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Olaf-Axel Burow, Ernst Fritz-Schubert u.a.: Einladung zur positiven Pädagogik

Cover Olaf-Axel Burow, Ernst Fritz-Schubert, Jürgen Luga: Einladung zur positiven Pädagogik. Wie Lehrerinnen und Lehrer neue Wege beschreiten können. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. 135 Seiten. ISBN 978-3-407-63020-9. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Thema

Das Buch dokumentiert Gespräche zwischen Olaf-Axel Burow (Vertreter der Positiven Pädagogik) und Ernst Fritz-Schubert (Autor des Praxisbuches Schulfach Glück) mit dem Bildungsjournalisten Jürgen Luga darüber, wie sich Pädagog*innen die Erkenntnisse der Positiven Pädagogik und des Schulfachs Glück praktisch nutzbar machen können. Ihr Anliegen ist es, Lehrer*innen Anregungen zu vermitteln, wie sie ihre persönlichen Ressourcen für eine Veränderung der Schulpraxis einsetzen und so von der Fremd- zur Selbstbestimmung gelangen können. Der persönliche Perspektivwechsel kann nach ihrer Auffassung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Schule (wieder) zu einem Ort der Sinnstiftung und des Glücks wird.

Autoren

  • Olaf-Axel Burow lehrt Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel und ist Autor zahlreicher Fachbücher zu Pädagogik, Organisationsentwicklung und Kreativitätsforschung (Verlagsangaben).
  • Ernst Fritz-Schubert studierte Volkswirtschaftslehre sowie Jura, wurde dann Schulleiter an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg. In dieser Schule führte er im September 2007 mit einem Team von Experten das Schulfach Glück erstmals in Deutschland ein, das seitdem in vielen Schulen auf dem Stundenplan steht. Er leitet das Fritz-Schubert-Institut und ist Dozent an der Dualen Hochschule Stuttgart.
  • Jürgen Luga ist Fachredakteur für didaktische Medien und Marketing-Kommunikationswirt und leitet das Redaktionsbüro Education in Dortmund

Aufbau und Inhalt

Das Buch setzt in zehn Kapiteln inhaltliche Akzente:

  1. Schule muss nicht bitter schmecken: Vom Glück des Lernens
  2. Selbstwert durch achtsame Selbstbildung;
  3. Konsistenz durch Kohärenz: Wie die Schule gesund wird
  4. Kompetenzen, Ressourcen und Werte
  5. Lehrer brauchen Visionen
  6. Persönlichkeitsentwicklung fängt beim Lehrer an
  7. Durch Team-Flow zu Wohlbefinden und Spitzenleistung
  8. Wie wir die Zukunft unserer Schule gestalten können
  9. Schule braucht mehr Freiheit
  10. Wie ich die anderen mit meinen Ideen anstecke.

Stilistisch ist das Werk als lockerer, eher assoziativer Dialog zwischen den drei als Autoren angegebenen Personen angelegt. Gemeinsam ist den drei Gesprächspartnern, der Wunsch, Schule nachhaltig zu verändern.

Durch den eher assoziativen Stil tauchen bestimmte Themen und Begriffe in verschiedenen Kapiteln immer wieder auf, wie etwa das Thema Schulfach Glück, das Glück selbst als Thema, Sinn und Sinnfindung bzw. Sinnsuche, Selbstwirksamkeit als wichtiges Lernfeld, das Kreative Feld als „Methode“, oder auch Ressourcenorientierung sowie Schulentwicklung.

Wichtige theoretische Referenzrahmen für die Diskussion scheinen Viktor Frankls Logtherapie, Mihaly Csikszentmihalyi Forschungsergebnisse zur Kreativitätsforschung bzw. zum flow-Effekt zu sein sowie Antonovsky Arbeiten zur Salutogenese und Claus Otto Scharmers Theorie U etwa im Hinblick auf das Kreative Feld. Das läßt sich aber nicht final klären, weil auf Fußnoten und Quellennachweise durch den Gesprächscharakter verzichtet wird und auch entsprechende Hinweise auf diese Bezüge im Literaturverzeichnis fehlen (außer Frankl).

Man spricht sich sehr engagiert für das Schulfach Glück aus, dass Schubert als erster in ein Schule in Deutschland eingeführt hat, als dessen Ziel betrachtet wird, dass es den jungen Menschen gelingen kann: „psychische und physische Gesundheit durch Schule zu fördern. Das Schulfach Glück soll deshalb vor allem jungen Menschen helfen, ein seelisches Polster aufzubauen und sich für die Herausforderungen des Lebens zu wappnen.“ (10). Das Schulfach Glück selbst wird als „trojanisches Pferd“ gesehen, weil es Auswirkungen auch auf andere Schulfächer hat. Der Lehrer, die Lehrerin wird hier vor allem zur Ermöglicher*in.

Weiteres wichtiges Thema ist die Schulentwicklung. Als wichtige Elemente werden dabei Chancengleichheit/Chancengerechtigkeit, Excelence/Spitzenleistung, aber auch Wohlbefinden (14 und 95) diskutiert. Als damit in engem Zusammenhang stehend wird ein Konzept des magischen Drei-mal-Drei vorgestellt, das auf den Grundlagen von Salutogenese, Selbstbestimmungstheorie und Organisationsentwicklung beruht. Die obere Spitze stellt die Wertschätzende Schul- und Organsiationsentwicklung dar, zu der auch die wertschätzende Diagnose, die Vision und die Umsetzung gehören. Basis dieses Dreiecks ist auf der linken Seite zum einen die Salutogenese mit den Begriffen Verstehbarkeit, Bedeutsamkeit und Handhabbarkeit und auf der rechten Seite die Selbstbestimmung mit den Aspekten Wohlbefinden, Kompetenzerleben und Sinn bzw. Zugehörigkeit. Als Referenzrahmen dienen hier also zum einen die Salutogenese-Theorie von Antonovsky, zum anderen die Selbstbestimmungstheorien von Edward L. Deci und Richard M Ryan und für das oberste Dreieck die Positive Psychologie, d. h. Martin Seligman und Mihaly Csikszentmihalyi, auf dessen Flow-Ansatz in den weiteren Ausführungen auch Bezug genommen wird.

Ebenso werden Selbstwirksamkeit, Selbstwertschätzung und Selbstkompetenz im Gespräch erörtert. Dabei wird u. a Viktor Frankls Vorstellung der drei Wertekategorien als Referenzrahmen herangezogen (25).

Ein weiterer Begriff, dem große Bedeutung zugemessen wird, ist die Lebenskompetenz (im Sinne des richtigen, zielführenden Umgangs mit den eigenen Ressourcen). In diesem Zusammenhang werden Ressourcen und Kompetenzen diskursiv voneinander abgegrenzt.

Immer wieder taucht der Begriff „Kreatives Feld“ auf (möglicherweise ist damit der ursprünglich von Claus Otto Scharmer geprägte Begriff gemeint, das bleibt unklar). Burow bezieht sich dabei u.a. auf John Dewey: „Herausfinden, wozu man sich eignet, und eine Gelegenheit finden, dies zu tun, ist der Schlüssel zum Glücklichsein.“ (12) und führt erläuternd aus: „Ein kreatives Feld ist ein Ort, an dem Du einen Struktur und einen Rahmen hast, die dazu einladen, Dich zu erproben, wo Du Deine Potentiale entfalten kannst, wo Du mit anderen synergetisch zusammenarbeiten kannst und wo Du Neues entwickelst, etwas Kreatives gestaltest und nicht einfach nur Wissen reproduzierst.“ (57). Ziel der Autoren ist es, durch Schulentwicklung in Schule ein Kreatives Feld entstehen zu lassen. Als ein sehr gelungenes Beispiel für ein solch Kreatives Feld führt Burow das – zu Recht – berühmte und einzigartige Beispiel von „A hole in the wall“ von Sugata Mitra an, das man sich z.B. in einem TED unter www.ted.com ansehen kann. In diesem Experiment wurden Ende der 90er Jahre in einem Slum in Delhi in Indien in einem Loch in einer Wand Computer installiert, an dem sich Kinder innerhalb weniger Wochen ohne jegliche Anleitung oder Begleitung von Erwachsenen selbstgesteuert, Englisch, den Umgang mit dem Computer, Lesen und Schreiben etc. beibringen.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Buch ist weniger eine systematische Einführung in das Schulfach Glücks oder die detaillierte Umgestaltung der Schule im Sinne der Positiven Psychologie. Das verspricht es auch gar nicht. Es ist: eine Einladung an einem Gespräch teilzuhaben, das drei Männer miteinander führen, denen diese beiden Themen wichtig sind, und denen es etwas bedeutet, dass sich Schule in einem menschenfreundlichen Sinne kreativ und positiv weiterentwickelt.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 31.07.2017 zu: Olaf-Axel Burow, Ernst Fritz-Schubert, Jürgen Luga: Einladung zur positiven Pädagogik. Wie Lehrerinnen und Lehrer neue Wege beschreiten können. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2017. ISBN 978-3-407-63020-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22675.php, Datum des Zugriffs 25.08.2019.


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