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Rudy Simone: Asperger im Berufsleben

Cover Rudy Simone: Asperger im Berufsleben. Ein Muss für Menschen mit Autismus und deren Arbeitgeber, Lehr- und Begleitpersonen. Autismusverlag Schweiz (St. Gallen) 2016. 115 Seiten. ISBN 978-3-03852-008-5. 22,00 EUR.
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Thema

Dieses Buch basiert auf den persönlichen Erfahrungen von Rudy Simone sowie den Erfahrungen von über 50 erwachsenen Personen mit Autismus aus der ganzen Welt. Die Texte sind angereichert mit Meinungen von Arbeitgebern und Fachpersonen. Detailliert wird aufgezählt, was Angestellte tun können. Daran schließen sich Abschnitte für Arbeitgeber und Coaches an. Aus diesen verschiedenen Blickwinkeln ergeben sich Richtlinien für ein erfolgreiches Berufsleben.

Autorin

Rudy Simone erhielt erst spät in ihrem Leben die Diagnose Asperger-Autismus. Sie ist in England geboren und lebt heute als Schriftstellerin und Jazz-Sängerin in San Francisco. Sie schrieb drei Bücher über die Lebensaspekte erwachsener Menschen mit Asperger Autismus (Aspies) und einen Fantasy-Roman. Darüber hinaus hält sie Vorträge, arbeitet als Coach und betreibt einen Blog. Sie möchte vermitteln, was es bedeutet ein „Aspie“ in der Welt von Neurotypen, also Nicht-Autisten zu sein. Zu ihrem Buch von 2012 „Die Welt der Frauen und Mädchen mit Asperger – Aspergirls“ aus dem Beltz Verlag ist eine Rezension: www.socialnet.de/rezensionen/13926.php erschienen.

Entstehungshintergrund

Das hier vorgelegte Buch ist im Autismusverlag erschienen. Die Idee zur Gründung dieses Verlages ist im Elternverein „autismus deutsche schweiz“ im Rahmen eines Sozialtrainings für Menschen mit Autismus entstanden. Es begann damit, englischsprachige Literatur zum Thema Autismus Spektrum ins Deutsche zu übersetzen. Diese Übersetzungen werden – anstatt sie einem Verlag weiterzugeben – in einem eigens dafür gegründeten Verlag www.autismusverlag.ch herausgebracht. Die Gründer*innen des Autismusverlages leisten die ganze Arbeit am Buch – abgesehen von Lektorat und Layout – ehrenamtlich. Jedes Buch wird selber kopiert, geheftet und vertrieben. Es kann nicht die gleiche Qualität wie bei einer Großdruckerei erreicht werden, dafür entstehen Arbeitsplätze für Menschen mit Autismus. Mittlerweile gibt es ein 8 Teilzeitarbeitsplätze. Der Verlag ist keine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, sondern ein Betrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Es besteht eine Bürogemeinschaft mit einer anderen Firma. Die Arbeitsplätze sind individuell angepasst und strukturiert, die Arbeitszeit ist gleitend, sodass die Arbeitnehmer sich selbst Ruhephasen und Pausen einplanen und nehmen können.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im DIN A4 Softcover Format mit Ringbindung erschienen und hat einen Umfang von 20 Kapiteln mit Unterkapiteln, die sich auf 115 Seiten verteilen.

Die Kapitel 1-19 weisen die gleiche Struktur auf: Zuerst wird erläutert, was der Arbeitnehmer tun kann und im Anschluss daran werden Hinweise für Arbeitgeber und Unterstützer gegeben. Zu den jeweiligen Kapitelüberschriften wurden Zitate von Menschen mit Autismus, Arbeitgeber oder Fachpersonen eingearbeitet, die ihre Erfahrungen mitteilen. Am Ende jedes Kapitels werden Fragen (gekennzeichnet mit einer Glühbirne) an den potentiellen Arbeitnehmer/die potentielle Arbeitnehmerin gestellt, anhand derer reflektiert werden kann, warum man für den Arbeitsplatz geeignet ist bzw. welche Themen noch benötigt werden, um erfolgreich arbeiten zu können. Die Autorin verwendet in ihren Ausführungen die Du-Form und spricht den Lesenden mit Autismus in seiner Rolle als Angestellter direkt an. In den Abschnitten, die sich an die Arbeitgeber und Unterstützer wenden wird die Sie-Form verwendet.

Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis ist auf der Verlagsseite verfübar.

Das Vorwort hat Dr. Temple Grandin geschrieben. Sie ist Dozentin für Tierwissenschaften, eine weltbekannte Autismus-Expertin und Autorin zahlreicher Bücher. Sie schreibt: „Wenn ich dieses Buch gelesen hätte, als ich zwanzig Jahre alt war, wären viele Probleme mit meinen Mitarbeitern vermieden worden. Ich glaube wirklich, dass dieses Buch Menschen aus dem Autismus-Spektrum hilft, eine erfüllende Arbeit zu finden und zu behalten, so wie sie es verdienen.“ Sie gibt folgende vier Hinweise:

  1. Setzen Sie Ihre Stärken ein
  2. Bitten Sie um Entgegenkommen
  3. Vermeiden Sie Eifersucht
  4. Verhindern Sie mögliche berufliche Probleme.

In der Einleitung wird das Asperger-Syndrom erklärt. Es handelt sich um eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Kapitel 1 stellt eine Kernfrage: Wieso sollten Sie jemanden mit AS anstellen? Die Antwort liegt in den Vorteilen des Asperger-Syndroms (AS) am Arbeitsplatz wie Konzentration und Sorgfalt, das gewissenhafte Ausführen der Aufgabe, bei der einzigartigen Denkweise oder der Aufmerksamkeit für Details. Arbeit beinhaltet mehr als fachliche Fähigkeiten, es gibt viele Herausforderungen. Die folgenden Ausführungen berichten von sozialen Umgangsformen, Wahrnehmungsbesonderheiten und auch das Thema Mobbing wird beleuchtet und es werden Lösungen aufgezeigt.

Kapitel 2: Die Bedeutung des Glaubens. In diesem Kapitel geht es darum, dass Autismus nicht immer sichtbar ist, sondern sehr oft unsichtbar bis dahin, dass die Diagnose angezweifelt wird. Betroffene berichten davon wie z.B. Aj Mahari, der oft hört „Du siehst nicht aus, als hättest du Asperger“ (S.22). Mit solchen Zweifeln konfrontiert zu werden ist schwer, weil es Misstrauen säht.

Kapitel 3: Die bedeutenden Folgen des Small Talks. Menschen mit Asperger fällt es schwer zu plaudern, da der Nutzen nicht erkannt wird. Sie sind eher praktisch veranlagt und erkennen den Nutzen des Small Talks nicht an. Anders als neurotypische Menschen, die im Small Talk Geselligkeit und Nähe erleben, werten autistische Menschen diese Art der Gespräche als Gefahr, die einen Kampf- oder Fluchtreflex auslösen kann, weil sie ein „unergründliches Rätsel“ (S.25) sind. Daran muss man arbeiten, denn Small Talk zählt zu der Strategie, die hilft, seine soziale Stellung am Arbeitsplatz zu verbessern. In der Reflexionsfrage wird angeregt, Themen und Strategien zu benennen, die diesen Zweck alternativ erfüllen könnten.

Kapitel 4: Direktheit, Perfektionismus und die berühmte Asperger-Arroganz. Die Direktheit bzw. Ehrlichkeit von Menschen, die unter den Bedingungen von Asperger Autismus leben, ist für neurotypische Menschen gewöhnungsbedürftig und wird nicht selten fälschlicherweise als Arroganz ausgelegt. Die Autorin empfiehlt, seinen Drang zu zügeln, anderen Informationen zu geben, wenn man nicht nach Rat gefragt wird. Auch ist es hilfreich, nicht stets direkt zu sein, sondern seine Worte mit Feingefühl zu verpacken. Arbeitgebern und Unterstützern empfiehlt sie, die Vorschläge der Aspies zu hören, denn sie haben oft ungewöhnliche Lösungen.

Kapitel 5: Schnitzer, Grenzen und Gefühlsausbrüche. Im fünften Kapitel werden häufige Schnitzer und Grenzen erläutert, die oft durch Direktheit entstehen. Autisten sagen eher das, was sie für logisch halten, statt das, was aus sozialer oder emotionaler Sicht erwartet wird. Da Menschen mit Autismus Situationen oft nicht einschätzen können, neigen sie dazu, diese zu vermeiden. Was hilft ist Humor oder die Unterstützung durch einen Mentor, mit dem unverständliche Situationen besprochen werden können.

Kapitel 6: Den leeren Raum bitte nicht ausfüllen. Kennzeichen einer Asperger Diagnose kann ein „leerer Gesichtsausdruck“ sein mit Folgen für den Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltungen und Gesten zur Steuerung sozialer Interaktionen. Das bedeutet aber nicht, dass die Person ausdruckslos ist. So schreibt Scott „Mein Gesichtsausdruck stimmt nicht immer mit meinem Empfindungen überein.“ (S. 39). Als Aufgabe wird angeregt, einen Tag lang Blickkontakt herzustellen und die Gedanken und Reaktionen aufzuschreiben.

Kapitel 7: Ruhe, bitte! Und das. Menschen aus dem autistischen Spektrum reagieren empfindlich bei der Verarbeitung von Umweltreizen und Sinneseindrücken. Eine Überreizung am Arbeitsplatz kann sehr ablenkend, verwirrend, ermüdend und stressbehaftet sein. Häufig hilft es den Arbeitsplatz anzupassen, Kopfhörer zu verwenden oder sich zu beruhigen z.B. mit einem pflanzlichen Mittel. Arbeitgeber könnten angeregt werden über die Aufgabe von Großraumbüros nachzudenken, die auch andere Arbeitnehmer belasten und unzufrieden machen.

Kapitel 8: Visuelle Überreizung und andere Probleme der Sinneswahrnehmung. Auch in diesem Kapitel geht es um die Überreizung in Hinblick auf visuelle Reizquellen, die die gleichen Reaktionen wie Lärm auslösen. Vor allem wird auf das Licht fokussiert. Nach Ansicht der Autorin wirkt natürliches Licht wie ein Antidepressivum. Ein Blick aus dem Fenster kann sehr beruhigende Wirkung haben und eine Sinnespause sein. In diesem Kapitel wird auch über Gerüche und Chemikalien gesprochen. Veränderungen in diesen Bereichen kommen allen Mitarbeitenden zugute.

Kapitel 9: Vertrauen Sie mir, ich habe Asperger. Klare schriftliche Anweisungen, klare Rückmeldungen und ausreichend Zeit sind hilfreiche Faktoren. Oft kommen Menschen mit Asperger auf andere Lösungen und gehen andere Wege. Das ist nicht weiter zu bedenken, solange die Ergebnisse stimmen. Manche brauchen zudem flexible Arbeitsanordnungen oder Arbeitszeiten. In dem Zusammenhang sollte auch über Fernarbeit nachgedacht werden. Für Eltern gibt es in England seit 2002 ein Gesetz zur Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Simone regt an, diese rechtliche Grundlage auch für andere Arbeitnehmer*innen anzuwenden.

Kapitel 10: Polyestergefängnisse, Krawattenschlingen und die Hölle auf hohen Absätzen. Dieses Kapitel widmet sich dem Thema Arbeitskleidung, auch hier gibt es oft Probleme, gerade dann, wenn es Kleidervorschriften gibt. Menschen aus dem Spektrum wählen Kleidung nach Bequemlichkeit und Handhabbarkeit und nicht nach Stil oder Angepasstheit. Sollte eine Kleiderordnung unumgänglich sein, gibt es Stoffe, die verträglicher sind als andere. Um Problemen aus dem Weg zu gehen – so der Rat von Simone – sollte man sich schon bei der Entscheidung für einen Beruf Gedanken um die Bekleidung machen.

Kapitel 11: Ein kleines R&R geht einen weiten Weg: Rituale und Routine. Um Rituale und Routinen geht es im 11. Kapitel. Sie geben Sicherheit und erlauben Sorglosigkeit. Aber es geht auch um Kontrolle über Situationen, eine Strategie der Stressbewältigung, ebenso wie Strukturierung eine solche Strategie ist. So ziehen es manche Menschen mit Autismus vor, stets das Gleiche zu essen oder in denselben Läden einzukaufen, denn damit minimieren sie die Entscheidungen, die man tagtäglich treffen muss. Im Arbeitsleben kann das Festhalten an Ritualen und Routinen als Sturheit ausgelegt werden, nicht als Bewältigungsstrategie. Die Autorin wirbt für Verständnis und empfiehlt gleichzeitig, regelmäßig zu reflektieren, wo man Gewohnheiten ändern oder Kontrolle abbauen kann, um flexibler zu bleiben.

Kapitel 12: Sag ihnen nicht, wo Du das gehört hast, aber… Menschen mit Autismus sind nicht selten Gegenstand von Klatsch, denn sie stehen oft abseits der Masse. Ihre Andersartigkeit wird stark wahrgenommen, vor allem dann, wenn der Autismus noch nicht bekannt ist. Sich zu outen ist allerdings keine Gewähr dafür, dass man besser verstanden wird. Dem Arbeitnehmer kann die Einsicht helfen, dass Klatsch zum menschlichen Wesen gehört. Es gibt keinen Königsweg, was man bei Klatsch tun kann, deshalb werden verschiedene Optionen aufgezeigt. Arbeitgeber und Unterstützer sollten darauf achten, dass er nicht verletzend oder heimtückisch ist.

Kapitel 13: Die hohen Kosten von niederem Verhalten. Dieses Kapitel widmet sich dem Thema Mobbing. Mobbing kann viele Formen haben und kann für alle Mitarbeitenden zu Angst, Isolation, Misstrauen uvm. führen. Da Menschen mit Autismus nicht gleich merken, wenn sie gemobbt werden, sind sie ein leichtes Ziel. In diesem Kapitel schildern zahlreiche Menschen ihre Erfahrungen. Jeder sollte sich bewusst machen, was vorbeugend helfen könnte. Arbeitgeber sollten eine „Nulltoleranzpolitik“ einführen, denn Mobbing kostet viel.

Kapitel 14: Die Macht des Lobes. Auch Lob können Menschen mit Autismus oft nicht als solches erkennen, außerdem haben sie einen Hang zum Perfektionismus. Lob und Wertschätzung sollte freizügig und häufig gegeben werden, in einer Form, die verstanden wird. Sollte mal ein Anlass zu Kritik sein, ist es wichtig, diese rücksichtsvoll zu formulieren und unter Vier-Augen zu vermitteln.

Kapitel 15: Mit natürlichen Stärken und Interessen arbeiten. Dieser Rat garantiert Erfolg und Zufriedenheit, bei allen Menschen. Menschen mit Autismus haben viele Talente und Begabungen. Sie sind nicht auf eine Richtung festgelegt. Um weiter zu kommen sollte man an Schwächen arbeiten wie z.B. das Sprechen vor Publikum. Auch Psychopharmaka sind Thema. Die Autorin weist zurecht darauf hin, dass Probleme durch eine andere Denk- und Verarbeitungsstrategie des Gehirns bedingt sind, bei denen Medikamente nicht unbedingt helfen. Allerdings treten Depressionen und Angsterkrankungen auch im Zusammenhang mit Autismus auf, bei diesen Krankheitsbildern können Antidepressiva als hilfreich erlebt werden.

Kapitel 16: Konformität, psychometrischer Test und die neue Ausgrenzung. Menschen aus dem Autismus Spektrum sind eine bestimmte Art „Nichtkonformisten“ (S.89). Das macht sich z.B. bei psychometrischen Tests bemerkbar, die viele Arbeitgeber einsetzen. Temple Grandin hat einmal einen gemacht und wird es nicht wiederholen, da sie sich verletzt und verwirrt fühlte. Ist der Test nicht zu umgehen, so gibt es Bücher, die darauf vorbereiten.

Kapitel 17: Asperger-Syndrom und Bildung: Eine unglückliche Liebe? Der Titel des 17. Kapitel macht deutlich, dass die Intelligenz bei den meisten Aspies kein Problem darstellt, das Durchhalten inkl. Abschluss von Schule oder Studium aber schwierig sein kann. Aber es gibt Möglichkeiten, einen akademischen Abschluss zu erreichen. Simone zählt auf Seite 97 fünf auf. Aber auch diejenigen, die einen Abschluss erlangt haben, erleben, wie mühsam es ist, sich auf dem Arbeitsmarkt zu halten, wenn nicht bzw. in konstruktiver Weise auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Gute Arbeitgeber reden mit ihren Mitarbeitenden und finden heraus, worin die Interessen bestehen bzw. wo Potential zur Weiterentwicklung oder Umorientierung liegt. Diese Informationen geben Anhaltspunkte der Unterstützung.

Kapitel 18: Sagen oder nicht sagen, das ist hier die Frage. Kapitel 18 widmet sich der Frage, ob man den Arbeitgeber über den Autismus informieren sollte oder nicht. Es gibt viele Argumente dafür und dagegen und niemand kann einen verlässlichen Rat geben. Diese Entscheidung muss jeder für sich selber treffen. Von entscheidender Bedeutung ist auch die Situation, in der man sich gerade befindet. In diesem Zusammenhang kommen neun Menschen mit ihren Sichtweisen zu Wort.

Kapitel 19: „Tschau, tschau“, sagte das schwarze Schaf. Eine Kündigung ist nach Ansicht der Autorin keine Lösung, denn Arbeitgeber verlieren einen wichtigen Mitarbeitenden und der Angestellte mit Autismus sollte nicht vor seinen Problemen davonlaufen, sondern anfangen, etwas zu ändern. Dabei gilt es wachsam zu sein und Zeichen rechtzeitig zu erkennen. Simone hat eine Liste mit neun Punkten zusammengestellt, die dabei helfen kann, die Situation nochmals zu überdenken.

Kapitel 20: Mit der REACH-Formel zum Erfolg. Die REACH Formel hat die Autorin in einem anderen Buch entwickelt, in dem es um die Liebe ging. Sie ist auch in diesem Zusammenhang einsetzbar. R steht für Richtige Diagnose, E für Erwerb eigener Kenntnisse über Asperger Autismus, A für die Anerkennung der Auswirkung des Aspergerseins auf das eigene Leben und C steht für VerbindliChkeit in der Beziehung und für die Suche nach Hilfe. Damit unterstreicht sie ihre Meinung, dass alle im System Anteil am Gelingen haben, der Mensch mit Autismus und die beteiligten Akteure. Sie bringt es auf den Punkt: „es ist Dein Leben und Du kannst daraus machen, was Du willst. Lass Dich nicht vom Asperger-Syndrom unterkriegen, wenn es doch Dein größter Verbündeter sein kann.“ (S.107).

Ein zusätzliches Hilfsmittel findet man in der Wahl des passenden Berufs für sich, der die Stärken und Interessen einbezieht und nicht zu viele von den eigenen Schwächen umfasst. Anhand zahlreicher Fragen (S. 109-113) und mithilfe einer vorgedruckten Tabelle (S. 114) kann man sich einen „individuellen Berufsfahrplan“ zusammenstellen, der hilfreich ist. Dieser listet Spezialinteressen und Reizauslöser aber auch Vorzüge und Lösungen auf. Unter der Überschrift „Lernen“ werden Stichworte zu den Fragen: was ich habe, was ich brauche und wo und wie aufgelistet. Das Buch endet mit einer Vorbereitung für Bewerbungsgespräche und gibt hierbei Ratschläge für Personen mit Asperger Autismus.

Diskussion

Alle 20 Kapitel behandeln Fragen für Asperger im Berufsleben aus zwei Perspektiven. Eine Perspektive beleuchtet die Situation von Menschen, die unter den Bedingungen von Autismus leben und sich im Berufsleben zurechtfinden wollen und die andere Perspektive befasst sich mit der Seite des Arbeitgebers bzw. der Person, die unterstützt. Schon allein die Kapitelüberschriften spiegeln die vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen wider. Über 50 erwachsene Personen aus aller Welt haben sich in Form von Zitaten und O-Tönen eingebracht, sodass ein buntes Kaleidoskop mit verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen entstanden ist. Daraus ergeben sich „ausgewogene Richtlinien für den Erfolg“ (Klappentext).

Das hier vorgelegte Buch ist kompakt geschrieben und enthält dennoch eine Fülle von Wissen. Es ist einfach verständlich und deckt dabei die zentralen Themen ab.

Fazit

Dieses Buch basiert auf den persönlichen Erfahrungen von Rudy Simone sowie den Erfahrungen von über 50 erwachsenen Personen mit Autismus aus der ganzen Welt. Die Texte sind angereichert mit Meinungen von Arbeitgebern und Fachpersonen. Detailliert wird aufgezählt, was Angestellte tun können. Daran schließen sich Abschnitte für Arbeitgeber und Coaches an. Es ist der Autorin gelungen, Inhalten zusammenzustellen, die Arbeitgeber, Lehr- und Begleitpersonen beim Coaching unterstützen können. Gleichzeitig hilft sie Menschen mit Asperger Autismus, eine ihren Fähigkeiten angemessene Anstellung zu finden und zu behalten. Dabei bleibt es nicht nur bei Tipps und Hinweisen, sondern sie regt an jedem Kapitelende durch gezielte Fragen zur Reflexion an, um herauszufinden, was gut gelungen ist und was verbessert werden kann. Damit macht sie sehr deutlich, dass alle Beteiligten einen Anteil am Gelingen tragen.

Es gibt nur wenige Bücher, die sich mit dem Berufsleben von Menschen mit Autismus beschäftigen, deshalb geht der Dank an die Autorin Rudy Simone und auch an den Autismusverlag Schweiz, der dieses Buch übersetzt hat und es damit im deutschsprachigen Raum zugängig gemacht hat.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 07.03.2017 zu: Rudy Simone: Asperger im Berufsleben. Ein Muss für Menschen mit Autismus und deren Arbeitgeber, Lehr- und Begleitpersonen. Autismusverlag Schweiz (St. Gallen) 2016. ISBN 978-3-03852-008-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22394.php, Datum des Zugriffs 18.07.2018.


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