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Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun. u.a.: Rating-Skalen für die Kinder- und Jugendlichen­psychotherapie

Cover Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun., Annika Botved: Rating-Skalen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. 26 Skalen für Therapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 44 Seiten. ISBN 978-3-621-28424-0. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Skalierungsfragen werden als eine der Grundtechniken der Therapie schulenübergreifend häufig genutzt. Nicht selten nutzen TherapeutInnen hier auch visualisierte Formen – so genannte visuelle Analog-Skalen. Die hier rezensierten Skalen bieten eine Alternative zu selbst gebastelten Formen. Sie sind zudem im Zusammenhang mit den anderen von den Autorinnen publizierten Materialien zu bewerten. So wurden parallel bereits Ressourcenkarten (Gräßer et al., 2005; vgl. die Rezension) und ein „Poster Ressourcen in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ (vgl. die Rezension) veröffentlicht. Des Weiteren wurden bereits ähnliche Materialien für die Erwachsenentherapie von den AutorInnen publiziert.

Autorinnen und Autor

Dipl.-Psych. Melanie Gräßer ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Lippstadt. Sie verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und -pädiatrie. Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere in der Behandlung von chronischen körperlichen Erkrankungen sowie Somatoformen Störungen und Traumata. Sie ist zertifizierte EMDR-Therapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben ihrer praktischen Tätigkeit gibt sie seit vielen Jahren Seminare und Supervision im Bereich der Psychotherapieausbildung sowie im Rahmen von Selbsthilfegruppen, zudem ist sie Selbsterfahrungsanleiterin. Sie ist Buchautorin und Entwicklerin therapeutischer Spiele.

Eike Hovermann jun. ist Gründer und Geschäftsführer der Akademie für Kindergarten, Kita und Hort und Autor einiger Erziehungsratgeber.

Annika Botved ist kreative Künstlerin und Illustratorin. 2002 gründete sie penimals. Zu ihren Kunden zählen seitdem Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen.

Inhalt

Da es sich, wie bereits oben beschrieben, um eine Sammlung von insgesamt 26 Skalen handelt und es ansonsten keine weiteren theoretischen Einlassungen dazu gibt, sollen diese an dieser Stelle kurz beschrieben werden. Es wurden Skalen für folgende Bereiche entwickelt:

Skalen zur Erfassung von Gefühlen. Hier wurden Skalen zur Erfassung der in der Therapie am häufigsten erfassten Basisemotionen (Angst, Ekel, Freude, Scham, Traurigkeit & Wut) jeweils für männliche und weibliche PatientInnen erstellt. Die Darstellung erfolgt durch symbolisierte Gesichter mit entsprechenden Gesichtsausdrücken. Die Skalen starten jeweils mit der 0, die für den Neutralwert der jeweiligen Emotion steht (z.B. keine Angst, etc.).

Universal-Skalen. Die sogenannten Universal-Skalen können, wie der Name schon sagt, relativ universell eingesetzt werden. Hier werden konkret folgende Skalen geliefert:

  • Smileys (in zwei unterschiedlichen Differenzierungsgraden)
  • Zahlenreihen von 0 bis 10 und von -5 bis +5
  • Prozent (0 bis 100%)
  • Schulnoten
  • Normalverteilung (inklusive Angaben zur Prozent Rangskala und der Verteilung von IQ-Werten)
  • Siegertreppe (mit den Plätzen 1 bis 3)
  • Wetter (Sonne bis Gewitter)
  • Ampel
  • Daumen (hoch bis runter)
  • Katze (zur Erfassung von Emotionalität)
  • Batterie (zur Erfassung von Erschöpfung)
  • Vulkan (zur Erfassung von Wut)
  • Thermometer (zur Erfassung von Anspannung)
  • Stimmung (bipolare Erfassung)
  • Bundesliga (Analogie zum Fußball)

Weitere Skalen. Zudem wurde eine Schmerz-Skala, die insbesondere medizinisch/klinischen Bereich häufig verwendet wird, und zwei Skalen aus der Traumatherapiemethode EMDR (Eye Movement Desentization & Reprocessing) mit aufgenommen; hier die Erfassung der Belastung (mittels SUD) und die Stimmigkeit neuer Kognition (mittels VoC).

Diskussion

Wie bereits in der Rezension zu den Ressourcenkarten kritisch angemerkt, muss auch hier darauf hingewiesen werden, dass eine undifferenzierte Nutzung der Skalen in einem quasi-therapeutischen Setting durch nicht entsprechend ausgebildete Personen zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Die AutorInnen geben an, dass sich die Skalen an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychologen, Berater, Mediziner, Pädagogen und Erzieher richten. Bereits bei dieser Aufzählung wird deutlich, wie heterogen diese Gruppe ist und wie unterschiedlich der jeweilige Ausbildungsstand in der Verwendung derartiger Materialien sein kann. Eine Erläuterung, wie konkret die jeweiligen Skalen angewendet werden sollen, erfolgt auch nicht.

Letzten Endes wurden diese Skalen von TherapeutInnen für TherapeutInnen entwickelt. Sie können im gesamten Verlauf der Behandlung hilfreich eingesetzt werden. So finden sie sowohl im Erstgespräch, der Diagnostik, als auch im Therapieverlauf ihrer Anwendung. Des Weiteren können sie insbesondere als nonverbales Medium beispielsweise für Menschen genutzt werden, die eine andere Sprache sprechen oder kognitiv stärker eingeschränkt sind. Ich persönlich nutze sie regelmäßig im Rahmen von Traumatherapien. Sie sind handlich und stabil (auf stabiler und feuchtigkeitsabweisender Pappe) gestaltet, die grafische Umsetzung kann je nach persönlichen Vorlieben unterschiedlich bewertet werden, ich persönlich halte sie jedoch für gelungen. Mir fehlen keine wesentlichen Skalen, insbesondere die „Universal-Skala Bundesliga“ ist als sehr kreativ gelungen hervorzuheben.

Fazit

Die Rating-Skalen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie stellen eine einfache und wertvolle Ergänzung für die tägliche therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dar. Ich persönlich habe meine bisher gesammelten Einzelskalen mittlerweile weitgehend entsorgt und greife auf diese Materialien zurück.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 04.04.2017 zu: Melanie Gräßer, Eike Hovermann jun., Annika Botved: Rating-Skalen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. 26 Skalen für Therapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-621-28424-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22287.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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