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David Klemperer: Sozialmedizin - Public Health - Gesundheits­wissenschaften

Cover David Klemperer: Sozialmedizin - Public Health - Gesundheitswissenschaften. Lehrbuch für Gesundheits- und Sozialberufe. Hogrefe (Bern) 2015. 3., überarbeitete Auflage. 379 Seiten. ISBN 978-3-456-85550-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Thema & Zielsetzung

Das Buch behandelt das breite und schwer ein- und abgrenzbare Feld der Gesundheitswissenschaften und trägt der schwierigen Abgrenzbarkeit bereits im Titel Rechnung, indem es insgesamt drei Begriffe nennt: Sozialmedizin, Public Health und Gesundheitswissenschaften.

Ziel des Autors ist es, eine Evidenzbasis in den Lesern zu erzeugen bzw. eine wissenschaftsbasierte Grundlagen zu legen und dem Leser so Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sich kompetenter im Bereich der Gesundheitswissenschaften zu bewegen.

Autor

Prof. Dr. med. David Klemperer ist Professor für Sozialmedizin und Public Health an der OTH Regensburg. Der kurz vor der Emeritierung stehende Professor hat Medizin in Bonn, Köln und Düsseldorf studiert und ist Facharzt für Innere Medizin sowie Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen mit den Zusatzbezeichnungen Sozialmedizin und Umweltmedizin. Neben langjähriger Leitung des Gesundheitsamtes in Bremen hat er erste Forschungsprojekte durchgeführt, war Lehrbeauftragter an der Universität Bremen, Referent des Bremer Senats und ist 2001 dem Beruf auf die o.g. Professur an die OTH Regensburg gefolgt.

Neben seiner Professur geht David Klemperer unzähligen Gremientätigkeiten in namhaften Organisation/ Institutionen nach, ist Mitglied mehrerer namhafter und beweist eine quantitativ ausgeprägte sowie hochqualifizierte Publikationstätigkeit in Form von Büchern, Buchbeiträgen, Herausgeberschaften und wissenschaftlichen Aufsätzen.

Entstehungshintergrund

Die aktuelle 3. Auflage des Buches ist auf dem Hintergrund von Nachfragen von Lesern entstanden, die angeregt haben, dem Buch bestimmte Anteile hinzuzufügen; darüber hinaus hat David Klemperer die Zahlen und Statistiken in seinem Buch aktualisiert und aktuelle Gesetze eingearbeitet, womit er insgesamt der zunehmenden Wandelbarkeit des Gesundheitswesens Rechnung trägt.

Ziel ist und bleibt die Vermittlung von Kenntnissen über das Gesundheitswesen an Studierende sowie Berufstätige im Sozial- und Gesundheitswesen, Patientenvertreter, Krankenkassenmitarbeiter, Mitglieder und Mitarbeiter der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe, Journalisten und Akteure in der Gesundheitspolitik, die er gewissenhaft und ausgiebig informiert.

Aufbau und Inhalt

Nach mehreren Vor- und Geleitworden zu den verschiedenen Auflagen des Buches hat David Klemperer sein Buch in insgesamt sieben Kapitel eingeteilt

Er beginnt mit einem Kapitel über „Public Health“, in das er neun Unterkapitel fasst. Hier erklärt der Autor zunächst, was unter Public Health zu verstehen ist, bevor er klarstellt, warum Public Health eine relative Unsichtbarkeit besitzt und beschriebt dies anhand von ausbrechenden/ ausgebrochenen Epidemien. Im Anschluss daran legt Klemperer die „Phasen von Public Health“ dar und stellt hier Assanierung, Bakteriologie, Hygiene dar. Dies verdeutlicht Klemperer anhand des Übergangs des Gesundheitszustandes im/ zum 20. Jahrhundert und illustriert hier die verbesserten (Gesundheits-) Bedingungen anhand von Graphiken und stellt in diesem Zusammenhang die modernen gesundheitswissenschaftlichen Errungenschaften dar (z.B. Impfungen, Maßnahmen zur Verkehrs- und Arbeitssicherheit, Kontrolle von Infektionskrankheiten, Fluoridierung des Trinkwassers, etc.). Schließlich widmet er sich den „Soziale Determinanten der Gesundheit“ und verdeutlicht hiermit die soziale Dimension und Bedeutung sozialer Faktoren für die Gesundheit, um dann die internationale Perspektive von Public Health einzunehmen. Schließlich wendet sich Klemperer den deutschen Strukturen der Public Health wie z.B. BVA, DIMDI, RKI, etc. zu. Abgerundet wird das erste Kapitel durch einen Blick zurück in die Geschichte der Public Health sowie einen Blick in die Zukunft der New Public Health.

Das zweite Kapitel widmet sich grundlegenden Definitionen, Theorien und Klassifikationen von Gesundheit und Krankheit, stellt diese dar und illustriert sie mit Graphiken, Tabellen und Abbildungen. Hier stellt er zentrale Begriffe der Sozialmedizin, Public Health bzw. Gesundheitswissenschaften dar wie z.B. die verschiedenen Definitionen der Begriffe Gesundheit und Krankheit,, das biomedizinische Modell, das Risikofaktorenmodell, das Salutogenesemodell, das Empowerment-Konzept, Homöopathie, den Placeboeffekt sowie die Internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD) sowie die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). Somit stellt dieses 50-seitige Kapitel zentrale Begriffe und Konzepte im Bereich Public Health dar, verzichtet dabei eklektisch allerdings auf andere Aspekte, die das Kapitel hätten ausufern lassen und eine geringer Relevanz für den Bereich haben.

Das dritte Kapitel widmet David Klemperer schließlich der modernen „Wissenschaftlichkeit und evidenzbasierte(n) berufliche(n) Praxis“. Hier stellt er die Relevanz der Evidenzbasierung für den Leser deutlich erkennbar und verständlich dar und macht auf Probleme wie bspw. den Bias aufmerksam. Vor allem die evidenzbasierte berufliche Praxis widmet er großen Raum und trägt damit den aktuellen Entwicklungen der Professionalisierung(en) Rechnung, bevor er einen großen Sprung zum „Shared Decision Making“ wagt, dieses zunächst definiert und dann auf die ihm eigenen Aspekte eingeht.

Das vierte Kapitel über „Epidemiologie und Forschungsmethoden“ führt den Leser zunächst in die Grundbegriffe der Epidemiologie und Statistik ein und legt dann die Charakteristika verschiedenen Studientypen mit ihren jeweiligen Besonderheiten dar. Es schließt mit der jährlichen „Gesundheitsberichterstattung“ des Robert-Koch-Institutes an die Bundesregierung ab.

Kapitel 5 widmet sich den mittlerweile nicht mehr neuen Begriffen „Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention“, stellt zunächst ihren noch jungen (internationalen) geschichtlichen Kontext dar und widmet sich dann Einzelheiten dieser „Strömungen“. Neben der Praxis von Prävention und Gesundheitsförderung geht Klemperer aber auch die Grenzen der Möglichkeiten ein und trägt damit zu einer objektiven Darstellung und Einordnung dieser „modernen Strömungen“ bei. Schließlich stellt er am Ende die Inhalte und Chancen aber auch Limitationen des „Gesetzes zur Prävention und Gesundheitsförderungen“ dar und unterzieht das noch junge Gesetz einer kritischen Würdigung.

Im Anschluss thematisiert David Klemperer „Soziale Ungleichheiten der Gesundheit“ und arbeitet dieses hoch komplexe Thema kurz und übersichtlich auf. Er widmet sich dabei nicht nur dem (sozioökonomischen) Status als wesentliche Determinante von individueller Gesundheits- und Krankheitswahrscheinlichkeit aber auch Gesundheitsverhalten, sondern dringt auf den 30 Seiten des Kapitels so tief wie möglich und nötig in die Materie ein, um dem Leser ein überblickendes Verständnis zu ermöglichen.

Schließlich schließt David Klemperer sein Buch mit einem großen Kapitel über das „Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik“ ab. Hier erfährt der Leser grundlegende Aspekte von Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik, die im Rahmen von Public Health, Sozialmedizin bzw. Gesundheitswissenschaften von Relevanz sind. Der Autor beginnt das Kapitel mit einem internationalen Vergleich, um für die Eigenheiten des deutschen Gesundheitssystems zu sensibilisieren. Bzgl. des Letzterem geht er auf die historischen Aspekte ein, um die aktuelle Situation besser verstehbar zu machen und aktuelle Strömungen einordnen zu können. Auch die bisweilen kritische Frage der Finanzierung und Finanzierbarkeit spart Klemperer keineswegs aus. Daraufhin stellt er das System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen mit ihren besonderen Determinanten dar. Im nächsten Unterkapitel stellt David Klemperer die medizinische Versorgung im ambulanten und stationären Sektor dar, um sich im Anschluss daran der Arzneimittelversorgung zu widmen. Daraufhin führt Klemperer in den großen Bereich der Rehabilitation ein, um das Kapitel mit einer Betrachtung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und einem Abriss über die „Qualität der Gesundheitsversorgung“ abzuschließen.

Das Buch wird schließlich durch ein Abkürzungs-, Sachwort- und Namensverzeichnis sowie eine Literaturübersicht abgerundet.

Zielgruppe

Die Zielgruppe wird von David Klemperer wie folgt benannt: Studierende sowie Berufstätige im Sozial- und Gesundheitswesen, Patientenvertreter, Krankenkassenmitarbeiter, Mitglieder und Mitarbeiter der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe, Journalisten und Akteure in der Gesundheitspolitik. Darüber hinaus dürfte das Buch auch für weitere Kreise interessant sein und stellt eine lesenswerte und sehr gut verständliche Bereicherung des Wissensschatzes dar.

Diskussion und Fazit

Die aktuelle 3. Auflage von David Klemperers Buch über Sozialmedizin, Public Health und Gesundheitswissenschaften stellt genau wie die vorangegangenen Auflagen eine Bereicherung in jeglicher Hinsicht für seine Leser dar. Der Autor vermittelt wohl dosiert Informationen über das breite Themenspektrum und versteht es in einer schier unüberblickbaren Fülle von Aspekten des Gesundheitswesens, den Blick für das Wesentliche zu behalten und dem Leser fundierte sowie aktuellste Einblicke in das Feld der Gesundheitswissenschaften zu ermöglichen.

David Klemperer stellt auch in der dritten Auflage auf exzellente Art und Weise sein Geschick dar, den Leser ausführlich und präzise zu informieren, ihn aber nicht zu überfordern, so dass das Buch nicht nur für Fachkreise, sondern auch für eine breite Klientel darüber hinaus interessant und gut lesbar ist.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung Hochschule Neubrandenburg
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 29.06.2017 zu: David Klemperer: Sozialmedizin - Public Health - Gesundheitswissenschaften. Lehrbuch für Gesundheits- und Sozialberufe. Hogrefe (Bern) 2015. 3., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-456-85550-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22473.php, Datum des Zugriffs 18.08.2017.


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