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Sebastian Bönisch: Was bringt Vernetzung im Gesundheitswesen

Cover Sebastian Bönisch: Was bringt Vernetzung im Gesundheitswesen. Eine wirkungsorientierte Betrachtung interorganisationaler Netzwerke. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. 152 Seiten. ISBN 978-3-658-16002-9. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

Sebastian Bönisch untersucht in seiner Master-Thesis den Nutzen interorganisationaler Netzwerke im Gesundheitswesen. Dazu entwickelt er ein Schema für Nutzenkategorien von Netzwerkmodellen und überprüft dies anhand von fünf Fallstudien. Unter einem wirkungsorientierten Fokus trägt er die Ergebnisse von 17 wissenschaftlichen Primär- und Sekundärstudien zusammen und stellt diese als tabellarische Kurzfassungen zur Verfügung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine stärkere Vernetzung im Gesundheitswesen eine passende Antwort auf Strukturdefizite sein kann.

Zielgruppe

Das Buch ist vor allem für Studierende und Praktikerinnen geeignet, die sich mit Fragen der Effektivität und Effizienz von Netzwerken beschäftigen.

Aufbau und Inhalt

Da das Buch im Rahmen einer Masterthesis geschrieben wurde, erfolgt zu Beginn eine gute Erläuterung zur Vorgehensweise und eine Klärung der Begriffe (Kap. 1 und 2).

Das 3. Kapitel ist den Vernetzungsstrukturen im Gesundheitswesen gewidmet. In seiner Analyse weist der Autor auf bekannte und aktuelle Probleme (z.B. Segmentierung, Demografische Entwicklung) hin und verweist auf den gesundheitspolitischen Gestaltungsrahmen (Versorgungsmodelle und -strukturen).

Danach (4. Kapitel) rezipiert er den aktuellen Stand zum Nutzen interorganisatorischer Netzwerke anhand von 17 (Primär- und Sekundär-) Studien und entwickelt ein eigenes Schema für Nutzenkategorien von Netzwerkmodellen (Kapitel 5). Die Kategorien „Zeit&Ressourcen“, „Finanzen“, „Wissen&Kompetenz“, „Beziehung&Kultur“ sowie „Image&Wettbewerb“ stellen den organisationspezifischen Nutzen dar, auf einer zweiten Ebene subsummiert sich der system- und patientenbezogene Nutzen in den Kategorien „Versorgungsstruktur“, „Versorgungsprozess“ und „Versorgungsergebnis“. Bemerkenswert ist, dass Bönisch extra die gemeinwohlorientierte Ausrichtung im Non-Profit-Sektor betont.

Das Kapitel 6 umfasst seine eigene empirische Analyse in Form von fünf Fallstudien zur Überprüfung und Ergänzung der erstellten Nutzenkategorien. Auswahlkriterien der Fallstudien sind u.a. hohes Maß an Ausdifferenzierung, Etablierung und Erfolg der Netzwerke. Neben Datenanalysen greift Bönisch hier auf die Methode des leitfadengestützen Experteninterview zurück. Der jeweilige Netzwerknutzen wird wieder der Organisations- und der System/Patienteneben zugeordnet. Als zusätzliche Kategorie fügt er die Evaluationsmethodik hinzu. Diese gibt Auskunft darüber, ob und wie das Netzwerk den eigenen Nutzen (mehr oder weniger) systematisch erhebt und überprüft.

Im letzten Kapitel 7 erfolgt die zusammenfassende Schussbetrachtung. Bönisch verweist deutlich auf die Heterogenität der Nutzenevaluation interorganisatorische Netzwerke und auf die Notwendigkeit sich stärker auf einheitliche Kategorien bei künftigen Forschungen zu verständigen – dazu liefert er mit seinem Schema einen brauchbaren Vorschlag.

Fazit

Das Buch liest sich für eine wissenschaftliche Arbeit ausgesprochen gut. Es ist sprachlich auf hohem, aber gut verständlichem Niveau verfasst. Alle Teile (Theorie in Kapitel 1-3, der Forschungsteil in Kapitel 4-6, die Folgerungen in Kapitel 7) können überzeugen, wobei Kapitel 5 und 6 besonders herausragen. Sein Schema/Modell für Nutzenkategorien von Netzwerken (im NPO-Bereich, Kapitel 5) weiß zu überzeugen und bietet eine gute Möglichkeit, künftige Forschungen besser zu fokussieren, das Kapitel 6 mit den Fallstudien ist schon deshalb sehr empfehlenswert, weil es einen kompakten, aber dennoch differenzierten Ein- und Überblickblick in „Leuchttürme“ der Netzwerkmodelle/-strukturen der Bundesrepublik bietet, die sich sonst einem interessierten Leser nicht einmal durch umfangreiche eigene Recherchen erschließen – denn Bönisch lädt die Beschreibung durch die Interviews mit den jeweils führenden Netzwerkakteuren gelungen auf.

Insgesamt ein Buch, das durch die gelungene Bearbeitung eines aktuellen Themenspektrums für Studierende, Praktiker und Dozenten gleichermaßen empfehlenswert ist.


Rezensent
Prof. Dr. Peter Löcherbach
Sozialarbeitswissenschaft: Case Management, Systemtheorien und Soziale Arbeit, Bedarfsermittlung und Angebotsplanung
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC)
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Zitiervorschlag
Peter Löcherbach. Rezension vom 28.03.2017 zu: Sebastian Bönisch: Was bringt Vernetzung im Gesundheitswesen. Eine wirkungsorientierte Betrachtung interorganisationaler Netzwerke. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-16002-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22503.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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