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Wolf Rainer Wendt, Peter Löcherbach (Hrsg.): Case Management in der Entwicklung

Cover Wolf Rainer Wendt, Peter Löcherbach (Hrsg.): Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven in der Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 300 Seiten. ISBN 978-3-86216-332-8. D: 59,00 EUR, A: 60,70 EUR.
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Thema

„Case Management wird zunehmend im Sozial- und Gesundheitswesen eingesetzt. Es soll die Abläufe verbessern, Beteiligte vernetzen, Kooperation fördern und Kosten senken helfen. Das Konzept ist bekannt; die Praxis reift erst nach und nach.

In diesem Werk berichten Experten aus Praxis und Wissenschaft über ihre Erfahrungen mit Case Management. Sie geben nützliche Handlungsanleitungen für die Umsetzung. Das Buch beleuchtet den fachlichen Stand, der im Case Management in seinen verschiedenen Anwendungen im Sozial- und Gesundheitswesen, in der Pflege, im Versicherungswesen und in der Beschäftigungsförderung im deutschsprachigen Raum erreicht ist.

Die vorliegende 3. Auflage berücksichtigt Veränderungen im Sozial- und Gesundheitswesen in den letzten Jahren, die sich u.a. mit der Novellierung von Gesetzen ergeben haben. So mit dem Pflegestärkungsgesetz zum SGB V und mit Anpassungen in den Rechtskreisen des SGB II und SGB III.“ (Klappentext)

Herausgeber

Die beiden Herausgeber, Prof. Dr. Wolf Rainer Wendt und Prof. Dr. Peter Löcherbach sind Stellvertretender Vorsitzender bzw. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC).

Wolf Rainer Wendt lehrt in Stuttgart und Tübingen.

Peter Löcherbach ist Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der Katholischen Fachhochschule Mainz.

Anmerkung zur 3. Auflage

Das Buch ist die 3. Auflage des gleichlautenden Bandes von 2006. Da sich das Buch seit der 1. Auflage in einigen Teilen nicht wesentlich verändert hat, kann in der Inhaltsangabe an entsprechender Stelle auf die vorliegende Rezension von Yvonne Hofstetter Rogger vom 17.03.2009 (in: socialnet Rezensionen, www.socialnet.de/rezensionen/4199.php) und die eigene Rezension vom 21.09.2011 (in: socialnet Rezensionen, www.socialnet.de/rezensionen/11374.php) verwiesen werden. Auf die in der 3. Auflage neu hinzugekommenen oder seit der 2. Auflage stark veränderten Artikel wird hier gesondert eingegangen.

Case Management wird im Folgenden, sofern nicht wörtlich zitiert wird, mit CM abgekürzt.

Inhalte

Zum Artikel von Wolf Rainer Wendt: www.socialnet.de/rezensionen/11374.php

Die „Entwicklungen und Perspektiven von Case Management in der Sozialen Arbeit“ beleuchtet Corinna Ehlers. Sie beschreibt die Anfänge von CM in den USA, ebenso dessen Etablierung und die Übertragung in den deutschen Handlungskontext. Während diese Themen eher kursorisch behandelt werden, nimmt das Kapitel über die „Charakteristika von Case Management in der Sozialen Arbeit“ breiten Raum ein. Trotz der von der Autorin festgestellten Klarheit der Bestimmungsmerkmale wird von ihr in der praktischen Umsetzung eine „Schwammigkeit“ (S. 46) des Begriffs CM diagnostiziert, die es notwendig machten, machen würde, „explizit für sozialarbeiterische Arbeitsfelder ein gut definiertes, klar abgegrenztes Handlungskonzept zu formulieren“ (S. 46). Bei der Formulierung allgemeiner Rahmenempfehlungen dürfe es allerdings nicht bleiben, es müssten vielmehr „spezifische Handlungskonzepte“ erarbeitet werden, „um den besonderen Anforderungen z.B. von schwer erreichbaren KlientInnen (hard-to-reach Zielgruppen) oder der Arbeit im Zwangskontext von CM in der Sozialen Arbeit gerecht zu werden.“ (S. 47) Dies erscheint in den Augen des Rezensenten in der Tat das zentrale Thema der nächsten CM-Dekade und verdient uneingeschränkte Unterstützung.

Im nächsten Kapitel wird die Notwendigkeit eines „Paradigmenwechsels“ beschworen (u.a. „von der Defizitorientierung hin zu einer Orientierung an der Entfaltung von Stärken und der Nutzung von Ressourcen“ (S. 49) und betont, CM biete gute Voraussetzungen für diesen Paradigmenwechsel, ohne dass allerdings recht deutlich wird, warum gerade CM dafür prädestiniert sein soll, zumal die Gegner akkurat das Gegenteil von CM behaupten (z.B. Hansen 2012, interessanterweise ebenfalls mit Verweis auf England). Die Autorin zitiert des Weiteren einen Gedanken, der zentral im Artikel von Manfred Neuffer aus der 2. Auflage ausgeführt wurde (der in der 3. Auflage nicht mehr berücksichtigt wurde): CM muss in den Rahmen der Sozialarbeitswissenschaft eingebunden werden. Allerdings betont sie ebenfalls den transdisziplinären und transsektoralen Charakter von CM. Die Folgerung, die Neuffer in der 2. Auflage gezogen hat (CM darf sich nicht von der Sozialen Arbeit entfernen) zitiert sie nicht, insofern ist anzunehmen, dass sie diese nicht teilt. Wohl aber führt sie einige Aspekte an, die als Anforderungen an das Case Management im Kontext der Sozialen Arbeit (S. 51) formuliert wurden (z.B. Selbstbestimmungsrecht der KlientInnen, Achten der Menschenwürde), was in den Augen des Rezensenten natürlich stimmig ist, aber wenig spezifisch für Soziale Arbeit erscheint.

Im letzten Kapitel stellt die Autorin das „stärkenorientierte CM“ in den Mittelpunkt, das sie in der Sozialarbeitstheorie verankert und damit einen Ausblick geben kann, wie ein sozialarbeiterisches CM aussehen könnte. Insbesondere dieser Aspekt verdient es wohl, als identitätsstiftende theoretische Grundlage von CM in der Sozialarbeitswissenschaft weiterentwickelt zu werden. Dass die Autorin professionstheoretische Probleme (z.B. die Abgrenzung professionsspezifischer Konzepte innerhalb des CM und vielleicht noch mehr Abgrenzung innerhalb der Profession) nicht zur Gänze lösen konnte, ist ihr nicht anzulasten; ihr Artikel zeigt, dass dieses Thema früher oder später unvermeidlich zu thematisieren sein wird, aber der Quadratur des Kreises gleicht.

Zum Artikel von Michael Ewers: www.socialnet.de/rezensionen/11374.php

Anstelle von Siglinde Bohrke-Petrovic (2. Auflage) beschreibt Rainer Göckler das „Case Management in der Beschäftigungsförderung“. Er fokussiert sich zunächst auf den Übergang Schule – Beruf. Dort ist das „Fallmanagement eingebunden in planvolle Strukturen einer Berufsorientierung und sozialpädagogischer (sic) Hilfen bei Schwierigkeiten in der persönlichen Entwicklung (Reife), den (fehlenden) sozialen Kontakten, familiären Konflikten, der schulischen und beruflichen Alltagsbewältigung und der Vernetzung zu berufsfördernden Angeboten.“ (S. 78) Im nächsten Abschnitt wird „CM im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements, der beruflichen Rehabilitation und der Integration behinderter Menschen“ mit eindrucksvollen empirischen Belegen für die Wirksamkeit von CM beleuchtet. Was das CM in den Jobcentern betrifft, kommt der Autor hingegen zu einer negativen Einschätzung: „Der Gesetzgeber selbst hatte das Fallmanagement zum wesentlichen Kern des Forderns und Förderns im SGB II erklärt, es jedoch versäumt, hierfür entsprechende Standards in Organisation und Fachlichkeit zu setzen.“ (S. 84) Der Autor plädiert dafür, stärker die Langzeitarbeitslosen in den Blick zu nehmen, und beklagt das Fehlen von Untersuchungen zum Fallmanagement (S. 85). Er konstatiert bei guten gesetzlichen Voraussetzungen ungelöste Zielkonflikte („Integration oder Überwindung der Hilfebedürftigkeit“) und listet eine Reihe von Mängel in der Grundsicherung auf. Rainer Göcklers Artikel zeigt den Weg auf, den CM wohl gehen muss: CM muss als Konzept zum empirischen Nachweis seiner Wirksamkeit gelangen. Gleichzeitig werden die Grenzen deutlich, die in den politischen Rahmenbedingungen liegen.

Neu in der 3. Auflage ist ein Beitrag von Claus Reis mit dem Titel „Case Management in der Migrationsberatung“. Dieses ebenso neue wie brisante Feld ist in der CM-Forschung weitgehend unerschlossen. Umso verdienstvoller ist es, dass der Autor eine eigene und eine fremde Untersuchung zitiert. Die Ergebnisse sind allerdings eher unbefriedigend. Sie zeigen, dass trotz eindeutiger Förderrichtlinien, positiver Wirkungsergebnisse und komplexer Problemlagen der Betroffenen CM keineswegs überall implementiert ist. Vielmehr lehnen manche Berater CM ab, z.T. mit Konstruktionen, die der empirischen Überprüfung nicht standhalten. Was sich als objektive Schwierigkeit erweist: „[…] dass trotz aller lokalen (sic) Arbeitskreise und Gremien Angebote, die für ein effektives Case Management erforderlich gewesen wären, nicht oder nur unzureichend vorhanden waren“ (S. 103). Das lässt einerseits fragen, inwieweit die vorhandenen Kooperationsstrukturen wirklich nutzbringend sind und nicht ohne Effektivitätsverlust entfallen könnten, andererseits beweist das Forschungsergebnis die CM-Rationalität, die besagt, dass nur mit entsprechenden Netzwerkstrukturen eine optimale Einzelfallhilfe gelingen kann. Reis legt ebenso knapp wie lesenswerte Ergebnisse vor, die es in vielerlei Hinsicht verdienen, in der Forschung und der Praxis weiter untersucht zu werden.

Mona Frommelt überschreibt ihren Artikel „Case Management im Gesundheitswesen. Case Management mit Mediativen Kompetenzen als Chance zum Umgang mit wachsender Komplexität“. In den ersten Abschnitten lässt die Autorin zehn Jahre Case Management im Gesundheitswesen Revue passieren und kommt zu dem Schluss, dass CM mittlerweile „fester Bestandteil in jedem Versorgungssektor des Gesundheitswesens“ sei (S. 112). Im zweiten Abschnitt kommen zwei Protagonisten von CM zu Wort, die aus der Praxis berichten. Ihre Stellungnahmen klingen weitaus kritischer, als das erste Fazit vermuten lässt, offenbaren sich doch erhebliche Implementationsprobleme beim CM insbesondere im Klinikbereich. Im dritten Abschnitt geht es um CM als „Ansatz zum Umgang mit Komplexität“. Es werden zwei Arten von „Arbeit“ vorgestellt: Die „Herstellungsarbeit“, die linear, kompliziert und mechanisch verläuft (Beispiel: Die Herstellung eines Ferrari), und die „Dienstleistungsarbeit“, die Komplexität bearbeitet, systematisch (ist „systemisch“ gemeint?), chaotisch und fraktal ist. Das Gesundheitswesen, so die Autorin, löst komplexe Probleme vorwiegend durch Herstellungsarbeit (S. 123). Diese These ist nachvollziehbar und verdient (insbesondere in der Medizin) größere Aufmerksamkeit. Der vierte Abschnitt ist überschrieben mit „Interessensbasierte Kommunikation und gelingende Beziehung als Merkmale der Haltung im Case Management“. Grundthese ist, dass dem CM „Selbstmanagement mit Selbstverantwortung und Abgrenzungsfähigkeit, die Fähigkeit zu interessensbasierter Kommunikation und zur Gestaltung gelingender Beziehungen“ immanent seien (S. 125). Selbst wenn man diese These unterstützen kann, erscheint z.B. „gelingende Beziehung“ alles andere als eine „Unique Selling Proposition“ des CM. Insofern muss man sich die Frage stellen, warum CM das bevorzugte Mittel der „Dienstleistungsarbeit“ im Gesundheitsbereich sein soll. Dass dann auf knapp zwei Seiten noch andere Theorien verwendet (aber nicht glücklich verwoben) werden, wie z.B. das St. Galler Managementmodell, Luhmanns Systemtheorie, Neurologie, Kommunikations- und Emotionstheorie, macht dieses Kapitel nicht unbedingt verständlicher. Deshalb der Tipp des Rezensenten für die nächste Auflage: Das vierte Kapitel entweder gründlich überarbeiten oder weglassen!

Jürgen Ribbert-Elias zeigt die Anforderungen an ein Case Management im Krankenhaus auf, „das den Namen auch wirklich verdient“ (S. 134). Die gründlich herausgearbeiteten Kriterien könnten sicher auch für die Implementierung in anderen Organisationen gelten. Die ausgewählten Beispiele sind schlüssig dargestellt, sie zeigen, welche Möglichkeiten CM in einer so komplexen Organisation wie dem Krankenhaus haben könnte. Vielleicht hätte man beim Thema „Entlassungsmanagement“ statt der oder neben den Forderungen noch ein gelungenes Beispiel einfügen können. Trotzdem haben wir hier einen klar gegliederten, in sich stimmigen, durchweg gelungenen Artikel vor uns.

Zum Beitrag von Waltraud Baur und Andreas Podeswik: www.socialnet.de/rezensionen/11374.php

Milena Roters und Sören Roters-Möller zeigen Ansatzpunkte für Case Management im Rahmen der individuellen Hilfeplanung zur Eingliederung behinderter Menschen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass von einer systematischen und rechtlich abgesicherten Implementierung von CM in der Eingliederungshilfe nicht gesprochen werden kann (S. 178). Sie diskutieren dann mit umfangreicher Quellenauswertung Konvergenz bzw. Divergenz von bestehenden Praxiselementen von der Eingliederungshilfe zu CM, wobei sie in einzelnen Elementen durchaus Überschneidungen sehen (z.B. Zielorientierung), insbesondere aber auf der Systemebene doch einige Unterschiede erkennen können. In ihrem „Ausblick“ nehmen beide das Bundesteilhabegesetz zum Anlass, über die Möglichkeiten und Ausformungen eines dazu passenden CM nachzudenken. Sie warnen vor einem inflationären Gebrauch von CM, der die Grundgedanken und seine Effekte aufweichen würde (S. 193). Der Artikel erscheint dem Rezensenten als gutes Beispiel dafür, wie man eine bestehende Praxis vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen einerseits und den Anforderungen von CM andererseits reflektieren und weiterentwickeln könnte. Sie zeigen aber auch, dass im Bereich der Eingliederungshilfen – legt man CM-Maßstäbe zugrunde – noch viel zu tun ist.

Regina Knöpfel und Hans Schmidt referieren die Einführung des „Ability Management mit der Methode Case Management“ (S. 199) durch die Stadt Zürich. Sie berichten von den erstaunlichen Erfolgen des CM (ohne dieses allerdings zu beschreiben), die sich in der Evaluation zeigten, und benennen die Grenzen des CM bei Arbeitgebern am Beispiel psychischer Erkrankungen. Spätestens ab hier geht es nicht mehr um CM, sondern um Compliance-Aktivitäten von Unternehmen, Unternehmensstrategien, strategische Handlungsfelder, Corporate Social Responsibility. Das sind sicher alles sehr wichtige Themen, ob sie allerdings in ein Fachbuch für CM gehören, ist doch eher zweifelhaft.

Hugo Mennemann zeigt Bewährtes und Neues aus dem „Case Management in der Altenarbeit“ auf. Dabei wird die Entwicklung der Pflegeberatung wie folgt bewertet: „[…] mit wenigen länderbezogenen Ausnahmen [hat sich] eine Kultur von Pflegeberatung entwickelt. Das ist ein kraftaufwendiger und wichtiger Meilenstein. Vieles ist qualitätssichernd auf den Weg gebracht worden. Gelingende Praxisbeispiele verdeutlichen, welche Ziele bundesweit noch erreicht werden können.“ (S. 219) Allerdings reichten die Unterstützungsangebote nicht aus. Nachfolgend werden dann Modelle vorgestellt, die die Systemebene in den Blick nehmen. Es schließen sich Überlegungen zum CM im Altenheim an. Auch wenn der Rezensent die Schlussfolgerung des Autors, dass CM im Altenheim ein „bewusstseins- und strukturveränderndes Leitbild“ (S. 228) vermitteln könne, aufgrund der dargestellten Beispiele nicht recht nachvollziehen kann, findet er natürlich die Hoffnung darauf durchaus sympathisch.

Zu den Artikeln von Ruth Remmel-Faßbender, Martin Schmid und Martina Schu sowie Peter Löcherbach: www.socialnet.de/rezensionen/11374.php

Diskussion

Wenn man sich die Mühe macht, die 2. mit der 3. Auflage genau zu vergleichen, fällt erfreulicherweise eines auf: Die seinerzeit als wenig einschlägig bewerteten Artikel sind verschwunden, dafür sind ausgesprochen kundige und interessante Beiträge hinzugekommen. Es gebührt den Herausgebern dementsprechend uneingeschränkt Anerkennung für diese Kärrnerarbeit. Mit anderen Worten: Ein ohnehin gutes Buch wurde noch verbessert.

Möglicherweise spiegelt sich hier auch ein Stück der Geschichte von CM in Deutschland wieder: Während sich am Anfang alles Mögliche unter dem Aushängeschild „Case Management“ versammelte und man bisweilen den Eindruck eines orientalischen Basars von Verkäufern ihrer eigenen Sache nicht ganz unterdrücken konnte, scheinen sich jetzt mehr und mehr die Ordnungsprinzipien der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) durchzusetzen. Nicht jeder, der eine Idee loswerden will, soll dies unter dem Label „Case Management“ tun können, jedenfalls dann nicht, wenn die Vorsitzenden der DGCC einen CM-Band herausgeben. Diese Strenge tut dem Leser gut, weil die Qualitätsansprüche Ausreißer verhindern und damit die Seriosität des Handlungskonzepts wächst. Die Durchsetzung solcher Standards konnte geschehen, ohne dass die Vielfalt der feldspezifischen CM-Adaptionen gelitten hätte, ja das Gegenteil ist der Fall.

Was nämlich ebenfalls zunehmend deutlich wird, ist die empirische Ausrichtung an Wirkungskriterien, die ebenfalls für die Etablierung von CM nötig ist. Zu den Qualitätskriterien gehört, dass alle Autoren/innen ihr Literaturverzeichnis angepasst haben, dass auch bei Artikeln, bei denen der Duktus gleichgeblieben ist, die Texte doch an aktuelle Gesetze angepasst wurden. CM in Deutschland ist, das zeigen dieser Band und seine Entwicklung von der 1. zur 3. Auflage in den dazwischenliegenden über zehn Jahren deutlich, eine Erfolgsgeschichte, bei allen von den Autoren/innen angemahnten Defiziten. Der Weg der Diversifizierung wird weitergehen und muss wohl auch weitergehen, sodass niemand mehr behaupten kann, unsere CM-Kenntnisse erschöpften sich im Nennen von fünf Phasen, die in allen Fällen irgendwie gleich aussehen. Es wird – das zeigen die Artikel überaus deutlich – immer zu fragen sein: Von welchem CM sprichst du, wenn du von CM sprichst? Die sich daraus ergebenden Probleme des Bewahrens einer gemeinsamen CM-Identität bei gleichzeitig auseinanderstrebenden immer spezifischeren Adaptionen kennen diejenigen, die sich mit Sozialer Arbeit beschäftigen, zur Genüge. Dass manche diese Entwicklung zu immer mehr Spezialisierung nicht mögen, wird sie nicht aufhalten, aber das Problem verschärfen, und man wird es wohl nicht lösen, indem man CM für sich und seine Profession, sein Fachgebiet, seine Wertvorstellungen reklamiert.

Einer der Herausgeber, Wolf Rainer Wendt (2003), hat schon vor vielen Jahren mit dem Terminus „Fachsozialarbeit“ hellsichtig die Entwicklung für die Soziale Arbeit beschrieben, die möglicherweise auch dem CM bevorsteht. Jedenfalls werden die schon in diesem Buch angelegten fachspezifischen CM-Adaptionen noch weitergehen, vielleicht sogar innerhalb einer Profession, aber das wird vielleicht die 4. Auflage zeigen, auf die sich der Rezensent jetzt schon freut. Damit es dazu kommt, ist der nunmehr 3. Auflage eine weite Verbreitung zu wünschen.

Fazit

Die Lektüre ist insbesondere all jenen empfohlen, die sich ein Bild über die Vielfalt von Case Management in Wissenschaft und Praxis machen wollen. Das Buch setzt Grundkenntnisse des CM voraus, da es keine Einführung in das Thema ist. Es bietet fast durchweg eine hervorragende Grundlage, die Verbindung von Theorie und Praxis im Case Management arbeitsfeldspezifisch nachzuvollziehen. Das gute Angebot mag den zweifellos stolzen Preis einigermaßen rechtfertigen.

Literatur

  • Hansen E. (2012): Das Case/Care Management: Nationale Entwicklungslinien in Großbritannien, Schweden und Deutschland. In: Dahme H.-J./Wohlfahrt N. (Hrsg.): Produktionsbedingungen Sozialer Arbeit in Europa, Hohengehren, 151-171
  • Wendt W. R. (2003): Fachsozialarbeit als notwendige professionelle Spezialisierung, in: Blätter der Wohlfahrtspflege 150. Jg. (4), 123-128

Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Klug
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Fakultät Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
Wolfgang Klug. Rezension vom 19.07.2017 zu: Wolf Rainer Wendt, Peter Löcherbach (Hrsg.): Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven in der Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2017. 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-86216-332-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22504.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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