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Jesper Juul: Elterncoaching. Gelassen erziehen

Cover Jesper Juul: Elterncoaching. Gelassen erziehen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 7., erweiterte Auflage. 329 Seiten. ISBN 978-3-407-86433-8. 18,99 EUR.
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Thema

Dieses Buch beinhaltet die Gespräche mit 24 Familien, die durch Jesper Juul begleitet wurden. Seine Lösungsansätze basieren auf aktivem Zuhören, respektvollem Umgang miteinander und authentischem Verhalten. Höre ich meinem Gegenüber aufmerksam zu, respektiere ihn und sein Gesagtes, was er wirklich will und fühlt, ergeben sich daraus Lösungen, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. Über seine Wünsche sollte man sich im Klaren sein und diese in einer Weise formulieren, die verständlich für den Gesprächspartner ist. Und vor allem ist es wichtig, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind und sie nicht verändern wollen.

Autor

Jesper Juul ist Lehrer, Familientherapeut, Konfliktberater und Autor. 2004 gründete er die Familienwerkstätten „familylab international“, Mitbegründerin ist Pernille W. Lauritsen. Anna-Maria Stawreberg arbeitet bei der Zeitschrift „Wir Eltern“. Die Elterngespräche übernahm Jesper Juul. Pernille W. Lauritsen und Ann-Maria Stawreberg übernahmen den redaktionellen Teil dieses Buches.

Entstehungshintergrund

Der Familientherapeut Jesper Juul trat an die Zeitschrift „Wir Eltern“ heran, mit der Frage, ob Interesse an einer Serie über Elterncoaching bestünde. Aus den Familien, die in diesen drei Jahren ein zweistündiges Coaching von Jesper Juul in Anspruch nehmen durften, wurden 24 Gespräche in diesem Buch veröffentlicht. Darin enthalten sind sechs Gespräche, die in diesem erweiterten Band eingefügt wurden. Sie entstammen einer Gruppe von 100 Familien, die Jesper Juul und Pernille W. Lauritsen in insgesamt fünf Jahren gecoacht haben.

Aufbau

Dieses Buch ist in fünf Bereiche aufgeteilt:

  1. Willensstarke Kinder,
  2. Die Elternrolle,
  3. Alltagschaos,
  4. Elternbeziehungen und
  5. So reden, dass die Kinder zuhören.

Die jeweiligen Gespräche sind folgendermaßen aufgeteilt:

  • Zuerst ist eine kleine Einführung über die Inhalte mit der Veröffentlichung des Briefes der Familien abgedruckt.
  • Danach ist der Verlauf des Gespräches notiert.
  • Am Ende dieser Gespräche befinden sich die Tipps von Jesper Juul zusammengefasst für die jeweiligen Familien und ein Rückblick auf das Gespräch von den Familien.
  • Zusätzlich sind am Kapitelende die Gedanken von Jesper Juul zu den Problemen veröffentlicht, die immer wieder in den Coaching-Sitzungen auftauchen.

Inhalt

In den Gesprächen im ersten Kapitel geht es um willensstarke Kinder, die eine „schreckliche Allergie gegen Pädagogik“ haben. Die Gedanken von Jesper Juul zu diesem Thema handeln über Projektkinder. Er weist darauf hin, dass wir nicht die Einzigartigkeit des Kindes sehen, sondern versuchen, unsere Ziele und Wünsche auf das Kind zu projizieren. Die Kinder, die willensstark sind, können sich der Subjekt-Objekt-Beziehung entgegenstellen. Wer möchte schon gerne als eine Art Gegenstand oder Eigentum behandelt werden? Diese Kinder entwickeln durch ihre Willensstärke ein stärkeres Selbstwertgefühl gegenüber den Kindern, die durch Gehorsam ihre eigene Persönlichkeit vernachlässigen und dadurch später Schwierigkeiten haben, zu ihrem wahren Ich zurückzufinden. Er gibt den Rat, dass Eltern in regelmäßigen Abständen über ihre Rolle als Eltern nachdenken und aufmerksam und empfänglich für das Feedback ihrer Kinder bleiben sollten.

Das zweite Kapitel handelt von der Elternrolle. Einige Eltern haben eine Kindheit erlebt, in der sie sich bestimmte Muster angeeignet haben, um die Zeit zu überstehen. Diese Muster erschweren es als Erwachsener frei zu leben und vor allem den eigenen Kindern eine empathische Anleitung zu geben. Am Ende dieses Kapitels teilt Jesper Juul seine Gedanken über diese Unsicherheit mit. Er geht darauf ein, dass die Eltern heutzutage von Ratgebern und von Ratschlägen von Erziehern und Lehrern umzingelt werden. Ihre eigene Intuition erlischt, was für Unsicherheit und Verwirrung sorgt und es breitet sich ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Wie soll man bei diesem inneren Chaos die Rolle des Alphatiers übernehmen? Informationen von außen können hilfreich sein, wenn sie mit den eigenen Wahrnehmungen, Gedanken und Bewertungen aufeinander abgestimmt werden.

Im dritten Kapitel kommen Eltern zu Wort, die unfreiwillig das Steuerrad an die Kinder abgegeben haben. Es ist wichtig, als Elternteil auch an sich selbst zu denken und auch „Nein“ zu sagen, darauf weist Jesper Juul immer wieder hin. Die Umsetzung seiner eigenen Wünsche ist wichtig, um ein Ausbrennen zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Eltern in der Kindererziehung nicht einer Meinung sein müssen, sie sollten aber die Meinung des Partners respektieren und diese nicht vor den Kindern in Frage stellen. Der Teamgeist ist entscheidend, dadurch erleben die Kinder, dass die Eltern zusammenarbeiten. Jesper Juuls Gedanken zum Abschluss dieses Kapitels beinhaltet auch, Kindern es einzugestehen ihre Gefühle zu äußern. Unterdrücken sie ihre Gefühle, um den Wünschen der Eltern zu entsprechen, führt dies zu einem geringen Selbstwertgefühl. Laut Jesper Juul beinhaltet ein gesundes Selbstwertgefühl, wie gut wir uns selbst kennen, unsere Gedanken, Wertvorstellungen, Gefühle und Reaktionen und wie wir uns dazu verhalten. Hier spiegelt sich einer seiner vier Werte wieder; „Die Authentizität“. Wenn wir menschlich reagieren und nicht wie Roboter, können die Kinder dadurch lernen authentisch und empathisch zu sein. Wenn wir Erwachsenen uns darauf einlassen, können wir dies von den Kindern lernen.

Inhalte zum vierten Kapitel sind Konsequenz und auch die Verantwortung für sich selbst und seine Aussage zu übernehmen und als Elternteam für eine klare Aufteilung zu sorgen. Vor allem braucht das Rudel ein Alphatier. Diese Werte sind so einleuchtend in ihrer Funktion und leider doch so schwer in der Umsetzung. Aber wir sind alle nur Menschen und keine Roboter und die Kinder verzeihen uns auch mal einen Ausrutscher. Die Elterngespräche im vierten Kapitel basieren darauf, dass die Eltern Verantwortung, für sich und ihre Bedürfnisse und Wünsche übernehmen und diese auch benennen. Mit der Verantwortung aber gleichzeitig haushalten und sich nicht für jeden verantwortlich fühlen. Die Gedanken von Jesper Juul in diesem Kapitel tragen die Überschrift „Unserem Kind geht es nicht gut“, es handelt davon, dass es keinem Menschen immer gut geht und dass Kinder auch solche Lebensabschnitte haben dürfen. Es handelt aber auch davon, Stress Reduzierung zu betreiben, um im Gleichgewicht zu bleiben.

So reden, dass die Kinder zuhören. Es geht in dem fünften Kapitel um Ich-Sätze, über die Übertragung von persönlicher Verantwortung an die Kinder und Fehler als Lernprozesse zu nutzen. Diese und weitere Tipps vermittelt Jesper Juul im Elterncoaching. Den Satz „Das Eisen zu schmieden, wenn es kalt ist“, verwendet er öfter in den Elterngesprächen. Seine Gedanken fasst er in diesem Kapitel unter der Überschrift „Von Respekt, persönlichem sprechen und der Führungsrolle in der Familie“ zusammen. Er betont hier nochmal die Wichtigkeit vom verständnisvollen und respektvollen Umgang miteinander, der auf Augenhöhe stattfindet, und auf Authentizität beruht. Bei Konflikten ist es ratsam, die Kinder um Hilfe zu bitten, manchmal haben die Kinder hilfreiche Lösungen, und wenn nicht geben Eltern ihnen dadurch das Gefühl ernst genommen zu werden. Sie erfahren durch diese Vorgehensweisen, dass sie ihre Wünsche, Träume und Bedürfnisse mitteilen können und, dass sie ernst genommen werden. Dadurch entsteht ein Miteinander in der Familie und alle können sich frei fühlen.

Diskussion und Fazit

Ich habe das Buch mit Interesse und Gewinn gelesen. Durch die Mitschrift der Elterngespräche entstand eine sehr anschaulich beschriebene Situation, wodurch man die Gedankengänge und Äußerungen von Jesper Juul gut nachvollziehen konnte.

Durch seine Beobachtungen, aktivem Zuhören, Einfühlungsvermögen und seinen gezielten Fragen, kommt er schnell auf die Ursache. Die Lösungen dazu können hart sein, aber sie funktionieren. In seinen Gesprächen findet man seine vier Werte wieder:

  1. Gleichwürdigkeit: das Zusammenspiel von Eltern und Kindern auf gleicher Ebene.
  2. Integrität: zu sich selbst „Ja“ zu sagen – und auch mal „Nein“ zu Wünschen anderer.
  3. Authentizität: die Person zu sein, die man wirklich ist, um auch andere in ihrer Einmaligkeit wahrnehmen zu können.
  4. Verantwortung: hiermit meint er vor allem die Eigenverantwortlichkeit der Kinder zu fördern, dadurch entwickelt sich fast von allein die soziale Verantwortung und Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Rücksichtnahme und Respekt.

Seine Tipps am Ende jedes einzelnen Elterngespräches und den vier Werten wird einem bewusst, dass es die einfachen Dinge im Leben sind um ein Kind zum erwachsenen, selbstständigen und einzigartigen Menschen zu begleiten.

Fazit: Jesper Juuls Gedanken sind komplex. Sie setzen sich aus gesunden Menschenverstand und seinem großen Respekt den Kindern gegenüber zusammen. Aha-Erlebnisse sind dadurch vorprogrammiert.


Rezensentin
Larissa Shaw
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Zitiervorschlag
Larissa Shaw. Rezension vom 02.08.2017 zu: Jesper Juul: Elterncoaching. Gelassen erziehen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 7., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-407-86433-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22478.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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