socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Christiane Bernard: Frauen in Drogenszenen

Cover Christiane Bernard: Frauen in Drogenszenen. Drogenkonsum, Alltagswelt und Kontrollpolitik in Deutschland und den USA am Beispiel Frankfurt am Main und New York City. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2013. 344 Seiten. ISBN 978-3-658-01329-5. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 50,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Unter einer genderspezifischen Perspektive geht die Autorin der Frage nach, inwiefern die differenten drogenpolitischen Bedingungen in den USA/New York City und Deutschland/Frankfurt am Main Auswirkungen auf den illegalen Drogenkonsum von Frauen sowie auf die soziale und gesundheitliche Situation der Drogenkonsumentinnen haben. Zudem werden Einblicke in die spezifischen Alltagswelten von Drogenkonsumentinnen in amerikanischen und deutschen Straßenszenen und ihrer damit einhergehenden Alltagsbewältigung ermöglicht. Die in diesem Vergleich gewonnenen Erkenntnisse sollen für drogenpolitische Empfehlungen bezüglich einer bedarfsgerechteren und gendersensiblen Bewältigung frauenspezifischer Belange und Problemlagen genutzt werden.

Autorin

Dr. phil. Christiane Bernhard ist Dipl. Sozialwissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, BELLA DONNA. Zuvor war sie lange Zeit wissenschaftliche Mitarbeitern am Centre for Drug Research am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Goethe-Universität Frankfurt.

Aufbau

  1. Theoretisch gerahmt wird die Arbeit zunächst durch eine wissenssoziologische Diskussion bezüglich der Generierung und Verortung sozialer Probleme in objektivistischer sowie konstruktivistischer Theorie und der damit einhergehenden Implementierung sozialer Kontrolle in helfenden wie strafenden Instanzen.
  2. Zudem zeigt die Autorin in der Darstellung der geschichtlichen Konstituierung des Drogenkonsums als soziales Problem in den USA und Deutschland, dass staatliche Drogenkontrollpolitik immer auch strategisch zu Kontrollzwecken inner- und außenpolitischer Gemengelagen und zur Durchsetzung machtpolitischer Nationalinteressen genutzt bzw. eingesetzt wurde.
  3. Einen umfassenden Überblick zum nationalen wie US-amerikanischen Forschungsstand zum Thema „Frauen und illegale Drogen“ liefert sodann das 3. Kapitel. Dazu kann festgehalten werden, dass hierzulande – im Gegensatz zur amerikanischen Tradition – ethnografische frauenspezifische Forschungsarbeiten, die die Perspektive von Drogenkonsumentinnen als handelnde Subjekte in ihrer Alltagswelt in den Forschungsmittelpunkt rücken, kaum vorliegen. Auch hinsichtlich einer international vergleichenden Drogenforschung lassen sich große Mankos feststellen. So sind die bis jetzt vorliegenden Forschungsarbeiten überwiegend quantitativ ausgerichtet und es existieren zudem nur wenige international vergleichende Studien die einer frauenspezifischen Fragestellung nachgehen. Demgegenüber ist das Forschungsdesign der vorliegenden Vergleichsstudie methodenpluralistisch angelegt und kombiniert verschiedene qualitative und quantitative Verfahren.
  4. Zur methodischen Konzeption, die in Kapitel 4 näher vorgestellt wird, an dieser Stelle ein paar Eckdaten: Die von der Autorin selbst durchgeführte quantitative und qualitative Interviewbefragung von Drogenkonsumentinnen in Frankfurt fand im Jahre 2008 statt. Zudem wurden hinsichtlich des illegalen Substanzgebrauchs die Daten des deutschen Epidemologischen Suchtsurveys (ESA) von 2009 und des in den USA jährlich erhobenen National Survey on Drug Use and Health (ebenfalls aus dem Jahre 2009) ausgewertet und verglichen (Gruppe der 18 bis 64-Jährigen). Zuzüglich wurde eine Sekundäranalyse von Repräsentativbefragungen zum illegalen Drogenkonsum, Morbiditäts-, Mortalitäts- und Kriminalisierungsraten durchgeführt und Surveydaten des Frankfurter Centre for Drug Research (2002 bis 2008) zu Wandlungsprozessen der Frankfurter Drogenszene (z.B. Aufkommen von Crack, Implementierung von zusätzlichen Harm Reduction Angeboten) einbezogen. Die ethnographischen US Studien, die in einer Metaanalyse ausgewertet wurden, umfassten den Zeitraum 1996 bis 2009.
  5. Kapitel 5 bietet einen ländervergleichenden und genderspezifischen Überblick zur Drogenkonsumsituation von Frauen in Deutschland und den USA. Hier lässt sich anhand der Daten ein deutlich höheres Ausmaß des illegalen Substanzgebrauchs unter Frauen in den USA nachzeichnen.
  6. Schließlich werden im Kapitel 6 zum einen die Ergebnisse einer von der Autorin durchgeführten und auf qualitativen wie quantitativen Interviews basierenden Primärerhebung zur Alltagswelt der Drogenkonsumentinnen als auch die Daten einer regelmäßig in Frankfurt durchgeführten Befragung in der Straßen-Drogenszene ausführlich vorgestellt.
  7. Das 7. Kapitel ergänzt und vergleicht Erkenntnisse aus einer qualitativen Metaanalyse ethnografischer Forschungsarbeiten zur Lebenswelt von Straßen-Drogenkonsumentinnen in New York City.
  8. Eine abschließende Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse findet im 8. Kapitel statt.

Inhalt

Schaut man sich zunächst die zentralen Ergebnisse der Studie bezüglich des Lebens und Alltags der Frauen in der Frankfurter Straßen-Drogenszene an, so lässt sich folgendes festhalten. Illegalität und soziale Marginalisierung prägen die Lebensbedingungen in der Drogenszene. Der Alltag der Frauen ist überwiegend bestimmt durch die Finanzierung, den Erwerb und den Konsum illegalisierter Drogen. Zudem sind sie innerhalb der Szene mit patriarchalen Strukturen und Normen konfrontiert, die Frauen diskriminieren und ihnen stereotype, traditionelle Geschlechterrollen zuweisen. Es gilt das Gesetz des Stärkeren, das mit Gewalt und physischer Kraft durchgesetzt werde. Männer sind in der Szene nicht nur zahlenmäßig überlegen, sondern genießen auch einen deutlich höheren Status als Frauen. Diese sich ständig reproduzierende Geschlechterhierarchie hat laut Bernard weitreichende Konsequenzen für die alltägliche Bewältigung des Szenelebens als auch für das Selbstwertgefühl der Konsumentinnen.

Grundsätzlich zeigen die Daten, dass ihre soziale Situation tendenziell belasteter ist als die der Männer: Ihr Schul- und Ausbildungsniveau ist geringer und ihre Arbeitslosigkeit dauert länger an. Ein Großteil der Konsumentinnen hat eigene Kinder, die sie aber häufiger als drogenkonsumierende Väter in familiäre oder fremde Obhut übergeben müssen. Zudem suchen Frauen nach Aufnahme des Heroinkonsums schneller den Kontakt zur Drogenszene, was womöglich mit der gesellschaftlich stärkeren Ablehnung und Verurteilung des Drogenkonsums von Frauen zusammenhänge, die somit soziale Desintegrationsprozesse von weiblichen Konsumentinnen befördern können. Ein großer Anteil der Frauen in der Frankfurter Drogenszene ist obdachlos oder lebt zeitweise in Notunterkünften.

Besonders prekär sind die den Frauen zugebilligten Wege der Drogenfinanzierung. Da sie aufgrund der Geschlechterhierarchie in der informellen Ökonomie des Szenealltags als Händlerinnen kaum in Erscheinung treten (können), sind sie neben staatlichen Sozialleistungen vor allem auf die Prostitution angewiesen, wodurch sie innerhalb der Drogenszene eine weitere Geringschätzung erfahren. Neben dieser zusätzlichen Degradierung wird die Situation der Drogenprostituierten durch Konkurrenz untereinander und die gesundheitlichen Gefahren und psychischen Risiken, die mit der Prostitution einhergehen, erschwert. Vereinsamung, Vereinzelung und Entsolidarisierung unter den Frauen sind die Folgen, sodass die Beziehungen unter den Szeneangehörigen und insbesondere unter Frauen durch „gegenseitiges Misstrauen, Geringschätzung und fehlende Solidarität bestimmt“ (261) seien.

Unter den Frauen auf der Frankfurter Drogenszene ist offensichtlich aus Gründen der Verfügbarkeit der Konsum von Crack seit Mitte der 1990er Jahre stark angestiegen und hat damit den einst hohen Stellenwert von Kokain übernommen, dessen Konsum deutlich zurückgegangen sei. Auffällig sind dabei der weitverbreitete intravenöse Konsum des Kokainderivats und die im Geschlechterverglich intensiveren und risikoreicheren Crackkonsummuster unter Frauen. Laut den Ergebnissen der Studie führe der intensive Crackkonsum zu einem erhöhten Beschaffungsdruck und beschleunige soziale Desintegrationsprozesse wie Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Einbindung in das Szenemilieu. Im Kontext des zunehmenden Crackkonsums ließen sich zugleich auch Veränderungen auf dem Frankfurter Drogenstrich wie eine zunehmende Konkurrenz unter den Beschaffungsprostituierten, ein Preisrückgang für sexuelle Dienstleistungen und die Akzeptanz riskanter sexueller Praktiken feststellen. Auch sei der Straßenhandel mit Crack anders als bei Heroin „stärker dezentralisiert und weniger hierarchisch organisiert“ (263), sodass auch Frauen, allerdings unregelmäßig und eher nur am Rande involviert, am Verkauf vermehrt beteiligt seien, was ihnen allerdings keinen Prestigegewinn in der Szene einbringe.

Körperlich und psychisch sind die Frauen in der Szene hohen Belastungen ausgesetzt. Häufiger als Männer seien sie „Opfer von Eigentums- und Gewaltdelikten, weisen eine höhere HIV- und Hepatitis-Infektionsrate auf, schätzen ihren Allgemeinzustand schlechter ein und leiden häufiger unter verschiedenen gesundheitlichen und psychischen Beschwerden. Darüber hinaus praktizieren sie häufiger risikoreiche intravenöse Drogenkonsumformen“ (264).

Frauen wie Männer zeigen eine hohe Inanspruchnahme gegenüber schadensminimierender Angebote des Frankfurter Drogenhilfesystems. Auch lässt sich anhand der Daten eine hohe Erreichbarkeit der intensiven Crackkonsumentinnen über überlebenspraktische Hilfen feststellen. Zudem habe sich seit 1995 die Teilnahme von Frauen an Substitutionsbehandlungen, die Dauer der Substitution sowie ihre Einbindung in eine regelmäßige Betreuung tendenziell erhöht. Jedoch fehlen laut Bernard frauenspezifische Angebote, die explizit auf die Bedarfe und Bedürfnisse weiblicher Konsumentinnen ausgerichtet seien. Männliche Konsumenten seien auch in den Einrichtungen der Drogenhilfe in der Überzahl, so dass „szenespezifische Verhaltensweisen und die Geschlechterhierarchie auch dort zum Tragen kommen“ (265). So bestehe für Frauen kaum eine Möglichkeit sich in einer geschützten Atmosphäre von ihrem Alltagsstress zu erholen, geschweige denn ihr Selbstwertgefühl oder eine Solidarität untereinander zu stärken.

Viele der interviewten Drogenkonsumentinnen formulierten den „Wunsch nach einen konventionellen Leben“(265), sind jedoch verunsichert und pessimistisch was die Realisierung eines alternativen Lebensentwurfs betrifft.

Im Vergleich der New Yorker und Frankfurter Ergebnisse lassen sich viele Parallelen, aber auch deutliche Unterschiede erkennen.

Auch in New York ist das Drogenmilieu durch eine patriarchale Szenehierarchie und stereotype geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen geprägt. Ebenso lässt sich eine vergleichbare Diskreditierung der Frauen untereinander, und hier insbesondere unter den Beschaffungsprostituierten, feststellen. Allerdings scheinen Subgruppen der New Yorker Prostituierten auch eine gewisse Solidarität und Kollektivität untereinander aufzubauen und auch generell berichten Drogenkonsumentinnen in New York eher über unterstützende Sozialkontakte. Möglicherweise liegt einer Erklärung darin, „dass sich die New Yorker Drogenkonsumentinnen meist nach wie vor in ihrer gewohnten Umgebung bewegen, d.h. in den Nachbarschaften, in denen sie aufgewachsen sind“ (300). Bei vergleichsweise ebenso niedrigem Bildungsniveau und fehlender Berufsqualifikation wie in Frankfurt wachsen sie in Stadtvierteln auf, in denen „die informelle Ökonomie einen zentralen Stellenwert“ (300) einnimmt, so dass sie sich schon früh, teilweise schon vor Beginn des Drogenkonsums, die entsprechenden Kompetenzen aneignen, um sich auf dem informellen Einkommenssektor zu behaupten.

Da in New York Notschlafunterkünfte speziell für Drogenkonsumentinnen generell fehlen, kommen temporären Unterkünften wie Crack- und Freakhäusern, shooting galleries und dem Wohnen bei einem Sozialfreier eine hohe Bedeutung zu.

Bezüglich der Applikationsformen ist auffällig, dass in New York nur eine geringe Prävalenz bzw. ein deutlicher Rückgang des i.v. Konsums zu beobachten ist. Crack wird so gut wie gar nicht intravenös appliziert und auch der hohe Reinheitsgehalts des in New York gehandelten Heroins begünstige einen nicht-intravenösen Konsum. Jedoch lässt sich wie in Frankfurt so auch in New York ein im Vergleich zu männlichen Konsumenten verbreiteterer und intensiverer Crackgebrauch unter Frauen konstatieren und auch hinsichtlich riskanter Applikationsmuster lassen sich zwischen den Städten deutliche Parallelen erkennen. Frauen praktizieren auch in New York häufiger als Männer ein riskantes Drogengebrauchsverhalten und dies vor allem in Beziehung zu einem ebenfalls konsumierenden Partner. So legen die Ergebnisse der New Yorker Forschungsarbeiten nahe, dass auch, wenn das Risikoverhalten zum Teil aus Notsituationen (z.B. nur ein Spritzbesteck verfügbar, intensive polizeiliche Kontrollen) heraus entstehe, es doch auch der „Bekräftigung und Festigung sozialer Beziehungen und hier vor allem der Partnerschaft“ (302) diene. Auch korreliert in beiden Städten ein hoher Crackkonsum mit der Beschaffungsprostitution was auch in New York zu einer deutlich veränderten Situation auf dem Drogenstrich (s.o.) führe. Darüber hinaus lassen sich zudem in New York für Frauen neue Rollen in der Crackdistribution ausmachen, die vor allem „auf eine zunehmende Überschneidung von Drogenhandel und Prostitution verweisen“ (303). Auch führe die im Vergleich zu Frankfurt hochschwelligere staatliche Spritzenvergabe und das gänzliche Fehlen von offiziellen Konsumräumen in New York zu neuen Finanzierungsmöglichkeiten für Frauen im Rahmen der informellen Szeneökonomie: Sie verkaufen und verleihen Spritzutensilien oder sind im Betrieb der sog. shooting galleries bzw. Crackhäuser involviert.

Trotz der restriktiveren amerikanischen Drogenpolitik liegt in beiden Städten die Inhaftierungsrate unter drogenkonsumierenden Frauen in etwa gleich hoch. Es lässt sich somit anhand der vorliegenden Daten keine höhere Kriminalitätsbelastung für New Yorkerinnen nachweisen. Dies ist insofern erstaunlich, da in den USA allgemein „seit Mitte der 80er Jahre eine nahezu dreifache Erhöhung der polizeilichen Ermittlungen gegen Frauen wegen Drogendelikten“ (134) festzustellen ist. Doch kam es zeitgleich auch in Deutschland trotz der zunehmend helfenden Kontrollansätze seit Mitte der 80er Jahre zu einer dreifachen Erhöhung der BtMG- Verurteilungen von Frauen (s.134). Eine vermehrte Implementierung von Harm Reduction Angeboten ersetzt also ganz offensichtlich nicht das Strafen.

In beiden Städten sind die HIV-Infektionsraten seit den 1990er Jahren deutlich zurückgegangen und auch die Anteile der HIV-positiven Drogenkonsumentinnen sind über die Jahre vergleichbar (in New York Reduzierung von 43% in älteren Studien auf 13% in jüngeren Erhebungen und in Frankfurt von 1995 bis 2008 Rückgang von 46% auf 12%). Wesentlich hierfür dürfte in beiden Städten die Einführung von Spritzentauschprogrammen (für Frankfurt auch das Angebot von Konsumräumen) sein. Auch könne für New York ein deutlicher Zusammenhang zwischen reduzierter HIV-Rate und rückläufigem i.v. Konsum angenommen werden. Nach wie vor sei aber vor allem auch in New York das sexuelle Risikoverhalten (Beschaffungsprostitution sowie private ungeschützte Sexualkontakte) für eine HIV-Infizierung von Bedeutung. So sind Frauen in beiden Städten häufiger als Männer HIV positiv oder mit einer Hepatitis C infiziert.

Allgemein geht es drogenkonsumierenden Frauen in New York gesundheitlich offensichtlich schlechter als in Frankfurt, sie geben eine deutlich schlechtere psychische und gesundheitliche Verfassung an. Dies mag zum einem mit dem schlechter ausgebauten amerikanischem Gesundheitssystem, insbesondere auch in der Drogenhilfe, und zum anderen mit dem „deutlich geringeren Ausbau schadensreduzierter Drogenhilfeangebote in New York“ (305) zusammenhängen. Können Drogenkonsumentinnen in Frankfurt für die Bewältigung ihres Alltags auf verschiedene überlebenspraktische und schadensminimierende Angebote zurückgreifen, stehen den Frauen in New York neben hochschwelligen, auf kurz- oder mittelfristige Abstinenz angelegten Substitutionsprogrammen nur wenige niedrigschwellige Harm Reduction Angebote zur Verfügung.

Fazit

Resümierend kann mit Bernard festgehalten werden, dass offensichtlich auch eine deutlich repressiv ausgerichtete Drogenpolitik wie die der USA nicht in der Lage ist, den Drogengebrauch und -handel zu kontrollieren, geschweige denn zu reduzieren. Die Gründe dafür sind reichhaltig und vielschichtig. Sie reichen von dem „grundsätzlich menschlichen Bedürfnis“ (13) Veränderungen des Wachbewusstseins und Rauscherfahrungen herbeizuführen bis hin zu den zahlreichen Funktionen und Bedeutungen, die dem Konsum der verschiedenen Drogen alltäglich von den Individuen zugeschrieben wird.

Doch gleichwohl haben die diskursive Inszenierung des Drogenkonsums als ein „soziales Problem“ und die damit einhergehenden Labeling-Prozesse (34), haben die sich dadurch legitimierende staatliche Kontrollpolitik und die Intensität der Repression sehr deutliche Auswirkungen und Effekte auf die gesundheitliche und soziale Situation der Drogenkonsumierenden. Die Problemlagen der DrogenkonsumentInnen steigen mit der Intensität der Repression und staatlichen Verfolgung und insbesondere für die Lebenssituation von Frauen in Drogenszenen lassen sich hohe psychische und physische Belastungen beobachten.

Dabei kann auch eine im bestem Wissen und Gewissen betriebene Drogenhilfepraxis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schäden und Risiken, denen sich die KonsumentInnen illegalisierter Drogen aussetzen (müssen) „hausgemacht“ sind und in diesem Sinne die angebotene (Drogen-)Hilfe lediglich eine Schadensbegrenzung der durch das Verbot verursachten Probleme betreibt.


Rezensentin
Dr. Birgitta Kolte
Sozialwissenschaftlerin, ehem. Mitarbeiterin des Bremer Instituts für Drogenforschung (BISDRO) der Universität Bremen
E-Mail Mailformular


Alle 1 Rezensionen von Birgitta Kolte anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Birgitta Kolte. Rezension vom 07.04.2017 zu: Christiane Bernard: Frauen in Drogenszenen. Drogenkonsum, Alltagswelt und Kontrollpolitik in Deutschland und den USA am Beispiel Frankfurt am Main und New York City. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-658-01329-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22340.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!