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Detlev Michael Albrecht, Armin Töpfer (Hrsg.): Handbuch Changemanagement im Krankenhaus

Cover Detlev Michael Albrecht, Armin Töpfer (Hrsg.): Handbuch Changemanagement im Krankenhaus. 20-Punkte Sofortprogramm für Kliniken. Springer (Wiesbaden) 2017. 2. Auflage. 1080 Seiten. ISBN 978-3-642-20361-9. D: 89,95 EUR, A: 92,50 EUR, CH: 112,00 sFr.
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Thema

Es ist eine unbestrittenes Gebot des strategischen Managements, dass Unternehmen in anspruchsvollen und turbulenten Umwelten dauerhaft Flexibilität aufweisen müssen. Sie müssen über Veränderungsbereitschaft verfügen, um sich an die veränderlichen Anforderungen möglichst rasch anpassen zu können. Gleichzeitig sind Unternehmen auch darauf angewiesen, als Organisation hinreichend Sicherheit nach innen und außen zu vermitteln. Notwendig ist folglich ein stets zweckdienliches Maß an Stabilität und Wandel.

Gerade Krankenhäuser sind vor diese nicht leicht zu bewältigende Aufgabe gestellt, insbesondere in diesen Institutionen ist ein Change-Management gefragt, welches sowohl verlässliche Qualität als auch Anpassungsfähigkeiten im Blick hat.

Entstehungshintergrund

Detlev Michael Albrecht und Armin Töpfer möchten ein Handbuch für Führungskräfte in Kliniken vorlegen, welches hilft, Veränderungen schneller zu realisieren, Positionierungen gezielter vorzunehmen und das Haus nachhaltiger zu entwickeln. Der Sammelband liegt nunmehr in der zweiten, erweiterten Auflage vor.

Herausgeber

Detlev Michael Albrecht ist Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustaf Carus Dresden.

Armin Töpfer ist Chairman der Forschungsgruppe „Marktorientierte Unternehmensführung“ an der TU Dresden.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation beinhaltet 67 Beiträge in drei übergeordneten Teilen.

Teil 1 ist überschrieben mit „Erhöhte Steuerungsanforderungen an Krankenhäuser – Schwerpunkte und Erfolgsfaktoren im Krankenhaus der Zukunft“. Zunächst skizzieren die beiden Herausgeber Konsequenzen für das strategische und operative Management von Kliniken bei sich verändernden und verschärfenden Rahmenbedingungen. Im Anschluss daran umreißt Heinz Lohmann zukünftige Entwicklungslinien der Gesundheitswirtschaft und Krankenhauslandschaft.

Teil 2 beinhaltet das „20-Punkte Sofortprogramm für Kliniken“.

  1. Im Rahmen der Bewertung der Ausgangsituation widmen sich die beiden Herausgeber zunächst der Notwendigkeit einer umfassenden Sichtweise und besseren Akzeptanz durch kooperative Analysen.
  2. Im Kontext der Strategischen Ausrichtung von Kliniken für ein erfolgreiches Management schreibt Armin Töpfer zum Thema der strategischen Positionierung von Gesundheitseinrichtungen, Arjan Wildeboer, Victor Verrijp und Frans Jaspers informieren daraufhin zur Ausrichtung und Steuerung eines Universitätsklinikums in den Niederlanden. Das Heidelberger Modell eines ganzheitlichen Managements im Umfeld der Wettbewerber schildern anschließend Lutz Schneider, Thomas Simon, Moritz von Frankenberg und Markus Büchler. D. Michael Albrecht, Heinz Reichmann, Armin Töpfer, Steffen Silbermann und Anne Maertins widmen ihren Beitrag dem ökonomischen und nicht-ökonomischen Nutzen einer strategischen Ausrichtung für das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät Dresden.
  3. Zum Thema Kostentransparenz in den Prozessen als Hebel zur Kostensenkung schildern Armin Töpfer Konzepte zur Kostenanalyse und Kostensenkung, Harald Kothe die Kostenträger- und Prozesskostenrechnung im Krankenhaus und Irenäus A. Adamietz die Einführung der Prozesskostenrechnung im Rahmen eines Praxisberichts.
  4. Das Gebiet Qualität, Fehlerkosten und Wertorientiertes Management behandelt zunächst Armin Töpfer im Kontext der medizinischen und ökonomischen Bedeutung im Krankenhaus, Andreas Tecklenburg schildert daraufhin die Hochschulmedizin als Unternehmensrisiko.
  5. Im Feld Prozessorientierung und Lean Management beschreibt Armin Töpfer die Möglichkeiten der Analyse der Prozesslandschaft und Prozesssteuerung, Thomas Holler und Dieter Conen behandeln die Prozessorientierung im Zusammenhang mit der Analyse und Optimierung von Wertschöpfungsprozessen, Maria Eberlein-Gonska schreibt zur Optimierung der Prozessabläufe im Diagnostisch-Internistischen-Neurologischen Zentrum am Uniklinikum Dresden, Georg Gahn schildert die Entwicklung eines klinischen Pfades zur Schlaganfalltherapie, Michael Möllmann und Björn Büttner geben ein Beispiel für integriertes OP-Management anhand des St. Franziskus Hospitals in Münster, Jörg Risse thematisiert die Entwicklung eines Logistikkonzepts für ein Krankenhaus.
  6. Der Adressatenorientierung und -zufriedenheit sind drei Beiträge gewidmet. Armin Töpfer behandelt einführend die Konzeption und Messung der Zufriedenheit von Adressaten der Klinikleitung. Jürgen Weitz, Pauline Wimberger, Armin Töpfer und Frank Opitz präsentieren die Ergebnisse der Patientenbefragung am Universitätsklinikum Dresden, Heike Vogelbusch und Armin Töpfer beschließen diesen Abschnitt mit den Herausforderungen an das Entlassungsmanagement.
  7. Der Abschnitt Erreichung strategischer Ziele durch Partnerorientierung wird eingeführt von Armin Töpfer, der den Nutzen strategischer und operativer Partnerschaften aufzeigt. Die Ergebnisse der Einweiserbefragung am Universitätsklinikum Dresden schildern daraufhin Pauline Wimberger, Jürgen Weitz, Armin Töpfer und Britta Gabel. Nach einem Ausblick auf „OP der nahen Zukunft“ von Jochen Kaiser, Horst Frankenberger und Maic Regner gibt Wulf-Dietrich Leber einen Einblick in die Entwicklungstendenzen in der stationären Versorgung aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes, plädieren Rolf Steinbronn, Maryan Schemken, Ricardo Kuhrt und Martin Reuter für mehr „Regionalität“ in der Versorgung, Olaf Müller, Frank Penesch, Kerstin Roch und Andrea Morgner-Miehlke schließen ab mit der Vorstellung von Best-Practice bei Kooperationen, Verbundprojekten und strategischen Allianzen in der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen.
  8. Im Rahmen der Gestaltung der Produktpolitik skizzieren die Herausgeber Kernleistungen und IGeL- Angebote, Manfred Wirth umreißt die Betreuung von Patienten am Prostatakarzinomzentrum des UKD, Marc Amler schildert die Gestaltung medizinischer Produkte als Kernleistung oder IGeL anhand eines Praxisbeispiels, Armin Töpfer und Ralph Naumann präsentieren den Gesundheitsscheck für Manager und Führungskräfte.
  9. Die absatzwirtschaftliche Funktion Marketing und Public Relations wird eingeführt von Armin Töpfer, der die Notwendigkeit der marktorientierten Ausrichtung und Gestaltung aller Klinikaktivitäten betont. Julien A. Buro, Armin Töpfer und Patricia Leffler konkretisieren dies mit Ihrem Beitrag zu Marketing und Markenstrategie der Privatklinik Gruppe Hirslanden.
  10. Im Themenkomplex „Unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter“ sind nach der Einführung von Armin Töpfer zu Leitlinien und Konzepten zur Aktivierung von Mitarbeitenden die Ausführungen von Thea Koch, Armin Töpfer, Axel R. Heller und Anne Maertins zu Motivationseffekten bei den Mitarbeitern durch die Krankenhauskultur zu lesen. Im Anschluss darin behandeln Axel R. Heller und Kerstin Schaffer das Recruiting und die Personalentwicklung am Uniklinikum Dresden, Cornelia Rabeneck und Thomas Hurlebaus schließen ab mit dem Bereich des internen betrieblichen Gesundheitsmanagements für Mitarbeitende.
  11. Zwei Beiträge sind in diesem Sammelband zur Frage von Führungsverhalten und Führungserfolg enthalten: Armin Töpfer und Anne Maertins beschreiben den Ansatz der „Transformationalen Führung“, Thea Koch, Armin Töpfer und Axel R. Heller vermitteln die Bedeutung von Team Management im Krankenhaus für eine „Lernkultur“.
  12. Im Feld Aufbau und Steuerung von Struktur- und Netzwerkorganisation lesen wir zunächst die Abhandlung von Armin Töpfer zu Strukturierung und Steuerung ergebnisverantwortlicher Einheiten. Am Beispiel des Klinikums Stuttgart beschreiben im Anschluss daran Jörg Notzel, Sonja Schmid und Claude Krier die Zentrumsorganisation in einem Haus der Maximalversorgung, Katja Baum, Carolin Jakob, Michael Baumann und Gerhard Ehninger schildern die Bildung und Steuerung des Universitären Krebszentrums Dresden, Patricia Leffler, Thomas Menzel und Armin Töpfer schließen ab mit ihrem Beitrag zu medizinischen Versorgungszentren, der Fokus liegt auf der aktuellen Situation, den Chancen, Grenzen und Tendenzen.
  13. IT-gestützte Lösungen als angestrebter Erfolgsfaktor sind mit zwei Beiträgen Thema des 13. Unterabschnitts. Die beiden Herausgeber zeigen dabei Anforderungen und Nutzen der Informationstechnologie in der Klinik auf, Gunnar Folprecht berichtet anhand des Teletumorboards über die Anwendung der Telemedizin.
  14. Ebenfalls zwei Beiträge sind der Operativen Steuerung der Ergebnisqualität mit Routinedaten gewidmet. Nach Armin Töpfers Skizze zum Ansatz und zum Nutzen von Qualitätsinitiativen schreibt Maria Eberlein-Gonska zum Stellenwert des Peer-Review-Verfahrens in der Klinikpraxis am Beispiel der „Initiative Qualitätsmedizin“.
  15. Mit der Problematik der erfolgreichen Umsetzung von Qualitätsmanagement und medizinischem Risikomanagement befasst sich der 15. Abschnitt. Armin Töpfer umreißt Ziele und Entwicklungsstufen der Qualitäts- und Risikosteuerung, das klinische Risikomanagement im Krankenhaus beschreibt Angela Möllemann, Wege zur Zertifizierung und daraus resultierende Verbesserungen der Prozesse und der Qualität der Patientenversorgung zeigen Norbert Weiss und Hendrik Bergert anhand eines Universitären Gefäßcentrums auf. Weitere Beiträge in diesem Abschnitt befassen sich mit der Unternehmensentwicklung bei der Sana Kliniken AG (Heidemarie Heaske-Segeberg), mit den Anforderungen, der Konzeption und mit Beispielen für Null-Fehler Qualität im Krankenhaus (Armin Töpfer und Patricia Leffler) sowie mit Anwendungsbeispielen für Null-Fehler Qualität im Krankenhaus bei der Optimierung der OP-Planung (Armin Töpfer, Stephan B. Sobottka und Axel R. Heller).
  16. Ein in der zweiten Auflage dieses Handbuchs neu hinzugekommener Abschnitt thematisiert das Grüne Krankenhaus. Es äußern sich in Beiträgen Armin Töpfer und Petricia Leffler zur ökologischen Nachhaltigkeit als notwendige Ergänzung zur Wirtschaftlichkeit sowie Gabriele Mager und Lutz Jatzwauk mit einem diesbezüglichen Erfahrungsbericht.
  17. Daraufhin werden Controlling und ganzheitliche Steuerungskonzepte abgehandelt. Nach Armin Töpfers Beiträgen zur ganzheitlichen Steuerung der Klinik und zur Anwendung der Balanced Scorecard im Krankenhausbereich schildert Achim Schütz den Aufbau eines ganzheitlichen Steuerungssystems in einem christlichen Krankenhausverbund.
  18. Auch das Gebiet Wettbewerbsanalyse und Benchmarking findet in dieser Publikation Berücksichtigung. Nach Ausführungen von Armin Töpfer zur Analyse der Wettbewerbskräfte und zum Benchmarking mit Excellence-Kliniken schreibt D. Michael Albrecht zum Benchmarking ökonomischer und medizinischer Ergebnisse zwischen europäischen Spitzenkliniken.
  19. Den Abschnitt Erfolgreiche Akquisition oder Fusion von Kliniken bestreiten Armin Töpfer mit einem Abriss von Prozessphasen und kritischen Erfolgsfaktoren beim Zusammenschluss als anorganisches Wachstum von Kliniken sowie Thomas Lemke und Thomas Rudolph mit Praxiserfahrungen für die erfolgreiche Akquisition und Integration von Krankenhäusern.
  20. Der letzte Abschnitt dieses zweiten Teils ist dem Krisenmanagement und der Krisenkommunikation gewidmet. Nach einer Abhandlung von Armin Töpfer und Patricia Leffler zum Prozess des Krisenmanagements und zu Grundsätzen der Krisenkommunikation folgt Norbert Pfeiffers Beitrag zur Kommunikation und Bewältigung eines Krisenfalls.

Teil 3 des Handbuchs steht unter der Überschrift „Management als Veränderungsprozess“. Die beiden Herausgeber referieren darin zunächst zu Anforderungen, Schlüsselbereichen und Mitwirkenden des Veränderungsmanagements, Armin Töpfer beschließt diesen dritten Teil und die Gesamtpublikation mit einer Checkliste für erfolgreiches Changemanagement im Krankenhaus, hier werden die Essentials des im zweiten Teil dargelegten 20-Punkte-Sofortprogramms zusammengefasst.

Diskussion und Fazit

In der zweiten Auflage haben die Herausgeber ihre Publikation in „Handbuch Changemanagement“ umbenannt, aus unserer Sicht ein zutreffender Titel, umreißen die Beiträge doch die wesentlichen Felder organisationaler Entwicklung im Krankenhaus mit einer ausgewogenen Ressourcen- und Marktperspektive. Die eingangs geschilderte Notwendigkeit einer Balance von Innen- und Außensicht wurde in diesem Sammelband durchgehalten und gewährleistet die Bedingung der Möglichkeit von nachhaltig erfolgreichem Wandel hochkomplexer Institutionen. Hervorgehoben soll auch werden, dass explizit betriebswirtschaftliche Belange einer Klinik gebührende Berücksichtigung fanden.

Das ebenso übersichtlich wie nachvollziehbar gegliederte Handbuch enthält durchwegs fundierte und für die Leitungsverantwortung instruktive Artikel, die theoretisch basiert und anhand von guten Beispielen konkrete Umsetzungen der präsentierten Methoden und Instrumente vermitteln können. Die Publikation kann solchen Führungs- und Leitungskräften im Klinikbereich empfohlen werden, die die Herausforderungen, die Obliegenheiten und die Ansätze resp. Instrumente eines professionellen Changemanagements kennen lernen möchten.

Fazit: Hervorragendes Handbuch zu Schwerpunkten des erfolgreichen Managements von Veränderungen im Krankenhaus.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 17.07.2017 zu: Detlev Michael Albrecht, Armin Töpfer (Hrsg.): Handbuch Changemanagement im Krankenhaus. 20-Punkte Sofortprogramm für Kliniken. Springer (Wiesbaden) 2017. 2. Auflage. ISBN 978-3-642-20361-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22597.php, Datum des Zugriffs 19.09.2017.


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