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Helmut Wallrafen-Dreisow, Roland Weigel (Hrsg.): EFQM in Einrichtungen der Altenhilfe

Rezensiert von Prof. Dr. Michael Schmidt, 13.12.2005

Cover Helmut Wallrafen-Dreisow, Roland Weigel (Hrsg.): EFQM in Einrichtungen der Altenhilfe ISBN 978-3-17-018252-3

Helmut Wallrafen-Dreisow, Roland Weigel (Hrsg.): EFQM in Einrichtungen der Altenhilfe. Messen - bewerten - besser werden. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2004. 225 Seiten. ISBN 978-3-17-018252-3. 18,80 EUR.
Reihe: Kohlhammer PflegeManagement.

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Relevanz des Buches

Einrichtungen der Altenhilfe befinden sich seit einigen Jahren in einem nachhaltigen Modernisierungsprozess. Dieser Prozess kennzeichnet sich u.a. durch die im Kontext des SGB V, des SGB XI sowie des PQSG kontrovers geführten Diskussionen zu Ansätzen der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung.

Kostenträger, Einrichtungsträger, Entscheider und Mitarbeiter im Bereich der Altenhilfe sind verunsichert, welche Modelle des Qualitätsmanagements geeignet sind, eine Entwicklung sowie einen konstruktiven Dialog zwischen Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit langfristig zu sichern. Während einerseits der Versuch unternommen wird, Modelle aus dem Bereich der Privatwirtschaft zu implementieren, z.B. die DIN EN ISO 9001, das Modell der (EFQM) European Foundation for Quality Management (Business for Excellence) oder den Ansatz des Total Quality Management (TQM), werden andererseits von verschiedenen Trägern der Freien Wohlfahrtspflege individuelle Modelle entwickelt (z.B. das Diakonie-Siegel Pflege).

Helmut Wallrafen-Dreisow sowie Roland Weigel fokussieren in dem vorliegenden Buch das EFQM-Modell für Excellence, da es im Kern seiner Philosophie ein prozessorientiertes Qualitätsmodell darstellt, das alle Bereiche einer Organisation in die Entwicklung und Sicherung von Qualität einbezieht. Auf Grund seines ganzheitlich ausgerichteten Grundkonzeptes ermöglicht es eine dauerhaft auf Qualität ausgerichtete Entwicklung aller Prozesse und Teilbereiche einer Organisation.

Herausgeber

  • Helmut Wallrafen-Dreisow (Jahrgang 1956) ist staatl. anerkannter Altenpfleger. Er war stellv. Leiter an einem Fachseminar für Altenpflege sowie stellv. Leiter des Pflegereferates bei der Senatsverwaltung Berlin. Seit 1996 ist er Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH.
  • Roland Weigel (Jahrgang) 1963 ist Diplom-Sozialwissenschaftler. Er war Gründungsgeschäftsführer des "Generationen Bildungswerk der Grauen Panther" in Essen und ist seit 1993 Mitgesellschafter und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Konkret Consult Ruhr GmbH.

Helmut Wallrafen-Dreisow und Roland Weigel haben in dem vorliegenden Buch Aufsätze verschiedener Autoren thematisch zusammengefasst. Sie wollen mit dem vorliegenden Buches dazu beitragen, Altenhilfeeinrichtungen zu unterstützen, Strukturen und Prozesse herauszubilden sowie Kunden mit ihren Anforderungen in das Zentrum ihrer Dienstleistung zu stellen. Weiterhin sollen das thematische Wechselspiel und die gegenseitige Abhängigkeit von Organisations- und Personalentwicklung beschrieben sowie Hilfen zur Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen gegeben werden.

Aufbau ...

Das vorliegende Buch setzt sich mit dem theoretischen Konzept sowie mit der praktischen Anwendung des EFQM-Modells im Bereich der Altenhilfe auseinander. Hierbei soll es denjenigen Unterstützung bieten, für die Reogarnisation und Kundenorientierung nicht nur Schlagworte sind, sondern die die Notwendigkeit von Entwicklungen des Qualitätsmanagements über die gesetzlichen Vorgaben hinaus erkannt haben.

Das vorliegende Buch ist hierzu in 11 Kapitel untergliedert:

  1. Organisations- und Pflegepraxis im Wandel - Wie viel Organisation braucht eine Organisation?
  2. Qualitätsmanagement mit dem EFQM-Modell für Excellence - Philosophie, Geschichte und Schritte zur Excellence.
  3. Qualitätsentwicklung und Benchmarking - Kosten und Nutzen des Qualitätsmanagements.
  4. Lernen von guten Ideen und Lösungen - Benchmarking mit dem EFQM-Modell.
  5. Nachweisorientierung mit der RADAR-Matrix.
  6. Messen mit System - Kunden und Mitarbeiter befragen.
  7. Transparenz der Schlüsselergebnisse: Ergebnisse verdichten, strategisch planen - Betriebskostenanalyse und Balance Scorecard mit dem EFQM Modell.
  8. Selbstbewertung und Potenzialanalyse: Stärken und Verbesserungsbereiche ermitteln, Aktionspläne erstellen.
  9. Umsetzungsstrukturen im EFQM.
  10. Umsetzungscontrolling und Wirksamkeitsprüfung.
  11. Integriertes Qualitätsmanagement mit dem EFQM-Modell - Selbstbewertung mit MDK-Prüfkriterien.

... und Überblick über den Inhalt

  1. Im ersten Kapitel führt Helmut Wallraffen-Dreisow in die Fragstellung des Buches ein und begründet den thematischen Aufbau.
  2. Im zweiten Kapitel stellt Edeltraud Vomberg das EFQM-Modell pointiert vor. Sie legt dabei besonderen Wert darauf, einen Einblick in die Entstehung und Philosophie des Modells sowie in seine Konstruktion als Selbstbewertungsansatz zu gewähren.
  3. Stephan v. Bandemer und Anja Sophia Middendorf befassen sich im dritten Kapitel mit Kosten und Nutzen des Qualitätsmanagements. Sie setzen dabei die angestrebte Entwicklungsstufe eines umfassenden Qulitätsmanagements in Relation zu den Aufwendungen und Effekten. Die bereits im zweiten Kapitel beschriebenen Grundkonzepte werden hier nochmals aus einer anderen Perspektive betrachtet.
  4. Im vierten Kapitel vernetzt Roland Weigel den Ansatz des Benchmarkings mit dem EFQM-Modell. Das Vorgehen des Benchmarkings stützt sich hierbei auf mehrere Instrumente des EFQM-Modells, die systematisch verbunden werden. Weiterhin weist Roland Weigel darauf hin, dass das EFQM-Modell durchaus in der Lage ist, andere Ansätze, z.B. den der DIN EN ISO 9000, zu integrieren.
  5. Roland Weigel setzt die Nachweisführung der erbrachten Dienstleistungsqualität im fünften Kapitel durch die Beschreibung der RADAR-Bewertungssystematik fort. RADAR steht dabei für die Begriffe Results, Approach, Deployment und Assessement. Diese auf den von Edward Deming bereits in den 50er-Jahren entwickelten PDCA-Zyklus (plan, do, check, act) zurückgehende Systematik ermöglicht eine Bewertung der Ergebnisse, der Planungsprozesse sowie der Umsetzungsmaßnahmen eines Unternehmens.
  6. Während in den Kapiteln 4 und 5 ausgeführt dargelegt wird, dass Handlungsorientierung auf messbaren Ergebnissen basieren muss, befasst sich Andreas Born im sechsten Kapitel mit der Ermittlung von Ergebnissen. Er identifiziert hierbei Instrumente zur Mitarbeiter- und Kundenbefragung sowie der Sammlung relevanter ökonomischer Kennziffern im Sinne einer Betriebsdatenanalyse.
  7. Im siebten Kapitel erweitert Jürgen Schulz die Betrachtung der bereits im sechsten Kapitel beschrieben Betriebsdatenanalyse. Weiterhin stellt er die Balanced Scorecard (BSC) als wichtiges Instrument zur Bündelung der Ergebnisse aus Mitarbeiter- und Kundenbefragung sowie der Betriebsdatenanalyse vor. Jürgen Schulz weist darauf hin, dass die BSC über die Sammlung verschiedener finanzieller und nicht-finanzieller Kennzahlen hinaus genutzt werden kann. Die BSC ist auch ein Instrument, das dem Management ermöglicht, Strategien der Unternehmensentwicklung zu erarbeiten und umzusetzen.
  8. Ein wesentliches Element des EFQM-Modells besteht in der Selbstevaluation der beteiligten Akteure. Jochen Schneider beschreibt im achten Kapitel, wie eine Organisation befähigt werden kann, sich konstruktiv einer Selbstevaluation zu unterziehen.
  9. Im neunten Kapitel verdeutlicht Thomas Risse, wie das EFQM-Modell in einer Organisation umgesetzt werden kann. Er bezieht sich hierbei auf das Konzept der lernenden Organisation und greift den bereits von Roland Weigel im fünften Kapitel angesprochenen PDCA-Zyklus nochmals auf.
  10. Im zehnten Kapitel befasst sich Sabine Scholl nochmals mit der Überprüfung der durchgeführten Maßnahmen - diesmal unter der Überschrift Umsetzungscontrolling. Sie bezieht sich hierbei auf die bereits im zweiten Kapitel von Edeltraud Vomberg und im fünften Kapitel von Roland Weigel beschriebene RADAR-Systematik sowie auf die schon im siebten Kapitel von Jürgen Schulz beschriebene Balance Scorecard.
  11. Im elften Kapitel bildet Irene Mäurer die Klammer bezüglich des EFQM-Modells und der Qualitätskriterien des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Qualitätsentwicklung im Bereich der Altenhilfe unterliegt nicht nur der Betrachtung der Bewohner und Bezugspersonen, sondern auch den Maßstäben der Kostenträger. Gem. SGB XI sind Pflegeeinrichtungen verpflichtet, ein umfassendes Qualitätsmanagement zu implementieren. Die medizinischen Dienste der Krankenkassen sind vom Gesetzgeber beauftragt, externe Überprüfungen der Qualität vorzunehmen. Irene Mäurer beschreibt kurz und effektiv die externen Anforderungen gem. SGB XI sowie Möglichkeiten, Module des EFQM-Modells konstruktiv zur Erfüllung der MDK-Standards einzusetzen.

Zielgruppe des Buches

Helmut Wallrafen-Dreisow und Roland Weigel wenden sich mit dem vorliegenden Buch an Träger, Entscheider und Mitarbeiter im Bereich von Altenhilfeeinrichtungen, die mit dem Thema des Qualitätsmanagements befasst sind oder sein werden. Den Herausgebern ist dabei wichtig, Akteure anzusprechen, die ein über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehendes Interesse an einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Sicherung von Dienstleistungsqualität im Bereich der Altenhilfe haben.

Diskussion

Der Titel des Buches fokussiert zwei Themenbereiche: EFQM und Altenhilfe. Während Edeltraud Vomberg im zweiten Kapitel sehr pointiert den Ansatz Business for Excellence der European Foundation for Quality Management (EFQM) beschreibt, gestaltet sich die Übertragung des Ansatzes auf den Bereich der Altenhilfe in den weiteren Kapiteln eher etwas langatmig. Erst im letzen Kapitel greift Irene Mäurer die Fragestellung des Buches wieder konkret auf, indem sie das EFQM-Modell mit den MDK-Prüfkriterien zusammenführt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das vorliegende Buch seinem Anspruch, das EFQM-Modell auf den Bereich der Altenhilfe zu übertragen, nur bedingt gerecht wird. Es bietet jedoch einen nicht erwarteten und interessanten, wenn auch zuweilen thematisch etwas redundanten Ausflug zu anderen, wichtigen Fragestellungen aus dem Bereich des Qualitätsmanagements, wie z.B. Benchmarking, Balanced Scorecard, Mitarbeiter- und Kundenbefragung sowie Betriebsdatenanalyse.

Fazit

Das vorliegende Buch bietet für interessierte Praktiker im Bereich Sozialer Organisationen, die sich einen Überblick über Qualitätsmanagement unter besonderer Berücksichtigung des EFQM-Modells verschaffen wollen, mit Sicherheit wertvolle Anregungen.

Rezension von
Prof. Dr. Michael Schmidt
Diplom Pädagoge, Diplom Sozialpädagoge, TQM-Assessor DGQ, Coach (FH), Professor für Management und Organisation Sozialer Arbeit an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sowie Dozent an der Steinbeis Hochschule Berlin Leadership and Competencies
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Es gibt 12 Rezensionen von Michael Schmidt.

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Zitiervorschlag
Michael Schmidt. Rezension vom 13.12.2005 zu: Helmut Wallrafen-Dreisow, Roland Weigel (Hrsg.): EFQM in Einrichtungen der Altenhilfe. Messen - bewerten - besser werden. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2004. ISBN 978-3-17-018252-3. Reihe: Kohlhammer PflegeManagement. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2259.php, Datum des Zugriffs 17.07.2024.


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