socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Anja Ebersbach, Markus Glaser u.a.: Social Web

Cover Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl: Social Web. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2016. 3., überarbeitete Auflage. 335 Seiten. ISBN 978-3-8252-3933-6. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema und Hintergrund

Die drei Autor*innen Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl veröffentlichen das Überblickwerk Social Web bereits in der 3. überarbeiten Auflage. Die in den Grundzügen unveränderte Struktur des Social Web gibt, wie auch in den vorherigen Bänden, die Struktur des Buches vor. So beschreiben und erklären die Autor*innen nach einer Einführung verschiedene Phänomene des Social Web, wie Wikis und Social Networks oder Gruppenprozesse, und richten Ihren Fokus dabei stets auf die sozialen Konsequenzen und Implikationen.

Zielgruppe

Zielgruppe des Buches sind nach eigenen Angaben überwiegend Lehrer*innen, Schüler*innen und Nachwuchswissenschaftler*innen, das Buch richte sich aber ausdrücklich auch an ein Publikum außerhalb von Bildungseinrichtungen.

Aufbau

Das Buch ist in vier Teile gegliedert:

  1. Einleitung
  2. Praxis des Social Web
  3. Theorie des Social Web
  4. Ausblick

Die Teile 2 und 3 bzw. deren Kapitel enden jeweils mit Übungsfragen und Literaturempfehlungen.

Ein umfangreicher Anhang enthält zudem ein Glossar, eine umfangreiche Link- und Literaturliste mit verwendeter und sonstiger, empfohlener Literatur.

Zu 1. Einleitung

Die Autor*innen thematisieren zum Einstieg die Bedeutung einer multiperspektivischen Sichtweise und benennen als Ziel einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Social Web eine humanistische Bildung bei der der „Mensch als gesellschaftliches Wesen zum selbstkritischen Subjekt seiner Geschichte“ wird (S. 11). Anhand ausgewählter Meilensteine geben sie anschließend einen Abriss über die Entwicklung den Internets als Basis für Vergemeinschaftungen.

Der 1. Teil des Buches schließt mit Definitionen. Zunächst wird das Web 2.0 anhand O'Reillys sieben Punkte definiert und kritisch ergänzt. Daraufhin wird das Social Web als Teilbereich des Web 2.0, bei dem es vorrangig um die Unterstützung von sozialen Strukturen und Interaktionen geht, eingegrenzt.

Zu 2. Praxis des Social Web

Im zweiten Teil werden verschiedene Social-Web-Anwendungen – nach in der Regel gleicher Struktur – vorgestellt: Einem geschichtlichen Überblick folgen prominente Beispiele sowie eine Erläuterung der Funktionsweisen, Eigenschaften und Komponenten der Anwendung. Zudem wird die Community beschrieben, negative Seiten der Anwendungen erörtert und Hinweise gegeben, wie man eine eigene dieser Anwendungen betreibt.

Die nach dieser Struktur vorgestellten Social-Web-Anwendungen sind Wikis, Blogs, Microblogs, Social Networks sowie Social Sharing. Sie alle entsprechen einer von den Autor*innen vorgenommenen Kategorisierung bestehend aus Kollaboration, Information und Beziehungen. Beispielhaft soll die Anwendung Social Networks hier vorgestellt werden:

Das Kapitel beginnt mit einem kurzen Überblick zu Social Networks im Allgemeinen indem deren Zweck, nämlich die Menschen miteinander zu verbinden, Merkmale und ein ein historische Abriss, geklärt werden. Anschließend werden Phänomene der Netzwerkforschung wie Small World (Milgram 1967) oder Strong & Weak Ties (Granovetter 1973) erörtert. Es folgt die Vorstellung von in Deutschland verbreiteten Freundes- und Businessnetzwerken sowie der bekanntesten ausländischen Social Networks. Im nächsten Kapitel werden die wichtigsten übergreifenden Eigenschaften von Social Networks wie Zugang, Profilgestaltung, Suchfunktionen und Umgang mit Kontakten und Kommunikationsmöglichkeiten erklärt. Daran schließt eine Erörterung des Phänomens des Mehr-Ebenen-Networking an, also der Parallelität von Online- und Offline-Netzwerken. Als Sonderbeispiel wird dann das Social Network Facebook vorgestellt und zu Schattenseiten von Social Networks (Datensammlung, Stalking, Mobbing, Fake-IDs) übergeleitet. Wenngleich Messenger technisch gesehen ursprünglich nicht den Social Networks zuzuordnen waren, werden sie anschließend thematisiert: Funktionsweisen werden der/dem Lesenden erklärt und bekannte Exempel vorgestellt. Das Kapitel Social Networks schließt mit der knappen Präsentation einer Vielzahl empfehlenswerter Möglichkeiten ein eigenes Netzwerk zu initiieren.

Der zweite Teil umfasst zwei finale Kapitel: In 2.7 werden weitere Techniken und Konzepte des Social Web wie Tagging, Newsfeed oder Mashups vorgestellt sowie eine Reihe weiterer Funktionen, die das Entstehen von Communitys unterstützen können. Das sehr technische Kapitel 2.8 erklärt Grundlagen der Web-Anwendungen, die Funktionsweise von Scripts und Ajax, Schnittstellen, die wichtigsten Programmiersprachen und die zunehmend an Bedeutung gewinnenden Microdata.

Zu 3. Theorie des Social Web

Dieser Teil um fasst die Themen Gruppenprozesse und gesellschaftliche Bedeutung. Zu ersterem werden zunächst die Besonderheiten computervermittelter Kommunikation erörtert und anschließend eine Vielzahl verschiedener Theorien zur Medienwahl vorgestellt. Es folgt eine Betrachtung von Online-Communitys aus soziologischer Perspektive. In den anschließenden Kapiteln wird auf Identitäten und Motive von Nutzer*innen sowie Rollen und damit einhergehende kollaborative Prozesse eingegangen. Die beiden folgenden Kapitel thematisieren Phänomene wie kollaborative Intelligenz und Beta-Status. Dann wird das Web-Monitoring, also die Analyse von Beiträgen vorgestellt. Der Teil zu Gruppenprozessen schließt mit Hinweisen für den Aufbau einer eigenen Community.

Im Kapitel zu gesellschaftlichen Bedeutungen wird zu nächst die Frage aufgeworfen, was das Individuum ins Social Web zieht und anhand verschiedener Erklärungsansätze beantwortet. Anschließend zeigen die Autor*innen auf, wie sich gesellschaftliche Institutionen (Politik, Wirtschaft, Bildung, Kunst) sukzessive verändern und Strukturen aufgebrochen werden. Es folgt eine Vorstellung von verschiedenen Geschäfts- und Finanzierungsmodellen, die sich durch die Möglichkeiten des Social Web ergeben (Crowdfunding, Freemium etc.). Rechtliche Fragen rund um Urheberschaft, Copyright und Haftungsfragen wird im Weiteren nachgegangen. Abschließend werden in Kapitel 3.2.5 das freie Wissen und in Kapitel 3.2.6 der Schutz von persönlichen Daten sowie diesbezüglich negative Entwicklungen thematisiert.

Zu 4. Ausblick

Im Ausblick werden zunächst die Herausforderungen der Technik angesprochen. Die Autor*innen stellen fest, dass es bezüglich der Webanwendungen zu einem Stillstand gekommen ist und man sich derzeit auf die Weiterentwicklung von Infrastrukturen konzentriere. Punkte diesbezüglich sind Architekturen oder die Auswirkungen von Big Data auf beispielsweise Wikis. Als gesellschaftliche Herausforderungen werden im zweiten Weiteren Fragen wie, welche Qualifikationen zukünftig gefragt sind oder wie sich Werte entwickeln, erörtert. Zum Abschluss richten die Autor*innen ihren Blick auf aktuelle und zukünftig relevante Anforderungen. Dies sind zum einen die Entwicklung einer kollaborativen Kultur, die Behandlung ökonomischer Fragen und das Thema Datenschutz und Bürgerrechte.

Diskussion und Fazit

Das Ziel ein Überblickswerk zu verfassen ist den Autor*innen gelungen. Die/der Lesenden erhält eine umfassende Übersicht über das komplexe Thema Social Web und wird angeregt, sich einzelne Themenfelder autodidaktisch anzueignen. Wer Vorkenntnisse mitbringt, dem hilft das Buch, das vorhandene Wissen zu strukturieren. Wer das Buch ohne Vorkenntnisse liest, könnte eventuell Schwierigkeiten haben, manche Zusammenhänge zu erschließen, denn es werden weder Abkürzungen wie DFÜ, noch Hintergründe der EFF oder der Property-Rights-Bewegung erklärt. Auch die Verwendung des Ausdrucks „virtuelle Welt“ (S. 109) erscheint mir fraglich.

Positiv hervorzuheben ist, dass am Ende jeder vorgestellten Anwendung Anknüpfungspunkte für die eigene Praxis gegeben werden.

Das Buch eignet sich meiner Meinung nach vor allem im wissenschaftlich-theoretischen Kontext. Für den Praktiker kommen die Tipps für die eigene Nutzung wohl zu kurz, nichtsdestotrotz kann das Buch auch dem Praktiker helfen sich bewusst für eine Anwendung zu entscheiden und die Nutzung gezielt zu reflektieren.

Summary

The goal of writing an overview work has been achieved. The reader receives a comprehensive overview of the complex topic 'Social Web' and is encouraged to acquire topics of personal interest self-taught. If you have previous knowledge, the book helps to structure existing knowledge. If you read the book without any prior knowledge, you may have difficulties opening up some connections, as neither abbreviations, such as DFÜ, nor the backgrounds of the EFF or the property rights movement are explained. The use of the term „virtual world“ (p. 109) also seems questionable to me.
On the positive side, it should be emphasized that at the end of each presented application, tips for one's own practice are given.
For scientific-theoretical context the book can be recommended. For practitioners, the practical hints might be too short. Nonetheless, the book can also help the practitioner to deliberately opt for an application.


Rezensentin
Dipl.-Soz.päd./arb. (FH) Daniela Cornelia Stix
Diplom-Sozialpäd./-arb. (FH), Medienwissenschaftlerin (Master of Arts), Lehrkraft für besondere Aufgaben mit dem Schwerpunkt Medienkompetenz und Gestaltung digitaler Medien in der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Sie promoviert zum pädagogischen Einsatz von Sozialen Onlinenetzwerken in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit
E-Mail Mailformular


Alle 11 Rezensionen von Daniela Cornelia Stix anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Daniela Cornelia Stix. Rezension vom 27.02.2018 zu: Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl: Social Web. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2016. 3., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-3933-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22270.php, Datum des Zugriffs 18.06.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!