Aleida Assmann: Einführung in die Kulturwissenschaft
Rezensiert von F. Sigrid Grün, 09.08.2017
Aleida Assmann: Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen. Erich Schmidt Verlag (Berlin) 2017. 4., durchgesehene Auflage. 264 Seiten. ISBN 978-3-503-17141-5. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
Thema
Die Kulturwissenschaft ist ein weites Feld, was vor allem für Studierende zunächst eine Überforderung darstellen kann. Aleida Assmann bietet insbesondere Studierenden der Anglistik und Amerikanistik aber auch Kulturwissenschaftlern im Allgemeinen einen umfassenden Überblick über Themen, Fragestellungen und Diskurse. Damit ermöglicht sie Interessierten einen strukturierten Einstieg in die Materie.
Autorin
Aleida Assmann ist Anglistin, Ägyptologin und Literatur- sowie Kulturwissenschaftlerin. Sie hatte mehrere Gastprofessuren an US-amerikanischen Universitäten (u.a. an der Princeton University) inne und forscht schwerpunktmäßig im Bereich der Kulturwissenschaft. Für ihre Arbeit wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Entstehungshintergrund
Aleida Assmanns „Einführung in die Kulturwissenschaft“ liegt mittlerweile in der 4. Auflage vor. Im Lauf der vergangenen zehn Jahre ist es zu einem Standardwerk avanciert, das sich angesichts der Entwicklungen im Bereich der Kulturwissenschaft als solide und umfassende Einführung in das Forschungsfeld erwiesen hat.
Aufbau und Inhalt
Das Einführungswerk ist klar strukturiert und ermöglicht es dem Leser dadurch, sich gezielt in einzelne Teilbereiche einzuarbeiten.
In einer ausführlichen Einleitung wird der Kulturbegriff diskutiert und der Unterschied zwischen Cultural Studies und Kulturwissenschaften herausgearbeitet. Jedem Abschnitt schließt sich eine Auswahlbibliographie an.
Der Hauptteil ist in sieben große Kapitel, die kulturwissenschaftliche Grundbegriffe aufgreifen, gegliedert:
- Zeichen
- Medien
- Körper
- Zeit
- Raum
- Gedächtnis
- Identität
Zahlreiche Werke aus der Literatur werden als beispielhafte Quellen benutzt. So werden etwa Joseph Conrads „Heart of Darkness“ zur Verdeutlichung der „Krise des Empire“, Robert Louis Stevensons „Dr. Jekyll and Mr.Hyde“ als Ausdruck der repressiven viktorianischen Moral und Shakespeares Werke in sämtlichen Bereichen herangezogen.
Das Buch ist sehr klar aufgebaut. Assmann beginnt mit dem „Zeichen“ und dem „Zeichengebrauch als anthropologische[r] Grundlage“ und gelangt über die Sprache schließlich zu den Medien als „materiale [bzw.] apparative Träger von Zeichensystemen“. (S. 60)
Die Körperdiskurse, die natürlich auch Sexualität, Menschenbilder und Körper-Inszenierungen umfassen, werden anschließend thematisiert. Die Bedeutung dieses Themas im Rahmen der Kulturwissenschaft wird klar, wenn man über die Bedeutung der Aussage des marxistischen Literaturtheoretikers Terry Eagleton nachdenkt, der vorschlug, „den Begriff der Kultur nicht mehr länger an den Geist, sondern den Körper zu binden“. (zit. nach Aleida Assmann, S. 92)
Im Anschluss widmet sich die Autorin den Kategorien Raum und Zeit, die sie anhand von literarischen Beispielen sinnfällig entfaltet.
Der Abschnitt „Gedächtnis“ ist besonders gehaltvoll, da Aleida Assmann gemeinsam mit ihrem Mann Jan Assmann den Begriff des „kulturellen Gedächtnisses“ prägte. Hier wird auf wenigen Seiten deutlich, welche Rolle das Gedächtnis für die Kultur(wissenschaft) spielt.
Zuletzt beschäftigt sich Assmann mit dem schillernden Begriff der Identität, deren zahlreiche Facetten sie beleuchtet.
Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das Primär- und Sekundärliteratur getrennt auflistet, sowie ein Sach- und ein Namensregister runden die „Einführung in die Kulturwissenschaft“ ab.
Diskussion
Aleida Assmanns „Einführung in die Kulturwissenschaft“ ist stringent und klar. Alle wesentlichen Begriffe werden ausreichend erläutert und die zahlreichen Hinweise auf weiterführende Literatur bieten dem Leser die Möglichkeit, einen vertieften Einstieg in die unterschiedlichen Themen vorzunehmen.
Die klar verständliche Sprache, die zahlreichen Anregungen und der gelungene Aufbau ermöglichen auch Studenten, die Neuland betreten, einen leichteren Zugang zu einem umfangreichen Forschungsbereich.
Nicht nur Anglisten und Amerikanisten, sondern auch alle an Kultur- und Medienwissenschaft Interessierten können sich in die Grundlagen einarbeiten.
Das Buch bietet einen äußerst gelungenen Überblick. Dass es innerhalb weniger Jahre zu einem Standardwerk geworden ist, ist absolut nachvollziehbar. Während meines Studiums der Kulturwissenschaft habe ich mehrere Einführungswerke gelesen – das vorliegende Buch fand ich persönlich am besten.
Fazit
Eine gute Einführung in eine Wissenschaft zu verfassen, ist eine Kunst für sich. Aleida Assmann schreibt derart strukturiert und gleichzeitig lebendig, dass es eine Freude ist, diese Einführung zu lesen – selbst als jemand, der bereits ein Studium der Kulturwissenschaft beendet hat, war es ein Genuss, den Ausführungen der Autorin zu folgen, da sie verschiedenste gehaltvolle Themen auf den Punkt bringt. Sehr zu empfehlen!
Rezension von
F. Sigrid Grün
Sigrid Grün, M.A., freischaffende Künstlerin und Lehrbeauftragte, www.kultur-ostbayern.de
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