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Heidi Höppner (Hrsg.): Promotion in den Therapie­wissenschaften

Cover Heidi Höppner (Hrsg.): Promotion in den Therapiewissenschaften. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 2., durchgesehene Auflage. 141 Seiten. ISBN 978-3-86321-281-0. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 31,60 sFr.
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Thema

Seit rund 15 Jahren ist die akademische Ausbildung in der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie möglich. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist der Weg der Promotion, und damit eine Etablierung im akademischen Feld, bis heute mit Hürden versehen. Dies bedingt sich u. a. dadurch, dass sich die Therapiewissenschaften noch in der Etablierung befinden, d. h. Forschungsstrukturen und Netzwerke erst im Aufbau befindlich sind und die Studiengänge häufig an (Fach-)Hochschulen ohne Promotionsrecht angesiedelt sind.

Herausgeberin, Autorinnen und Autoren

Die Herausgeberin und Autorin Prof.in Dr. Heidi Höppner, MPH, ist Professorin für Physiotherapie an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Die weiteren Autorinnen und Autoren: Prof.in Dr. Birgit Babitsch, Prof. Dr. Johann Behrens, Tanja Bossmann, Dr. Benigna Brandt, Dr. Thomas Bucher, Dr. Anga Engelke-Herrmannsfeldt, Esther Goltz, Laura Grunwald, Prof.in Dr. Hilke Hansen, Dr. Minettchen Herchenröder, Prof.in Dr. Monika Lohkamp, Prof.in Dr. Ulrike Marotzki, Prof. Dr. Markus Melloh, Prof. Dr. Peter Meyer, Dr. Robert Richter, Bettina Shamsul, Dr. Holm Thiele, Ina Thierfelder, Prof. Dr. Udo Wolf, Prof.in Dr. Dörte Zietz..

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand im Kontext zweier Tagungen „Empowerment für eine Promotion in den Gesundheitsberufen“ 2011 an der Martin-Luther-Universität in Halle (Veranstalter Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e. V.) und 2014 an der Alice Salomon Hochschule in Berlin (Veranstalter Hochschulen für Gesundheit e. V.). Ziel war die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, d. h. Promotionsvorhaben studierter Therapeutinnen und Therapeuten der Physiotherapie, Ergotherapie und Logotherapie.

Das Buch ist 2016 erschienen und liegt nun (2017) in einer 2., durchgesehenen Auflage vor.

Aufbau

Das Buch ist eine Herausgeberschrift und enthält insgesamt 14 Fachbeiträge, Erfahrungsberichte sowie Perspektiven der benannten Autorinnen und Autoren. Dabei werden zwei Zielgruppen angesprochen.

  • Zum einen sollen (potentielle) Promovierende ermutigt und in die Struktur respektive Anforderungen an eine Promotion eingeführt werden – dies insbesondere durch Beiträge des wissenschaftlichen Nachwuchses selbst.
  • Zum anderen werden Verantwortliche und Mitwirkende der Bildungs- und Hochschulpolitik angesprochen – dies insbesondere durch Beiträge von Professorinnen und Professoren, die u. a. institutionelle Kontextbedingungen von Nachwuchsförderung in den Therapiewissenschaften aufzeigen.

Die meisten Beiträge schließen dabei mit zwei Thesen sowie zwei Forderungen.

Inhalt

Der einführende Beitrag von Höppner „‚Wer A sagt muss aus B sagen‘ – für eine konsequente Nachwuchsförderung in den Therapiewissenschaften“ beinhaltet eine Standortbeschreibung der Professionalisierung der Gesundheitsfachberufe und stellt die Phasen der Wissenschaftsentwicklung der therapeutischen hochschulischen Ausbildung dar.

Der Aufsatz von Babitsch und Shamsul „‚Nicht nur Privatsache‘ – die Bedeutung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Disziplinen“ stellt die Situation der Promovierenden bzw. der Promotionen in Deutschland dar, um anschließend auf die Disziplinentwicklung im Berufsfeld Gesundheit einzugehen.

Die Abhandlung von Richter „‚Zwischen Theorie und Praxis‘ – Promotionen in den Therapiewissenschaften“ geht aus systemtheoretischer Perspektive auf den Wert von Theoriebildung in den angewandten Wissenschaften – mit Fokus auf die anwendungsorientierten Therapieberufe – ein und zeigt die Bedeutung von Promotionen für diese Theoriebildung auf.

Der Aufsatz „‚You´ill never walk alone‘ – promovierende TherapeutInnen in Deutschland – eine Strukturdatenerhebung“ von Thierfelder und Goltz stellt eine Querschnittserhebung bei Personen der therapeutischen Gesundheitsfachberufen in Deutschland dar, die an einer Promotion interessiert sind, promovieren oder aber die Promotion abgeschlossen haben (n= 130).

Robert Richter beschreibt in „‚Step by step‘ – der Promotionsprozess“ die Schritte einer Promotion.

Laura Grunwald stellt in „‚Abenteuer Promotion‘ – Karrierepfade und -perspektiven von Promovierenden aus Gesundheitsfachberufen“ dar. Sie arbeitet dabei die besonderen Faktoren heraus, die Angehörige der Gesundheitsfachberufe im Kontext ihrer Promotion betreffen.

Ulrike Marotzki und Hilke Hansen stellen in „‚Steigbügel halten‘ – das Interdisziplinäre Forschungskolloquium der Gesundheitsfachberufe (IFG)“ vor. Das Forschungskolloquium ist 2003 aus einer Initiative drei promovierender Frauen entstanden (Hansen, Logopädie; Marotzki, Ergotherapie; Probst, Physiotherapie), die mittlerweile Professorinnen ihrer Fächer an den Hochschule Osnabrück bzw. der HAWK Hildesheim sind. „Hauptziel des IFG ist die Förderung und Begleitung von Promovierenden der Gesundheitsfachberufe, die im Rahmen ihrer universitären Anbindungen häufig keine fachspezifische Diskussionsmöglichkeit haben“ (S. 86).

Im Beitrag „‚Kein Geldregen – aber ein Segen‘ – Erfahrungen einer Stipendiatin“ stellt Brandt ihre persönlichen Erfahrungen dar auf der Suche und dem Abwägen vom Angebot an Promotionsstellen und die Möglichkeiten, die ein Stipendium bieten kann (hier am Beispiel des Promotionsstipendiums der Frauenbeauftragten der Alice Salomon Hochschule Berlin).

Behrens et al. stellen in ihrem Beitrag „‚Get your PhD in Halle‘ – der Promotionsstudiengang für Pflege- und Therapiewissenschaften an der Universität Halle-Wittenberg“ die Entwicklung und Etablierung der Pflege- und Therapiewissenschaften an der Medizinischen Fakultät in 1998/99 bis zum Aufbau des Promotionsstudiengang vor rund zehn Jahren vor.

Holm Thieme ist ehemaliger Promovend und Absolvent der Internationalen Gratuiertenakademie an der Universität in Halle und stellt in seinem Beitrag „‚Gemeinsam geht es besser‘ – persönliche Eindrücke von der Promotion in der Internationalen Graduiertenakademie Halle (InGrA) und im Promotionsstudiengang“ dar.

In ihrem Beitrag „‚Nah dran‘ – die Promotion als Physiotherapeutin an einer Medizinischen Fakultät“ beschreibt Herchenröder ihre Erfahrungen als externe Promovendin im Promotionsverfahren an der Medizinischen Hochschule Hannover von 2009 – 2013.

Bucher, Melloh und Meyer führen in ihrem Beitrag „‚Über Stock und Stein‘ – Wege zur Promotion für Gesundheitsberufe in der Schweiz“ aus, dass „die Wege zur Promotion … auch in der Schweiz holprig und kurvenreich [sind]“ (S. 121). Die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsberufe in der Schweiz sowie die Stellung der Fachhochschulen werden dargestellt.

Lohkamp und Zietz ergänzen die internationale Perspektive durch ihre Abhandlung „‚Der Blick über den Tellerrand‘ – Promovieren im Ausland am Beispiel von Großbritannien“.

„Tue Gutes und schreibe drüber!“ ist der Titel des abschließenden Beitrags von Bossmann. Sie stellt Möglichkeiten des Publizierens, national sowie international, dar.

Diskussion

Das Buch ist sowohl für Personen, die sich für eine Promotion in den Therapiewissenschaften interessieren bzw. bereits Promovierende sind als auch für Entscheidungsträger(innen) und Lehrende interessant. Die Beiträge bilden die Bandbreite und die Besonderheiten einer Promotion im Kontext der Therapiewissenschaften ab. Die Vielfältigkeit und die unterschiedlichen Perspektiven machen das Buch abwechslungsreich. Insbesondere für promovierende bzw. promotionsinteressierte Ergotherapeut(inn)en, Logopäd(inn)en und Physiotherapeut(inn)en kann das Buch Informationsquelle und Motivationsschub zugleich sein.

Fazit

Das Buch stellt Strukturen, Rahmenbedingungen aber auch persönliche Erfahrungen im Kontext einer Promotion in der sich aufbauenden Disziplin der Therapiewissenschaften (Ergo-, Physiotherapie, Logopädie) vor und ist im Kontext zweier Tagungen entstanden. Dem Buch ist das – zum Teil jahrzehntelange – Engagement und die Lust, den Weg für den Aufbau einer akademischen Struktur für Therapeut(inn)en zu schaffen anzumerken. Sowohl angehende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler als auch Hochschullehrende können von den vielfältigen Buchbeiträgen profitieren.


Rezensentin
Dr. Andrea Warnke
Pädagogische Hochschule Freiburg Fachrichtung Public Health & Health Education
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Zitiervorschlag
Andrea Warnke. Rezension vom 14.03.2017 zu: Heidi Höppner (Hrsg.): Promotion in den Therapiewissenschaften. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2017. 2., durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-86321-281-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22372.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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