auflage erschienen. Die Autorin Silvia Höfer stellt mit ihrem Ansatz das Geleitete individuelle Spiel in die kognitive Verhaltenstherapie zu integrieren, eine Methode vor, die die Spieltätigkeit von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. Spielen als Ausdruck innerer Vorgänge kann auch im Therapeutischen Prozess entscheidende Impulse geben und eröffnet viele Interventionsmöglichkeiten. E-Book, Arbeitsmaterialien und Fallbeispiele motivieren das vorgestellte Konzept in die Praxis zu transferieren.

Ein gelungenes Fachbuch, das durch die Verbindung von Pädagogik und Therapie sowohl für Pädagogen als auch für Therapeuten ein hilfreiches Werk, auch zum gegenseitigen Verständnis, darstellt.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 21.03.2017 zu: Silvia Höfer: Spieltherapie. Geleitetes individuelles Spiel in der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-621-28301-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22245.php, Datum des Zugriffs 09.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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