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Birgit Henze: Ganzheitlich aktivieren (Begegnungsrunden für Senioren)

Cover Birgit Henze: Ganzheitlich aktivieren. Themenorientierte Begegnungsrunden für Senioren. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2017. ISBN 978-3-89993-392-5. D: 44,95 EUR, A: 46,20 EUR, CH: 63,90 sFr.

Set aus Band 1 (71 Seiten) und 2 Buch (72 Seiten), Spiralbindung.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das zweibändige Werk umfasst themenorientierte, lebensweltlich bezogene Aktivierungsvorschläge für pflegebedürftige Menschen in höheren Lebensaltern. Die Vorschläge für anregende Begegnungsrunden entstammen dem Alltag (Band 1) und dem jahreszeitlichen Verlauf (Band 2). Sie wurden von der Autorin mit vielfältiger fachlicher Kompetenz und Praxiserfahrung in über 20 Jahren entwickelt.

Autorin

Birgit Henze arbeitet in der sozialen Betreuung alter pflegebedürftiger Menschen. Sie bringt umfängliche fachliche Kompetenz als Krankenschwester, Ergotherapeutin sowie gerontopsychiatrische Fachkraft ein, die sie mit langjährigen Praxiserfahrungen anreichern kann.

Aufbau und Inhalte

Den beiden Bänden des Praxiswerkes geht jeweils eine kurze Einleitung voran. Henze verweist darin insbesondere auf die inzwischen grundsätzlich bestehende Möglichkeit zusätzlicher Betreuungsleistungen zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen, die mit dem bundesdeutschen Pflegestärkungsgesetz II verbunden ist. Hier setzt das zweibändige Werk an: Es bietet sogenannten „Betreuungskräften“ abwechslungsreiche Vorschläge für die Gestaltung von Begegnungsrunden alter pflegebedürftiger Menschen. Dabei entwickelt die Autorin ihre Programmatik aus der Praxis und bemüht sich dabei mit vielfältigen Ansätzen, die Unterschiedlichkeit alter pflegebedürftiger Menschen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen und Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Henzes Ziel ist es, älteren Menschen mit Pflegebedarf durch Interaktion Impulse zum Gespräch und damit zur Anregung Ihres Gedächtnisses zu geben. Dieser Grundgedanke zieht sich wie ein roter Faden durch alle Beispiele des Praxiswerkes. In Band 1 werden in acht Kapiteln Vorschläge mit Alltagsbezügen unterbreitet. Die einzelnen Abschnitte bieten Zugänge zu vergangenen Lebenswelten von Menschen, die bei Themen wie

  • „Berufe“,
  • „Gesundheit und Krankheit“,
  • „Hausarbeit“,
  • „Kaufhaus“,
  • „Namen“,
  • „Haus und Straße“ und
  • „Zeitung und Zeitschrift“ ansetzen.

In Band 2 wird der Zugang über Themen im Jahreslauf geschaffen. Hier werden in neun Kapiteln

  • „Bräuche“,
  • „Auf dem Markt“,
  • „Frühling“,
  • „Sommer“,
  • „Herbst“,
  • „Winter“,
  • „Advent und Weihnachten“ und
  • „Silvester“

als aktivierende Kommunikationsthemen – vergleichbar zu Band 1 - vorgestellt. Gerade diese jahreszeitlichen Themen bieten neben Impulsen für individuelle Erinnerungen und den Austausch mit anderen auch die Möglichkeit der Orientierung in der Zeit: Damit ergibt sich auch die Chance der Vermittlung einer gewissen mentalen Sicherheit durch die Vergewisserung der eigenen Existenz im Jahreszyklus und der mit den Jahreszeiten verbundenen Bräuche.

Die Möglichkeiten der Anwendung der Praxisbeispiele sind dabei einfach, vielfältig und mitunter spielerisch: Die Autorin versammelt Ideen für Gespräche in Form von Aufgabenstellungen, Gedichtrezitationen, Fragerunden und Quiz, der Erzählung kurzer Geschichten und vieles anderes mehr.

Dabei finden sich in den Kapiteln gleichermaßen Steigerungsmöglichkeiten wie besonders leichte Zugänge bei der Lösung der jeweiligen Kommunikationsaufgaben. Im jeweils letzten Kapitel beider Bände sind alle Lösungen für die Aufgaben aus den Kapiteln zusammengefasst. Die Anwendungen sind dabei nicht buchstäblich vorgegeben, sondern bieten Nutzerinnen und Nutzern gleichermaßen Anregungen zur Weiterentwicklung der Vorschläge: Insgesamt bieten beide Bände des Praxiswerkes viele hilfreiche Anregungen für betreuende Menschen.

Zielgruppen

Angesprochen sind diejenigen Professionen, die Betreuungsangebote für alte, pflegebedürftige Menschen gestalten und anbieten. Das Praxiswerkbuch bietet dieser vielfältigen Gruppe von Betreuenden konkrete Unterstützung im Alltag und regt zugleich an, vorgeschlagene Konzepte weiterzuentwickeln und eigene Ideen für ähnliche Kommunikationsangebote zu entwickeln.

Diskussion und Fazit

Mit dem Praxishandbuch wird etwas konkret, von dem oft gesprochen, aber nur selten eine genaue Vorstellung besteht: Es geht um Vorschläge zur Teilhabe alter Menschen, die pflegebedürftig geworden sind. Henzes Programmatik zielt auf die Verbesserung der Lebensqualität dieser größer werdenden gesellschaftlichen Gruppe. Aktivierende Programme für pflegebedürftige Menschen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen müssen einem hohen Anspruch genügen. Dieses Anspruchsniveau erfüllt Birgit Henze durch die Vielfalt ihrer Vorschläge. Sie leistet insbesondere das, was im Alltag der sogenannten Betreuungskräfte besonders wichtig ist – nämlich die praxiserprobte Unterstützung ihrer Arbeit. Das Praxiswerk bietet dabei auch Anregungen zur Weiterentwicklung.

Deutlich wird beim Lesen des Buches die hohe Bedeutung der Teilhabe und der Begegnung alter Menschen, also von Aspekten, die bei der immer stärkeren Forcierung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ aus dem Blick geraten: In Gemeinschaft mit anderen Anregungen und Impulse zu erleben, sich – auf welchem Niveau auch immer – mit anderen auszutauschen, sich eingebunden fühlen, Selbstwirksamkeit zu erleben – all dies gehört maßgeblich zum Erhalt der Lebensqualität von Menschen gerade dann, wenn sie pflegebedürftig geworden sind.

Die Beispiele des Buches unterliegen natürlicherweise dem Zeitverlauf. Allmählich werden sich die Kommunikationsansätze aus dem Alltag und aus den Jahreszeiten verändern, andere Bezüge werden sich herstellen: Schon der unterschiedliche Erfahrungshorizont der nachrückenden Generationen, die weniger mit analogen, sondern eher mit digital geprägten Kommunikationsformen aufgewachsen sind, wird andere Bedürfnisse offenbaren. Deshalb ist es förderlich, dass die Autorin die Themen ihrer Arbeit so offen angelegt hat, dass sie sich anpassen und ausdehnen lassen. So ist beispielsweise auch eine Thematisierung des „Lebensalters“ oder auch zeitgeschichtlicher Vorgänge vorstellbar. Mit solchen Weiterentwicklungen wird auch eine Reflexion der jeweiligen Altersbilder erfolgen müssen.

Dem Wunsch nach Alltagstauglichkeit entspricht auch die Gestaltung der Publikation Der optische und haptische Zugang zu den beiden Heften des Praxiswerks und seinen vielen Projektvorschlägen ist nicht allein inhaltlich einladend gestaltet. Eine ansprechende farbliche Gestaltung, die strapazierfähige Qualität des beschichteten Papiers und eine flexible Spiralbindung der beiden empfehlenswerten Bände lassen eine dauerhafte und angenehme Nutzbarkeit des Werkes erwarten.


Rezensentin
Barbara Eifert
Institut für Gerontologie an der TU Dortmund
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Zitiervorschlag
Barbara Eifert. Rezension vom 16.03.2018 zu: Birgit Henze: Ganzheitlich aktivieren. Themenorientierte Begegnungsrunden für Senioren. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2017. ISBN 978-3-89993-392-5. Set aus Band 1 (71 Seiten) und 2 Buch (72 Seiten), Spiralbindung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22644.php, Datum des Zugriffs 19.09.2018.


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