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Silvia Neumann-Ponesch: Modelle und Theorien in der Pflege

Cover Silvia Neumann-Ponesch: Modelle und Theorien in der Pflege. Facultas Verlag (Wien) 2017. 4., aktualisierte und ergänzte Auflage. 324 Seiten. ISBN 978-3-7089-1501-2. D: 22,90 EUR, A: 23,50 EUR, CH: 29,10 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Das Thema der 4. Auflage des Buches von Silvia Neumann-Ponesch ist die Darstellung von Modellen und Theorien der Pflege.

Herausgeberin

Mag. PhDr. Silvia Neumann-Ponesch MAS hat nach dem Abitur zunächst die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester verlassen und dann in der Slowakei promoviert. Nach einer Zeit als Pflegedienstleiterin und schließlich als Leiter der Krankenpflegeschule in Wien war sie Studiengangsleiterin des Studiengangs „Prozessmanagement Pflege“ an der Fachhochschule Oberösterreich und ist mittlerweile Leiterin des Fachbereiches und hat mit ihrer pflegerischen Expertise einige Publikationen erstellt.

Entstehungshintergrund

Die aktuelle 4. Auflage ist aus der jahrelangen Auseinandersetzung der Autorin mit der Pflegeprofession entstanden und stellt ihre Expertise auf diesem Gebiet dar, die sie für interessierte Leser aufarbeitet.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in insgesamt neun Kapitel mit jeweils mehreren Unterkapiteln unterteilt und widmet sich den Schwerpunkten der modernen Pflegetheorien und -modelle.

Die Autorin beginnt nach dem Vorwort mit einer Einleitung über den „Status quo der Theoriediskussion in Österreich und im angrenzenden deutschsprachigen Raum“. Hier steigt Silvia Neumann-Ponesch zunächst kurz in die Historie der Pflegeprofession ein, um die Pflege als wissenschaftliche Disziplin herzuleiten und zeigt den Weg von der Theoriefundierung hin zu mehr „Praxistheorien“ auf und weist auf diesen Paradigmenwechsel hin.

Kapitel 2 stellt darauf aufbauende die „Kritik an den Theorien“ dar, widmet sich vorherrschenden Begriffsverwirrungen und weist auf mangelnde wissenschaftliche und empirische Fundierung hin. Darüber hinaus setzt die Autorin sich mit der mangelnden Praxistauglichkeit dieser Theorien auseinander. Dabei postuliert sie u.a. die primäre Notwendigkeit der Patientenorientierung und zeigt gleichermaßen auf, dass manche darüber hinausgehende Ziele bzw. davon abweichende Ziele oftmals unrealistisch sind. Auch weist sie auf die Interdisziplinarität und die Notwendigkeit der Letzteren im Dienste des Patienten hin. Keineswegs aber kritisiert sie die Notwendigkeit von Pflegetheorien per se, wie sie im darauf folgenden dritten Kapitel verdeutlicht.

Das dritte Kapitel widmet sich der „Bedeutung theoretischen Denkens für die Pflege“ und stellt somit die Theoriefundierung in den Fokus und betont ihre Notwendigkeit. Dieses Kapitel steht im Zeichen der Entwicklungen im sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Bereich und die sich dadurch ergebenden Herausforderungen für die Pflege(theorien). Dabei wird die Bedeutung der Theoriearbeit verdeutlicht. Hier referiert sie zunächst auf die Pflege als wissenschaftliche Disziplin. In diesem Rahmen illustriert Neumann-Ponesch zunächst die Bedeutung der Pflegeprofession für Patienten/ Klienten und weist auf die mancherorts artefizielle Unterteilung und Abgrenzung von Pflegepraxis und -theorie(n) hin und bestärkt die Pflegeprofession in der Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Theoriefundierung zum Zweck ihrer Professionalisierung. Darüber stellt sie weitere Voraussetzungen und relevanten Schritte der Professionalisierung des Pflegeberufes bzw. der Pflegeprofession dar (z.B. Institutionalisierung, etc.).

Schließlich fokussiert die Autorin im vierten Kapitel auf die relevantesten „Begriffsdefinitionen“ und steigt hier tiefer als bisher in die Geschichte der Pflegeprofession ein. Dabei/ Daran anschließend bespricht sie Begriffe wie „Konzept“, „Modell“, „Theorie“, etc. und geht damit einen großen Schritt zur theoretischen Basisarbeit zurück.

Im fünften Kapitel gewährt die Silvia Noeumann-Ponesch einen guten und handhabbaren (wenn auch eklektischen) Einblick in bestehende „Pflegetheorien – ein Überblick“. Hierbei stellt sie die Theorien nicht einfach dar, sondern ordnet sich gleichermaßen in ihren jeweiligen Kontext ein, und die Kernaussagen der Theorien werden heraus gearbeitet. Auch hier lässt Silvia Neumann-Ponesch den Leser am Ende des Kapitels nicht allein, sondern gibt ihm Literaturhinweise zum Weiterlesen an die Hand. Nach einer kurzen zeitlich geordneten Darstellung der Theorieentwicklung widmet sich die Autorin den einzelnen Protagnisten der Pflegetheorien. Dann geht sie dazu über, die einzelnen Protagnisten mit ihren jeweiligen Biographien und Theorien alphabetisch darzustellen und beginnt mit Faye Glenn Abdellah und endet schließlich mit Ernestine Wiedenbach.

Nach dieser recht kurzen und prägnanten Darstellung widmet sich Silvia Neumann-Ponesch einzelnen Protagonisten genauer und stellt nun exemplarisch im sechsten Kapitel das „Theoretische Denken anhand ausgewählter Beispiele“ dar. Dieses längste Kapitel ist in insgesamt acht Unterkapitel untergliedert. Hier referiert die Autorin (vorwiegend) Theorien aus dem amerikanischen und europäischen Raum. Gleich zu Beginn gibt Silvia Neumann-Ponesch an, dass das letztendliche Ziel immer das Wohlergehen des Klienten/ Patienten sein sollte. Neumann-Ponesch beginnt hier mit der Darstellung des Systemmodells von Betty Neumann und stellt nach der Darstellung ihrer biographischen Eckpunkte zunächst ihre (Begriffs-) Definitionen dar. Dann stellt sie die Pflegetheorie in ihrer Komplexizität überblickend dar, wie die Autorin es auch für andere Protagonisten durchführt. Insgesamt widmet sich Silvia Neumann-Ponesch nicht nur dem Modell von Betty Neuman, sondern auch den Modellen von Martha Rogers, Hildegard Peplau, Erwin Böhm sowie dem eigenen mit Alfred Höller entwickelten Modell ein sowie auf das von Josi Bühlmann, bevor sie das Modellvorhaben „Entlastungsprogramm Demenz“ und das mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell darstellt.

Das deutlich kürzere siebte Kapitel widmet sich der „Theorieentwicklung und Theorieanalyse“. „In diesem Kapitel wird der Schwerpunkt auf die Theorieentwicklung gelegt, indem zuerst die Merkmale und die Vorgehensweise bei der Synthese auszugsweise beschrieben und am Ende des Kapitels exemplarisch die Analysemethoden einiger Theoretikerinnen dargestellt werden“, so schreibt die Autorin selbst über ihr siebtes Kapitel.

Daraufhin widmet Silvia Neumann-Ponesch sog. „Patchworktheorien“ ein eigenes, sehr kurzes, achtes Kapitel.

Schließlich gibt die Autorin im neunten und damit letzten Kapitel über „Theorie- und Wissensanwendung in der Pflegepraxis“ Auskunft und stellt in fünf Unterkapiteln die zentralen Aspekte dar. Dabei beginnt sie mit der Darstellung von „Rahmenbedingungen für gelebte Theorie- und Wissensanwendung in der Praxis“ und gibt hier sowohl über organisatorische als auch (gesamt-) gesellschaftliche sowie persönliche Voraussetzungen Auskunft. Das „Modell der Wissensanwendung“ steht im Fokus des zweiten Unterkapitels, wobei Neumann-Ponesch auf drei Modelle referiert (WICHEN-, NCAST- und CURN-Modell). Nach der darauf folgenden Darstellung von Evidence Based Nursing und der Rolle des Advanced Practice Nurse schließt Silvia Neumann-Ponesch ihr Buch mit einem Literaturverzeichnis und einigen Anhängen ab.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dürfte im Bereich der Profession der Pflege(wissenschaft) zu finden sein. Aber auch für angrenzende Professionen bzw. Personenkreise, die mit Angehörigen der Pflegeprofession interagieren dürfte das Buch von sehr großem Interesse sein.

Fazit

Silvia Neumann-Ponesch legt mit dem aktuellen Buch ihre mittlerweile vierte Auflage des erfolgreichen Werkes über Model und Theorien der Pflege vor und trägt damit der Entwicklung im pflegerischen Bereich im Zuge der Akademisierung der Pflegeberufe Rechnung. Sie leistet damit einen weiteren Beitrag zur Professionalisierung der Pflege.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung Hochschule Neubrandenburg
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 28.08.2017 zu: Silvia Neumann-Ponesch: Modelle und Theorien in der Pflege. Facultas Verlag (Wien) 2017. 4., aktualisierte und ergänzte Auflage. ISBN 978-3-7089-1501-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22477.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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