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Renate Stemmer, Ruth Remmel-Faßbender u.a. (Hrsg.): Aufgabenverteilung und Versorgungsmanagement im Krankenhaus gestalten

Cover Renate Stemmer, Ruth Remmel-Faßbender, Martin Schmid, Reinhold Wolke (Hrsg.): Aufgabenverteilung und Versorgungsmanagement im Krankenhaus gestalten. Von erfolgreicher Praxis lernen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 384 Seiten. ISBN 978-3-86216-281-9. D: 49,00 EUR, A: 50,40 EUR.
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Thema

Diese umfassende Publikation ist unter Mitwirkung zahlreicher weiterer Autoren/innen entstanden. Auf insgesamt 384 Seiten und in zwanzig Kapiteln widmen sich die Herausgeber/innen sowie Autoren/innen der Thematik, wie angesichts der ökonomischen und demografischen Herausforderungen sowie der steigenden Anforderungen an die Behandlungs- und Pflegebedarfe von Patienten/innen eine qualitativ hochwertige Versorgung in den Krankenhäusern gewährleistet werden kann. Sie fragen ganz konkret, wie die gesundheitliche und pflegerische Versorgung im Akutsetting durch eine Verteilung der Aufgaben zwischen den Berufsgruppen in den Krankenhäusern im Sinne der Patienten/innen verändert werden kann.

Als weiteres Thema schließen sie an, wie die zunehmende Akademisierung klinischer Pflege zur Beantwortung der Frage beitragen kann und welche Verantwortlichkeiten akademisch qualifizierte Pflegefachkräfte einnehmen können. Da wir in Deutschland nicht über eine Tradition von an Hochschulen primärqualifizierter Pflegefachkräfte verfügen, jedoch immer mehr Absolventen/innen von ausbildungsintegrierten Pflegestudiengängen die Hochschulen verlassen, sind die Antworten auf zuletzt aufgeführter Frage von hoher Bedeutung. Ein angemessener und sinnvoller Einsatz von akademisch qualifizierten Pflegefachkräften macht internationalen Erkenntnissen zur Folge einen Unterschied im Ergebnis und in der Qualität der Krankenhausversorgung.

Die Herausgeber/innen und die Autoren/innen beantworten diese Fragen der Aufgabeneuverteilung und eines effektiven Versorgungsmanagements mit den Ergebnissen von Modellprojekten, die in Kliniken von Rheinland-Pfalz und in weiteren Ansätzen und Programmen umgesetzt und evaluiert wurden. Sie intendieren damit das Ziel, wissenschaftliche Ansätze mit Praxisnähe zu verbinden, um ganz konkret Antworten auf die oben angeführten Fragen zu finden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in drei Teile aufgebaut.

In Teil I werden die Dimensionen von Aufgabenneuverteilung und Versorgungsmanagement thematisiert. Er beinhaltet eher allgemeine und einführende Themen, die von pflegerischer Bildung und Aufgaben im Umbruch bis hin zu ökonomischen und rechtlichen Aspekten der Aufgabenneuverteilung sowie ethische Perspektiven auf das Krankenhaussystem reichen. Es würden den Rahmen und die Möglichkeiten dieser Rezension sprengen, alle Beiträge kurz vorzustellen. Es ist jedoch zu betonen, dass dieser Teil des Buches einem logischen Aufbau folgt und alle wesentlichen allgemeinen Inhalte als Grundlage für die weiteren Teile und Kapitel des Buches diskutieren. Alle Autoren/innen argumentieren stringent und differenziert auf der Grundlage neuester Erkenntnisse aus den jeweiligen Fachgebieten. Als Fazit aus diesem Teil wird deutlich, dass insbesondere aus bildungspolitischer wie auch aus ökonomischer und ethischer Perspektive viele Argumente für einen sinnvollen Einsatz akademisch qualifizierter Pflegefachkräfte sprechen. Die rechtliche Situation hingegen ist weniger eindeutig ausgeprägt. Viele Fragen des Arztvorbehaltes, der Aufgabenzuweisung sowie der Delegation sind rechtlich nicht präzise geklärt. Der Autor dieses Beitrags argumentiert abschließend damit, dass der Vertrauensgrundsatz zwischen Ärzten/innen und Pflegekräften die Zusammenarbeit und Übertragung von Aufgaben erleichtern und begründen könnte. Dieser Vertrauensgrundsatz könnte mit Anstieg der Kompetenzen auf Seiten der Pflegekräfte an Bedeutung gewinnen.

In Teil II werden die Ergebnisse von Modellvorhaben zu Aufgabenverteilung und zum Versorgungsmanagement in rheinland-pfälzischen Kliniken vorgestellt. Die zusammengefassten Ergebnisse der Evaluation zeigen eine Verbesserung im Versorgungsmanagement sowie Kosteneinsparungen und Produktivitätssteigerungen. Aber es wird auch deutlich, dass Vorbehalte, strukturelle sowie organisatorische und hierarchische Probleme Projekte dieser Art in der Umsetzung behindern können. In den sich kurz anschließenden Erfahrungsberichten von den an den Modellprojekten teilgenommenen Kliniken wird beschrieben, dass die Projekte die pflegerische Versorgung sowie das pflegerische Verständnis der Pflegefachkräfte auch einige Zeit nach Projektende beeinflusst haben.

Teil III dieses Buches umfasst die Darstellung innovativer Ansätze für die Neuverteilung von Aufgaben und für das Versorgungsmanagement in der Krankenhauspraxis. Dieser Teil ist dreigeteilt und beschreibt in Teil III. A die „Reorganisation von Pflege anhand fachlicher Schwerpunktsetzungen“, in Teil III. B den „Einsatz akademisch qualifizierter Pflegender“ und in Teil III. C das Thema „Behandlungskoordination und Versorgungsmanagement“.

  • In Teil III. A „Reorganisation von Pflege anhand fachlicher Schwerpunktsetzungen“ werden ein Pflegeberatungs- und ein Pflegekonsiliardienst vorgestellt. Da es sich um die Vorstellung von zwei Pilotprojekten handelt, sind die Ergebnisse der Evaluation eher formativ und beschreibend. Es werden naturgemäß keine Aussagen über die Wirksamkeit dieser Projekte gemacht. Weitere Untersuchungen sind in der Zukunft erforderlich, um die Effektivität derartiger Interventionen zu untersuchen.
  • In Teil III. B „Einsatz akademisch qualifizierter Pflegender“ werden Ergebnisse von fünf unterschiedlichen Projekten dargestellt, die alle unterschiedliche Intentionen haben. In einem Beitrag wird der Einsatz von BachelorabsolventenInnen in der direkten psychiatrischen Pflegepraxis, in einem anderen die Integration von BachelorstudentInnen im Vergleich zu herkömmlich qualifizierten Fachkräften und in einem dritten wird ein Konzept für Personalentwicklung beschrieben. In einem vierten Beitrag geht es um die Praxisintegration von Bachelor-Pflegenden in konkreten Arbeitsgebieten (wie bspw. pflegerische Prozessverantwortliche oder im Bereich der evidenzbasierten Praxis) und im letzten Beitrag wird die Entwicklung einer Advanced-Nursing Practice vorgestellt.
  • In Teil III. C „Behandlungskoordination und Versorgungsmanagement“ finden sich Projektdarstellungen zum Entlass- und Versorgungsmanagement, zum Case Management sowie zur sektorenübergreifenden Versorgung von Menschen mit Knochenmarktransplantationen und zur Epilepsie Nurse bzwBehandlungskoordinatorin Epilepsie.

Fazit

Dieses Buch ist allen Lesern/innen eindrücklich zu empfehlen, die sich mit Fragen des Einsatzes akademisch qualifizierter Pflegefachkräfte und einer möglichen Neuverteilung von Aufgaben in Krankenhäusern beschäftigen. Es ist bislang die umfassendste Publikation zu dieser Thematik in Deutschland, die nicht nur mit theorie-, sondern auch mit forschungsgeleiteten Erkenntnissen darstellt, dass Pflegefachkräfte mit einem akademischen Abschluss patienten/innennah in Krankenhäusern eingesetzt werden können und damit zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung beitragen. Die meisten präsentierten Projekte stellen allerdings vielmehr Pilotprojekte dar und sind nicht nachhaltig umgesetzt. Es wird deutlich, dass für eine angemessene Implementierung neuer Aufgabenfelder sowie Verantwortlichkeiten von professionellen Pflegefachkräften weitere ähnliche geartete Maßnahmen und Interventionen in ihrer Wirksamkeit untersucht werden müssen. Die Strukturen und Traditionen in unserem Gesundheitssystem benötigen einen langen Atem und stringente sowie gut fundierte Forschungsresultate, um die Bedeutung und den Unterschied von professionellen Pflegefachkräften im Outcome der Krankenhausversorgung zu verdeutlichen.

Abschließend wird am Ende des Buchs lediglich ein zusammenfassendes Fazit vermisst, in dem die vielfältigen Projekte und Ergebnisse kritisch reflektiert sowie in ihrer Bedeutung noch einmal zugeordnet werden.


Rezensentin
Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/pws/hasseler/index.html
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Zitiervorschlag
Martina Hasseler. Rezension vom 13.02.2017 zu: Renate Stemmer, Ruth Remmel-Faßbender, Martin Schmid, Reinhold Wolke (Hrsg.): Aufgabenverteilung und Versorgungsmanagement im Krankenhaus gestalten. Von erfolgreicher Praxis lernen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. ISBN 978-3-86216-281-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22416.php, Datum des Zugriffs 24.08.2019.


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