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Heike Reinsch, Titus Ackermann: Welcome to Germany

Cover Heike Reinsch, Titus Ackermann: Welcome to Germany. Information for Refugees and Asylum Seekers. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2016. 40 Seiten. ISBN 978-3-7841-2930-3. D: 3,50 EUR, A: 3,60 EUR, CH: 4,20 sFr.
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Thema

Nach Deutschland geflüchtete Menschen stehen vor der Aufgabe, sich zu orientieren und in einer meist unbekannten Sprachumwelt zurechtzufinden. Da liegt es nahe, hilfreiche Informationen in die wichtigen Verkehrssprachen zu übersetzen und mittels Bildgeschichten oder Comics allgemeinverständlich darzustellen.

Autorin und Illustrator

Die Texte stammen von der Designerin Heike Reinsch, die Illustrationen von Titus Ackermann, beide aus Baden-Württemberg, jetzt in Berlin tätig.

Entstehungshintergrund

Heike Reinsch ist – laut Presseberichten – im Gespräch mit Freiwilligen und Hauptamtlichen in der Flüchtlingshilfe zu der Erkenntnis gekommen, dass noch sehr viel mehr Kommunikation mit Flüchtlingen nötig ist, wozu auch Comics, zumal als Gesprächsimpuls, beitragen könnten.

Aufbau

Das Heft besteht aus den vier Kapiteln

  1. „gesellschaftliche Werte“,
  2. „Begegnungen im Alltag“,
  3. „Auf den Ämtern“ und
  4. „In den Unterkünften“,

die jeweils durch zwei oder drei Sätze eingeleitet werden. Diese Kurztexte und alle Überschriften sind in Deutsch, Englisch, Farsi und Arabisch ausformuliert.

Im Zentrum der Broschüre stehen die 28 Seiten (davon zwei Doppelseiten), die bestimmte Situationen darstellen und wichtige Botschaften illustrieren sollen. Jede Seite hat ein Thema und besteht aus mehreren Handlungsvarianten, die mit dem bekannten Faust-Daumen-Symbol als richtig oder falsch gekennzeichnet werden.

Inhalt

Jede Seite hat ein Thema, das etliche Male nur deskriptiv ist („Sich kleiden“, „Unterwegs in der Stadt“, „Zuständigkeit Hausmeister“ etc.), meist jedoch wird jeweils eine Regel normativ formuliert.

Diese Regeln reichen von „Rücksicht nehmen“, „Andersgläubige respektieren“, „Gemeingüter pflegen“ über „Sprechzeiten (des Jobcenters) einhalten“ bis zu „Rechnungen (für Strom und Telefon) bezahlen“. Mit den großen Tableaus wie „Hausordnung“ (in der Gemeinschaftsunterkunft) wird eine Fülle von Verhaltensweisen kritisiert (lärmen, Abfall verstreuen, Essen anbrennen lassen) oder belobigt (Müll trennen, Toiletten reinigen) usf.

Diskussion

Auch wenn bestimmte Situationen (in der Unterkunft, auf dem Amt) nicht jedermanns Alltag widerspiegeln, wird doch klar veranschaulicht, dass die Regeln nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger gelten. Exemplarisch wird dies z.B. mit dem Hinweis deutlich, dass Amtspersonen keine Bestechungsgelder fordern sollen.

Die Handlungsempfehlungen sind mitunter recht banal (Dokumente aufbewahren), manchmal kaum verständlich, etwa wenn es um Bürokratie geht: Wieso zahlt der (bebrillte) Heimleiter 10 EUR aus? Wie schön wäre es, wenn die (ebenfalls bebrillte) Sozialarbeiterin mit einem Telefonanruf einen Job beschaffen könnte.

Die Autorin schlägt vor, die Broschüre an Geflüchtete zu verteilen, nicht um sie damit schnell zu versorgen, sondern um anhand dieser Tafeln miteinander ins Gespräch zu kommen. So ganz ohne pädagogischen Zeigefinger kommt das Heft aber dann doch nicht aus: Der Aufruf, nach (höherer) Bildung zu streben, mit Hinweis auf ein großes „A“ auf der Tafel, ist eindeutig auf Flüchtlinge gemünzt – unter denen sich bekanntlich nicht nur die muslimische Analphabetin, sondern auch Personen mit höherer Bildung befinden.

Fazit

Alltagssituationen und Verhaltensregeln in Bildgeschichten zu übersetzen, ist immer mit Vereinfachungen verbunden. Der Illustrator hat gute Arbeit geleistet; ob wirklich alle Zeichnungen und Bilder verständlich sind, darf doch bezweifelt werden. Aber als Gesprächsanlass taugen sie allemal. Spätestens dann sollten ja dann doch auch mal die Flüchtlinge selbst zu Wort kommen.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 02.02.2017 zu: Heike Reinsch, Titus Ackermann: Welcome to Germany. Information for Refugees and Asylum Seekers. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-7841-2930-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22321.php, Datum des Zugriffs 22.08.2019.


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