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Maja Roedenbeck Schäfer: Recruiting to go für Sozial- und Pflegeeinrichtungen

Cover Maja Roedenbeck Schäfer: Recruiting to go für Sozial- und Pflegeeinrichtungen. Sofort umsetzbare Ideen, Tipps und Tools zur zeitgemäßen Personalgewinnung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2017. 144 Seiten. ISBN 978-3-8029-7563-9. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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Autorin

Maja Roedenbeck Schäfer, Jahrgang 1976, studierte Anglistik und Publizistik und ist ausgebildete Hörfunkredakteurin. Seit 2011 leitet sie hauptberuflich die Kampagne „SOZIALE BERUFE kann nicht jeder“ der Diakonie Deutschland. Als Dozentin zum Thema Recruiting und Personalmarketing ist sie unter anderem für die Quadriga-Hochschule und die Bundes- und Führungsakademien für Kirche und Diakonie tätig. Zudem bloggt sie auf einem entsprechenden Portal.

Entstehungshintergrund

Nach Angaben des Verlages ist der kompakte Praxisratgeber der ideale Begleiter für gestresste Personaler. Er ermöglicht kurzweiliges Nachlesen, ohne von zu viel Theorie erschlagen zu werden und Beispiele, Musterformulierungen, Abbildungen und Interviews mit Praktikern zeigen, wie es geht. Die konkreten Tipps zum Soforteinsatz sollen unmittelbare Erfolgserlebnisse bringen. Ziel ist es, das folgende Themen sich einem Personalverantwortlichen in Sozial- und Pflegeeinrichtungen schnell erschließen: Bewerberbedürfnisse verstehen, Onepager, Microsites oder Karriereblogs aufbauen, Stellenanzeigen aufpolieren, versteckte Bewerber finden, mögliche Kandidaten in sozialen Netzwerken direkt ansprechen, Big Data nutzen sowie niederschwellige Bewerbungsmöglichkeiten anbieten. Letztlich sollen die umfangreichen Anforderungen an Personalbeschaffer, um in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter zu gewinnen, auch mit Hilfe der sozialen Medien gemeistert werden.

Aufbau

In zehn Kapiteln entwickelt die Autorin die Thematik, hinzu kommen je ein Kapitel über „Quellen und weiterführende Links“ und ein „Stichwortverzeichnis“. Viele Beispiele, Erfahrungsberichte, QR-Code und farbige Abbildungen machen die Publikation sehr anschaulich.

Inhalte

„Einführung zum Buch“. Leider beginnt das Buch direkt mit einem Urteil: „Es tut sich was – aber längst noch nicht genug“ heißt die Einleitung. Locker und flockig im Ich-Stil geschrieben, ähnelt dieses Vorwort, so lautet die Marginalie im Kopfsteg, mehr einer Kolumne als einer Sachdarstellung. Dann gibt es einige eher technische Hinweise zu URLs, QR und behandelten Begriffen.

1 „Recruiting statt Personalarbeit“. Zunächst wird, auch anhand eines Blogs für Recruiting-Trends beschrieben, was ein guter Recruiter kann. Dann berichtet die Autorin aus ihrer Erfahrung bei der Diakonie, warum niemand mehr Bewerbungen schreibt. Am Schluss gibt es dann einige „Best Cases“.

2 „Niederschwellige Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und Bewerbung“. In diesem umfangreicheren Kapitel wird letztlich auf unterschiedliche Instrumente des Personalmarketings eingegangen. Bedürfnisse, Bewerberbindung, Events, One Click-Bewerbung, auch per Smartphone und Tablet, Chat Bewerbungen und Mitarbeiter werben Mitarbeiter.

3 „Weitere Trendthemen im Recruiting“. Ob es sich um Trends handelt, mag dahingestellt bleiben. Aber die Themen sind durchaus relevant, zum Beispiel Bewertungsportale für Arbeitgeber, Matching-Tools (wobei man nicht über den mehr als 100 Jahre alten Ansatz von Parsons hinwegkommt), Big Date und Fachkräfte aus dem Ausland; letzteres gerade in der Gesundheitswirtschaft wichtig.

4 „Zeitgemäße Karrierewebseiten“. Wahrscheinlich hat ja die Homepage die klassische Stellenanzeige in den Printmedien weitgehend abgelöst. Insofern sind die Hinweise wie Webseite abspecken, Karriere deutlich hervorheben und ausgliedern oder dem Thema eine ausführliche Inhaltsrubrik widmen, wichtig.

5 „Zeitgemäße Stellenanzeige“. Hier kommt sie noch, aber wesentlich in ihrer Bedeutung gesunken. Geschildert werden der Erfolg mit ungewöhnlichen Anzeigen, Inhalte wie Jobtitel, Einleitungstext, Aufgabenbeschreibung, Anforderungsprofil und Extras sowie aufmerksamkeitsstarke Bilder und das Happy End. Interessant ist, dass die Autorin nicht weniger als elf richtige Kanäle zur Verbreitung nennt.

6 „Personalmarketing in sozialen Netzwerken“. Angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit wundert es schon, dass die Autorin hinter Facebook & Co. das Fragezeichen Zahnlose Tiger? setzt. Was dann, fragt man sich verwundert, zumal die „Nachwuchswerbung mit modernen Social Media Instrumenten“ gerade einmal eine halbe Seite in Anspruch nimmt und sich nur Instagram widmet.

7 „Aktive Kandidatensuche und Direktansprache“. Wir verbleiben im Personalmarketing und widmen uns jetzt der Kaltakquise, dem Scouting und den Methoden der richtigen Ansprache von Kandidaten.

8 „Bewegtbild im Recruiting“. Hier geht es jetzt auf wenigen Seiten um Video-Formate und deren Gestaltung.

9 „Strategie: Womit fangen wir an, wo gehen wir hin?“. An sich würde man dieses Kapitel am Anfang erwarten, aber es ist auch so in Ordnung: Schritt für Schritt zu einem zeitgemäßen Recruiting, Erfolgsmesszahlen und das Recruiting von Morgen sind die Themen.

Es folgen noch eine bebilderte Autorenvorstellung, Quellen und Links sowie ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Im YouTube-Interview zum Buch sagt die Autorin, dass Bewerber eine Liefermentalität hätten, den Job wie eine Pizza nach Hause geliefert bekommen möchten und Firmen daher zum Beispiel auf Anschreiben verzichten sollten. Auch die 55jährige Hausfrau sollte erzogen werden, sich in den sozialen Medien zu tummeln, damit der Recruiter sie finden kann. Brave new world! Die Dystopie von Aldous Huxley wird hiermit locker getoppt: Konditionierung durch permanente Bedürfnisbefriedigung – oder wir holen den Bewerber dort ab, wo er steht.

In den Zeiten der klassischen Personalbeschaffung war es das Gütekriterium, möglichst passende Bewerber zu finden („best fitting“), jetzt geht es augenscheinlich darum, möglichst viele Bewerber anzulocken. Jetzt gibt es das „Recruitainment“, sowie es seit Jahren das »Edutainment« gibt: Bildung, Lernen und Beruf als Event, als Ort zur Selbstverwirklichung, „life has to be fun“. Vielleicht sollte man bei aller Euphorie über die Möglichkeiten der »neuen Medien« auch einmal die damit verbundenen ethischen Implikationen bedenken, einmal darüber nachdenken, dass Kerschensteiner den Beruf als „Schnittpunkt von Mensch und Gesellschaft“ ansah und Arbeit keine Freizeitveranstaltung ist, die an ihrem Eventlevel gemessen wird.

Man muss sich wohl daran gewöhnen, dass nicht mehr wissenschaftlich fundierte Analysen oder zumindest sorgfältig recherchierte Artikel Tatbestände beschreiben, sondern Blogger und sonstige Meinungsführer in der „postfaktischen Zeit“ bestimmen, welche Einstellungen sich entwickeln.

Fazit

Das Buch, klein und handlich, will ein Ratgeber sein und ist es auch. Theoretische Reflexionen fehlen weitgehend; es geht um das Wie und nicht um das Warum. Der journalistische Schreibstil ist leicht zu lesen und verständlich; allerdings differenziert die Autorin nicht sauber zwischen der Sachdarstellung und eigenen Kommentaren sowie Werturteilen.

Betrachtet man nur die „tools“, die dieses Buch bietet, dann sind diese auf dem neuesten Stand, umfänglich und sehr anschaulich dargestellt. Hier gebührt der Autorin großes Lob und zur Arrondierung der „toolbox“ eines erfahrenen Personalbeschaffers ist das Buch gut geeignet.

Erhebliche Zweifel aber bleiben, ob eher unerfahrene Recruiter im Gesundheits- und Sozialwesen hiermit tatsächlich passendes Personal beschaffen können. Denn was nutzt es sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, wenn vielen Interessenten die Tätigkeiten auf dem Servierbrett gereicht werden, sich die Arbeit selbst in der Palliativstation oder im Hospiz dann doch gar nicht als ein „funny event“ zeigt?


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 19.05.2017 zu: Maja Roedenbeck Schäfer: Recruiting to go für Sozial- und Pflegeeinrichtungen. Sofort umsetzbare Ideen, Tipps und Tools zur zeitgemäßen Personalgewinnung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2017. ISBN 978-3-8029-7563-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22583.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


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