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Gerhard Paul: Bilder des Krieges - Krieg der Bilder

Cover Gerhard Paul: Bilder des Krieges - Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2004. 526 Seiten. ISBN 978-3-506-71739-9. 49,90 EUR.

Reihe: Schöningh. ISBN 3-7705-4053-0 (Fink).
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Das Thema

Das Buch ist die "europaweit erste Gesamtdarstellung des Bildes des modernen Krieges und der Krieg der Bilder." (Klappentext)

Zum Autor

Dr. habil. Gerhard Paul ist seit 1994 Professor für Geschichte an der Universität Flensburg. 

Aufbau und Inhalt

Das umfangreiche Buch gliedert sich in zehn Kapitel mit über 200 Abbildungen. Für den Sozialwissenschaftler und Historiker Paul haben die Ereignisse des 11. September 2001 und der zweite Irak-Krieg 150 Jahre nach den Anfängen der Kriegsfotografie die Frage nach den Bildern des Krieges und deren Bedeutung neu aufgeworfen. Von daher bietet er den Betrachterinnen und Betrachter eine "Zeitreise" durch die Geschichte der Visualisierung der kriegerischen Auseinandersetzungen. Die zehn Kapitel sind folgenden Themen gewidmet:

  • die künstlerische Modellierung des vor- und frühmodernen Krieges,
  • die Kriege des 19 Jahrhunderts,
  • der 1. Weltkrieg,
  • der Spanischen Bürgerkrieg,
  • der 2. Weltkrieg,
  • der Vietnam-Krieg,
  • die beiden Golf-Kriegen,
  • der Kosovo-Krieg
  • "New York, Nine Eleven".

Das 10. und letzte Kapitel ist einem kritischen Resümee vorbehalten.

Mit dem bild- und materialreichen Werk belegt Paul, dass die Bilderwelt des Krieges maßgeblich durch Stereotype geprägt sind, die helfen sollen, Meinungen und Vorurteile zu produzieren. In einer gut nachvollziehbaren Analyse stellt er fünf zentrale Typen von Kriegsfotos heraus:

  1. Der Krieg als saubere Angelegenheit: adrett gekleidete und gepflegte Soldaten
  2. Die Barmherzigkeit im Krieg: rührend bemühte Soldaten kümmern sich um Verwundete und Gefangene
  3. Der Krieg der Professionellen: Fachleute bei der notwendigen Arbeit
  4. Der Krieg als "chirurgischer Eingriff": Militärische Hochglanztechnologie
  5. Der Krieg als mediale Großveranstaltung: Life-Inszenierung und "Entertainisierung"

Wie Gerhard Paul scharfsinnig herausarbeitet, waren die kriegerischen Darstellungsformen von Anbeginn zum großen Teil bewusst inszeniert, um sie propagandistisch ausnutzen zu können. An zum Teil weltweit bekannten Einzelfotos (z.B. My Lai, Vietnam) weist er auf, wie sehr die Bilder nicht nur instrumentalisiert, sondern zum Teil massiv bildtechnisch bearbeitet wurden, um eine gewünschte Reaktion beim Publikum zu bewirken.

Mit der ständigen Thematisierung des Krieges in den modernen Bildmedien erwächst eine neue Deutung in den Köpfen der Menschen. Obwohl jeder Krieg seine spezifischen und unverwechselbaren Bilder kennt, wird durch die Arbeit von Paul einsichtig, wie sehr die entstehenden inneren Bilder der Zuschauer normiert und standardisiert werden. Der Krieg wird entdramatisiert und verliert in den Köpfen den Schrecken.

Zielgruppen

Es ist zu wünschen, dass möglichst viele Menschen aller Altersstufen von diesem Buch Kenntnis nehmen können. Der durch die aufwändige Druckgestaltung teure Anschaffungspreis steht dem freilich entgegen. Von daher wäre der bescheidenere Wunsch, dass möglichst viele öffentliche Bibliotheken dieses Buch anschaffen und es so einem breiten Publikum zugänglich machen.

Fazit

Es ist das Verdienst von Paul, dass Zerrbild vom sauberen und keimfreien Krieg als ideologisch motiviert zu entzerren. Dahinter - so dokumentieren die Bilder - steht unsägliches menschliches Leid und Verlust. Wir werden damit leben müssen,  dass Bilder von kriegerischer Gewalt und des Terrors aus politischen und kommerziellen Interessen die Medien dominieren. Von daher geht es dem Autor in der Konsequenz letztlich "um nichts anderes als um eine visuelle Entmilitarisierung und Entbarbarisierung der Köpfe" (Seite 485).


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 15.03.2005 zu: Gerhard Paul: Bilder des Krieges - Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2004. ISBN 978-3-506-71739-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2236.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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