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Erhard Fischer, Christoph Ratz (Hrsg.): Inklusion – (...) Menschen mit geistiger Behinderung

Cover Erhard Fischer, Christoph Ratz (Hrsg.): Inklusion – Chancen und Herausforderung für Menschen mit geistiger Behinderung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 326 Seiten. ISBN 978-3-7799-3352-6. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Seit mit der UN-BRK Inklusion sozusagen geltendes Recht ist, wird sie in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Gerade bei Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung werden die Inklusionsbestrebungen jedoch vielfach noch kaum verwirklicht (vgl. S. 7).

Der Sammelband will „Perspektiven [und] […] Herausforderungen von Inklusion“ (S. 8) für den Personenkreis der Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung darstellen. Dabei wird eine Vielzahl an Themen in den verschiedenen Beiträgen verhandelt. Besonders hervorzuheben ist, dass nicht nur die schulischen Inklusionsentwicklungen eine Rolle spielen, sondern auch nachschulische wie beispielsweise im Wohn- und Arbeitsbereich (vgl. S. 8).

Herausgeber

Die beiden Herausgeber des Sammelbandes lehren beide als Professoren an der Universität Würzburg am Lehrstuhl für Sonderpädagogik im Bereich Pädagogik bei geistiger Behinderung. Auch die Beiträge wurden zum Großteil von Mitarbeiter_innen der Universität Würzburg verfasst. Damit zusammenhängend stellen die bayerischen Verhältnisse in einigen Beiträgen einen Anknüpfungspunkt der Überlegungen dar.

Aufbau

Der Band beinhaltet ein Vorwort und 17 Beiträge, welche drei Bereichen zugeordnet werden:

  1. Dem vorschulischen Bereich widmen sich zwei,
  2. dem schulischen Bereich neun und
  3. dem nachschulischen sechs Aufsätze.

Einige Beiträge sind dabei durchaus übergreifender Art, da sie sich beispielsweise mit historischen, ethischen oder medizinischen Aspekten von Inklusion beschäftigen (vgl. S. 8).

Ausgewählte Inhalte

Nachfolgend werden drei Beiträge des Sammelbandes exemplarisch vorgestellt.

Peter Heinrich stellt in seinem Beitrag „Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung – quo vaditis?“ Förderschulen (für Schüler_innen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) als „erhaltenswertes, ausbaufähiges Element in einer inklusiven Gesellschaft“ (S. 142) dar. Er nennt als Gründe u.a. den Bedarf an speziellen Unterrichtsformen und intensiverer Reflexion der Lehrenden sowie die Notwendigkeit der Spezialisierung. Die Qualität des Unterrichts an der Sonderschule ist besonders hoch bzw. passend für die Schüler_innen mit Förderbedarf, da die Klassengrößen geringer sind, die Lehrkräfte besonders ausgebildet sind und mehr curricularer und zeitlicher Spielraum herrscht. Der Besuch einer Sonderschule ist in jedem Fall besser als keine Schule zu besuchen oder eine inklusive Klasse mit unzureichenden Bedingungen. Wenn Inklusion noch nicht adäquat entwickelt ist, stellt der Besuch einer Sonderschule sich demzufolge seiner Auffassung nach als bessere Alternative heraus im Vergleich dazu, dass sich die Kinder in der Inklusion unwohl fühlen, vereinsamen oder nicht die passende Förderung erhalten (vgl. S. 150-152). Die Schüler_innen benötigen z.T. ganz andere Lerninhalte als an der Regelschule gelehrt werden, die auch nicht am gemeinsamen Gegenstand ohne weiteres thematisiert werden können (vgl. S. 143). Darüber hinaus führt Heinrich an, dass Peer-Beziehungen und soziale Inklusion in Sonderschulen leichter zu erreichen seien (vgl. S. 147). Somit wird eine drohende „Vereinzelung“ (S. 147) von Schüler_innen mit sogenannter geistiger Behinderung in inklusiven Lernsettings konstatiert (vgl. S. 143).

Aus dem Beitrag lässt sich eine Existenzberechtigung von Förderschulen schlussfolgern. Eltern und Kinder müssen die Wahl haben, ob eine Förderschule oder eine Regelschule besucht wird. Diese Schlussfolgerung heißt allerdings auch, dass die Förderschule sich auf einen Weg zu einer inklusiveren Schulform machen muss, insofern als dass z.B. für den Arbeitsmarkt wichtige Bildungsabschlüsse absolviert werden können (vgl. S. 151 f.).

Christoph Ratz befasst sich mit dem Thema „Inklusive Didaktik für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“. Ausgehend von dem vergleichsweise geringen Anteil an Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in der inklusiven Beschulung werden Möglichkeiten und Grenzen selbiger dargestellt und ein handlungsorientiertes didaktisches Modell präsentiert. Hierbei relativiert Ratz zunächst das Modell des Lernens am gemeinsamen Gegenstand nach Feuser, da dieses nicht für jedes Thema und jede Situation realisierbar scheint. Wird letzteres nicht bedacht, kann dies zu Pseudo- und Scheinintegration führen. Als Beispiel sei hier genannt, wenn Kindern nicht ihre individuellen Förderbedarfe (wie spezielle Therapieangebote) gewährt werden und der Schwerpunkt zu sehr auf Seiten der gemeinsamen Unterrichtssituationen gelegt wird, bei welchen den z.T. starken Lernunterschieden nicht immer nachgekommen werden kann. Folglich braucht es ausreichend Zeiten (und ggf. Räume), in denen die Schüler_innen mit Förderbedarf eigenständig anderen Aktivitäten nachgehen als die restliche Klasse. Weniger exkludierend gestaltet sich dies durch klassenübergreifende Lernarrangements wie Freiarbeit, Gruppenarbeit oder Wochenplanunterricht (vgl. S. 172-174). Einen inklusiven Unterricht nur anhand der gemeinsamen Gegenstände zu organisieren greift auch dann zu kurz, wenn es darum geht, die Entwicklung spezifischer fachlicher Lerninhalte und Fähigkeiten zu unterstützen, die einer kontinuierlichen, entwicklungsstandangepassten Herangehensweise bedürfen. „Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf einen solchen ihnen gemäßen langfristig angelegten entwicklungsorientierten Unterricht, der nicht in partikuläre und fragmentarische – wenn auch in der einzelnen Stunde passend differenzierte – Angebote zerlegt ist.“ (S. 178).

Werden für Schüler_innen mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung die gleichen Inhalte wie für andere Schüler_innen angeboten, so geschieht dies womöglich unter Vernachlässigung anderer für die Personengruppe ebenfalls bedeutender Themen (vgl. S. 179).

Neben den allgemeinen didaktischen Prinzipien wie Individualisierung, konstruktivistisches Bildungsverständnis, Mitbestimmung nennt Ratz als wichtige konkrete Ansatzpunkte für die Gestaltung individueller Lernsituationen folgende (vgl. S. 180-186): Die Kritik an IQ und sogenanntem Entwicklungsalter als Beschreibungsmodell für die Gehirnentwicklung, da die Gehirne von Menschen mit Behinderungen sich von denen jüngerer Menschen ohne Behinderungen unterscheiden, insofern als dass sie bereits über andere Verknüpfungspfade und Erfahrungen verfügen. Es handelt sich demnach nicht einfach um eine „verlangsamte[n] Normalentwicklung“ (S. 184). Weiterhin verläuft die Entwicklung nicht in allen Lernbereichen gleichermaßen und linear, sondern getrennt voneinander und unterschiedlich schnell. Hierbei kann es u.a. auch zu Beeinflussungen unterschiedlicher Entwicklungsdomänen oder zu Inselbegabungen kommen. Für die Unterrichtsplanung in einer Domäne (beispielsweise Mathematik) spielen notwendige Kompetenzen anderer Domänen jedoch ggf. auch eine Rolle (beispielsweise Sprachentwicklung) und müssen mitbedacht werden. Als weiteren Punkt nennt er die Beachtung von syndrom- und schädigungsspezifischen Begebenheiten, welche besondere Herangehensweisen fordern. Als Beispiel werden typische Stärken und Schwächen im Arbeitsgedächtnis sowie ableitend Herangehensweisen bei der Entwicklung der Schriftsprache bei Kindern mit Down-Syndrom erläutert. Bedeutend sei zudem die Möglichkeit theoretische Denkleistungen zu erbringen – auch bei sehr jungen Kinder oder Kindern mit kognitiven Einschränkungen. Dies kann beispielsweise mit dem Konzept des aktiv-entdeckenden Lernens gefördert werden. Abschließend wird das Augenmerk auf die biographische Entwicklung der Kinder gelegt, die z.T. von besonderen Erfahrungen (familiär, psychologisch, sozial, emotional, kommunikativ) geprägt sein kann. Gezielte Aufarbeitungen im Rahmen von Biographiearbeit bieten sich daher an. Schlussfolgend werden vier Kernaspekte genannt, die beim inklusiven (Mathe-)Unterricht austariert werden müssen (vgl. S. 186 f.):

  • fachliche Zusammenhänge
  • aktuelle Modelle über Entwicklungsabfolgen
  • individuelle Merkmale der Schüler_innen
  • Ermöglichung gemeinsamer inklusiver Lernsituationen der Regelschule anhand gemeinsamer Gegenstände

Damit besitzt der Lehrplan der Regelschule auch für die Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf eine gewisse Gültigkeit. Mit Hilfe eines für Berlin bereits reduzierten Lehrplans können Anpassungen in Form geringerer Quantitäts- oder Komplexitätsstufen vorgenommen werden. Darüber hinaus sollten zusätzliche spezielle Angebote in Form eines Parallellehrplanes bestehen (vgl. S. 187 f.).

Almuth Schlagmüller betitelt ihren Beitrag mit „Kompetenz erleben, entscheiden und mit anderen leben – drei psychologische Grundbedürfnisse: Kompetenz, Autonomie, Verbundenheit – als Qualitätsstandards“. Darin stellt sie fest, dass neben physiologischen und emotionalen Grundbedürfnissen auch drei psychologische existieren: Kompetenz, Autonomie und Verbundenheit (vgl. S. 228). Es werden Beispiele aus Alltagssituationen in Bezug auf diese drei Bedürfnisse, die bei Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung demnach oft nicht oder nur unzureichend erfüllt sind, aufgezeigt. Beispielsweise ist das Kompetenzerleben gering, wenn „ich gar nicht verstehe, was die anderen sagen, und sie mich nicht verstehen, fragen“ (S. 230). Das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Personen wird eingeschränkt, wenn „der Kontakt zu mir nur ein Job ist[;] ich kaum einfach so mit anderen zusammen bin[;] […] so oft mit ‚Neuen‘ zu tun habe[;] der Wunsch nach Partnerschaft und Sex kaum erfüllbar scheint“ (S. 230). Bezüglich des Wohnens ist die Autonomie zudem z.B. eingeschränkt, wenn „mein Zimmer von anderen eingerichtet wird[;] […] ich nur, wenn jemand Zeit hat, Freizeitunternehmungen machen kann[;] keine Wahl besteht, mit wem ich zusammen wohne[;] […] andere bestimmen, wann ich als Erwachsener ins Bett gehe“ (S. 230).

Eine Möglichkeit der Erreichung der Grundbedürfnisse unter größerer Selbstbestimmung ist mithilfe des Individuellen Entwicklungsplanes und dementsprechender stärkerer Vorbereitung und Einbeziehung der Hauptpersonen und ihrer Familie sowie wichtigen Bezugspersonen in die Lebensplanung, Ziel- und Maßnahmenbestimmung. Die Stimme der Person, um die es geht, sollte hierbei im Vordergrund stehen, da es letztlich um ihr Leben geht (vgl. S. 231-234). Um dies zu ermöglichen, nennt die Autorin u.a. ein Training zur Erhöhung der Selbstbestimmungskompetenzen mit dem Namen „Whose future is it anyway?“ von Wehmeyer und Lawrence (2004) (vgl. S. 234 f.).

Abschließend fordert die Autorin die drei genannten psychologischen Grundbedürfnisse als Qualitätsstandards für sonderpädagogische Praxis einzusetzen und formuliert wieder konkrete alltägliche Situationen, in denen sich diese zeigen (vgl. 238 f.). Zum Beispiel „Ich fühle mich mit anderen verbunden, wenn andere sich Zeit für mich nehmen“ (S. 239).

Weitere Beiträge

Folgende andere Beiträge sind im Band enthalten:

  • Ulrike Breyer, Cornelius Breyer: Möglichkeiten frühkindlicher inklusiver Erziehung und Bildung in Bayern – Anspruch und Wirklichkeit
  • Christina Kießling: Das Selbstverständnis der Schulvorbereitenden Einrichtung in einer sich wandelnden Bildungslandschaft
  • Andreas Möckel: Inklusion aus historischer Sicht
  • Stefanie Gregor: Inklusion als Totale Institution?
  • Michael Häußler: Zwischen Zweifel und Zustimmung – Skepsis als berufsethische Haltung von Geistigbehindertenpädagogen in Zeiten der Inklusion
  • Erwin Breitenbach: Inklusive Diagnostik – „alter Wein in neuen Schläuchen“?
  • Désirée Laubenstein, Christian Lindmeier, David Scheer, Kirsten Guthöhrlein: Gemeinsamer Unterricht in rheinland-pfälzischen Schwerpunktschulen
  • Günther Fohrer: Die Heilpädagogische Tagesstätte in Bayern und Inklusion
  • Judith Franz, Walter Goschler, Christoph Ratz: Das Pascalsche Dreieck als „Gemeinsamer Lerngegenstand“ für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in heterogenen Lerngruppen
  • Tina Molnár-Gebert: Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung in empirischer Forschung – inklusive Werte in der Wissenschaft?
  • Almuth Schlagmüller: Kompetenz erleben, entscheiden und mit anderen leben – drei psychologische Grundbedürfnisse: Kompetenz, Autonomie, Verbundenheit – als Qualitätsstandards
  • Thomas Spaett: Ein inklusiver Blick auf die Gesundheitsversorgung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
  • Harald Ebert, Ramona Eck: Berufsvorbereitung und Inklusion
  • Erhard Fischer, Tina Molnár-Gebert: „. in die Werkstatt will ich nicht – da pass ich einfach nicht rein.“ Menschen mit geistiger Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt?
  • Peter Groß: Inklusive Vernachlässigung im Gemeinwesen? Neue Aufgabenfelder einer Andragogik im Sozialraum

Diskussion

Die einzelnen Beiträge des Bandes haben jeweils einen angemessenen Umfang, sodass die Lesemotivation gefördert wird.

Positiv zu bewerten ist, dass der Band nicht nur auf schulische Inklusion fokussiert, wie dies in der öffentlichen Diskussion häufig der Fall ist, sondern auch außerschulische Bereiche mit einbezieht (vgl. S. 8). Der Band kann für Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen geeignet sein, denn er enthält sowohl vordergründig theoretische Abhandlungen, Darstellungen von Studienergebnissen als auch Umsetzungsbeispiele (z.B. in Form der Darstellung eines inklusiven Unterrichtsangebots). Wünschenswert wäre hierbei auch umfangreichere Bezugnahmen zu internationalen Begebenheiten einzubinden.

Es wird deutlich, dass Inklusion kein „Spaziergang“ ist, der von heute auf morgen und ohne Kompromisse umsetzbar ist und so bleiben auch unbequeme Themen nicht außen vor, beispielsweise die Gefahr der „Vereinzelung“ und „Vereinsamung“ (S. 147), wenn Kinder und Jugendliche mit sogenannter geistiger Behinderung in inklusiven Lernsettings keine Peer-Beziehungen, keine intensiven Freundschaften aufbauen können (vgl. S. 147). Dies ist zwar auch in der Förderschule nicht garantiert, aber aufgrund der stärkeren Gleichrangigkeit (vgl. S. 147) wahrscheinlicher. Hier wünscht man sich vielleicht eine positive Handlungsmöglichkeit oder Impulse für die Förderung eben jener wichtiger Beziehungen im inklusiven Lernsetting, die der entsprechende Beitrag aber vorerst nicht liefert.

Insgesamt nimmt die Herausstellung kritischer Punkte gegenüber Inklusion einen nennenswerten Umfang ein. Vor allem sehr absoluten Inklusionsbefürwörter_innen werden zu bedenkende Sachverhalte entgegengesetzt. Dabei finden sich jedoch immer wieder schlussfolgernde Worte des „sowohl als auch“ wieder. Sowohl Sonderschule als auch Inklusion, sowohl gemeinsame als auch spezifische individuelle Förderung. Ein kritisch-prüfender Blick muss somit keineswegs gegen die Grundwerte der Inklusion wie größtmögliche gesellschaftliche Partizipation stehen, sondern sieht die Ermöglichung selbiger für einige Menschen eher in anderen Bedingungen (vgl. S. 86 f.).

Kritisch anzumerken ist, dass im Vordergrund der Ausführungen nur die eine Heterogenitätsdimension steht (Behinderung und zwar nur die sogenannte geistige Behinderung). Andere existente Dimensionen wie Geschlechtszugehörigkeit, Alter, soziale Schicht etc. werden nicht explizit betrachtet. Zudem kommen, wie die Autor_innen in ihrem Vorwort selbst feststellen, die Menschen, um die es im Sammelband geht – Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung – nicht direkt zu Wort. Lediglich in einem Beitrag wird die Personengruppe indirekt einbezogen, indem ihre Sicht zum Thema (Vor- und Nachteile sowie Zufriedenheit bei der Beschäftigung von Menschen mit geistiger Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt) anhand von Interviewausschnitten präsentiert wird (vgl. S. 290).

Fazit

Der Sammelband deckt Chancen, Grenzen und auch Gefahren, die sich im Zuge der Umsetzung von Inklusion für den Personenkreis der Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung ergeben, auf. Dabei werden neben vorschulischen und schulischen auch nachschulische und übergreifende Lebensbereiche einbezogen. Insgesamt wird ein breites Themenspektrum abgedeckt und somit wird der Sammelband unterschiedlichen Interessenschwerpunkten gerecht.

Im Band finden sich auch kritische Perspektiven auf Inklusion bzw. die Art und Weise, in der die Debatte um Inklusion geführt wird, welche teilweise scheinbar sehr naiv oder radikal daherkommt (vgl. S. 85). Gemeinsam ist vielen Beiträgen (sei es bezogen auf die schulische oder arbeitsmarktbezogene Diskussion), dass sie die Aufrechterhaltung einer gewissen Optionenvielfalt befürworten, anstatt der radikalen Umwälzung von heute auf morgen. Demnach gilt es im Zuge der Inklusion mehrere mögliche Institutionen sowie Übergangs-, Entwicklungs- und vorübergehende Zwischenlösungen zu gewähren, um so den verschiedenen Menschen gerecht werden zu können und gleichzeitig ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und sozialer Einbindung zu erreichen (vgl. u.a. S. 300 f.).


Rezensentin
Rita Bretschneider
M.Ed. Master of Education für das Lehramt an Förderschulen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig am Institut für Förderpädagogik im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
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Zitiervorschlag
Rita Bretschneider. Rezension vom 07.09.2017 zu: Erhard Fischer, Christoph Ratz (Hrsg.): Inklusion – Chancen und Herausforderung für Menschen mit geistiger Behinderung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3352-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22330.php, Datum des Zugriffs 14.12.2017.


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