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Thorsten Kosler: Naturwissen­schaftliche Bildung im Elementar- und Primarbereich

Cover Thorsten Kosler: Naturwissenschaftliche Bildung im Elementar- und Primarbereich. Zum naturwissenschaftlichen Denken mit Kindern im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. 313 Seiten. ISBN 978-3-7815-2148-3. D: 46,00 EUR, A: 47,30 EUR.
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Thema

Das Buch greift die wissenschaftliche Beobachtungen des Projekts „Leuchtpol.“ von 15 Bundesländern auf und hier besonders die 4000 durchgeführten Fortbildungen für ErzieherInnen und deren Materialien zum Thema: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.

Autor

Thorsten Kosler ist Dipl. Physiker und Philosoph. Kosler war unter anderem bis 2012 in der wissenschaftlichen Begleitung der bundesweiten Projekts „Leuchtpol. Energie und Umwelt neu erleben!“, heute ist er an der Universität Zürich am Lehrstuhl für Didaktik der Naturwissenschaften und Nachhaltigkeit.

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand als wissenschaftliche Begleitforschung des Projekts „Leuchtpol. Energie und Umwelt neu erleben!“ (2005- 2014 gefördert durch die Vereinten Nationen).

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Zum methodischen Vorgehen
  3. Nachhaltige Entwicklung als Herausforderung für Bildung und Lernen
  4. Diskurse zum naturwissenschaftlichen Denken von Kindern
  5. Naturwissenschaftliches Denken und alternatives Naturdenken
  6. Potentiale naturwissenschaftlicher Bildung im Elementar- und Primarbereich
  7. Zusammenfassung und Ausblick

Den Abschluss des Buches bilden Literaturverzeichnis, Abbildungsverzeichnis und Danksagung.

Kosler stellt im 1. Kapitel fünf Fragen, deren Beantwortung seiner Meinung nach zwingend aufeinander aufbauen. Die grundlegenden Frage ist: Was macht naturwissenschaftliches Denken aus?

Kapitel 2 beschreibt das methodische Vorgehen, das Kosler als philosophisches Vorgehen beschreibt. Er filtert noch einmal die zentralen Fragen heraus: inwieweit können Kinder naturwissenschaftlich Denken und wie können sie sinnvoll an naturwissenschaftliches Denken herangeführt werden.

In Kapitel 3 wird die Bildung für nachhaltige Entwicklung in deutsch- und englischsprachigen Raum erörtert. Die beiden Konzeptionen von Edmund O´Sullivan und Stephan Sterling wurden zu sinnvollen Prüfung identifiziert. Kosler stellt fest, dass nachhaltige Entwicklung darauf abzielt, die Welt gerechter zu machen. Naturwissenschaftliches Denken sollte deshalb reflexiv sein, also die Folgen des Tuns in den Vordergrund stellt.

Kapitel 4 zeigt wie das Denken von Kindern hinsichtlich Naturphänomene charakterisiert ist. Dazu wird die Sachkundedidaktik und Elementarpädagogik analysiert.

Kapitel 5 will zeigen was naturwissenschaftliches Denken ausmacht, dabei stellt Kosler den Vergleich Francois Julliens zwischen der europäischen und der chinesischen Philosophie dar. Er stellt schließlich fest, dass sich naturwissenschaftliches Denken bezieht auf:

  • die Veränderung von Objekten nach dem Vorbild der Bewegung
  • die Veränderung und deren Beschreibung
  • die Veränderungsprozesse, die in ein quantitatives Verhältnis zueinander gesetzt werden
  • die Nutzung mentaler Modelle
  • die Überprüfung angestellter Überlegungen

Kapitel 6 stellt die chinesische und „naturwissenschaftliche“ Denkweise gegenüber. Beide Sichtweisen sind nach Auffassung Koslers nötig um sie auf nachhaltige Entwicklung zu beziehen.

Kapitel 7 fasst er zusammen und gibt einen Ausblick auf weitere Projekte, z.B. der Entwicklung und Erprobung von didaktischen Materialien für die verschiedenen Klassenstufen.

Diskussion und Fazit

Das Buch entstand aus der wissenschaftliche Begleitung des „Leuchtpol.“ – Projekts. Der Leser wird ausgehend von den Fragen und Thesen über die kritische Auseinandersetzung der Ursprünge des Themas bis zur Beantwortung und den Zukunftsaussichten mitgenommen. Dabei wird systematisch dargestellt, wie sich die Forschung und auch das Denken und Herantasten an die Beantwortung der zentralen Fragen gestaltet.

Kernstück der Arbeit sind diese fünf Fragen:

  1. Was macht naturwissenschaftliches Denken aus?
  2. Inwiefern ist naturwissenschaftliches Denken hilfreich für die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung, inwiefern ist es hinderlich?
  3. Inwieweit können Kinder im Elementar- und Primarbereich an naturwissenschaftliches Denken herangeführt werden?
  4. Welche Maßnahmen sind geeignet, um Kinder an naturwissenschaftliches Denken heranzuführen?
  5. Wie können Kinder dazu angeregt werden, naturwissenschaftliches Denken im Hinblick auf die Nützlichkeit für die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung zu reflektieren?

Kosler bemerkt, dass nach wie vor nicht klar ist, was naturwissenschaftliches Denken ausmacht und somit alle Untersuchungen bis zur Entwicklung und Überprüfung von Lehrinhalten fragwürdig sind. Das gilt besonders für den Elementarbereich, da hier kein Basiskonzept besteht und die pädagogischen Kräfte über keine naturwissenschaftliche Ausbildung verfügen. So kann anderes als in den höheren Klassen nicht vom Basiskonzept auf möglich Kompetenzen der SchülerInnen geschlossen werden.

Er stellt dar, wie sich die westlichen und chinesischen naturwissenschaftlichen Denkweisen sinnvoll ergänzen können, um Naturveränderungen als Zustand auf zu fassen. Als Praxisbeispiele werden herangezogen: die Bewegung von Körpern und das Wachstum von Pflanzen.

Unter Nachhaltigkeit versteht Kosler (in Anlehnung an die UN- Kommission für Umwelt und Entwicklung) eine Entwicklung, die zu mehr Gerechtigkeit unter den gegenwärtigen und zukünftigen Menschen führt. Darin enthalten ist der Abbau absoluter Armut, die Befriedigung von Grundbedürfnissen, Gelegenheit für ein besseres Leben und eine Gewährleistung des Erhalts der Lebensgrundlagen.

Nachhaltigkeit in der Bildung begegnet auch dem Phänomen, das in der PISA Studie offengelegt wird: im naturwissenschaftlichen Bereich sind Mädchen, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder aus unteren sozialen Schichten hinsichtlich der jeweiligen Referenzgruppe unterrepräsentiert. Naturwissenschaftliches Denken lehrt unter anderem Zusammenhänge zu erkennen und Folgen abzuschätzen.

Als zukünftige Forschungsfragen schlägt Kosler für den Primarbereich die Entwicklung und Erprobung eines Unterrichtsentwurfes vor. Für den Elementarbereich die Entwicklung und Erprobung eines Bildungsangebotes, das Schlüsse darüber zulässt, inwieweit es möglich ist Kinder im Sinne dieser Arbeit an naturwissenschaftliches Denken heran zu führen.

Fazit: Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch um eine wissenschaftliche Abhandlung. Viele Aspekte sind interessant, aber auch sehr theoretisch. Wer sich konkrete Anhaltspunkte für die pädagogische Arbeit erhofft, wird weitgehend enttäuscht. Die Beispiele lassen die Leser zwar über Methoden und Lerninhalte nachdenken, konkrete Alltagshilfen sind nicht zu finden.


Rezensentin
Monika Pietsch
Training und Konstruktives Lernen
selbständige Trainerin und Beraterin, Schwerpunkt: Team- und Führungskompetenzen mit den Methoden des konstruktiven Lernens
Homepage www.training-konstruktiv.de
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Zitiervorschlag
Monika Pietsch. Rezension vom 12.10.2017 zu: Thorsten Kosler: Naturwissenschaftliche Bildung im Elementar- und Primarbereich. Zum naturwissenschaftlichen Denken mit Kindern im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. ISBN 978-3-7815-2148-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22360.php, Datum des Zugriffs 23.10.2017.


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