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Robert Kordts-Freudinger, Daniel Al-Kabbani u.a.: Hochschuldidaktik im Dialog

Cover Robert Kordts-Freudinger, Daniel Al-Kabbani, Niclas Schaper: Hochschuldidaktik im Dialog. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2017. ISBN 978-3-7639-5845-0. 34,90 EUR.

Beiträge der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) 2015.
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Thema

Dialog an der Hochschule umfasst den Dialog zwischen Lehrenden und HochschuldidkatikerInnen, ist ein Dialog über das Lehren, Lernen und die Hochschuldidaktik selbst und fand auf der Tagung im Rahmen eines neuen interaktiven Formats statt.

Herausgeber

  • Robert Kordts-Freudinger lehrt an der Universität Paderborn pädagogische Psychologie mit dem Schwerpunkt hochschulisches Lehren und Lernen.
  • Daniel Al-Kabbani ist selbstständiger Trainer und Berater mit einem Lehrauftrag an der Charité Berlin.
  • Niclas Schaper arbeitet am Institut für Humanwissenschaften der Fakultät für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Paderborn.

Entstehungshintergrund

„Hochschuldidaktik im Dialog“ war das Thema der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik im Jahr 2015. Der Band enthält dreizehn Beiträge, die aus der Tagung entstanden sind und möchte zum Dialog anregen.

Aufbau

Das Buch enthält ein Vorwort zur Blickpunktreihe, ein Editorial, sowie 13 Beiträge, die thematisch wie folgt einzureihen sind:

  • sechs Beiträge zur Hochschullehre,
  • sechs Beiträge zur Hochschuldidaktik, sowie
  • eine Reflexion des auf der Tagung eingesetzten Formats Disqspace.

Inhalt

Im Editorial wird festgehalten, dass der vorliegende Band eine Hälfte der Beiträge enthält, die aus der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik herausgegangen sind, während die andere Hälfte in der Online-Zeitschrift „die hochschullehre“ veröffentlich wurde.

Die Beiträge zur Hochschullehre basieren auf konkreten Lehrprojekten an deutschen Hochschulen.

Leander Kempen und Thomas Wassong beschreiben im ersten Beitrag den Einsatz von mobilen Endgeräten in einem Mathematik-Vorkurs unter Verwendung multimedialer, interaktiver Materialien in einem Blended-Learning Design, wobei die Auflockerung der Atmosphäre und die methodische Abwechslung bei den Studierenden auf großen Zuspruch stößt.

Barbara Nofen und Katrin Temmen bringen das Labor in den Hörsaal. Basierend auf der Sandwich-Methode wechseln Vortrag, Übung und Experiment für über 400 Studierende der Elektrotechnik ab und ermöglichen so den Erwerb der Messpraxis trotz hoher Teilnehmerzahl.

Ines Lammertz und Heidrun Heinke zeigen in ihrem Beitrag wie lernzielspezifische Feedbackbögen die TutorInnen im Physikpraktikum unterstützen, den Studierenden ein nachhaltiges Feedback zu geben.

Nach diesem Einblick in die Lehrpraxis in MINT Fächern widmen sich die beiden nächsten Beiträge dem Lehramtsstudium. Hanna Müsche, Thea Stroot und Petra Westphal beschreiben, wie Peer Learning die bewusste und diversitysensible Reflexion eigener Lernprozesse fördern kann.

Sonja Frey und Bärbel Kühner-Stier setzen sich mit dem Erwerb der Reflexionskompetenz im Studium in der Rolle eines Tutors oder einer Tutorin auseinander, wobei methodisch und inhaltlich an der Professionalisierung der eigenen Handlungskompetenz in schwierigen Lehrsituationen gearbeitet wird.

Anja Buchholz und ihre Kolleginnen betonen die Wichtigkeit des Praxisbezugs während des Studiums und stellen curricular verankerte Lehrkonzepte aus unterschiedlichen Disziplinen vor.

Die Beiträge zur Hochschuldidaktik haben die Hochschullehrenden im Blickpunkt.

Im Artikel von Anja Härte und KollegInnen geht es um fachspezifische Hochschuldidaktik und um die Entwicklung und Implementierung des Zertifikats Medizindidaktik, wobei die Umsetzung des medizindidaktischen Kursangebots für Lehrende als Herausforderung benannt wird.

Cornelia Estner und KollegInnen zeigen, dass mit einem hochschuldidaktischen Angebot in Form von kollegialen und individuellen Kurzformaten, sogenannte K.I.K.s, auch ProfessorInnen einer primär naturwissenschaftlich und technisch ausgerichteten Universität erreicht werden können.

Der Qualifizierung von studentischen TutorInnen wird im nächsten Artikel behandelt, Marko Heyner und KollegInnen geben einen Überblick über die Entwicklung und den Stand der TutorInnenausbildung in Deutschland. Der Artikel von Katrin Heßund KollegInnen schließt an das Thema der Weiterbildung von TutorInnen an, wobei das Potenzial von E-Portfolios als Instrument zur Nachbereitung und Reflexion diskutiert wird.

Marcus Raser und Jan Ulrich Hense fragen, was nach der Ergebnisrückmeldung aus der Lehrveranstaltungsevaluation passiert und stellen ein System vor, welches die Ergebnisrückmeldung mit individuellen Lehr/Lernstrategien und dem passenden hochschuldidaktischen Angeboten verknüpft.

Carolin Niethammer, Sabine Schöb und Josef Schrader sehen Curriculumentwicklung als hochschuldidaktische Aufgabe, bei dem Austausch und Dialog eine zentrale Rolle einnehmen.

Im letzten Artikel geht es um das Tagungsformat Disqspace, welches speziell für die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik im Jahr 2015 entwickelt wurde. Daniel Al-Kabbani und KollegInnen begründen die Entwicklung dieses Formats und geben Einblick in die Rückmeldungen der KonferenzteilnehmerInnen.

Diskussion

Anhand konkreter Lehrprojekte werden vielfältige und unterschiedliche Ansätze präsentiert, die einen intensiven Lernprozess fördern, etwa indem Mathematik aufs Smartphone gebracht wird oder hunderte Studierende während der Vorlesung im Hörsaal experimentieren. Diese Ansätze brechen traditionelle Lehrszenarien auf und es wäre spannend über den Transfer in andere MINT-Fächer nachzudenken. In einigen Artikeln wird die Rolle von Studierenden als Unterstützende ihrer KollegInnen – in der Rolle von Tutoren und Tutorinnen oder im Peer Learning – beleuchtet, didaktische Modelle dieser Interaktionen dargestellt und Erfahrungen geteilt.

Die Lehrenden und ihre didaktische Qualifizierung stehen im Fokus weiterer Artikel; es werden die Entwicklung eines Zertifikats Medizindidaktik beschrieben sowie das erfolgreiche Angebot kollegialer und individueller Kurzformate in der Hochschuldidaktischen Weiterbildung und die Aufwertung der Lehrveranstaltungsevaluierung durch ein passendes hochschuldidaktisches Angebot. Zwei Artikel über Curricula und ihre Entwicklung runden die Artikel zur Hochschullehre und zur Hochschuldidaktik ab. Besonders interessant ist die Darstellung des eigens für die Tagung entwickelten Disqspace und der Diskussion seiner Wirksamkeit auf die Förderung des Dialogs.

Fazit

Dieses Buch bietet Einsicht in spannende didaktische Lernszenarien, die sich sowohl an Studierende als auch an Lehrende richten und ein breites Spektrum in Bezug auf Fachdisziplinen ausweisen. Passend zum Buchtitel geht es oft darum miteinander in Dialog zu treten, beim gemeinsamen Experimentieren im Hörsaal genauso wie bei der Entwicklung von Curricula. Das Tagungsdesign des Disqspace sollte man auf jeden Fall ausprobieren.


Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 07.12.2017 zu: Robert Kordts-Freudinger, Daniel Al-Kabbani, Niclas Schaper: Hochschuldidaktik im Dialog. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2017. ISBN 978-3-7639-5845-0. Beiträge der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) 2015. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22499.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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