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Patrick Zobrist, Harro Dietrich Kähler: Soziale Arbeit in Zwangskontexten

Cover Patrick Zobrist, Harro Dietrich Kähler: Soziale Arbeit in Zwangskontexten. Wie unerwünschte Hilfe erfolgreich sein kann. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2017. 3., vollständig überarbeitete Auflage. 140 Seiten. ISBN 978-3-497-02694-4. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.
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Autoren

Für die nun erschienene dritte Auflage zeichnet alleine Patrick Zobrist verantwortlich. Dass dieser nicht als alleiniger Autor genannt ist, beruht auf der gemeinsamen Entwicklung und Herausgabe der ersten beiden Auflagen mit Harro Kähler und einer kollegialen Absprache der neuen Inhalte. Diese beiden 2005 und 2013 erschienenen Werke bilden die Grundlage für die nun rasch entwickelte neue Abhandlung über die Thematik der Sozialen Arbeit und deren Beziehung mit Menschen in Zwangskontexten.

Aufbau und Inhalt

Die in der vorigen Auflage von Kähler und Zobrist in jeweiligen Kapiteln pointierten Themenbereiche, wie die Entstehung von Klient*innenkontakten, die Motivation zu Kontaktaufnahmen, und das jeweilige Verhalten der Klient*innen und der Fachkräfte, finden sich in dieser dritten Auflage wieder, jedoch in einer gänzlich anderen Zusammenschau, die sich auch im Aufbau abzeichnet.

Nach einer behutsamen Einführung durch den Autor im ersten Kapitel, steht das zweite Kapitel unter der grundsätzlichen Fragestellung zu Zwangskontexten und es werden die Initiativen zu Kontaktaufnahmen unter den Aspekten von Netzwerken und gesetzlichen Rahmenbedingungen beleuchtet.

Daraufhin werden im dritten Kapitel Annahmen und Haltungen über methodisches Handeln erörtert und – das scheint der große Verdienst dieser neuen Auflage – es erarbeitet Zobrist in breiter Durchsicht von Fachliteratur methodische Prinzipien, die er als „ABC in Zwangskontexten“ stilisiert. Damit meint er nicht ein linear gedachtes Abhandeln von wichtigen Prinzipien, ganz im Gegenteil betont er die wechselseitige Durchdringung, wie der Begriff der Triangulation in ähnlicher Weise vermittelt: So sei Auftrags- und Rollenklärung – „A“ - als ein ständiger Prozess im Verlauf und nicht nur zu Beginn einer Beziehungsgestaltung zu verstehen. Die Auslotung der Motivation – „B“ - sowohl der KlientInnen als auch der Auftragsgebenden als auch der Fachkräfte selbst, ist nicht ein Moment für sich, sondern wird in Kontext zur Beziehungsgestaltung in Zwangskontexten – „C“ - gesehen.

Dieses Aufzeigen der Bedeutung von Auftragsklärung im 4. Kapitel, von Motivation im 5. Kapitel und von Beziehungsgestaltung im 6. Kapitel, gelingt sehr gut durch Einbeziehung wichtiger Theoriemodelle über Motivation und auch durch Befassen mit Reaktanz und Widerstand und nicht zuletzt mit dem Begriff der Beziehungsdynamik.

Immer wieder verweist der Autor auf die Wechselwirkung dieser Themen und darüber hinaus im Fazit auf sozialpolitische Rahmenbedingungen und weitere Kontexte.

Diskussion

Dem Autor gelingt es in einem leserfreundlichen Stil, eine breite Fachliteratur einzubeziehen und diese mit einer ansehnlichen Menge an Beispielen aus der Praxis nachvollziehbar zu machen. Hier macht sich wohl die eigene Praxiserfahrung des Autors als Sozialarbeiter als auch als Dozent an der Hochschule Luzern bemerkbar und seine langjährige Beschäftigung in Forschung und Lehre mit diesem Thema.

Das Buch eignet sich hervorragend für die Lehre in der Sozialen Arbeit und für in der Praxis Tätige, die sich in einschlägiger beruflicher Situation befinden und zur ständig nötigen Reflexion hilfreiche Literatur heranziehen wollen.

Als Rezensent, der nicht nur in seiner Studienzeit mit Begeisterung die Theorien von Paul Watzlawick und anderen, systemische Kommunikationstheorie Lehrenden, angewendet hat, freut es, dass die so wichtige Erkenntnis über die Wechselwirkungen von Beziehungs- und Inhaltsaspekten in der Interaktion sich in diesem Werk abzeichnen.

Fazit

Patrick Zobrist gelingt in diesem Buch eine besondere Zusammenschau auf die Thematik der Sozialen Arbeit in Zwangskontexten, indem er sich auf die wechselseitige Durchdringung der Auftrags- und Rollenklärung mit der Beachtung der Motivation von Auftrag gebenden Einrichtungen, von Fachkräften und Klientinnen und Klienten, als auch mit der Beziehungsgestaltung und deren Dynamiken beschäftigt. Er dosiert die Kapitel ausgewogen mit aktuellen Forschungsergebnissen und beispielhaften Praxisberichten in einem behutsamen, leserfreundlichen Stil.


Rezensent
Dipl. Sozialarbeiter Bernhard Lehr
Lehre und Forschung an der FH Campus Wien Department Soziale Arbeit, besonders auch in den Bereichen der Straffälligenhilfe und Methoden im Zwangskontext.
Freiberuflich in Supervision und Fortbildung tätig. Vorstandsmitglied bei ASYS, Arbeitskreis für systemische Sozialarbeit, Beratung und Supervision
Homepage www.asys.ac.at
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Zitiervorschlag
Bernhard Lehr. Rezension vom 10.08.2017 zu: Patrick Zobrist, Harro Dietrich Kähler: Soziale Arbeit in Zwangskontexten. Wie unerwünschte Hilfe erfolgreich sein kann. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2017. 3., vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-497-02694-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22555.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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