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Reinhilde Stöppler, Michael Kressin: Das pädagogische Puppenspiel

Cover Reinhilde Stöppler, Michael Kressin: Das pädagogische Puppenspiel. Theoretische Einführung und praktische Beispiele - auch für die inklusive Bildung. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. 192 Seiten. ISBN 978-3-8080-0783-9. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

Das Buch bietet eine theoretische Einführung in das pädagogische Puppenspiel an. Es wird besonders im Bereich der Praxisideen auf das Puppenspiel mit Klappmaulfiguren eingegangen.

Autorin und Autor

Frau Prof. Dr. Reinhilde Stöppler hat das Buch gemeinsam mit Herr Michael Kressin erstellt. Es handelt sich hier um eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis.

Frau Prof. Dr. Reinhilde Stöppler lehrt an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Das Spiel und das Puppenspiel bei Menschen mit geistiger Behinderung stellt einen Schwerpunkt ihrer Arbeit dar.

Herr Michael Kressin (Polizeihauptkommisar a.D.) ist Lehrbeauftragter für die Methode Puppenspiel an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er hat am Institut der Polizei für Aus- und Fortbildung PuppenspielerInnen ausgebildet.

Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde besonders auf die Bedeutung des Puppenspiels für die inklusive Bildung eingegangen.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer Gesamtschau der Geschichte des Puppenspiels von der Antike bis zur Neuzeit. Es wird auf die unterschiedlichen Formen des Puppenspiels, die pädagogische Bedeutung und die Handlungsfelder des pädagogischen Puppenspiels eingegangen. Im anschließenden Praxisteil findet der Leser neben konkreten Hinweisen zur Spielführung, ausgearbeitete Puppenspieler Skripte zu unterschiedlichen Themenfeldern.

Das Inhaltsverzeichnis gliedert sich in zwei Abschnitte:

  1. I Theoretische Aspekte des Puppenspiels
  2. II Praxisteil

Zu Teil I

Zu Teil I gehören 4 Kapitel mit entsprechenden Unterpunkten. Dieser Teil umfasst 40 Seiten des insgesamt 205 Seiten umfassenden Werkes.

  1. Geschichte des Puppenspiels
  2. Formen des Puppenspiels
  3. Pädagogische Bedeutung des Puppenspiels
  4. Handlungsfelder und Inhalte für das pädagogische Puppenspiel

Bereits in der Antike war das Puppenspiel in Griechenland bekannt und beliebt. Ach in Asien ist schon früh das klassische Puppentheater zu finden. Immer handelt es sich jedoch um Spielformen für Erwachsene. Im Mittelalter entwickelte sich auf Jahrmärkten das Spiel der Gaukler. Besonders in England reisten Puppenspieler durch das Land und spielten auch auf Schlössern. In Deutschland findet man reisende Puppenspieler ab dem 16. Jahrhundert. Einen erneuten Auftrieb erlebte das Puppentheater im 19. Jahrhundert, in der Zeit der Romantik. Besonders das Marionettentheater vermittelte Zugang zu Inhalten aus der Literatur. 1928 wurde in Sachsen die „Hohnsteiner Puppenbühne“ gegründet. Die handgeschnitzten Kasperlepuppen sind noch heute unverändert.

Aktuell erfährt das Puppenspiel einen erneuten Aufschwung und wird gezielt auch als pädagogisches Medium eingesetzt, so unter anderem auch in der Präventionsarbeit der Polizei.

Das Buch gibt neben der geschichtlichen Entwicklung auch einen Einblick in die Veränderung der künstlerischen Wertigkeit des Puppenspiels.

Es werden unterschiedliche Formen kurz erläutert:

  • Handpuppen
  • Marionetten
  • Stabpuppen
  • Schattenspiel

Zu Teil II

Teil II beansprucht den größten Teil des Buches.

In zwei Kapitel untergliedert, werden praktische Anleitungen gegeben.

5. Tipps und Tricks zur Führung von Klappmaulfiguren

  1. Grundlagen
  2. Blickkontakt
  3. Bewegung des Klappmauls
  4. Stimme Spielerin
  5. Einfrieren einer Szene
  6. Sonstige Hinweise
  7. Besonderheiten bei Menschen mit geistiger Behinderung

Das 5. Kapitel des Buches bezieht sich auf Hilfen für das Puppenspiel mit Klappmaulfiguren. Es sind viele Aspekte zu beachten die grundlegend für die nachfolgenden Beispielszenen in Kapitel 6 sind. So wird zum Beispiel die Bedeutung des Blickkontaktes erläutert. Die Handpuppe nimmt Blickkontakt zum Publikum auf und der Puppenspieler schaut die Puppe an. Er agiert nie als eigene Person und schaut das Publikum auch nicht als solche an. Die Puppe ist das Medium, mit dem er mit den Zuschauern kommuniziert.

Leichte Sprache ist für alle Menschen besser verständlich, aber für Menschen mit Lernschwierigkeiten ist sie besonders wichtig. Die Anwendung der Leichten Sprache hilft beim Zuschauen und Verstehen. Das Buch gibt hier gute Beispiele.

6. Praxisideen/- vorschläge für das (inklusive) pädagogische Puppenspiels

  1. Allgemeine Hinweise zur Durchführung von Praxisideen
  2. Mobilitäts- und Verkehrserziehung
  3. Gesundheitsförderung
  4. Sozialerziehung

Im letzten Kapitel findet der Leser konkrete Spielszenen mit ausformulierten Dialogen für den Erzähler und die einzelnen Figuren.

Beispielstücke zum Thema Mobilitäts- und Verkehrserziehung:

  • Als das Alpaka die Straße überquerte
  • Finn und das komische Zebra
  • Eine abenteuerliche Busfahrt
  • Auf Knopfdruck grün

Beispielstücke zum Thema Gesundheitsförderung:

  • Oma kann es nicht lassen
  • Lisa besiegt ihre Angst
  • Ich will das nicht

Beispielstücke zum Thema Sozialerziehung

  • Gewusst wie!
  • Seitenwechsel
  • Waldspaziergang

Diskussion

Der Theorieteil des Buches ist kurz und dennoch umfassend. Sehr interessant ist es, die Geschichte des Puppenspiels kennenzulernen. Auch die Vorstellung der unterschiedlichen Arten des Puppenspiels hilft, sich in die Thematik hineinzudenken. Der Fokus des Buches liegt klar in der praktischen Anwendung des Spiels mit Klappmaulfiguren. Umso wichtiger ist es, dass das Buch einen kurzen Überblick über die Bandbreite des Puppenspiels anbietet. Dies ermöglicht dem Leser, Interessen auch für andere Bereiche, zum Beispiel für das Schattenspiel, zu entwickeln und sich dann dazu entsprechende Literatur zu suchen. Eine Literaturliste ist am Ende des Buches zu finden.

Die praktischen Beispiele zum Führen von Klappmaulfiguren sind sehr hilfreich und auch unabhängig von den ausgearbeiteten Spielstücken anwendbar.

Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Möglichkeiten die komplett ausgearbeiteten Szenen anbieten. Die klaren Vorgaben helfen unerfahren Spielern ins Spiel zu kommen und geben erfahreneren Spielern Impulse für die Ausarbeitung eigener Stücke.

Puppenspiel ist ein sehr weites Themengebiet und kann unter kulturellem, künstlerischem, pädagogischen und therapeutischen Blickwinkel beleuchtet werden. Den Autoren ist es gelungen, sich trotz der Vielfalt zu fokussieren und ein Werk für die Praxis des pädagogischen Puppenspiels zu schaffen.

Fazit

Frau Prof. Dr. Reinhilde Stöppler und Herr Michael Kressin haben das vorliegende praxisorientierte Fachbuch gemeinsam erstellt. Es finden sich wesentliche theoretische Grundlagen und umfassende praxisorientierte Beispiele. Das Buch fokussiert auf das Puppenspiel mit Klappmaulfiguren und bietet neben Tipps zur Spielführung konkret ausgearbeitete Spielszenen an.

Das Buch ist für empfehlenswert für Fachleute, die sich über die Möglichkeiten des Puppenspiels informieren wollen, für Menschen die gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen pädagogische Themen spielerisch erarbeiten möchten und für alle Menschen die Freude am Puppenspiel mit Klappmaulfiguren haben.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 20.09.2017 zu: Reinhilde Stöppler, Michael Kressin: Das pädagogische Puppenspiel. Theoretische Einführung und praktische Beispiele - auch für die inklusive Bildung. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2017. ISBN 978-3-8080-0783-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22581.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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