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Mathias Graumann, Anke Schmidt-Graumann: Rechnungslegung und Finanzierung der Krankenhäuser

Cover Mathias Graumann, Anke Schmidt-Graumann: Rechnungslegung und Finanzierung der Krankenhäuser. Leitfaden für die Rechnungslegung, Beratung und Prüfung. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe (Herne) 2017. 3., überarbeitete Auflage. 721 Seiten. ISBN 978-3-482-57573-0. 84,00 EUR.
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Autor und Autorin

Dr. Mathias Graumann(Kapitel 1, 3 und 5 – 9) ist Professor für Rechnungswesen, insbesondere Controlling, Kosten- und Leistungsrechnung an der Fachhochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen.

Anke Schmidt-Graumann (Kapitel 2, 4 und 10) ist Rechtsanwältin und Partnerin der Rechtsanwalt Sozietät Harsdorf-Gebhardt und Schmidt-Graumann in Bonn-Bad Godesberg. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten zählen insbesondere die Beratung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Thema

Das deutsche Gesundheitswesen unterliegt in seiner Ausführung und Gestaltung starken gesetzlichen Regulierungen. Vor dem Hintergrund leerer Staatskassen und des demographischen Wandels werden diese Regulierungsformen seit einigen Jahren kontrovers diskutiert. Der Krankenhaussektor gehört auch bedingt durch seine Infrastruktur zu den größten Kostenverursachern im Gesundheitswesen. Als Konsequenz des Kostendrucks wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Reformen, mit dem Ziel effizientere und kostengünstigere Behandlung zu ermöglichen, verabschiedet. Mit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 wurde daher das Vergütungssystem der Krankenhäuser grundlegend reformiert. Darüber hinaus ist der Krankenhaussektor durch ein vielschichtiges Aufeinandertreffen von Kostenträgern sowie Leistungserbringern und Nachfragern gekennzeichnet. Folgerichtig besteht gerade hier die Notwendigkeit zur Regulierung/Überwachung sowie der daraus bedingten Darstellung von Leistungs- und Finanzströmen. Die vorliegende Publikation „Rechnungslegung und Finanzierung der Krankenhäuser“ stellt die Spezifika der Krankenhausfinanzierung und der sich daraus ableitenden Rechnungslegungsvorschriften dar.

Im Jahre 2016 legen die Verfasser die 3. Auflage des Lehrbuchs vor.

Aufbau und Inhalt

Die oben genannten Aspekte werden auch in der 3. Auflage in zehn Kapiteln aufgegriffen und näher beleuchtet.

Nach einem komprimierten Einstieg und einer kurzen Darstellung der folgenden Kapitel sowie kurzen Begriffserklärungen im ersten Kapitel beschäftigt sich das Buch im zweiten KapitelFinanzierungsquellen und Finanzierungsformen“ zunächst mit den grundlegenden gesetzlichen Bestimmungen der Krankenhausfinanzierung insbesondere dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und dem Sozialgesetzbuch. Dabei werden zunächst, vor dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung, die durch den Gesetzgeber angedachte Zielsetzung der bedarfsgerechten Versorgung und der sich daraus ergebenden Voraussetzung der wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser näher beleuchtet. Auf dieser Grundlage erfolgt eine ausführliche Darstellung des Systems der dualen Finanzierung mit seinen Besonderheiten und Konsequenzen. So werden unter Zuhilfenahme zahlreicher Abbildungen die einzelnen Förderungsmöglichkeiten durch den öffentlichen Sektor ebenso dargestellt, wie die Spezifika der Abrechnung mit den Kostenträgern. Darüber hinaus werden fundamentale, für das spätere Verständnis der verschiedenen Erlösformen und ihrer buchhalterischen Behandlung notwendige Begriffe und Formen der Krankenhausbehandlung näher erläutert.

Folgende Kapitelüberschriften sind zu finden:

  • 2.1 Grundlegende Bestimmungen des Krankenhausfinanzierungsgesetzes
  • 2.2 Ausgestaltung und Konsequenzen des Prinzips der dualen Finanzierung der Krankenhäuser
  • 2.3 Aufstellung der Krankenhausplanung und Investitionsprogramme
  • 2.4 Grundsätze und Formen der Investitionsförderung durch die Länder
  • 2.5 Grundsätze der Finanzierung durch die Kostenträger

Die Neuregelungen des Gesetzes zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung (Krankenhausstrukturgesetz -KHSG) wurden in das Kapitel eingearbeitet.

Die sich aus Kapitel 2 ergebenden Fragen zur Abgrenzung zwischen Investitionen und (pflegesatzfähigen) Kosten werden im Kapitel 3Die Abgrenzung von Investition und Kosten“ erläutert. Es werden die gesetzlichen Regelungen der mit dem Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze (KHG) verknüpften Abgrenzungsverordnung ausführlich dargestellt und erläutert. Abgerundet wird dieses Kapitel durch eine statistische Darstellung von Umfang, Struktur und Entwicklung der Investitionsfinanzierung.

Folgende Kapitelüberschriften finden sich in Kapitel 3:

  • 3.1 Grundlegende Bestimmungen der Abgrenzungsverordung (AbgrV)
  • 3.2 Die Abgrenzung der Wirtschaftsgüter
  • 3.3 Die Abgrenzung der pflegesatzfähigen Kosten
  • 3.4 Die Abgrenzung der Instandhaltungskosten
  • 3.5 Neuentwicklung der Investitionsfinanzierung

Das zuletzt genannte Kapitel wurde für die 3. Auflage neu geschrieben. Neben den Eckdaten der Investitionsfinanzierung wird die Baupauschale beschrieben und ggü. der Investitionspauschlage nach § 10 KHG abgegrenzt. Der Abschnitt schließt mit Ausführungen zur Kalkulation der Investitionskosten nach dem InEK-Handbuch.

Kapitel 4Ausgestaltung der Erlösrechnung im Krankenhaus“ greift die bereits genannten Fakten und Erkenntnisse auf und bringt sie in Zusammenhang mit der Rechnungslegung der Krankenhäuser. So werden die unterschiedlichen Behandlungsformen ihren Erlösformen gegenübergestellt. Das nach Einführung des pauschalisierten Entgeltsystem geltende Krankenhausentgeltgesetz für die Vergütung der Krankenhausleistungen (KHEntgG) wird mit seinen Besonderheiten ebenso ausführlich analysiert und erläutert wie die bis dato geltende Bundespflegesatzverordnung (BPflV).

Das Kapitel 4 ist wie folgt unterteilt:

  • 4.1 Erlösformen im Krankenhaus
  • 4.2 Grundsätze des Krankenhausentgeltgesetzes
  • 4.3 Grundsätze der Bundespflegeverordnung nach der Neufassung
  • 4.4 Anwendung der Bundespflegeverordnung in der bis 2012 geltenden Fassung
  • 4.5 Leistungs- und Kalkulationsaufstellung a.F.
  • 4.6 Einzelfragen des Vereinbarungsverfahrens.

Der Abschnitt 4.3 ist nach der Neufassung der Bundespflegeverordnung (wirksam ab 2013) neu für die 3. Auflage formuliert worden.

Im Anschluss daran werden aufbauend auf diesen Regelungen im 5. KapitelDie Ausgestaltung des externen Rechnungswesens nach KHBV“ die wesentlichen Bestandteile des externen Rechnungswesens von Krankenhäusern eingehend dargelegt. Neben theoretischen Erläuterungen der Krankenhausbuchführungsverordnung (KHBV) als gesetzliche Grundlage der Rechnungs- und Buchführungspflicht, tragen die Autoren mit zahlreichen Abbildungen und Beispielen den Besonderheiten des Krankenhausabschlusses Rechnung.

Folgende Überschriften finden sich in Kapitel 5:

  • 5.1 Grundlegende Bestimmungen des Krankenhaus- Buchführungsverordnung
  • 5.2 Die Aufstellung von Buchführung und Inventar
  • 5.3 Die Aufstellung des Jahresabschlusses

In den folgenden Kapiteln 6 bis 8 befassen sich die Autoren mit der Ausgestaltung, Umsetzung sowie Relevanz der Kostenrechnung für die Krankenhäuser.

So werden im 6. KapitelDie Ausgestaltung der Kostenrechnung nach KHBV“ zunächst die Grundbegriffe der Kostenrechnung in der Krankenhausrechnungslegung erläutert. Darüber hinaus werden allgemeine Fragen, Aspekte sowie Intentionen der internen Rechnungslegung näher beleuchtet. Es erfolgt eine ausführliche Analyse des § 8 KHBV und der sich daraus ergebenden gesetzlichen Verpflichtung (als Besonderheit des Krankenhaussektors) zur Aufstellung eines internen Rechnungswesens. An konkreten Fallbeispielen erfolgt die Darstellung der Besonderheiten der Ausgestaltung von Kostenarten- und Kostenstellenrechnung.

Folgende Kapitelüberschriften sind zu finden:

  • 6.1 Grundbegriffe der Kostenrechnung
  • 6.2 Ziele der und Anforderungen an die Kostenrechnung gemäß Krankenhaus-Buchführungsverordnung (KHBV)
  • 6.3 Besonderheiten der Ausgestaltung der Kostenartenrechnung
  • 6.4 Besonderheiten der Ausgestaltung der Kostenstellenrechnung

Das 7. KapitelKalkulation der DRG-Fallkosten nach dem INEK-Kalkulationshandbuch“ greift die gesetzliche „Neuerung“ der DRG relevanten Abrechnung und ihre Einzelheiten auf. Es werden die im Kapitel zuvor erläuterten Kostenrechnungsgrundlagen in einen Zusammenhang mit den für die DRG-Ermittlung notwendigen Rahmenbedingungen gebracht. Die mit der DRG-Einführung und der damit verbundenen Festvergütung notwendig gewordene Kalkulation der Behandlungsfälle und die damit einhergehenden Kosten machten es für die Krankenhäuser unabdinglich eine entsprechende Kostenträgerrechnung zu erstellen. Anhand des Kalkulationshandbuches werden die einzeln Kostenbestandteile sowie das Kalkulationsschema erläutert und ausführlich an Fallbeispielen besprochen. Mittlerweile liegt das Handbuch in der Version 4.0 aus dem Jahre 2016 vor. Dies ist von Graumann-Graumann berücksichtigt worden.

Kapitel 7 ist in folgende Unterabschnitte unterteilt:

  • 7.1 Ablauf der Rohfallkostenermittlung
  • 7.2 Ermittlung der DRG-relevanten Kosten auf Kostenartenebene
  • 7.3 Ermittlung der DRG-relevanten Kosten auf Kostenstellenebene
  • 7.4 Kostenstellenrechnung
  • 7.5 Ermittlung der DRG-relevanten Kosten auf Kostenträgerebene
  • 7.6 Besonderheiten der Kalkulation psychiatrischer und psychosomatischer Leistungen

Wegen der gesetzlichen Novelle wurde für die 3. Auflage Kapitel 7.6 neu geschrieben. Dort sind die Besonderheiten der Kalkulation psychiatrischer und psychosomatischer Leistungen beschrieben.

Die sich aus den aktuellen Reformen und Reformvorhaben ergebenden Fragen zur Wirtschaftlichkeit bzw. zur Kostenkontrolle werden in Kapitel 8Verfahren des Kostencontrollings im Krankenhaus“ aufgegriffen. Insbesondere Deckungsbeitragsrechnung, Prozesskostenrechnung sowie Zielkostenrechnung werden als Verfahren des Kostencontrollings vorgestellt.

Die Inhalte des Kapitels 8. lässt sich anhand der Überschriften veranschaulichen:

  • 8.1 Notwendigkeit der Anwendung von Verfahren des Kostencontrollings
  • 8.2 Anwendung der Deckungsbeitragsrechnung im Krankenhaus
  • 8.3 Prozesskostenrechnung
  • 8.4 Zielkostenrechnung

Im Kapitel 9Besonderheiten der Abschlussprüfung von Krankenhäusern“ werden die Besonderheiten der Jahresabschlussprüfung in Krankenhäusern dargestellt. Es handelt sich um eine kurze Erläuterungen der wichtigsten Aspekte sowie Kennzahlen, welche im Rahmen der Jahresabschlussprüfung von Bedeutung sind.

Folgende Abschnitte werden behandelt:

  • 9.1 Erweiterungen des Prüfungsauftrages und Auswirkungen auf die Durchführungen der Abschlussprüfungen
  • 9.2 Besonderheiten der Prüfungsplanung und -vorbereitung
  • 9.3 Besonderheiten der Prüfung der Ordnungsmäßigkeit von Buchführung und Jahresabschluss gemäß IDW-KHFA
  • 9.4 Besonderheiten der Berichterstattung über die Prüfung und der Erteilung von Bestätigungsvermerken

Kapitel 10 enthält einen Ausblick auf die zu erwartende weitere Entwicklung.

Im Anhang befinden sich Literaturhinweise auf 8 Seiten und ein 13 seitiges Stichwortverzeichnis zum Thema. Die Literaturliste wurde um neuere Aufsätze und Bücher aktualisiert.

Fazit

Spätestens mit der Einführung des Fallpauschalengesetzes im Jahr 2002 kommt der Rechnungslegung der Krankenhäuser eine besondere Bedeutung zu. Die Autoren haben auf diesen gut 500 Seiten den dankenswerten Ansatz unternommen, alle rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte für die Krankenhausrechnungslegung zusammen zu fassen und zu erläutern. Insgesamt kann festgehalten werden, dass Ihnen das sehr gut gelungen ist.

Für Führungskräfte und Nachwuchs, die über allgemeine Kenntnisse des Rechnungswesens und des Gesundheitssektors verfügen, ist dieses Buch mehr sehr gut geeignet für eine Einarbeitung in die Spezifika der Rechnungslegung der Krankenhäuser. Ideal eigent sich das Buch als Lehrbuch für das Fach Krankenhausmanagement.

Graumann/Schmidt-Graumann erleichtern zudem dem Leser durch die Verwendung von zahlreichen Beispielen sowie Abbildungen das Verständnis für die nicht immer einfache Materie.

Die 3. Auflage hat die seit der letzten Auflage erfolgten gesetzlichen Novellierungen im Krankenhausfinanzierungsrecht aufgegriffen. Der Leser kann sich nunmehr über den aktuellen Stand der Rechnungslegung und Finanzierung der Krankenhäuser informieren. Das Buch stellt einen sehr guten Leitfaden für die Rechnungslegung, Beratung und Prüfung von deutschen Krankenhäusern dar.

Die gute Qualität des Buches rechtfertigt den für ein Lehrbuch nicht geringen Preis von 74 EUR.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 19.04.2017 zu: Mathias Graumann, Anke Schmidt-Graumann: Rechnungslegung und Finanzierung der Krankenhäuser. Leitfaden für die Rechnungslegung, Beratung und Prüfung. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe (Herne) 2017. 3., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-482-57573-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22427.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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