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Hans Jürgen Beins, Rudolf Lensing-Conrady u.a.: Von Sinnen (Meetings, Workshops, Konferenzen)

Cover Hans Jürgen Beins, Rudolf Lensing-Conrady, Guido Wolf: Von Sinnen. Impulse und Interventionen für Meetings, Workshops, Konferenzen - Ein Methodenbuch. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. 128 Seiten. ISBN 978-3-8080-0790-7. D: 18,80 EUR, A: 19,40 EUR, CH: 30,50 sFr.
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Thema

Die „Sinne“ anregen und so „Sinn“ finden.

Das vorliegende Buch setzt sich auf eine sehr persönliche Art und Weise mit der professionellen Gestaltung von Meetings auseinander.

Autoren

Hans Jürgen Beins, Rudolf Lensing-Conrady und Guido Wolf arbeiten seit ca. 30 Jahren mit Menschen zusammen. In ihrem Sportlehrerstudium wurde ihnen unter anderem vermittelt, welche Ausdrucksmöglichkeiten in der Bewegung stecken. Sie bieten Trainings, Workshops, Seminare an und unterstützen Konferenzen mit den unterschiedlichsten Interventionen.

Beins und Lensing-Conrady haben ihre Kenntnisse besonders im Bereich der Psychomotorik mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weiterentwickelt.

Guidi Wolf hat als Kommunikationswissenschaftler promoviert und leitet in Bonn das Institut für Consulting, Training und Management Support.

Entstehungshintergrund

Die Entstehung dieses Buches ist eng verknüpft mit dem Erfahrungshorizont der drei Autoren. Sie orientieren sich an der Erkenntnis, dass das Entdecken von „Sinn“ und das direkte Erleben von Wahrnehmungseindrücken in enger Verbindung zueinander stehen.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Es handelt sich um ein Methodenbuch mit einem kurzen theoretischen Input zum Einstieg und im Nachwort.

Im Anschluss an die Gebrauchsanleitung folgen praktische Methoden und Spielformen, insgesamt 55, die untergliedert sind in die Art und Weise des Materialaufwandes. Die Interventionen sind in übersichtlicher und identischer Gliederung dargestellt und werden mit mindestens einem aussagekräftigen Foto ergänzt.

Jeweils nach der Überschrift folgt eine Auflistung der wesentlichsten Merkmale einer Methode:

  • Teilnehmerzahl
  • Organisationsform
  • Zeitrahmen
  • Ort
  • Material
  • Schwerpunkt
  • Charakteristik
  • Positionierung

Daran schließt sich die eigentliche Beschreibung der Methode an:

  • Wie geht´s?
  • Variationen
  • Was kommt heraus?
  • Wozu?

Es folgen die einzelnen Kapitel, hier nur mit beispielhaften Unterpunkten:

Mit vollem Einsatz – ohne Material

10 Spielformen die Anregungen geben wie Menschen in Gruppen miteinander in Kontakt kommen, ohne dass besondere Materialien erforderlich sind.

  • Umrundungen
  • Einsam und Gemeinsam
  • Das Wesen (beispielhaft umfassender dargestellt)

Diese Spielform ist für eine Gruppe von 4 bis 25 Personen geeignet. Es ist kein Material erforderlich, als Ort sollte ein freier Raum oder ein Außengelände ohne Hindernisse gewählt werden. Diese Intervention ist ruhig und achtsamkeitsfördernd und kann zum Einstieg oder Ende gewählt werden. Sie eignet sich auch als aktive Pause.

Alle Teilnehmer verteilen sich im Raum und schließen die Augen. Ein Teilnehmer wird von der Seminarleiterin als Wesen bezeichnet. Das Wesen ist blind und stumm. Nun bewegen sich alle und fragen sich beim Zusammentreffen „Bist du das Wesen?“ In der Regel ist die Antwort nein. Trifft man jedoch auf das Wesen bekommt man auf seine Frage keine Antwort. Die Beiden koppeln sich aneinander (halten sich an der Hand) und gehen gemeinsam als Wesen durch den Raum. So geht es weiter bis alle verbunden sind. Der Seminarleiter kann helfen, indem er darauf hinweist, dass das Wesen dort ist, wo es still ist.

Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer wird auf die Stille hin ausgerichtet. Das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe wird gestärkt.

Mit Alltagsmaterialien

Tageszeitungen und Wäscheklammern, Zollstöcke oder Teppichfliesen unterstützen kreatives Miteinander.

  • Ohne Worte
  • Hausbau
  • In Balance

MiniMar – Minimaler Materialaufwand

Materialen die meist in Seminarräumen zu Verfügung stehen und einige Spielmaterialien wie ein Kartenspiel, Luftballons und Tischtennisbälle ermöglichen Interventionen ohne lange Vorbereitungszeit.

  • Die heiße Kartoffel
  • Der Wackeltisch
  • Die Ballon-Wette

Spezielles Material

Spezielle Utensilien die in der Erwachsenbildung nicht so bekannt sind, eröffnen durch ihren Einsatz neue Möglichkeiten, erfordern aber auch einen Seminarleiter der über Erfahrungen verfügt.

  • Schattenbaukasten
  • Murmelbahnvariationen
  • Kooperation im Gleichgewicht

Drei Beispiele mit ausführlicher Moderation

  • Prozesskette
  • Ei-Protect
  • Assemblage

Nach dem praktischen Teil folgt eine Betrachtung des „Sinn“ und der „Sinne“ aus der physiologischen und der geisteswissenschaftlichen Perspektive.

Sinn“ und „Sinne“ aus physiologischer Sicht

Physiologisch gesehen verfügt der Mensch über sieben Sinne

  1. der Gleichgewichtssinn ( vestibuläre Wahrnehmung)
  2. der Bewegungssinn (kinästhetische/ propriozeptive Wahrnehmung)
  3. der Haut- oder Tastsinn (taktile Wahrnehmung)
  4. der Geschmackssinn (gustatorische Wahrnehmung)
  5. der Gehörsinn (auditive Wahrnehmung)
  6. der Geruchsinn (olfaktorische Wahrnehmung)
  7. der Sehsinn (visuelle Wahrnehmung)

Die Wahrnehmungsleistungen sind individuell sehr unterschiedlich. Sie werden durch vielfältige Faktoren beeinflusst. Die Qualität der Wahrnehmung bestimmt, wie Menschen reagieren, kommunizieren und sich mit sich selbst und der Umwelt auseinandersetzen. Es ist von großer Bedeutsamkeit, inwieweit es gelingt, Wahrnehmungen nicht nur zu empfinden, sondern auch auszusondern. Der Mensch kann nicht in jeder Situation auf alles, was er sieht, hört, fühlt, schmeckt und riecht achten und es entsprechend bewerten und einordnen. Diskrimination der Eindrücke ist eine wichtige Fähigkeit, die es ermöglicht sich auf das zu konzentrieren, was gerade im Fokus unserer Tätigkeit steht.

Wahrnehmung ist immer subjektiv, Selbst- und Fremdwahrnehmung weichen häufig voneinander ab.

Sinn“ aus geisteswissenschaftlicher Sicht

In diesem kurzen Abschnitt des Buches beziehen sich die Autoren überwiegend auf den Ansatz des Österreichers Alfred Schütz (1899-1959) dessen Werk auch in den Literaturhinweisen aufgeführt wird. Nach Schütz wird Sinn vom Menschen konstruiert. Situationen und Handlungen werden erlebt und reflektiert und gelangen so in das Bewusstsein. Die Suche nach dem „Sinn“ bildet einen Knotenpunkt für Handlungsentwürfe von Menschen, die in Organisationen über grundlegende Orientierungen reflektieren. Gemeinsame Werte oder neue strategische Ausrichtungen können durch bewusste Wahrnehmung der physiologischen Sinne entdeckt werden. „Sinn“ wird durch die „Sinne“ entdeckt ist die These der Autoren.

Literaturhinweise und Tipps zum Erwerb der Materialien, sowie Kontaktdaten der Autoren runden das Buch ab.

Diskussion

Ein Methodenbuch voll mit anregenden Ideen, die Organisationen bei der „Sinn-Suche“ unterstützen. Eine Suche, die versucht, durch das Ansprechen der „Sinne“, „Sinn“ entstehen zu lassen. Spielformen, die in der Welt der Meetings und Konferenzen eher ungewöhnlich erscheinen, bewirken, dass Menschen ins Gespräch kommen und zum Beispiel darüber nachdenken, welche gemeinsamen Werte bestehen. Macht es „Sinn“ Veränderungen oder Maßnahmen durchzuführen? Gemeinsame Erlebnisse helfen bei den Antworten.

Es ist den drei Autoren gelungen ihre Erfahrungen aus der Psychomotorik und der Organisationsentwicklung mit der Praxis zu verknüpfen. Es macht Freude das Buch durchzublättern und die Impulse vorab gedanklich durchzuspielen. Die gute Gliederung hilft schnell, die passende Spielform zu finden. Die Fotos sind motivierend und unterstützend und helfen bei der Vorstellung, dass solche „Spiele“ mit Erwachsengruppen durchführbar sind.

Die Zusammenführung von Coaching und Psychomotorik ist gut gelungen. Der minimale theoretische Input und die klar strukturierten Praxis Tipps motivieren zum direkten ausprobieren. Neulinge im Bereich der Psychomotorik können sich anhand der Literaturliste weiterbilden und erhalten gleichzeitig Informationen, wo spezielles Material erhältlich ist. Der interessierte Leser erhält die Möglichkeit, ohne komplizierte Recherche, zur Kontaktaufnahme mit den Autoren durch die Angaben von Anschrift, Telefon, Fax und E-Mail Daten. Es ist deutlich zu spüren, dass die Autoren hinter den von ihnen dargestellten Impulsen stehen.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Menschen, die innerhalb ihrer Organisation oder Gruppe nach neuen Perspektiven suchen, um sich gemeinsam auf „Sinnsuche“ zu begeben.

Fazit

Das vorliegende Buch leistet einen Beitrag zur Interdisziplinarität. Es beschreibt wie Interventionen, die ihren Ursprung in der Psychomotorik haben, auf Tagungen und in Seminaren eingesetzt werden können. Im Fokus der Ausführungen steht die Idee, mit Hilfe sinnlicher Wahrnehmungen die Suche nach „Sinn“ anzuregen. Da Handlungsplanung und individuelles Handeln es ermöglichen einen Zugang zum eigentlichen „Sinn“ zu finden, ist es bedeutsam viele Spielformen und Methoden zu kennen, um sie passgenau einsetzen zu können. Kleine und große Gruppen in professionellen Kontexten profitieren von den angeleiteten Erfahrungen und erhalten neue Impulse zur Weiterentwicklung.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 12.04.2017 zu: Hans Jürgen Beins, Rudolf Lensing-Conrady, Guido Wolf: Von Sinnen. Impulse und Interventionen für Meetings, Workshops, Konferenzen - Ein Methodenbuch. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. ISBN 978-3-8080-0790-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22579.php, Datum des Zugriffs 25.06.2018.


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