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Arist von Schlippe, Björn von Schlippe: Paradoxe Momente ... und verwirrte Beziehungen

Cover Arist von Schlippe, Björn von Schlippe: Paradoxe Momente ... und verwirrte Beziehungen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2016. 96 Seiten. ISBN 978-3-608-96125-6. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR.
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Es werden Cartoons präsentiert, die paradoxe Momente … und in Folge manchmal auch verwirrte Beziehungen in einem weiten Bereich menschlicher Kommunikation aufzeigen.

Es handelt sich um eine Fortsetzung des bei socialnet 2012 von Lilo Schmitz rezensierten Bandes Arist von Schlippe, Björn von Schlippe: „Paradoxer Alltag. Ganz normale Verrücktheiten“ (2012, vgl. die Rezension). „In einer lockeren Serie von Cartoons stehen Paradoxien des Alltags im Mittelpunkt“.

Autoren und Entstehungshintergrund

Es scheint, als hätten die beiden Autoren mittlerweile eine Sammelleidenschaft für Paradoxien entwickelt: sie präsentieren nun in dem neuen Band 2016 wieder eine Auswahl ihrer Beobachtungen und Erfahrungen als Cartoons.

Arist von Schlippe, Diplompsychologe, ist ausgewiesen als Lehrtherapeut und lehrender Supervisor für systemische Therapie, Verfasser zahlreicher einschlägiger Fachbücher, seit 2005 Professor für Führung und Dynamik in Familienunternehmungen an der Universität Witten/Herdecke.

Björn von Schlippe ist bekannter Cartoonist und Kunstdozent. „Sein Name steht für den „Kartonismus“, eine besondere Stilrichtung für plastische Werke aus Karton“ (S.96).

Die Brüder von Schlippe stellen zur erhellenden Illustration seit über einem Jahrzehnt in der Fachzeitschrift Familiendynamik Cartoons in der Rubrik „Spiegel-Ei“ vor.

Aufbau und Inhalt

Paradoxien durchziehen unseren Alltag in solch einem Ausmaß, dass eigentlich nicht die unvermeidlichen Missverständnisse, sondern vielmehr das Verstehen erklärungsbedürftig zu sein scheint, und sie sorgen nicht immer nur für Erheiterung. Paul Watzlawick u.a. haben sich bereits in dem inzwischen klassischen Lehrbuch: „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien“ (1969 1.Auflage) ausführlich und bis heute (13.unveränderte Auflage 2016) den Paradoxien in der Kommunikation gewidmet.

Schon die Gestaltung des Buchdeckels der „Paradoxen Momente …“ macht optisch die Besonderheit des Buches sichtbar. Ein großer Cartoon auf dem Buchdeckel, eine Frau sagt mit spitzem Zeigefinger auf den Mann weisend „Du verstehst mich nicht“, er entgegnet „Ja, da hast du Recht“, beide Arme eng am Körper verschränkt; darunter ist in der rechten Ecke sehr klein gedruckt zu lesen: Fachbuch/ Klett-Cotta.

Im ersten Kapitel „Paare – Du kannst mich mal gern haben“ eine Fortsetzung dieses Cartoons (S.16). Die Frau „Hast Du denn verstanden, was ich meine, wenn ich sage, dass du mich nicht verstehst?“, der Mann „Nein!“.

Der auf knapp 5 Seiten komprimierte theoretisch einführende Text in das weite Feld der Paradoxien „Schon wieder kein Vorwort“ ist locker geschrieben und im Stil treffend.

Selbstverständlich hätte Arist von Schlippe auch ein ausführliches Textbuch über Paradoxien in der menschlichen Kommunikation schreiben können.

Doch bei diesem hier vorgestellten Band ist den Brüdern von Schlippe ein ganz außergewöhnliches Fachbuch gelungen, dessen Spezialität überaus gekonnt gezeichnete Cartoons sind, bei denen Feinheiten wie eine ausdrucksvolle Körpersprache die gesprochenen Texte begleiten, wodurch die Cartoons einen realistischen Anstrich bekommen, wie aus dem Leben gegriffen.

Als Definition für Paradoxie sei ein Cartoon angeführt: Zwei Frauen sitzen in einem Restaurant, fragt die eine „Was ist das eigentlich, eine Paradoxie?“, antwortet die andere „Das ist, wenn ein Veganer tierisch viel Hunger hat“, entnommen aus dem Kapitel „Unmögliche Konstruktionen – Keiner nimmt mich ernst“ (S.82). Auch hier macht die den Text begleitende Körpersprache der beiden Frauen, die offensichtlich auf ihr Essen warten, erst den besonderen Witz verständlich.

Die Autoren haben fünf Überschriften gewählt:

  1. Paare – Du kannst mich mal gern haben,
  2. Familie rockt – Sex, Drugs und Rock & Roll,
  3. Firmenkontexte – Konkurrenz – kein Thema,
  4. Nachfolge – Der Erste, der es wagt..
  5. Unmögliche Konstruktionen – keiner nimmt mich ernst.

Die Cartoons bieten durch die Weite der Themen bedingt eine Fülle von Beispielen paradoxer Momente…und manchmal in Folge auch verwirrter Beziehungen, über die wir uns amüsieren und lachen können, die uns stutzen lassen, die uns nachdenklich machen, die wir zu entwirren versuchen, wissend, dass man Paradoxien mit ihren vielen Nebenwirkungen nicht entkommen kann.

Paradoxien in der Politik wurden von den Autoren noch nicht mit Cartoons bedacht. Möglicherweise bieten sich diese für einen neuen Band an?

Zielgruppe und Fazit

Das vorliegende Fachbuch in Kooperation der beiden Brüder von Schlippe führt das Phänomen der Paradoxien in solch anschaulicher lebensnaher und vor allem höchst witziger Form vor und regt auf diese Weise dazu an, nunmehr selbst gewitzter die häufig subtil versteckten paradoxen Momente in sozialen Situationen bewusster wahrzunehmen, dabei den eigenen Humor zu kultivieren, um vielleicht dann doch hin und wieder davonzukommen.

Als Fachbuch ist es speziell für BeraterInnen, PsychologInnen und PsychotherapeutInnen gedacht. Und Lehrenden bietet es vielfältiges Material zur erheiternd nachdenklichen Demonstration paradoxer Momente in der Kommunikation und gleichzeitig wunderbares Übungsmaterial, bei dem niemals Langeweile aufkommt.

Darüber hinaus ist es für alle empfehlenswert, die sich humorvoll die Absonderlichkeiten menschlicher Kommunikation vor Augen führen lassen wollen.

Literatur

  • Schmitz, Lilo: Rezension vom 27.08.2012 zu Arist von Schlippe, Björn von Schlippe: Paradoxer Alltag. Ganz normale Verrücktheiten. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-608-94774-8, vgl. die Rezension, Datum des Zugriffs 07.02.2017.
  • Watzlawick, Paul / Beavin, Janet H. / Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen. Störungen. Paradoxien. Verlag Hans Huber (Bern, Stuttgart) 1969 (1.Auflage) / Hogrefe Verlag (Göttingen) 2016 (13.unveränderte Auflage).

Rezensentin
Prof. Dr. Brigitte Bauer
(im Ruhestand), Dipl. Psych., Psychologische Psychotherapeutin Fachhochschule Münster ; Fachbereich Sozialwesen
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Zitiervorschlag
Brigitte Bauer. Rezension vom 15.03.2017 zu: Arist von Schlippe, Björn von Schlippe: Paradoxe Momente ... und verwirrte Beziehungen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-608-96125-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22257.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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