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Bettina Dausien, Daniela Rothe u.a. (Hrsg.): Bildungswege (...) zwischen Teilhabe und Ausgrenzung

Cover Bettina Dausien, Daniela Rothe, Dorothee Schwendowius (Hrsg.): Bildungswege. Biographien zwischen Teilhabe und Ausgrenzung. Campus Verlag (Frankfurt) 2016. 388 Seiten. ISBN 978-3-593-50632-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 48,70 sFr.
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Thema

Bildungsungleichheit ist seit vielen Jahren ein wichtiges Thema, welches auch in den Medien breit diskutiert wird. Mit der Bildung gehen Teilhabechancen im Leben nach dem Verlassen des Bildungssystems einher: Die Bildung gilt als Indikator für Integration in die Gesellschaft und ermöglicht Teilhabe am Arbeitsmarkt. Dem Bildungssystem kommt die Aufgabe zu, soziale Ungleichheit auszugleichen und Personen mit unterschiedlichen Ausgangspositionen die gleichen Chancen zu ermöglichen. Doch lässt sich feststellen, dass sich die soziale Herkunft über ungleiche Teilhabe am Bildungssystem auf ungleiche Teilhabe in der Gesellschaft überträgt, das Bildungssystem seine Funktion also nur bedingt erfüllt. In der Bildungsforschung werden vor allem formale und quantitativ messbare Merkmale behandelt und in Beziehung gesetzt; es werden Korrelationen zwischen sozialstrukturellen Merkmalen einer Person mit deren formalem Bildungsabschluss und beruflicher Position errechnet. Ungleiche Teilhabechancen werden so aus soziokulturellen Merkmalen abgeleitet, ohne die Mechanismen zu beleuchten, welche diesen Zusammenhang herstellen.

Der Band untersucht diese Mechanismen durch die Analyse von Biographien und legt offen, wie soziale Ungleichheit durch das Bildungssystem reproduziert wird. Die Beiträge betrachten Mechanismen der Ausgrenzung und Teilhabe und skizzieren, wie die Ergebnisse für die pädagogische Praxis relevant sind.

Herausgeberinnen

Herausgeberinnen des Bandes sind:

  • Bettina Dausien, Professorin für Pädagogik der Lebensalter an der Universität Wien,
  • Daniela Rothe, Professorin für Erwachsenen- und Berufsbildung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und
  • Dorothee Schwendowius, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften der Europa-Universität Flensburg.

Entstehungshintergrund

Der Band geht auf eine Tagung im Juni 2013 mit dem Titel „Bildungswege zwischen Teilhabe und Ausgrenzung: Biographische Ansätze in Forschung und Praxis“ zurück, welche von den Herausgeberinnen organisiert wurde. Neben den Herausgeberinnen waren auch einige andere AutorInnen an dieser Tagung als Vortragende beteiligt.

Aufbau

Der Band ist in vier Abschnitte unterteilt:

  1. Im ersten Teil werden methodologische und theoretische Grundlagen zu Biographieforschung im Allgemeinen und biographieanalytische Bildungsforschung im Speziellen vermittelt. Die weiteren Beiträge bauen auf den konzeptuellen Überlegungen des ersten Teils auf und nehmen implizit oder explizit darauf Bezug.
  2. Im zweiten Abschnitt werden Erfahrungen von Teilhabe und Ausgrenzungen von SchülerInnen mit Migrationsgeschichte beziehungsweise psychischen Schwierigkeiten rekonstruiert. Die Beiträge stellen dar, unter welchen Bedingungen Teilhabe ermöglicht oder erschwert wird.
  3. Der dritte Teil behandelt Literalität und Basisbildung. Auch hier wird in manchen Beiträgen die Defizitperspektive verlassen und es werden Fälle von sozialer Teilhabe trotz Schriftsprachmangels analysiert.
  4. Der vierte Abschnitt beschäftigt sich schließlich mit dem Übergang vom Bildungssystem in das Erwerbsleben und beschreibt, wie die pädagogische Begleitung diese Übergänge formt.

Zu Teil 1

Bettina Dausien, Daniela Rothe und Dorothee Schwendowius diskutieren in ihrem Beitrag die Grundlagen der Biographieforschung und wie biographieanalytische Ansätze für die Bildungsforschung fruchtbar gemacht werden können. Anhand von Beispielen erläutern sie, wie die Biographieforschung als Ergänzung zur quantitativen Bildungsforschung die Mechanismen hinter den Korrelationen aufdecken kann und so Teilhabe- und Ausgrenzungsprozesse nachvollziehbar macht.

Helmut Bremer beschreibt in seinem Beitrag, wie der Habitus zwischen Herkunftsmilieu und individualisierten Bildungsentscheidungen als vermittelnde Instanz in Erscheinung tritt. Der Erwerb eines milieuspezifischen Habitus´ „geht dem Einmünden in die institutionalisierte Bildung voraus, und eben das führt dazu, dass Kinder mit ganz verschiedenen biographischen Dispositionen in die Schule eintreten“ (S. 72). Diesen theoretischen Überlegungen entsprechend beschreibt er im Weiteren, wie die Habitusanalyse zur Rekonstruktion des Rahmens der biographischen Erzählung dient. Bremer entwickelt dazu Kategorienpaare, anhand derer er einen beispielhaften Fall in seiner eigenen Logik rekonstruiert.

Abschließend zum ersten Teil des Bandes führt Christine Riegel aus, dass eine intersektionale Perspektive in der biographischen Rekonstruktion von Bildungsverläufen in Verbindung mit Migrationserfahrung notwendig ist. Sie führt das Konzept des Möglichkeitsraumes ein, welcher die situativ vorgefunden Handlungsoptionen der Individuen beschreibt; die Aufgabe der ForscherInnen ist die Rekonstruktion dieses Möglichkeitsraumes. Soll der Möglichkeitsraum einer Person rekonstruiert werden, können Diskriminierungsverhältnisse nicht isoliert betrachtet werden, sondern es muss eine intersektionale Analyseperspektive eingenommen werden. Eine intersektionale Rahmung der Biographieforschung soll für die intersektionale Einschränkung des Möglichkeitsraumes einer Person sensibel sein. Darüber hinaus fordert Riegel Forschende dazu auf, über die „Situiertheit und Perspektivität von Forschung“ (S. 115) zu reflektieren.

Zu Teil 2

Dorothee Schwendowius präsentiert im ersten Artikel des zweiten Teils zwei Fälle aus ihrer Dissertation. Ihr Beitrag beschäftigt sich mit MigrantInnen mit hohem Bildungsabschluss; diese werden oftmals als erfolgreich integrierte MigrantInnen präsentiert, wobei nicht berücksichtigt wird, wie die Personen die hohen Bildungsabschlüsse erreichen konnten. In einem sequenzanalytischen Verfahren rekonstruiert Schwendowius die Fälle zweier Migrantinnen, welche hohe Bildungsabschlüsse erreichten, und kontrastiert dabei die unterschiedlichen Wege zum Bildungserfolg in ihren „je spezifische[m] lebensweltliche[n] und biographische[n] Bedingungs- und Beziehungsgefüge“ (S. 142). Im ersten Fall konnte die Schülerin nicht auf familiäre Ressourcen zurückgreifen und erfuhr nur wenig Unterstützung von Institutionen, deren Gatekeeper-Mechanismen eher als Prozesse der Ausgrenzung in Erscheinung traten. Die Teilhabe gelingt durch individuelle Anstrengung trotz der Versuche des Ausschlusses durch die Bildungsinstitutionen. Im zweiten Fall erfährt die Schülerin sowohl durch das kulturelle Kapital in der Familie, als auch durch die Bildungsinstitutionen Unterstützung. Allerdings findet sich die Schülerin in einer Spirale des Selbstausschlusses wieder, wobei sie ihre individuelle Handlungsfähigkeit durch Widerstand aufrecht erhält. Erst später versucht sie, diese Verlaufskurve zu durchbrechen und nutzt die Möglichkeitsräume, welche die Familie und Institutionen eröffnen.

Der Beitrag von Katrin Huxel kann als Kontrast zu den positiven Fällen von Bildungsteilhabe durch MigrantInnen gelesen werden. Huxel analysiert Sequenzen aus einem biographisch-narrativen Interview, welches sie im Rahmen ihrer Dissertation führte, und rekonstruiert so die Selbstpositionierung eines Hauptschülers mit Migrationshintergrund in der Schule. Der Schüler beschreibt die Hauptschule als Ort einer rassistischen Praxis, in der die Lehrerinnen und Lehrer anhand von Äußerlichkeiten kategorisieren. Dementsprechend positioniert sich der Schüler selbst als Migrationsanderer, wodurch er ungerechtfertigte Disziplinierungsmaßnahmen und schlechte Schulleistungen – im Rahmen einer rassistischen Schule – erklärt. Neben der Differenzzuschreibung anhand rassistischer Kategorien wird in der Schule auch nach sprachlichen Kriterien differenziert, wodurch sich eine intersektionale Einschränkung des Möglichkeitsraumes ergibt. Die individuellen Bemühungen des Schülers um Teilhabe werden durch diese Differenzzuschreibungen überlagert und so konterkariert.

Im Beitrag von Astrid Hebenstreit und Merle Hinrichsen wird der Frage nachgegangen, wie Teilhabe und Ausgrenzung von SchülerInnen mit psychischen Problemen verhandelt werden. Die unterschiedlichen Möglichkeitsräume konstruieren sich aus dem Zusammenspiel von individuellen biographischen Kontext und der Bereitstellung von Möglichkeiten in Institutionen. Die Autorinnen bedienen sich dazu einer Form der Triangulation: Einerseits wurde ein Interview mit einem Schüler narrationsanalytisch ausgewertet; andererseits wurde anhand einer pädagogischen Konferenz zu einer Schülerin mittels der dokumentarischen Methode untersucht, „wie Lehrer_innen pädagogische Handlungsspielräume in Bezug auf die Teilhabe der Schüler_innen verhandeln und auf welche übergreifenden Ordnungen sie sich dabei beziehen“ (S. 178). Durch die Einnahme dieser ergänzenden Perspektiven lassen sich Mechanismen schulischer Inklusion und Exklusion besser verstehen. Im Fall des Schülers kann rekonstruiert werden, wie Institutionen zu Ressourcen der Teilhabe an der Schule werden können und so auch Teilhabe an sozialen Beziehungen fördern. Die biographische Verlaufskurve des Schülers wird durch Eingreifen der LehrerInnen durchbrochen und dem Schüler kann ein breiterer Möglichkeitsraum geschaffen werden. Im Gegensatz dazu wirkt das Handeln der LehrerInnen in der pädagogischen Konferenz in Bezug auf die Schülerin ausschließend. Es wird in der Schule keine Möglichkeit gesehen, mit dem Fall der Schülerin umzugehen und es werden auch keine Handlungsmöglichkeiten für die Schülerin im Rahmen der Institution geschaffen. Sehr stark tritt in diesen beiden Fällen auch das Kriterium der individuellen Leistung in den Vordergrund: Dem Schüler wurden Möglichkeiten geschaffen, an der Schule teilzuhaben, da seine schulischen Leistungen durchwegs entsprachen; hingegen wurden die schwachen Leistungen der Schülerin als Ausschlusskriterium aus der Institution konstruiert.

Zu Teil 3

Der dritte Teil des Bandes – zu Literalität und Basisbildung – behandelt in den ersten drei Beiträgen drei Konstellationen von Schwächen der Schriftsprache und Kurse zu deren Bewältigung.

Der erste Artikel von Antje Doberer-Bey beschreibt, wie die Handlungsmöglichkeiten von KursbesucherInnen erhöht werden. Durch Bildungsteilhabe wird hier soziale Teilhabe ermöglicht. Manfred Krenn beschreibt hingegen, wie Menschen mit Schriftschwäche durch aktive individuelle Bewältigungsmuster jenseits von institutionalisierten Kursen Selbstwirksamkeit ausbilden. Soziale Anerkennung und Kompetenzen können auch jenseits von institutionalisierter Bildung generiert werden. Fördernde Institutionen, wie ArbeitgeberInnen oder Fahrschulen für Menschen mit Schriftschwäche, helfen den Möglichkeitsraum von diesen Personen zu erweitern und führen zu sozialer Teilhabe jenseits von Bildungsinstitutionen. Die dritte Konstellation wird von Birte Egloff beschrieben; sie rekonstruiert einen Fall „marginaler Relevanz“. Dabei erfährt der Interviewte keine Selbstwirksamkeit oder Erweiterung seines Möglichkeitsraumes trotz seiner Teilnahme an einem Basiskurs. Wie im Artikel von Krenn die Bildungsteilhabe als notwendige Bedingung für soziale Teilhabe hinterfragt wird, wird in Egloffs Beitrag in Frage gestellt, ob Bildungsteilhabe eine hinreichende Bedingung für soziale Teilhabe ist. Sie verweist darauf – wie von Doberer-Bey beschrieben –, dass Kurse zur Basisbildung immer auch Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit vermitteln sollen und somit in der Schnittmenge von Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik angesiedelt werden müssen.

Im vierten und letzten Beitrag zum dritten Teil geht Daniela Rothe auf die Debatte über Schriftsprachdefizite ein. Sie greift dabei die Ergebnisse aus den vorigen Beiträgen auf und kritisiert die weit verbreitete Ansicht, dass Bildung allein soziale Ungleichheit reduzieren könne. Im Gegensatz dazu vertritt sie die Ansicht, dass Bildungsungleichheit reduziert werden kann, indem soziale Ungleichheit reduziert wird. Im Diskurs um Bildungsungleichheit und soziale Ungleichheit nimmt das Thema Schriftsprachdefizit insofern eine Sonderstellung ein, als die „geltenden Normen der Schriftsprachlichkeit“ (S. 278) suggerieren, mit fehlender Schriftsprachlichkeit sei auch ein moralischer Makel verknüpft. Um diesen Diskurs herum konstruiert Rothe ihre Gedanken zum Verhältnis von Biographieforschung und Basisbildungspraxis. Obwohl Rothes Beitrag die Praxis und die KursleiterInnen stärker in den Blick nimmt, bleibt ihr Beitrag über weite Strecken eher eine Einleitung zum dritten Teil und hätte meinem Erachten nach als erster Beitrag dieses Abschnitts bessere Dienste geleistet.

Zu Teil 4

Der vierte Teil des Buches beschäftigt sich mit institutionellen Übergängen in der Bildung.

Dazu verfasst Beatrix Niemeyer-Jensen eine Einführung, welche sich den unterschiedlichen Sichtweisen auf den Übergang sozial Benachteiligter vom Schul- zu Berufsleben in einer historisch vergleichenden Perspektive nähert. Sie geht damit der Frage nach, inwiefern der gesellschaftliche Rahmen für institutionelle Übergänge geschaffen und verändert wird, sodass im Übergang biographisches Handeln möglich wird. Zwar änderten sich die Institutionen im Laufe der Zeit, doch wurde stets über Differenzkategorien – gelernt-ungelernt um 1900 beziehungsweise anhand von Kompetenzchecks gegenwärtig – entschieden, welchen Personen welche Institutionen offenstehen. Damit werden „mit der Entwicklung eines dezidierten Förderinstrumentariums […] prekäre Übergänge für Jugendliche als planbar und vollziehbar präsentiert“ (S. 306), und eine Passung der Jugendlichen an die Erfordernisse des Erwerbslebens hergestellt.

An einem Fall aus ihrer Dissertation untersucht Angela Rein das Spannungsverhältnis der Zuweisung zu einer Institution als Entfaltung und Einschränkung von Handlungsmöglichkeiten. Wie im Beitrag von Niemeyer-Jensen beschrieben, wird auch hier die Person einer Institution über negative Kategorisierung – Migration und Behinderung – zugeordnet und die Institution soll die Passung an das Erwerbsleben schaffen. In dem Fall rekonstruiert Rein, wie in der Institution das Selbstbild der untersuchten Person durch Normalitätserwartungen in der Zukunft stabilisiert wird und so biographisch mit der Kategorisierung und Institutionalisierung umgegangen werden kann.

Nina Erdmann geht in ihrem Beitrag der Frage nach, wie der Übergang ins Berufsleben von bildungsbenachteiligten Personen erfolgreich verlaufen kann. Dazu analysiert sie zwei Biographien mithilfe von autobiographisch-narrativen Interviews mit den Ausgebildeten und interaktionsgeschichtlich-narrativen Interviews mit den dazugehörigen Ausbildnern. Sie rekonstruiert im Wesentlichen drei Faktoren, die den erfolgreichen Übergang begünstigen: Erstens wurden die Jugendlichen von deren Familien unterstützt; zweitens war in beiden Fällen ein starker Wunsch nach einer Ausbildung im Anschluss an die Schule ausgeprägt; und drittens begünstigt die individuelle Leistung beziehungsweise Leistungsbereitschaft und die damit verbundene Anerkennung als Kollege die Teilhabe im Berufsleben. Sowohl die Ausgebildeten als auch die Ausbildner individualisieren damit den Erfolg und thematisieren die strukturellen Bedingungen in den Interviews nicht.

Auch Julia Reimer betrachtet zwei Fälle mithilfe von autobiographisch-narrativen und interaktionsgeschichtlich-narrativen Interviews. Die Rekonstruktion der beiden Fälle ist ein Zwischenergebnis aus ihrer Dissertation über Frauen, welche den Minderheiten Sinti oder Roma in Deutschland angehören. Die interaktionsgeschichtlich-narrativen Interviews wurden mit pädagogischen Bezugspersonen dieser beiden Frauen geführt. Die pädagogischen Beziehungen konnten als Ressource für Bildungs- und Übergangsprozesse genutzt werden, wenn sie von persönlichen Beziehungen ergänzt wurden. Die Bezugspersonen wirken als Gatekeeper und erweitern in dieser Funktion den Möglichkeitsraum der beiden untersuchten Fälle.

Diskussion

Der Band liefert einen wertvollen Beitrag zum Verständnis vom Gelingen oder Misslingen von Bildungsteilhabe und deren Anteil an sozialer Inklusion. Dabei wird in vier Teilen einerseits der theoretische und methodische Rahmen biographieanalytischer Bildungsforschung abgesteckt; andererseits werden drei Themenbereich – Schule, Basisbildung und institutionelle Übergänge – empirisch bearbeitet. Da die Artikel für sich stehen und nicht unbedingt voneinander abhängig sind, dabei aber immer an gemeinsame Themen gebunden sind, entstehen unweigerlich Redundanzen. So kann jedoch, durch die Auswahl der Artikel, der Band als Einführung in die Thematik oder zur Vertiefung gleichermaßen genutzt werden.

Die empirischen Artikel sind sämtlich fest in der qualitativen biographieanalytischen Tradition verankert; es steht meist die detaillierte Rekonstruktion einzelner Fälle im Zentrum der Analyse. Zum Teil wird dabei allerdings zu stark auf die transkribierten Interviews zurückgegriffen. Zum Verständnis der Fälle ist es selbstverständlich von Bedeutung, die Interviewten selbst zu Wort kommen zu lassen, allerdings wurden in machen Artikel – meiner Meinung nach – zu häufig oder zu lange Zitate verwendet.

In den Fallrekonstruktionen wird nicht nur versucht, negative Verlaufskurven nachzuzeichnen, sondern es werden immer auch Biographien, mit gelungener Bildungsteilhabe oder sozialer Teilhabe, rekonstruiert. Diese Möglichkeit positive und negative Fälle kontrastieren zu können, schafft ein tieferes Verständnis für die Mechanismen, welche hinter Teilhabe und Ausgrenzung stehen und stellt, vor allem im Themenbereich Basisbildung, die strikte Verbindung von Bildungsteilhabe und sozialer Teilhabe in Frage. Weiters schafft es der Band dadurch immer auch, einen Konnex zur pädagogischen Praxis herzustellen und zeigt – auch durch interaktionsgeschichtlich-narrativen Interviews – auf, welche Bedeutung PädagogInnen und Betreuungspersonen zukommen.

Fazit

Der Band zeichnet sich durch lesenswerte Artikel aus, welche zu klar umrissene Themenbereiche der Bildungsforschung ein differenziertes Bild zeichnen. Der Band kann einerseits als Einstiegswerk zu biographieanalytischer Bildungsforschung verwendet werden, da im ersten Teil auch die methodologischen und theoretischen Rahmenbedingungen skizziert werden; andererseits bieten die Artikel auch tiefergehende Einsichten in die Mechanismen, welche hinter Bildungsteilhabe und sozialer Teilhabe wirksam werden.


Rezensent
Bernd Liedl
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Zitiervorschlag
Bernd Liedl. Rezension vom 31.08.2017 zu: Bettina Dausien, Daniela Rothe, Dorothee Schwendowius (Hrsg.): Bildungswege. Biographien zwischen Teilhabe und Ausgrenzung. Campus Verlag (Frankfurt) 2016. ISBN 978-3-593-50632-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22462.php, Datum des Zugriffs 19.10.2017.


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