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Katharina Walgenbach: Heterogenität - Intersektionalität - Diversity in der Erziehungs­wissenschaft

Cover Katharina Walgenbach: Heterogenität - Intersektionalität - Diversity in der Erziehungswissenschaft. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 2., durchgesehene Auflage. 144 Seiten. ISBN 978-3-8252-8670-5. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 25,30 sFr.

UTB 8546.
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Thema

Die Konzepte Heterogenität, Intersektionalität und Diversity werden vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte und Verwendung in den Erziehungswissenschaften erläutert.

Autorin

Die Autorin hat mehrere Forschungsaufenthalte an internationalen Hochschulen gehabt und seit 2015 die Professur für „Bildung und Differenz“ am Institut für Bildungswissenschaften und Medienforschung der Fernuniversität Hagen inne.

Aufbau

Das 125- seitige Buch ist in drei Themenbereiche gegliedert.

  1. Im ersten Kapitel findet eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Heterogenität statt.
  2. Im zweiten Teil wird Intersektionalität behandelt.
  3. Der dritten Teil ist dem Begriff Diversity gewidmet.

Am Ende eines jeden Kapitels wird der vorgestellte Begriff kritisch betrachtet und Tipps für eine weiterführende Literatur gegeben.

Inhalt

Da die Begriffe Differenz, Vielfalt, Diversität, Diversity, Intersektionalität und Heterogenität oft wenig trennscharf und synonym verwendet werden, ist das Ziel von Walgenbach die Entstehungsgeschichte und den wissenschaftlichen Diskurs über die Begriffe Heterogenität, Intersektionalität und Diversity aufzuzeigen.

Zunächst findet eine Auseinandersetzung mit dem wenig spezifischen Begriff der Heterogenität statt. Es wird exemplarisch anhand der deutschen Schulgeschichte aufgezeigt, wie in der Schule mit der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler umgegangen wurde. Besondere Aufmerksamkeit bekommen in diesem Teil die Heterogenitätsdimensionen Alter, Staatsangehörigkeit/Sprache und Behinderung. Neben klassischen Schulstudien (wie z.B. der Pisastudie) wird am Beispiel von heterogenen Lerngruppen und differenziertem Unterricht diskutiert, wie die Lernarrangements in der Schule gestaltet werden könnten, um der heterogenen SchülerInnenschaft gerecht zu werden.

Weitere Punkte, die in diesem Kapitel behandelt werden, sind u.a. inwieweit Heterogenität in der Schule als Chance oder Belastung gesehen wird und wie soziale Ungleichheit und Heterogenität miteinander in Verbindung stehen. Kritisiert wird von Walgenbach u.a. die „unscharfe“ Verwendung des Heterogenitätsbegriffs im erziehungswissenschaftlichen Diskurs.

Im zweiten Kapitel wird der Begriff der Intersektionalität beschrieben. Die Entstehungsgeschichte des Begriffs wird beleuchtet und der Frage nachgegangen, wie sich das von der US-amerikanischen Juristin Crenshaw entwickelte Konzept der Intersectionality auf die deutschsprachige Erziehungswissenschaften übertragen lässt. Anhand von mehreren Beispielen erläutert die Autorin den komplexen Begriff der Intersektionalität und arbeitet die unterschiedlichen Positionen im Diskurs heraus. Die Arbeiten von Lutz, Leiprecht und Krüger-Potratz etc. werden vorgestellt und diskutiert. In diesem Kapitel wird auch der Frage nachgegangen, wie eine intersektionale Perspektive in der Sozialforschung und in der Praxis umgesetzt werden kann.

Das letzte Kapitel behandelt den Diversitybegriff. Diversity wird als ein „Travelling Conzept“ bezeichnet. „Travelling Conzept“ deshalb, weil Diversity ein Konzept ist, das aus dem englischsprachigen Diskurs in Deutschland aufgegriffen wurde. Die Autorin stellt die unterschiedlichen Positionen im Diskurs über Diversity heraus und es wird zwischen affirmativen und machtkritischen Ansätzen unterschieden. Anhand der Institution Schule wird aufgezeigt, inwieweit Diversity Ansätze Impulse zur Organisationsentwicklung und Chancengleichheit in der Schule geben können. Ein weiterer Fokus in diesem Teil ist die Frage, wie viele und welche Differenzlinien in Diversity Ansätzen berücksichtigt werden sollten, ohne in die Gefahr einer Beliebigkeit zu verfallen und dem antidiskriminatorischem Anspruch von Diversity gerecht zu werden.

Diskussion und Fazit

Es wird ein differenzierter Einblick in den deutschsprachigen Diskurs über die Konzepte Heterogenität, Intersektionalität und Diversity gegeben. Unterschiedliche Positionen im Diskurs sind anschaulich herausgearbeitet worden.

Stellenweise hätte in der zweiten Auflage 2017 die verwendete Fachliteratur aktualisiert werden können. Gerade in den letzten Jahren sind viele neue Publikationen und Forschungsarbeiten zu den behandelten Themen entstanden.

Fazit: Ein lesenswertes Werk, das die unterschiedlichen Positionen im Diskurs anschaulich und verständlich herausarbeitet.


Rezensent
Prof. Dr. Steffen Brockmann
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Zitiervorschlag
Steffen Brockmann. Rezension vom 07.12.2017 zu: Katharina Walgenbach: Heterogenität - Intersektionalität - Diversity in der Erziehungswissenschaft. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 2., durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-8252-8670-5. UTB 8546. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22616.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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