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Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun. u.a.: Poster Ressourcen in der Kinder- und Jugendlichen­psychotherapie

Cover Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun., Annika Botved: Poster Ressourcen in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Mit 11 Arbeitsblättern in der Sammelmappe. Format Poster: 98 x 67 cm. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 44 Seiten. ISBN 978-3-621-28425-7. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Nutzung von Ressourcen ist einer der wichtigsten Bestandteile der Therapie, insbesondere der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Obwohl dies sowohl in der Ausbildung, als auch in fast allen entsprechenden Lehrbüchern immer wieder hervorgehoben wird (vgl. Klemenz, B., 2003 & Borg-Laufs, 2007), mangelte es bislang jedoch meist an konkreten Arbeitsmaterialien (vgl. z.B. das Züricher Ressourcenmodell von Kraus & Storch, 2010). Da die AutorInnen neben dem hier rezensierten Poster parallel noch weitere Arbeitsmaterialien veröffentlicht haben (Ressourcenkarten, vergleiche die Rezension) wird hiermit ein Einstieg vor allem in die entsprechende therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geboten.

Autorinnen und Autor

Dipl.-Psych. Melanie Gräßer ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Lippstadt. Sie verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und -pädiatrie. Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere in der Behandlung von chronischen körperlichen Erkrankungen sowie Somatoformen Störungen und Traumata. Sie ist zertifizierte EMDR-Therapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben ihrer praktischen Tätigkeit gibt sie seit vielen Jahren Seminare und Supervision im Bereich der Psychotherapieausbildung sowie im Rahmen von Selbsthilfegruppen, zudem ist sie Selbsterfahrungsanleiterin. Sie ist Buchautorin und Entwicklerin therapeutischer Spiele.

Eike Hovermann jun. ist Gründer und Geschäftsführer der Akademie für Kindergarten, Kita und Hort und Autor einiger Erziehungsratgeber.

Annika Botved ist kreative Künstlerin und Illustratorin. 2002 gründete sie penimals. Zu ihren Kunden zählen seitdem Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen.

Aufbau und Inhalt

Das Paket enthält das Ressourcen-Poster, einen Handzettel zum Thema Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen, sowie diverse Arbeitsmaterialien.

Ressourcen-Poster. Auf dem Poster sind die in den Arbeitsmaterialien mitgelieferten Ressourcenübungen in kindgerechter Form grafisch abgebildet. Es ist auf Din-A-0 gedruckt und kann somit sowohl an der Wand als auch an einem Flipchartständer angebracht werden. Es soll dazu dienen, die verschiedenen Ressourcenübungen und deren Wirkweisen, sowie den konkreten Einsatz in der aktuellen Situation zu erläutern. Des Weiteren kann es nach Angaben der AutorInnen auch als Denkanstoß im Wartebereich einer Praxis aufgehängt werden.

Handzettel Ressourcenaktivierung. Auf diesem wird erläutert, wie das Thema Ressourcenaktivierung in die Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen eingebracht werden sollte. Es wird zwischen unterschieden zwischen:

  • Ressourcendiagnostik (inhaltlich, intrapersonal, nach sozialen und materiellen Ressourcen, bisherigen Krisen und Zielen) und
  • der Arbeit mit den Arbeitsblättern (diese gelten sowohl zur Arbeit, als auch zur Dokumentation in der Patientenakte).

Zusätzlich wurde ein Formular erarbeitet, in dem der Ressourcenstatus der PatientInnen erfasst werden kann und die angebotenen Übungen entsprechend ausgewählt werden können.

Arbeitsmaterialien. Folgende Arbeitsmaterialien werden geliefert:

  • Ampel (Hilfe zur Einschätzung der aktuellen Lage und Erarbeitung von Handlungsoptionen)
  • Die fünf Sinne (Hilfe zur Entdeckung und Aktivierung aller Sinnesbereiche als eigene Ressourcen)
  • Notfallplan (die richtige Vorgehensweise in schwierigen Situationen)
  • Schatzkiste (persönliche Ressourcenbox zur Aufbewahrung von hilfreichen, wichtigen und positiv besetzten Dingen)
  • Koffer („Erste-Hilfe-Koffer“ für Übernachtungen, Klassenfahrten, Reisen, Besuche, Abenteuer, Krankenhausaufenthalte und andere Herausforderungen)
  • Imagination (Hilfe zur Durchführung patientenspezifischer, stabilisierender Imaginationsübungen)
  • Beschützer (unsichtbare Helfer, die den PatientInnen in vielen Situationen zur Seite stehen können)
  • Ablenkung (effektive Hilfe, um negative Gedanken, Verhaltensweisen und Gedankenkreisen zu unterbrechen oder stoppen oder sich von Schmerzen und anderen Symptomen abzulenken)
  • Freunde/Netzwerke (Übersicht und Nutzung der vorhandenen sozialen Ressourcen im Umfeld)
  • Positiv – Tagebuch (Tagebuch für die eigene ressourcenorientierte Selbstbeobachtung)

Zu sämtlichen Themen werden sowohl Therapiematerialien, die das jeweilige Vorgehen genauer beschreiben, als auch Handouts für die PatientInnen geliefert. Alle Unterlagen sind über einen passwortgeschützten Bereich auf der Homepage des Verlages abrufbar.

Diskussion

Die Arbeitsmaterialien sind umfangreich und gut beschrieben. Die Erfassung des aktuellen Ressourcenstatus und die daraus resultierende Planung der weiteren Interventionen wird übersichtlich dargestellt. Das Poster ist übersichtlich gestaltet, dessen grafische Umsetzung eher jedoch kind- als jugendlichengerecht erfolgt. Mir persönlich gefällt es nicht so gut, dass ich es dauerhaft aufhängen würde. Die Arbeitsmaterialien ergänzen sich hervorragend mit den bereits einleitend beschriebenen anderen Unterlagen der Autorinnen.

Besonders positiv ist hierbei hervorzuheben, dass durch diese Publikationen eine relativ große Lücke geschlossen wurde, die bei der Bearbeitung dieses wichtigen Themas im Rahmen der Psychotherapie bislang jedem Therapeuten bzw. jeder Therapeutin selbst überlassen wurde. Da ein gewisses Maß an Kreativität in diesem Bereich auch weiterhin wichtig ist, werden die hier beschriebenen Materialien das bisherige individuelle Vorgehen sicher nicht ersetzen. Nichtsdestotrotz kann es die bereits verwendeten Materialien gut ergänzen und wertvolle Anregungen für die tägliche Praxis liefern.

Insbesondere für BerufsanfängerInnen wird hier ein umfassender Fundus an Ideen geliefert, auf den sie zurückgreifen können. Sie sollten ausschließlich im Rahmen von Psychotherapien durch entsprechend ausgebildetes Personal ihre Anwendung finden.

Fazit

Mit dem „Poster Ressourcen“ und den weiter oben beschriebenen anderen Veröffentlichungen der AutorInnen werden erstmalig umfassende Arbeitsmaterialien für die so wichtige Arbeit an den Ressourcen von Kindern und Jugendlichen im Rahmen einer Psychotherapie geliefert. Auch wenn diese offensichtlich aus der verhaltenstherapeutischen Schule stammen, können Sie jedoch schulenübergreifend gewinnbringend eingesetzt werden.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 04.04.2017 zu: Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun., Annika Botved: Poster Ressourcen in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Mit 11 Arbeitsblättern in der Sammelmappe. Format Poster: 98 x 67 cm. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-621-28425-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22286.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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