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Sabrina Brinks, Eva Dittmann u.a. (Hrsg.): Handbuch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Cover Sabrina Brinks, Eva Dittmann, Heinz Müller (Hrsg.): Handbuch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) (Frankfurt am Main) 2017. 336 Seiten. ISBN 978-3-925146-92-3. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR.
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Thema

Das Buch beschäftigt sich mit den Aufgaben und Herausforderungen vor die sozialpädagogische Akteure wie die stationären und ambulanten Träger sowie das Jugendamt vermehrt gestellt werden, bedingt durch die seit 2014 ansteigenden Zahlen minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland. Es stellt Schnittstellen und Vernetzungsmöglichkeiten der verschiedenen Akteure dar und versucht, zur Weiterentwicklung de Fachpraxis beizutragen.

Entstehungshintergrund

Die Zahlen minderjähriger Flüchtlinge sind seit 2014 kontinuierlich gestiegen und erreichten ihren Höhepunkt im Oktober 2015. Insbesondere Jugendämter aber auch Träger stehen vor der Herausforderung einer adäquaten Unterbringung und Betreuung dieser Kinder und Jugendlichen im Rahmen des SGB VIII. Hierzu werden zum einen ausreichende Infrastrukturen und zum anderen qualitativ gute, an die Lebenswelt dieser jungen Menschen angepasste, Konzepte benötigt. Das Buch will Anregungen zu Weiterentwicklung dieser Konzepte geben.

Aufbau

Das Buch ist in acht Oberkapitel gegliedert, welche jeweils Beiträge verschiedener Autoren enthalten.

Die verschiedenen Beiträge werden im nächsten Abschnitt näher erläutert. Jeder Beitrag enthält eine eigene Literaturliste, was die Suche nach Literatur zu einem bestimmten Themenbereich sehr übersichtlich macht.

Inhalt

1. Inhaltliche Einordnung: Die Herausgeber führen in das Thema und den Entstehungshintergrund des Buches ein und geben einen Kurzüberblick über die einzelnen Kapitel.

2. Gesetzliche Rahmung: In diesem Kapitel werden zum einen die Gesetzgebung des SGB VIII im Bezug auf minderjährige Flüchtlinge (Nerea González Méndez de Vigo) und zum anderen die Auswirkungen der asyl- und ausländerrechtlichen Regelungen auf die Lebenswelt der jungen Menschen betrachtet (Niels Espenhorst/ Barbara Noske).

3. Institutionen: In diesem Kapitel werden zuerst Akteure vorgestellt, die außerhalb des Rahmens der Jugendhilfe mit minderjährigen Flüchtlingen arbeiten. Hierzu gehören u.a. das Bundesamt, die Ausländerbehörden, Gesundheitsämter und die Polizei (Niels Espenhorst/ Barbra Noske). Anschließend wird die Rolle des Jugendamtes für die Unterbringung und Begleitung der jugendlichen Flüchtlinge dargestellt (Sabrina Brinks/ Eva Dittmann/ Heinz Müller). Abschließend werden Kooperationsmöglichkeiten der verschiedenen Akteure sowie Bedingungen für eine gelingende Netzwerkarbeit aufgezeigt (Birgit Jagusch).

4. Verfahren: Es werden verschiedene Verfahren vorgestellt, die bei der Unterbringung und Betreuung der jungen Menschen Anwendung finden. Hierzu gehören das Verfahren der Inobhutnahme sowie der vorläufigen Inobhutnahme (Lucas-Johannes Herzog). Weiterhin werden das Clearingverfahren (Nicole Knuth/ Michael Kluttig Uwe Uhlendorff) und die Alterseinschätzung (Niels Espenhorst/ Ulrike Schwarz) als Einstiegsverfahren zu Beginn der Jugendhilfemaßnahmen besprochen. Es werden Grundlagen zur gelingenden Beteiligung der jungen Menschen erläutert (Marion Moos). Das Hilfeplanverfahren als zentrales Instrument der Jugendhilfe wird in zwei Beiträgen diskutiert, zum einen bezogen auf die Einzelfallhilfe mit minderjährigen Flüchtlingen (Heinz Müller) zum anderen als Steuerungsinstrument, welches fallübergreifend arbeitet (Anna Huber/ Claudia Lechner/ Christian Peucker).

5. Hilfeformen: Minderjährige Flüchtlinge werden in verschiedenen Hilfeformen untergebracht, welche teilweise erst im Rahmen der Flüchtlingskrise aufgrund mangelnder Kapazitäten entstanden sind. In diesem Kapitel werden folgende Hilfeformen diskutiert: die rechtliche Vertretung der Minderjährigen (Niels Espenhorst), ambulante erzieherische Hilfen (Mike Seckinger), die Unterbringung in Gastfamilien (Silke Betscher/ Alexandra Szylowicki) sowie Heimerziehung und Betreutes Wohnen (Peter Hansbauer/ Franziska Alt). Abschließend wird der Übergang aus Jugendhilfemaßnahmen in die Selbstständigkeit skizziert (Johanna Karpenstein/ Franziska Schmidt).

6. Bildung/ Sprache/ Schule/ Ausbildung: Zuerst wird die Bedeutung non-formaler und informeller Bildung wie z.B. Jugendprojekte, Vereinstätigkeiten oder lebensweltorientierte Pädagogik für die Entwicklung und Integration der jungen Menschen beschrieben (Stephan Maykus). Ein weiterer Schwerpunkt ist der Spracherwerb und die Bedeutung von Sprache zur gelingenden Bildung und Integration in eine Gesellschaft (Sabrina Brinks/ Eva Dittmann/ Heinz Müller). Im Anschluss wird ein Überblick über die Beschulungsmöglichkeiten junger Flüchtlinge in den verschiedenen Bundesländern gegeben (Ivo Züchner) sowie der Übergang von schulischer Bildung in Arbeit und Ausbildung diskutiert (Johanna Bröse).

7. Qualifikation/ Konzepte/ Handlungsansätze: Es werden insgesamt sechs Konzepte in der Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen vorgestellt. Hierzu gehört zum einen das bürgerschaftliche Engagement (Daniela Henn/ Dieter Filsinger) sowie ehrenamtliches Engagement und Patenschaften (Lucas-Johannes Herzog). Im Rahmen der reflexiven diversitätsbewussten Pädagogik werden Themen wir Empowement, Selbstreflexion und Diversität der jungen Menschen zum Thema gemacht und gestärkt (Birgit Jagusch). Weiterhin gibt es zwei geschlechtsbezogene Beiträge zu Mädchenarbeit (Luise Hartwig) und Jungenarbeit (Reinhard Winter). Abschließend werden Methoden, Ziele und Nutzen von Biografiearbeit mit minderjährigen Flüchtlingen aufgezeigt (Birgit Lattschar).

8. Entwicklungsperspektiven der KJH im Umgang mit Flucht und Asyl: Es werden zum einen die politischen Entwicklungsperspektiven der Jugendhilfe vor dem Hintergrund neuer Gesetzgebungen sowie der Neuregelung des SGB VIII diskutiert. Weiterhin werden Themen wie Fachkräftegebote und Standards der Jugendhilfe aufgegriffen (Norbert Struck). Im Schlussbeitrag wird ein Ausblick auf die Zukunft der Jugendhilfe für minderjährige Flüchtlinge vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen gegeben (Franz Hamburger).

Fazit

Das Buch betrachtet eine große Themenvielfalt und bezieht einen Großteil der Akteure ein, die im Rahmen der Jugendhilfe für minderjährige Flüchtlinge tätig sind. Es werden vielfältige Anregungen zur Weiterentwicklung der Fachpraxis gegeben. Hierbei werden auch Schwierigkeiten in der fachpraktischen Arbeit beschrieben sowie Kritik an bestimmten Umsetzungen und Konzepten geäußert. Insgesamt schaffen es die verschiedenen Beiträge eine differenzierten Einblick in die Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen zu geben.


Rezensentin
Julia Ebhardt
Sozialarbeiterin M.A., Traumapädagogin, im Bereich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge tätig
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Zitiervorschlag
Julia Ebhardt. Rezension vom 30.10.2017 zu: Sabrina Brinks, Eva Dittmann, Heinz Müller (Hrsg.): Handbuch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) (Frankfurt am Main) 2017. ISBN 978-3-925146-92-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22368.php, Datum des Zugriffs 21.11.2017.


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