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Marianne Berger, Hanna Hardeland: Coaching und Beratung evaluieren

Cover Marianne Berger, Hanna Hardeland: Coaching und Beratung evaluieren. 36 Impulskarten mit Workbook für die eigene Professionalisierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 80 Seiten. ISBN 978-3-407-36637-5. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Klient*innen haben – bewußt oder intuitiv – eine Meinung zur Kompetenz ihrer Beraterin/ihres Beraters oder Coachs. Marianne Berger und Hanna Hardeland haben ein Evaluationstool entwickelt, wie sich Beratende oder Coaches bei ihren Klient*innen ein differenziertes Feedback einholen können und sich gezielt in ihrer Beratungskompetenz weiterentwickeln können. Dazu haben sie 36 Evaluationskarten mit Reflexions- und Entwicklungsaufträgen entwickelt. Die Karten lassen sich unmittelbar und effektiv in der Beratung selbst einsetzen. Sie sind fünf Beurteilungsdimensionen zugeordnet, die einen schnellen Überblick über den eigenen Entwicklungsbedarf erlauben: (1) Empathie, (2) Akzeptanz, (3) Aufmerksamkeit und Geduld, (4) Prozessgestaltung sowie (5) Ressourcenorientierung.

Sie richten sich gleichermaßen an erfahrene Coaches und Berater und an Berufsanfänger*innen.

Autorinnen

Marianne Berger studierte Englisch, Französisch, Spanisch und Betriebswirtschaftslehre. Als Meinungsforscherin arbeitete sie am Institut für Demoskopie Allensbach und am Instituto Gallup de Argentina in Buenos Aires. Als Unternehmerin hat sie sich auf schulische Evaluationen spezialisiert. Sie ist Evaluationsbeauftragte, Lehrkraft und zertifizierter Lerncoach an einem westfälischen Gymnasium.

Hanna Hardeland ist Lehrerin, Karriereberaterin, Lerncoach und Lernberatungsexpertin. Sie hat mehrere Fachbücher geschrieben und pädagogische Materialien entwickelt. Sie ist zudem in der Ausbildung von Lerncoaches/Lernbegleiter*innen engagiert (Verlagsangaben).

Aufbau und Inhalt

Das Set umfasst 36 Karten und ein 80-seitiges Booklet zur Unterstützung des Einsatzes der Karten im Beratungs- oder Coachingsettings. Dabei werden folgende inhaltliche Schwerpunkte gesetzt:

  1. Evaluationsverfahren?in Beratung und Coaching?
  2. So funktionieren die Evaluationskarten –?eine Anleitung
  3. Evaluation für Profis – die Qualitätskriterien
  4. Reflexions- und Entwicklungsaufträge
  5. Schlusswort:? Nachhaltige Qualität in Beratung und Coaching.

Zunächst führen die Autorinnen in die Grundintention des Evaluationsinstrumentes ein: es soll vor allem einem diagnostischen Verfahren dienen, denn: „Evaluation und gezielte Kompetenz Entwicklung gehören zusammen. Deshalb vereint dieses Instrument Coaching und Meinungsforschung. Es ist ein Evaluation und Entwicklungsinstrument, das Ihnen Antworten auf folgende Fragen gibt:

  • Wie hole ich mir schnell, verläßlich und diskret ein differenziertes Feedback von meinen Klientinnen und Klienten, das über ein ‚Danke, hat mir geholfen!‘ hinausgeht?
  • Wie kann ich Feedback und Evaluation nutzen, um mich in meiner Beratungs- und Coaching Coachingkompetenz gezielt und passgenau weiterzuentwickeln?
  • Wie evaluiere ich, inwiefern sich die Qualität meiner Beratungen und Coaching kontinuierlich und nachhaltig verbessert?“ (5f).

Im ersten Kapitel führen die Autorinnen detaillierter in ihren Ansatz ein und grenzen ihn von anderen Verfahren, wie etwa Fragebögen oder Hospitationen ab (s. auch Seiten 14-15). Ihre Fragestellung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Klient*innen selbst befragt werden und zwar in einer „kurzweiligen, abwechslungsreichen und interessanten Form“ (10). Den besonderer Charme der Kombination eines Evaluations- und Entwicklungsinstrumentes sehen die Autor*innen darin, dass die Fragenden nicht bei der Evaluation stehen bleiben, sondern eben auch Entwicklungspotentiale identifizieren können. Als besondere Vorteile des Instrumentes werden herausgearbeitet:

  • Fundierte Fachlichkeit, denn das Feedback zielt als differenziertes Feedback auf bestimmte fachliche Kriterien ab
  • Geringer Zeitaufwand, da sich die Karten schnell und unkompliziert anwenden lassen.
  • Flexibilität,, da Zeitpunkt und Inhalt der Evaluation frei wählbar sind.
  • Vertraulichkeit, da das Feedback in geschütztem Rahmen erfolgt und zwischen dem/der fragenden und antwortenden Person bleibt.
  • Vergleichbarkeit, da ein standardisiertes Instrument eingesetzt wird, das die eigene Entwicklung dokumentiert und verschiedene Feedbacks miteinander vergleichbar macht.
  • Verständlichkeit, da die Karten einfach und leicht verständlich formuliert sind.
  • Objektivität liegt in dem Sinne vor, dass die Karten auf rein inhaltliche Feedbacks fokussieren und non- oder paraverbale Signale ausgeschlossen werden und auch offene Fragen nicht vorgesehen sind.
  • Überschaubarkeit ist in dem Sinne gegeben, dass sich aus den Feedbacks überschaubare im Sinne von machbaren Weiterentwicklungszielen ableiten lassen.
  • Wirksamkeit im Sinne von Selbstwirksamkeit wird erfahrbar und auch planbarer dahingehend, dass Entwicklungspotentiale erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet werden können.
  • Nachhaltigkeit entsteht insofern, als das Fortschritte dokumentiert werden können, gesichert und Qualität verbessert werden kann.

In den weiteren Kapiteln geben die Autorinnen eine ausführliche Einführung in die Funktionsweise der Evaluationskarten. Die Karten beinhalten jeweils sechs Aussagen zu den fünf bzw. sechs Beurteilungsdimensionen:

  • Empathie
  • Akzeptanz
  • Aufmerksamkeit und Geduld
  • Prozessgestaltung und Lösungsorientierung
  • Ressourcenorientierung
  • Gesamteinschätzung.

Dann wird ausführlich und detailreich der Einsatz der Karten im Hinblick auf die verschiedenen Beurteilungsdimensionen erläutert. Dazu bieten die Autorinnen auch weiterführende vertiefende Fragen zur Selbstreflexion an.

Diskussion und Fazit

Das Kartenset und Workbook von Berger und Hardeland ist ein sehr professionelles und zugleich sehr anwendungsorientiertes Tool, das sicherlich in vielerlei Hinsicht zur Professionalisierung und Selbstoptimierung beitragen kann. Ich halte es für viele unterschiedliche Beratungskontexte für sehr empfehlenswert, sowohl für Anfänger*innen als auch für optimierungswillige Fortgeschrittene.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Fragebögen im vierten Kapitel als downloads zur Verfügung gestellt würden wie es bei vielen anderen Publikationen im Hause Beltz der Fall ist. Vielleicht läßt sich das noch nachholen.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 17.05.2017 zu: Marianne Berger, Hanna Hardeland: Coaching und Beratung evaluieren. 36 Impulskarten mit Workbook für die eigene Professionalisierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. ISBN 978-3-407-36637-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22544.php, Datum des Zugriffs 26.08.2019.


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