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Alena Berg: Lernbiographien Jugendlicher am Übergang Schule – Beruf

Cover Alena Berg: Lernbiographien Jugendlicher am Übergang Schule – Beruf. Theoretische und empirische Analysen zum biographischen Lernen von Praxisklassenschülern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 333 Seiten. ISBN 978-3-7799-3471-4. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Praxisklassen werden Jugendlichen angeboten und von diesen freiwillig besucht, bei denen in den letzten beiden Schulbesuchsjahren fraglich ist, ob sie einen (Haupt)Schulabschluss erreichen werden. Die ein- bis zweijährigen Angebote haben in den Bundesländern verschiedene Namen und werden unterschiedlich durchgeführt. So heißen sie beispielsweise in Hessen „SchuB – Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb“ oder in Nordrhein-Westfalen „BuS – Betrieb und Schule“ (S. 50 ff.). Trotz dieser Unterschiede verbindet die Praxisklassenkonzepte, dass die SchülerInnen im Rahmen ihrer allgemeinbildenden Pflichtschulzeit durch die Kombination von Praxistagen in einem Betrieb und Schulunterricht, teilweise auch sozialpädagogischer Begleitung, auf ihre Berufswahl und eine Berufsausbildung vorbereitet werden und neue Anreize erhalten sollen, doch noch einen Schulabschluss zu erreichen. Durch die betrieblichen Praxisphasen werden sogenannte „Klebeeffekte“ anstrebt in dem Sinne, dass die Betriebe die Jugendlichen anschließend in eine Berufsausbildung oder auch nur Erwerbsarbeit übernehmen. In Praxisklassen wird also der Übergangsprozess von der Schule in eine Berufsausbildung oder Erwerbsarbeit in die allgemeinbildende Schulzeit vorgezogen. Damit verbunden ist eine Reduktion des allgemeinbildenden Unterrichts. Deshalb basiert die Teilnahme auch ausdrücklich auf der Freiwilligkeit der SchülerInnen und ihrer Eltern. Dennoch sind die Praxisklassen in Bildungspolitik und Fachdebatten nicht unumstritten, so dass das Interesse an den Übergangserfolgen der SchülerInnen vor allem in eine Berufsausbildung, teilweise auch Erwerbsarbeit, groß ist. Aus diesem Grund werden die Praxisklassen häufig evaluiert. Beispielsweise wurde in den hessischen Praxisklassen „SchuB – Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb“, die Alena Berg im Rahmen ihrer qualitativen Studie untersucht hat, eine Übergangsquote von knapp 50 Prozent erzielt (S. 279).

Insbesondere in Fachdebatten Sozialer Arbeit wird immer wieder kritisiert, dass die Erfolge solcher und nach dem Schulbesuch ansetzender Angebote im Übergang Schule – Beruf nur an den erzielten Vermittlungsquoten in eine Berufsausbildung oder teilweise auch Erwerbsarbeit gemessen werden. Denn mit einer derartigen Engführung werden die jungen Menschen nicht in ihrer ganzheitlichen Entwicklung im Laufe des Maßnahmenbesuchs, sondern lediglich funktional für den Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Aufnahme einer Berufsausbildung und anschließenden Beschäftigungsfähigkeit gesehen. Zudem sagen so stark arbeitsmarktorientierte Evaluationen und das darin eingelassene Verständnis von pädagogischem Erfolg wenig darüber aus, welche biografische Bedeutung die Jugendlichen ihrer Teilnahme an den Maßnahmen zuschreiben. Genau an dieser Kritik knüpft Alena Berg mit ihren „theoretische(n, R.E.) und empirische(n, R.E.) Analysen zum biografischen Lernen von Praxisschülern“ an. Mit insgesamt 20 Jugendlichen, deren Besuch einer Praxisklasse in Hessen, also „SchuB“, ein bis zwei Jahre zurück lag, hat sie narrativ-biografische Interviews geführt und rekonstruiert, welche biographische Bedeutung diese Teilnahme für sie hatte.

Autorin

Alena Berg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Dort arbeitet sie schwerpunktmäßig in der qualitativen Jugend- und Bildungsforschung sowie der Biographieforschung zu Lern-, Bildungs- und Übergangsprozessen.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation ist die Dissertationsschrift von Alena Berg, ihre Promotion hat sie im Juli 2015 an der Universität zu Köln abgeschlossen.

Aufbau und Einleitung

Die 322 Textseiten umfassende Publikation von Alena Berg ist, neben der Einleitung, in drei Teile mit jeweils zwei Kapiteln, also insgesamt sechs Kapiteln gegliedert.

Einleitung“. Zunächst ordnet Alena Berg ihre qualitative, biographietheoretische Studie in die Jugend- und erziehungswissenschaftliche Biographieforschung ein und gibt einen Überblick zum Aufbau ihrer Publikation. Ferner skizziert sie kurz ihr forschungsmethodisches Vorgehen mit dessen methodologischen Grundlagen und grenzt sich damit von anderen Evaluationsstudien zu Praxisklassen und sonstigen Maßnahmen im Übergangsbereich Schule – Beruf ab. Außerdem stellt sie bereits in ihrer Einleitung zentrale Forschungsergebnisse vor.

Zu „Teil I Untersuchungsrahmen und Forschungsfrage“

1. „Ausgrenzungsrisiken benachteiligter Jugendlicher auf dem Weg von der Schule in den Beruf“. Nachdem Alena Berg die für sie zentralen Begriffe der „Benachteiligung“ im Allgemeinen und „Bildungsbenachteiligung“ im Besonderen geklärt hat, beschäftigt sie sich mit der biographischen Bedeutung der Jugendphase sowie den Ausgrenzungsrisiken, denen junge Menschen insbesondere dann ausgesetzt sind, wenn sie in der erwerbsarbeitszentrierten Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland ohne einen anerkannten Berufsabschluss bleiben. Davon sind insbesondere HauptschülerInnen betroffen, warum Alena Berg die Hauptschule auch als „biographisches Risiko“ (S. 22) bezeichnet. Abschließend zu diesem Kapitel stellt sie die zahlreichen und vielfältigen Angebote im Übergangsbereich Schule -Beruf vor, die erst nach Abschluss der allgemeinbildenden Pflichtschulzeit besucht werden. In Abgrenzung dazu geht sie dann auf Praxisklassen wie „SchuB“ ein, die, wie bereits einführend herausgestellt, innerhalb der allgemeinbildenden Schulpflicht SchülerInnen angeboten und von diesen freiwillig besucht werden, deren (Haupt)Schulabschluss gefährdet ist.

2. „Empirischer Bezugsrahmen“. Vorbereitend zu ihrer eigenen qualitativ-empirischen und biographietheoretischen Studie stellt Alena Berg zunächst Evaluationsstudien zu Praxisklassenkonzepten aus verschiedenen Bundesländern, so auch zu „SchuB“ aus Hessen, vor und kommt zu dem Schluss, dass in diesem Feld „biografische Analysen als Forschungsdesiderat“ (S. 64) bezeichnet werden können. Deshalb wendet sie sich Untersuchungen aus der Schülerbiographieforschung zu mit dem Ergebnis, dass dort die „Forschungslücke Hauptschuljugendliche“ (S. 80) auszumachen sei. Um schließlich ihre Forschungsfragen zu präzisieren, setzt sie sich auch noch mit biographischen Forschungsarbeiten zum Übergangsbereich Schule -Beruf auseinander, wobei ihr in diesen Studien gesamtbiographische Zusammenhänge zu kurz kommen.

Zu „Teil II Theoretische und Methodische Anlage“

3. „Lernen und Lerntheorien in der Erziehungswissenschaft“. Alena Berg hat in diesem Kapitel alle für sie wesentlichen Theorieansätze zusammengestellt, die sich in der Erziehungswissenschaft mit „Lerntheoretische(n, R.E.) Ansätzen in der Biographieforschung“ (S. 109) sowie „Lernen und Biographie“ (S. 126) beschäftigen und konzipiert auf dieser breit angelegten theoretischen Basis ihr „Begriffsverständnis von biographischem Lernen und biographischen Lernprozessen“ (S. 146), das sie, auch graphisch illustriert (S. 150), ihrer Untersuchung zugrunde legt.

4. „Methodische Anlage der Studie“. Nachdem Alena Berg ihre Studie zum biographischen Lernen der SchuB-Jugendlichen methodologisch in der interpretativen bzw. rekonstruktiven Biographie- und Jugendforschung verortet hat, erläutert sie das narrativ-biographische Interview als ihre Erhebungsmethode. Da sie jedoch aufgrund von Erfahrungen aus anderen Forschungen Bedenken hat, dass die Jugendlichen in ihrem Erzählfluss ins Stocken geraten könnten (S. 168), belässt sie es nicht nur bei dieser völlig offenen Interviewform, sondern ergänzt einen Leitfaden, der situativ eingesetzt werden soll, um gegebenenfalls die Narrationen der jungen Leute anzuregen. Außerdem soll auf diese Weise deren Fokus auch auf „SchuB“ gerichtet werden, denn es geht Alena Berg nicht nur um die (Lern)Biografien der ehemaligen PraxisschülerInnen, sondern auch um deren Erfahrungen in „SchuB“. Ihr Sample besteht aus insgesamt 20 ehemaligen SchülerInnen, deren Praxisklassenbesuch zum Zeitpunkt des Interviews zwischen einem und zwei Jahren zurücklag. Ihre beiden Feldphasen fanden 2008 und 2010 statt, um möglichst viele Befragte zu gewinnen (S. 176). Von den 20 Interviews waren jedoch nur 15 für eine Auswertung geeignet, bei der sich die Forscherin im Wesentlichen auf das narrationsstrukturelle Verfahren von Fritz Schütze gestützt hat (S. 180).

Zu „Teil III Forschungsergebnisse“

5. „Einzelfallrekonstruktionen: (Lern)Erfahrungen und -prozesse in den Lebens- und Schulgeschichten“. In diesem Kapitel stellt Alena Berg, illustriert mit aussagekräftigen und dennoch für mich sehr ansprechend knapp gestalteten Interviewausschnitten, die drei maximal kontrastierenden Einzelbiografien von Andi, Cora und Tom vor. Diese Jugendlichen stehen jeweils für einen bestimmten Typus biographischer Relevanz, die die Teilnahme an „SchuB“ für sie hatte. So bedeutete für Andi und die anderen Jugendlichen, für die stellvertretend seine Biographie und Lernerfahrungen vorgestellt werden, die Zeit bei „SchuB“ ein „Umbruch“ (S. 17, 193 ff.). Nach negativen Erfahrungen im Laufe ihrer Schullaufbahn bei gleichzeitig entwicklungsfördernden Bedingungen im Elternhaus ist es diesen jungen Menschen gelungen, durch „SchuB“ einen Schulabschluss zu erzielen und eine Berufsausbildung oder sogar ein Studium aufzunehmen. Im Gegensatz dazu war der Besuch von „SchuB“ bei Cora und den Jugendlichen, für die ihre (Lern)Biografie steht, zwar insofern erfolgreich, als sie dort trotz der Negativprognose ihrer Abschlussgefährdung einen Schulabschluss erreicht haben. Dennoch sind ihre familiären Bedingungen so belastend und ihr Schulkarrieren insgesamt so problematisch, dass es ihnen auch durch die Teilnahme an „SchuB“ nicht gelingt, eine berufliche Anschlussperspektive zu entwickeln. Deshalb markiert Alena Berg diesen Typus als „Stabilisierung“ (S. 17, 209 ff.) in dem Sinne, dass sich bei diesen jungen Leuten die problematischen biografischen Lernerfahrungen bis hin zu Stagnation und Resignation ‚stabilisierten‘ (S. 232). Tom vertritt die Jugendlichen, die zwar ebenfalls unter ihren problematischen Familienverhältnissen und damit einhergegangen Schulmisserfolgen leiden, ihnen wurde aber dennoch durch die Teilnahme an „SchuB“ ein weiterer Bildungsweg eröffnet, was Alena Berg als „Wegebnung“ bezeichnet. Denn die grundlegenden familiären und damit einhergehenden lernbiographischen Schwierigkeiten der ehemaligen PraxisschülerInnen bestanden zwar weiterhin, aber ihnen wurde ihr weiterer Bildungsweg ‚geebnet‘.

6. „Fallvergleiche: Biografische Lernprozesse und SchuB im lebensgeschichtlichen Spannungsfeld von Familie und Schule“. In Rückbindung an ihre aus der Erziehungswissenschaft stammenden biographietheoretischen Grundlagen (3. Kapitel) nimmt Alena Berg ihre Typologie zur biographischen Bedeutung der Teilnahme an „SchuB“ auf, um ihre letztlich auswertbaren 14 Interviews (S. 285) zu vergleichen und auf diese Weise alle Fälle in ihrer Gesamtheit zu typologisieren (siehe Tabelle S. 284). Damit richtet sie ihren Fokus auf „verschiedene Formen biographischer Lernprozesse“ (S. 253) und rekonstruiert systematisch, auch in Tabellen gut dokumentierten Schritten (z.B. S. 258, 27, 284) „die sich aufschichtenden biographischen Lernerfahrungen“ (S. 255). Im Ergebnis arbeitet sie heraus, dass sich das Erreichen des Hauptschulabschlusses nur als kurzfristiges Erfolgskriterium für Praxisklassen wie „SchuB“ erweist (S. 309). Entscheidender für die Lernbiographien der Jugendlichen sind deren individuelle, komplexe lebensgeschichtliche Zusammenhänge, vor allem bezogen auf die Bedingungen in ihren Familien und die dort gelernten „Selbst- und Weltverhältnisse“ (S. 292). Diese Forschungsergebnisse veranlassen Alena Berg, die „Passungsverhältnisse von SchülerInnen und Schule – insbesondere der biographisch äußerst belasteten SchülerInnen und der Hauptschule und Praxisklassen“ (S. 295) grundlegend zu hinterfragen. Dennoch kommt sie abschließend zu dem für mich selbstverständlichen Schluss, dass „SchuB – oder auch eine mit dem Konzept vergleichbare Fördermaßnahme – als biographischer Erfahrungs- und Lernraum verstanden werden (können, R.E.), in dem sich den Jugendlichen neue Möglichkeiten des biografischen Lernens einerseits und (z. T. damit verbunden) des schulischen Lernens andererseits bieten, weil sie dort andersartige -in anderen institutionellen (pädagogisch wie didaktisch) und vor allem sozialen Zusammenhängen – Erfahrungen sammeln können“ (S. 310). Diese verarbeiten sie jedoch individuell mit ihren im Laufe ihrer Biographie gelernten Relevanzstrukturen und Begründungsmustern.

Diskussion

Mit ihrer biographietheoretischen Studie hat Alena Berg einen qualitativen, die gesamte Biografie der jungen Menschen berücksichtigenden Evaluations- und weitergehend Forschungsansatz vorgelegt, der für mich eine schon lange ausstehende Ergänzung zu den quantitativen, zumeist an Vermittlungsquoten in Berufsausbildung oder auch Erwerbsarbeit ausgerichteten Evaluationen darstellt. Damit schließt sie, wie sie selbst schreibt, eine „die Disziplinen der Schul-, Maßnahmen- und Übergangsforschung übergreifende Forschungslücke“ (S. 288 f.).

Des Weiteren eröffnet ihre Studie aus meiner Sicht weitreichende Einblicke in die pädagogischen Möglichkeiten und Grenzen solcher Praxisklassenkonzepte wie „SchuB“ oder anderer Angebote im Übergang Schule – Beruf. Sie dauern in der Regel ein Jahr und maximal zwei Jahre. Innerhalb dieses begrenzten Zeitraums, meistens von nur einem Jahr, sollen teilweise bis weit in die Kindheit zurückreichende lernbiographische Erfahrungen junger Menschen, von denen sich viele im Laufe ihrer Biographie verfestigt und verstetigt haben, geändert werden. Die Erfahrung, dass dies immer wieder vor allem bei Jugendlichen aus belasteten Familien nur begrenzt gelingt, machen die in der Maßnahmenpraxis tätigen Fachkräfte täglich. Trotzdem werden von ihnen aufgrund sozialpolitischer und förderungsrechtlicher Vorgaben hohe Vermittlungsquoten nicht nur verlangt, sondern teilweise hängen sogar ihre Arbeitsplätze daran. Denn vor allem in den aus den Sozialgesetzbüchern II und III finanzierten Angeboten im Übergangsbereich Schule – Beruf werden die Bildungsträger an den von ihnen erzielten Vermittlungszahlen in eine Berufsausbildung oder Erwerbsarbeit gemessen, wenn sie sich um weitere Maßnahmen bei Arbeitsagenturen oder Jobcenter bewerben. Deshalb wäre es für mich überaus wünschenswert, wenn die Forschungsergebnisse von Alena Berg dazu beitragen könnten, die starke Gewichtung der Vermittlungserfolge bei der Maßnahmenvergabe zu relativieren und stärker ebenso biographische Lernergebnisse der jungen Menschen zu berücksichtigen.

Trotz der bemerkenswerten und weitreichenden empirischen Einblicke, die Alena Berg in die Lernbiographien Jugendlicher gewährt, birgt dieser biographietheoretische Zugang auch methodologische Risiken in dem Sinne, dass strukturelle Bedingungen wie Vorgaben zur Maßnahmengestaltung (wie bei Cora, S. 230) oder fehlende betriebliche Ausbildungsplätze aus dem Blick geraten und in die Rekonstruktionen nicht einbezogen werden. Beispielsweise wünscht sich Cora im Rahmen der von ihr ersehnten Normalbiographie einen sie interessierenden Ausbildungsplatz. Diesen findet sie jedoch nicht, so dass sie mangels Alternativen in eine sogenannte ‚Maßnahmenkarriere‘ gerät (S. 228, 232). Anstatt jedoch die strukturellen Probleme auf dem Ausbildungsmarkt, also die fehlenden Ausbildungsplätze in Betrieben bei einer Ausbildungsbetriebsquote von nur 20 Prozent zu benennen, stellt Alena Berg die problematische Lernbiographie von Cora heraus.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen möchte ich abschließend ausdrücklich herausstellen, dass sich Alena Berg eingehend mit einer mich beeindruckenden Vielzahl unterschiedlicher Untersuchungen im Feld der Praxisklassen, des Übergangsbereichs Schule – Beruf und generell in der Schülerbiographieforschung beschäftigt hat, um ihr Forschungsvorhaben und ihre Forschungsfragen umfassend zu begründen. Auf diese Weise hat sie einen breiten Fundus empirischer Arbeiten zusammengestellt, aus dem andere ForscherInnen, auch Studierende, für ihre Vorhaben ‚schöpfen‘ können. Dies gilt gleichermaßen für ihre aussagekräftige Zusammenstellung der erziehungswissenschaftlichen Theorieansätze, die sie zu lerntheoretischen Konzepten in der Biographieforschung, Lernen und Biographie sowie biographischem Lernen vorlegt. Auch daraus können sich Interessierte reichhaltig bedienen. Vorsicht ist jedoch bei der sozialrechtlichen Einordnung von Maßnahmen im Übergangsbereich Schule – Beruf geboten, weil sich dort Fehler eingeschlichen haben (S. 39). Insgesamt hätte das Buch meines Erachtens noch mehr gewonnen, wenn es auch in formaler Hinsicht gründlicher durchgesehen worden wäre.

Fazit

Insbesondere aufgrund der weiterführenden und beachtenswerten Forschungsergebnisse zu Grundfragen des Erfolgsverständnisses für Angebote im Übergang Schule – Beruf empfehle ich dieses Buch von Alena Berg nachdrücklich allen in diesem Bereich tätigen bildungspolitischen AkteurInnen und ForscherInnen. Doch auch für Fachkräfte in diesen Maßnahmen sind sie interessant, weil sie zum einen eine Grundlage dafür bieten, im pädagogischen Alltag biographisch bedeutsame Lernprozesse der TeilnehmerInnen stärker zu berücksichtigen und anzuregen. Zum anderen leisten sie jedoch auch Anhaltspunkte dafür, die Möglichkeiten und Grenzen einer erfolgreichen pädagogischen Zusammenarbeit mit den Jugendlichen zu vermessen. Des Weiteren ist die Lektüre auch für Studierende der Sozialen Arbeit oder Berufspädagogik interessant, weil sie dort weitreichende Einblicke in Lernbiografien Jugendlicher erhalten, die sie vielleicht nach Abschluss ihres Studiums bei SchülerInnen oder MaßnahmenteilnehmerInnen pädagogisch unterstützen werden. Zudem finden sie dort einen breiten Fundus empirischer Analysen und theoretischer Ansätze zu biographischem Lernen, auf den sie für eigene Forschungsarbeiten zurückgreifen können.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Hochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 11.04.2017 zu: Alena Berg: Lernbiographien Jugendlicher am Übergang Schule – Beruf. Theoretische und empirische Analysen zum biographischen Lernen von Praxisklassenschülern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3471-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22411.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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