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Kerstin Bäuerlein, Christine Lübbeke u.a.: WÜRFEL. Würzburger frühpädagogischer Erziehungsleitfaden (...)

Cover Kerstin Bäuerlein, Christine Lübbeke, Jan Roesler, Eva Stumpf, Angelika Weber u.a.: WÜRFEL. Würzburger frühpädagogischer Erziehungsleitfaden für Kinderkrippen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 236 Seiten. ISBN 978-3-7799-3409-7. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Die vorgestellte Publikation setzt sich intensiv mit der Qualität außerfamiliärer Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter drei Jahren in Kinderkrippen auseinander. Dabei stellen die Autoren die besondere Bedeutung einer hohen Betreuungsqualität für die physische und psychische Gesundheit von Kindern heraus und belegen wissenschaftlich fundiert welche verantwortungsvolle Aufgabe die Aufnahme von sehr jungen Kindern in Kindertagesstätten bzw. Krippengruppen darstellt. In einem praxisorientierten und theoriebasierten Leitfaden werden Standards einer qualitativ hochwertigen „Fremdbetreuung“ von Kindern unter drei Jahren in Kinderkrippen aufgeführt. Die Publikation kann als praxisorientiertes, frühpädagogisches Konzept verstanden werden, das sich für die fachpraktische Umsetzung in der Krippe/ Kindertagesstätte eignet, als Grundlage zur Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte sowie innerhalb deren Ausbildung eingesetzt werden kann.

AutorInnen

Alle Autoren arbeiteten miteinander, im Rahmen des „Krippenprojektes – KRIPS (Krippen mit Grips)“ der Begabungspsychologischen Beratungsstelle Würzburg, an der Publikation. Im Einzelnen waren folgende Autoren und Autorinnen an dem Werk beteiligt:

  • Kerstin Bäuerlein, Dr., arbeitet seit 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Lehrstuhl für Psychologie IV und an der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg.
  • Christine Lübbeke, Dipl.-Psych., arbeitet als niedergelassene psychologische Psychotherapeutin in Würzburg sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Lehrstuhl für Psychologie IV und der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg.
  • Jan Rösler, Dipl.-Psych., arbeitet seit 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Lehrstuhl für Psychologie IV und der Begabungspsychologischen Beratungsstelle an der Universität Würzburg.
  • Eva Stumpf, Prof. Dr., arbeitet seit 2015 als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Rostock. Von 2007 bis 2015 war sie akademische Rätin am Lehrstuhl für Psychologie IV und stellvertretende Direktorin der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg.
  • Angelika Weber, Prof. Dr., ist Psychologin, Erzieherin, Psychologische Psychotherapeutin und arbeitet seit 1998 als Professorin für Entwicklungspsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.
  • Wolfgang Schneider, Prof. Dr. em., arbeitet seit 1991 als Professor für Pädagogische Psychologie in Würzburg und ist seit 2005 Direktor der Begabungspsychologischen Beratungsstelle.

Entstehungshintergrund

Im Vorwort gehen die Autoren auf den in den letzten Jahren forcierten, quantitativen Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren ein und decken den gegenwärtigen Missstand auf, dass im Zuge dessen nur wenig Aufmerksamkeit auf die Betreuungsqualität der jüngsten Kinder in Kinderkrippen gerichtet wurde. Ebenso fügen sie an, dass es kaum pädagogische Ansätze für Kinderkrippen gibt, deren Wirksamkeit überprüft bzw. untersucht wurden sowie die Tatsache, dass der Bereich Frühpädagogik innerhalb der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften nur wenig Beachtung findet.

Im Rahmen des Krippenprojektes „KRIPS – Krippen mit Grips“ der Begabungspsychologischen Beratungsstelle in Würzburg wurde deshalb versucht „diesen Problembereich gezielt anzugehen“ (Bäuerlein et. al. 2017, S. 5). Unter Einbezug von Experten und Expertinnen der frühpädagogischen Praxis und Wissenschaft wurde die folgend vorgestellte Publikation WÜRFEL entwickelt und „dessen Brauchbarkeit im Rahmen einer eigenen Studie überprüft“ (ebd.). Das Ergebnis der Würzburger frühpädagogischer Erziehungsleitfaden für Krippenkinder stellt nationale und internationale Erkenntnisse der Wissenschaft und Forschung verständlich dar und leitet daraus praktische Beispiele sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die außerfamiliäre Betreuung von Kindern unter drei Jahren ab. (Vgl. ebd.)

Aufbau

Das Buch als solches umfasst 236 Seiten. Ein einleitendes Vorwort stellt das Konzept und die Zielsetzung der Publikation vor. Der Entstehungsprozess sowie die daran beteiligten Personen und Experten wird aufgezeigt. Im Anschluss daran folgt der in fünf Module unterteilte Leitfaden.

  • Modul 1 bearbeitet den Themenkomplex Bindung.
  • Daran anschließend wird in Modul 2 auf die Eingewöhnung von jungen Kindern in die Kinderkrippe eingegangen.
  • Daran ansetzend geht Modul 3 auf die sozial-emotionale Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren ein.
  • Folgend werden in Modul 4 und Modul 5 die sprachliche und kognitive Entwicklung thematisiert.
  • In einem Zusatzmodul gehen die Autoren noch einmal explizit auf die Qualität in Kinderkrippen ein.

Jedes Modul beinhaltet eine Vielzahl an wissenschaftlichen Aspekten sowie immer wiederkehrende Rubriken z.B. „Wichtig für die Praxis“ oder „gut zu wissen“, in denen weiterführende Informationen z.B. Hinweise zu Studien etc. aufgeführt werden. Zudem bieten sie fachpraktische Handlungsempfehlungen für die Umsetzung im Krippenalltag bzw. für die Arbeit pädagogischer Fachkräfte. Diese Einschübe lassen eine Verbindung der wissenschaftlichen Theorie zum pädagogischen Alltag in der Praxis zu, sprechen frühpädagogische Fachkräfte gezielt an und/oder fassen die wesentlichen Inhalte noch einmal kurz zusammen. Alle Module enden mit einer Übersicht über die im Kapitel aufgeführten wichtigsten Inhalte und bieten darüber hinaus dazu passende Reflexionsfragen bzw. Reflexionsthemen an.

Abschließend findet sich im Buch eine Zusammenfassung über Elterninformationen, die dem Leser als weiteres Online Material zur Verfügung stehen. Auf der Website des Beltz-Verlages (www.beltz.de) können diese kostenlos heruntergeladen werden. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Literaturverzeichnis angeführt.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Folgend werden die Inhalte der einzelnen Module von WÜRFEL (Würzburger frühpädagogischer Erziehungsleitfaden) grob dargestellt und die Inhalte beschrieben:

Modul 1: Bindung

Modul 1 widmet sich zunächst den Grundlagen der Bindungstheorie sowie des Bindungsbegriffes. Innerhalb dieses Themenkomplexes beschreiben die Autoren die Funktionsprinzipien von Bindung, erörtern den Begriff der Bindungsperson, skizzieren die Entstehung von Bindungsbeziehungen und erklären die unterschiedlichen Bindungsqualitäten. Besonders eindrücklich wird darüber hinaus die Bedeutung der Bindungssicherheit für die kindliche Entwicklung aufgegriffen.

Der zweite Teil des ersten Moduls befasst sich mit der Fachkraft-Kind-Beziehung und beschreibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Mutter-Kind-Bindung. Die Bedeutung der Fachkraft-Kind-Bindung für die kindliche Entwicklung wird herausgestellt und betont den daraus unabdingbar resultierenden, verantwortungsvollen Umgang mit jungen Kindern in außerfamiliären Betreuungssettings. Anschließend werden fachpraktische Handlungsempfehlungen zur Unterstützung des Bindungsaufbaus durch die pädagogische Fachkraft aufgeführt. Die Autoren beschreiben folgend die Rolle von Merkmalen des Kindes z.B. Alter und Temperament etc. für die Fachkraft-Kind-Bindung. Daran ansetzend werden Handlungsempfehlungen für strukturelle Rahmenbedingungen und deren Bedeutung für die Bindungssicherheit beschrieben. Das Konzept der Bezugserzieherin bzw. Bezugsfachkraft wird ebenfalls dargestellt.

Zum Abschluss des Kapitels werden alle wesentlichen Inhalte auf einen Blick zusammengefasst. Zudem bieten Reflexionsfragen Impulse zur kritischen Betrachtung des pädagogischen Alltages in der Praxis sowie zum Hinterfragen des Verhaltens und Handelns der pädagogischen Fachkräfte.

Modul 2: Eingewöhnung

Das zweite Modul baut auf den Grundlagen des Themenkomplexes Bindung auf und beschäftigt sich umfassend mit der sogenannten Eingewöhnung von jungen Kindern unter drei Jahren in Einrichtungen der außerfamiliären Betreuung z.B. in die Kinderkrippe. Zunächst werden wissenschaftliche Studien zur Eingewöhnung bzw. der Transitionsforschung vorgestellt. Danach wird die Eingewöhnung als Herausforderung für Säuglinge und Kleinkinder beschrieben. Dabei wird insbesondere auf die kindlichen Stressreaktionen bzw. Einflussfaktoren auf das individuelle Stresserleben eingegangen. Folgend legt der Leitfaden Kriterien für eine gelungene Eingewöhnung fest. Merkmale und Auswirkungen einer kindgerechten Eingewöhnung werden aufgeführt. Dabei wird vor allem auf die Beteiligung von Eltern und sonstigen primären Bezugspersonen, einem behutsamen Beziehungsaufbau, Abschiedsrituale und Aspekte der Trennung innerhalb von Eingewöhnung eingegangen. Aber auch auf Objektbegleiter bzw. Übergangsobjekte, die Information von Eltern sowie die Anpassung der Rahmenbedingungen werden thematisiert.

Zum Abschluss des Kapitels werden alle wesentlichen Inhalte auf einen Blick zusammengefasst. Zudem bieten Reflexionsfragen Impulse zur kritischen Betrachtung des pädagogischen Alltages in der Praxis sowie zum Hinterfragen des Verhaltens und Handelns der pädagogischen Fachkräfte.

Modul 3: sozial-emotionale Entwicklung

Das dritte Modul befasst sich mit den Grundsätzen und der Bedeutung der sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren. Da die Entwicklungsschritte in dieser Zeit so vielschichtig sind, werden sie einzeln für das erste, das zweite und das dritte Lebensjahr beschrieben. Darauf aufbauend thematisiert das Modul die Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung im Kontext der Kinderkrippe. Hier wird vor allem die Schaffung günstiger struktureller Bedingungen und einer positiven Atmosphäre betont. Zudem wird auf die Förderung prosozialen Verhaltens sowie den Themenkomplex Autonomie und Selbstregulation eingegangen.

Zum Abschluss des Kapitels werden alle wesentlichen Inhalte auf einen Blick zusammengefasst. Zudem bieten Reflexionsfragen Impulse zur kritischen Betrachtung des pädagogischen Alltages in der Praxis sowie zum Hinterfragen des Verhaltens und Handelns der pädagogischen Fachkräfte.

Modul 4: sprachliche Entwicklung

Das vierte Modul greift zum einen den Spracherwerb als ganzheitliche Aufgabe und die wesentlichen Meilensteine der Sprachentwicklung auf. Diese werden umfangreich beschrieben, sind aber darüber hinaus ebenfalls übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst. Auch auf mögliche Probleme beim Spracherwerb wird hingewiesen. Zum anderen wird die alltagsintegrierte Sprachförderung thematisiert. Dabei werden die Beobachtung und Dokumentation kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse hervorgehoben. Aspekte wie sprachförderliche Rahmenbedingungen und Dialog schaffende Gelegenheiten im Alltag werden angesprochen, ebenso wie ein entwicklungsangemessener Kommunikationsstil. Auch an dieser Stelle bietet der Leitfaden wieder konkrete Handlungsempfehlungen und zeigt wie frühpädagogische Fachkräfte Sprache feinfühlig und kindzentriert anbahnen können. Praxisnah werden darüber hinaus Materialien und Spielideen für den Einsatz in der Kinderkrippe vorgestellt.

Daran ansetzend greifen die Autoren den Themenkomplex Mehrsprachigkeit noch einmal gesondert auf und weisen auf die Besonderheiten eines mehrsprachigen Spracherwerbs bzw. einer Sprachentwicklung unter Einfluss mehrerer Sprachen hin. Auch hier werden wieder Möglichkeiten aufgezeigt, die in der Praxis zur Unterstützung eines doppelten Spracherwerbs genutzt werden können.

Zum Abschluss des Kapitels werden alle wesentlichen Inhalte auf einen Blick zusammengefasst. Zudem bieten Reflexionsfragen Impulse zur kritischen Betrachtung des pädagogischen Alltages in der Praxis sowie zum Hinterfragen des Verhaltens und Handelns der pädagogischen Fachkräfte.

Modul 5: kognitive Entwicklung

In Modul 5 werden zunächst Theorien zur kognitiven Entwicklung von Kindern aufgeführt. Hier wird auf Piaget und Wygotski eingegangen und die Theorie der Informationsverarbeitung skizziert.

Ähnlich wie im vierten Modul wird auch hier die kognitive Entwicklung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren differenziert beschrieben. Aspekte des Lernens, der Aufmerksamkeit, Problemlösefähigkeit, des Gedächtnisses, der Handlungskontrolle sowie der sozialen Kognition werden aufgeführt. Ebenso wird auf frühe physikalische Grunderfahrungen und die Vorstellung von Objekten eingegangen.

Auch in diesem Kapitel werden Möglichkeiten und Ideen zur Unterstützung der kognitiven Entwicklung in der Kinderkrippe beschrieben. Insbesondere das Spiel und das Erleben von Selbstwirksamkeit in einer fehlerfreundlichen und gleichzeitig anregenden Lernumgebung werden als Bedeutsam hervorgehoben. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft in Bezug auf die Gestaltung ansprechender Spiel- und Lernräume, die Interaktionsgestaltung im Spiel sowie die sprachliche Unterstützung der kognitiven Entwicklung werden herausgearbeitet und durch praxisnahe Handlungsempfehlungen verdeutlicht.

Zum Abschluss des Kapitels werden alle wesentlichen Inhalte auf einen Blick zusammengefasst. Zudem bieten Reflexionsfragen Impulse zur kritischen Betrachtung des pädagogischen Alltages in der Praxis sowie zum Hinterfragen des Verhaltens und Handelns der pädagogischen Fachkräfte.

Zusatzmodul: Qualität in Kinderkrippen

Das Zusatzmodul befasst sich mit der übergeordneten Fragestellung, „was eine gute Krippe ausmacht“ und präzisiert dies in den Qualitätsdimensionen in Bezug auf die außerfamiliäre Betreuung in Kinderkrippen. Aspekte der Orientierungsqualität, Strukturqualität und Prozessqualität werden beschrieben. Das Zusammenwirken der drei Qualitätsebenen wird darüber hinaus erörtert. Weitere Qualitätsmerkmale, wie z.B. die Absprache und Zusammenarbeit im Team, der Familienbezug sowie die Interaktion der Kinder untereinander werden wissenschaftlich fundiert benannt. Die Autoren legen im Rahmen des Leitfadens zehn zentrale Merkmale hoher Qualität fest und beschreiben die daraus abzuleitenden Auswirkungen der Betreuungsqualität auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern. Ebenso bieten sie einen Ausblick auf die nationale Krippenqualität in Deutschland.

Anschließend führen die Autoren einige Punkte zum Thema Qualitätsentwicklung auf und bieten praxisnahe Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Orientierungs-, Struktur-, und Teamqualität.

Elterninformationen – Online Material

Zu den jeweiligen Modulen enthält die Publikation/der Leitfaden eine digitale Beilage in Form von Elterninformationsblättern. Diese können online aufgerufen und ausgedruckt werden. Sie sind jeweils in Deutsch, Englisch, Russisch und Türkisch verfügbar.

Das Elterninformationsblatt 1 bietet allgemeine Informationen z.B. für das Aufnahmegespräch. „ Es enthält aus der Forschung angeleitete Empfehlungen zum Umgang und zur Art der Betreuung sowie zur Bedeutung von Betreuungsstabilität“ (Bäuerlein et.all. 2017, S. 205).

Das Elterninformationsblatt 2 bietet alle relevanten Informationen über die Eingewöhnung in einer Kinderkrippe. Darauf aufbauend beschreibt das Elterninformationsblatt 3 konkrete Empfehlungen zum elterlichen Verhalten während des Eingewöhnungsprozesses.

Das Elterninformationsblatt 4 informiert umfangreich über die Bedeutung und Notwendigkeit des Beziehungsaufbaus zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft.

Im Elterninformationsblatt 5 wird die Förderung der kindlichen Entwicklung beschrieben und das „Hand in Hand arbeiten“ bzw. die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Krippe hervorgehoben (vgl. ebd.).

Diskussion

Die vorgestellte Publikation bietet einen umfassenden, wissenschaftlich fundierten, praxisnah gestalteten (Erziehungs-)Leitfaden für die außerfamiliäre Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter drei Jahren in Kinderkrippen.

Das Werk zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass es das Kind mit dessen Bedürfnisse in den Blick nimmt. Außerdem stellt dessen gesunde Entwicklung in einen direkten Zusammenhang mit einer hohen Betreuungsqualität in Kinderkrippen. Dabei wird die verantwortungsvolle Aufgabe pädagogischer Fachkräfte sowie die unabdingbare Zusammenarbeit und Kooperation der Fachkräfte mit den Eltern herausgearbeitet.

Neben der Vielzahl an wissenschaftlichen Bezügen und Verweisen zur frühpädagogischen Forschung formuliert der Leitfaden konkrete Standards guter Qualität. Er bietet zudem präzise Handlungsempfehlungen für die pädagogische Fachpraxis. Darüber hinaus eröffnet das Buch innerhalb der Module vertiefende Informationen unter der Rubrik „Gut zu wissen“ und stellt dabei wichtige Seitenthemen z.B. Fremdeln, Konfliktursachen, selektiver Mutismus, Literacy, neue Medien sowie Lernen und Gehirnentwicklung zur Verfügung. Ebenso bietet die Rubrik „Wichtig für die Praxis“ konkrete Tipps und Handlungsempfehlungen für den Krippenalltag. Die Zusammenfassungen ermöglichen es die wichtigsten Inhalte schnell zu erfassen, etwas gesondert nachzuschlagen oder Wissen aufzufrischen. Die nach jedem Modul angeschlossenen Reflexionsfragen bzw. Reflexionsaufgaben eignen sich hervorragend für den Einsatz in der Praxis, die Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte sowie zur Konzeptionsentwicklung im Team.

Schade ist, dass der Leitfaden nur fünf Module enthält und weitere wichtige Aspekte der außerfamiliären Betreuung z.B. die Gestaltung von Schlüsselsituationen im Alltag, wie Essen, Schlafen und die beziehungsvolle Pflege, aber auch weitere elementare Entwicklungsbereiche z.B. Motorik nicht thematisiert werden.

Fazit

Zusammenfassend bleibt anzumerken, dass der WÜRFEL- Würzburger frühpädagogische Erziehungsleitfaden für Kinderkrippen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse mit hilfreichen und konkreten Handlungsempfehlungen für die Praxis vereint. Er formuliert präzise Standards hoher Betreuungsqualität und stellt die Bedeutung bzw. Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Krippenpädagogik herausstellt. Es ist gleichermaßen für die interessierte pädagogische Fachkraft geeignet, als auch für das Studium, die Aus-, Fort- und Weiterbildung von (angehenden) pädagogischen Fachkräften sowie zum Einsatz im Team oder der Konzeptionsentwicklung von Kinderkrippen denkbar.

Die Autoren stellen den besonders sensiblen Umgang mit sehr jungen Kindern in Settings außerfamiliärer Betreuung dar und betont einen verantwortungsvollen Umgang. Die unabdingbare Bindungsorientierung wird hervorgehoben und klar herausgearbeitet, welche Standards in Kinderkrippen erfüllt sein müssen, um eine hohe Betreuungsqualität erreichen zu können.


Rezensentin
Katharina Lörsch
Bildungs- und Sozialmanagement mit dem Schwerpunkt frühe Kindheit (B.A.) / Sozialpädagogin / Erzieherin / Fachkraft für Frühpädagogik
Referentin in der Aus- Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte
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Zitiervorschlag
Katharina Lörsch. Rezension vom 26.02.2019 zu: Kerstin Bäuerlein, Christine Lübbeke, Jan Roesler, Eva Stumpf, Angelika Weber u.a.: WÜRFEL. Würzburger frühpädagogischer Erziehungsleitfaden für Kinderkrippen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-7799-3409-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22433.php, Datum des Zugriffs 12.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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