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Eberhard Glogau, Andreas Wölfl (Hrsg.): Der Angst begegnen - in der Musiktherapie

Rezensiert von Prof. Hartmut Kapteina, 04.07.2017

Cover Eberhard Glogau, Andreas Wölfl (Hrsg.): Der Angst begegnen - in der Musiktherapie ISBN 978-3-95490-067-1

Eberhard Glogau, Andreas Wölfl (Hrsg.): Der Angst begegnen - in der Musiktherapie. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2017. 102 Seiten. ISBN 978-3-95490-067-1. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

In dieser Veröffentlichung werden theoretische und fachpraktische Erkenntnisse sowie Erfahrungen aus der stationären und ambulanten Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Angststörungen dargestellt.

Angst ist ein Grundgefühl der Menschen, das sie vor Gefahren warnt und zu Maßnahmen herausfordert, die Schädigungen vermeiden und letztlich das Überleben sichern. Wenn dieses Grundgefühl aber den Bezug zur Realität verliert, wird sie pathologisch und stürzt den betroffenen Menschen in innere Nöte, die er oftmals nur mit therapeutischer Hilfe bewältigen kann. Alle in diesem Buch beschriebenen Ansätze zeigen auf, wie solche weit verbreiteten psychischen Störungen entstehen, verlaufen und wie sie behandelt werden können. Dabei erweist sich musikalisches Erleben als besonders wirkungsvoll, weil zwischen Musik und Emotionalität enge Wechselwirkungen bestehen.

Entstehungshintergrund

Die Publikation präsentiert Vorträge, die bei der 22. Musiktherapie-Tagung des Freien Musikzentrums in München vom 1. bis 2. März 2014 gehalten wurden. Sie ist der 17. Band der „Beiträge zur Musiktherapie“, einer Schriftenreihe des Instituts für Musiktherapie am Freien Musikzentrum München e.V.

Aufbau und Inhalt

Zwei grundlegende Beiträge stehen am Anfang der Publikation.

  • Gisela Bergenthal (Fachärztin für psychotherapeutische Medizin) und Petra Hemmer-Torhorst (Fachärztin für Psychiatrie, Neurologie, Psychotherapie und Psychoanalyse) erläutern die Abgrenzung von gesunder und pathologischer Angst, besonders auch körperliche und wahrnehmungspsychologische Vorgänge beim Erleben von Angst. Sie stellen verhaltenstherapeutische und psychoanalytische Erklärungsmodelle vor sowie bindungsspezifische, systemische, hirnphysiologische und hormonelle Aspekte dar. Bei den Therapieansätzen beschreiben sie vor allem medikamentöse und verhaltenstherapeutische Behandlungen.
  • Alfred Walter (Dr. phil., Gruppenanalytiker, Paar- und Familientherapeut, Dozent und Supervisor in Musiktherapieausbildungen) bringt in seinem Aufsatz „die Angst des Therapeuten vor dem Patienten“ mit bemerkenswerter Präzision und Offenheit zur Sprache: Er beschreibt, wie in dieser komplexen Beziehungsdynamik „Identitäts- und Selbstwertängste“ wirksam sind und bewältigt werden müssen, wie „die Ängste vor angstmachenden Erlebnisinhalten der Patienten“ den Therapeuten berühren, und wie die in der „Angst vor therapeutischen Verstrickungen mit den Patienten“ zum Ausdruck kommenden Übertragungs- und Gegenübertragungsgefühle bearbeitet werden müssen. Seine Analysen werden sehr einfühlsam, plausibel, fundiert und mit Rückgriff auf ein umfassendes Arsenal von Sekundärliteratur vorgetragen. In einem letzten Abschnitt diskutiert er auch die Angst „vor der Musik als Ausdrucksmittel desintegrierter hochbedrohlicher Beziehungserfahrung“. So sehr die Musik geeignet ist, Emotionen auszudrücken und zu transformieren, so nah bringt sie Therapeut und Patient an die Gewalt- und Traumatisierungserfahrungen, denen Patienten mit Angststörungen ausgesetzt sind, heran.

Wie konkret Patientinnen und Patienten, die unter Angststörungen leiden, musiktherapeutisch behandelt werden können, erfahren die Leser in vier weiteren Beiträgen aus der musiktherapeutischen Praxis.

  • Dabei liegt bei Thomas Stegemann (Univ. Prof. Dr. med., Dr. sc. mus. an der Universität Wien) der Schwerpunkt bei Patienten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
  • Barbara Dettmer (Dipl. Psychologin, Dipl. Musik- und Lehrmusiktherapeutin) beschreibt ihre musiktherapeutische Einzeltherapie mit Erwachsenen.
  • Sabine Reimold (Dipl. Musik- und Lehrmusiktherapeutin) stellt ihre Gruppen-Musiktherapie bei Patienten mit Angststörungen dar.
  • Maria Becker (Dr. sc. Mus., Dipl. Psychologin, Dipl. Musiktherapeutin in eigener Praxis) dokumentiert ihre „musiktherapeutische Behandlung von Menschen, die unter großen Ängsten leiden“, ausführlich anhand zweier Fallgeschichten.

Diskussion

Die im Einleitungskapitel der Herausgeber behauptete These, Musiktherapie stelle „durch die emotionsnahe und nonverbale Dimension der Musik hilfreiche und spezifische Behandlungsansätze“ für Menschen, die unter schweren Angststörungen leiden, bereit, wird durch die medizinische und psychologische Fachdiskussion und die fundiert und praxisnah vorgetragenen Behandlungsbeispiele nachhaltig bestätigt.

Fazit

Das Buch stellt für alle Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten und Leiter von psychiatrischen Kliniken wichtige Informationen zur Verfügung, wenn es darum geht, die Behandlung von Angststörungen zu optimieren und das Gesundheitswesen weiter zu entwickeln.

Rezension von
Prof. Hartmut Kapteina
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Es gibt 6 Rezensionen von Hartmut Kapteina.

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Zitiervorschlag
Hartmut Kapteina. Rezension vom 04.07.2017 zu: Eberhard Glogau, Andreas Wölfl (Hrsg.): Der Angst begegnen - in der Musiktherapie. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-95490-067-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22519.php, Datum des Zugriffs 27.06.2022.


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