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Marianne Kleiner-Wuttke: Kollegiale Beratung in Kindertagesstätten

Cover Marianne Kleiner-Wuttke: Kollegiale Beratung in Kindertagesstätten. Als Team gemeinsam durch Klärung zu Lösungen finden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 96 Seiten. ISBN 978-3-7799-3645-9. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 21,30 sFr.
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Thema

Das Buch beschäftigt sich mit der Thematik der Kollegialen Beratung, die als Unterform der Supervision im Zuge der erhöhten Anforderungen in der pädagogischen und strukturellen Qualität von Kindertagesstätten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Autorin

Marianne Kleiner-Wuttke ist Co-Leiterin einer Kindertagesstätte und Referentin im Handlungsfeld Kindertagesstätten. Sie ist zudem Trainerin und Ausbilderin in Mediation sowie Dozentin und Trainerin in der Kinder-und Jugendhilfe.

Entstehungshintergrund

Wie in der Einleitung beschrieben, ist das Buch aus der Motivation heraus entstanden, pädagogischen Fachkräften Verfahren an die Hand zu geben, die zu einer Arbeitsentlastung im Alltag führen können. Dabei setzt die Autorin sich zum Ziel, Pädagogen in der Praxis durch das vorliegende Werk die Methode der Kollegialen Beratung schrittweise selbst erkunden zu lassen.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch gliedert sich auf 96 Seiten in fünf Kapitel. Außerdem sind drei Anlagen beigefügt, die das Sechs-Phasen-Modell der Kollegialen Beratung und dessen einzelne Phasen für den alltäglichen Gebrauch visualisieren.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Ursprung der Kollegialen Beratung und einer Begriffsklärung. Die Autorin gibt dabei einen kurzen geschichtlichen Abriss über die Entstehung und Entwicklung der Supervision, bei dem sie sich auf die definitorische Grundlage der Deutschen Gesellschaft für Supervision bezieht. Sie beschreibt auch unterschiedliche Formen der Supervision, wobei sie die Kollegiale Beratung als spezielle Form der Gruppen- oder Teamsupervision in das Feld der Supervision einordnet.

In Kapitel zwei wird die Kollegiale Beratung heute in den Blick genommen. Dabei werden sowohl Ziele als auch Zweckmäßigkeit für verschiedene Interessensgruppen herausgestellt: Diese werden für das Individuum, die Gruppe bzw. das Team und die Organisation in aufeinander aufbauenden Unterpunkten gesondert beschrieben. Durch Beispiele und gezielte Übungen werden die Inhalte dieses Kapitels verdeutlicht.

Kapitel drei des Buches thematisiert die Voraussetzungen zur Durchführung einer Kollegialen Beratung. Dabei werden die ideologischen und habituellen, aber auch die strukturellen und methodischen Voraussetzungen in den Blick genommen. Dabei beruft sich die Autorin auf bekannte Konzepte wie die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach R. Cohn oder den personenzentrierten Ansatz nach Carl R. Rogers. Als „Herzstück“ der Kollegialen Beratung wird außerdem der Moderationskompetenz ein eigenes Unterkapitel gewidmet.

In Kapitel vier des Buches wird die praktische Umsetzung der Kollegialen Beratung beschrieben. Dabei führt Frau Kleiner-Wuttke zunächst in ein Sechs-Phasen-Modell in Anlehnung an K.-O. Tietze ein, geht aber auch auf die Funktionen der unterschiedlichen Rollen innerhalb des Beratungsprozesses ein. Im Anschluss daran werden die einzelnen Phasen und deren Inhalte erläutert und nach Möglichkeit grafisch dargestellt.

Das fünfte Kapitel schließlich beschäftigt sich in aller Kürze mit den Themen Prozessreflexion und dem Geben und Nehmen von Feedback.

Diskussion

Marianne Kleiner-Wuttke benennt in der Einleitung die Unterstützung der Selbsterkundung der Kollegialen Beratung für Pädagogen als Zielsetzung des Buches. Was dies bedeutet wird erst im Verlaufe des Buches deutlich: Durch viele praktische Übungen wie Bewusstseinstrainings oder Einladungen zum Selbstgespräch versucht sie, die eigene Einstellung des Lesers zum Thema zu hinterfragen und ihn so zu einer veränderten Sichtweise im Sinne der Kollegialen Beratung zu führen. Ihre Herleitungen für die praktischen Übungen im Buch sind durchaus nachvollziehbar und lassen sich auch gut mit ihrer selbst formulierten Zielsetzung vereinbaren, die Übungen an sich sind jedoch für eine fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Kollegialen Beratung nicht notwendig. Sie sind nicht relevant für das weitere Verständnis des Textes und können daher auch überlesen werden.

Hier ergibt sich allerdings eine Diskrepanz in Bezug auf den Titel und die Zielsetzung des Buches: Der Titel ließ im Vorhinein vermuten, ein Leitfaden zur Kollegialen Beratung explizit für Kindertagesstätten in den Händen zu halten. Das Buch entpuppte sich nach der Lektüre allerdings eher als eine Einführung in das Thema der Beratung an sich, da viele Voraussetzungen zur Durchführung der Kollegialen Beratung fachlich gut dargestellt werden, diese aber so allgemein gehalten sind, dass sie sich auch auf andere Beratungsformen übertragen lassen. Durch die Übungen und die Darstellungen verschiedener Ansätze aus der Sprachtheorie wirkt das Buch eher wie ein Ratgeber, der die Person des Lesers in den Blick nimmt und ihm ermöglicht, sich mit den eigenen, persönlichen Voraussetzungen und der eigenen Haltung auseinanderzusetzen, als dass es Fähigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung einer Kollegialen Beratung vermittelt. Es finden sich zwar immer wieder Verweise auf die Kollegiale Beratung, die Methode an sich wird aber nur in aller Kürze zum Ende des Buches hin dargestellt. Die Autorin geht kurz darauf ein, dass aus Gründen einer möglichen Überforderung nur eine beratungsmethodische Vorgehensweise geschildert werde; sie weist zwar auf vorhandene andere Methoden hin, gibt aber hier leider keine weiteren Informationen oder Quellenangaben, unter denen sich interessiertes Fachpersonal weiter informieren könnte.

Die Anlagen des Buches sind wiederum als positiv hervorzuheben, da sie das Vorgehen anhand des Sechs-Phasen-Modells ansprechend visualisieren und sich somit gut zur Einführung der Methode in der Kindertageseinrichtung eignen und auch als Gesprächsgrundlage genutzt werden können. Ebenfalls als positiv auszulegen ist das Kapitel der Kollegialen Beratung heute, da Frau Kleiner-Wuttke mit der Darstellung von Zielen und Zweckmäßigkeit der Beratungsmethode eine Argumentationsgrundlage für alle Fachkräfte bietet, die vorhaben, (Kollegiale) Beratung in ihrer Einrichtung einzuführen. Die bloße Darstellung der Methode sowie das recht knapp gehaltene letzte Kapitel über die Reflexion der Methode lassen den Leser etwas allein zurück. Die Methode wird zwar technisch gut dargestellt und mit Visualisierungen und Beispielfragen unterstützt, es fehlt aber vor allem an der Beschreibung der konkreten Umsetzung der Methode, an Praxisbeispielen sowie einer Auseinandersetzung mit Stolpersteinen und Schwierigkeiten während des Beratungsprozesses.

Fazit

Das Buch ist wider Erwarten kein Leitfaden zur Kollegialen Beratung an sich und deren Einsatz in der Kindertagesstätte, sondern eher als Grundlagenbuch zur Einführung von Beratung in der Kindertageseinrichtung zu verstehen. Es eignet sich aufgrund der Selbsterfahrungsübungen für Fachkräfte, die sich mit ihrer eigenen Haltung zu Beratungsprozessen allgemein auseinandersetzen und nötige Vorüberlegungen zur Einführung von Kollegialer Beratung anstellen wollen. Die knapp gehaltene Darstellung der Methode und die fehlende weitere Auseinandersetzung mit der Methode an sich machen zur Vertiefung der Thematik weitere Literatur nötig.


Rezensentin
Sandra Krollmann
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Sandra Krollmann. Rezension vom 04.08.2017 zu: Marianne Kleiner-Wuttke: Kollegiale Beratung in Kindertagesstätten. Als Team gemeinsam durch Klärung zu Lösungen finden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3645-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22431.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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