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Ivanessa Mirastschijski, Anna-Linda Sachse u.a.: Kriterien guter Lehre aus Studierenden­perspektive

Cover Ivanessa Mirastschijski, Anna-Linda Sachse, Katja Meyer-Wegner, Sara Salzmann, Claudius Garten u.a.: Kriterien guter Lehre aus Studierendenperspektive. Eine quantitativ-qualitative Erhebung an der Universität zu Köln. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. 134 Seiten. ISBN 978-3-8487-3788-8. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR.

Weitere AutorInnen: Mareike Landmann, Stefan Herzig.
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Thema

Wie sehen Studierende gute Lehre? Das Buch enthält Ergebnisse einer quantitativ-qualitativen Erhebung zur Qualität der Lehre an der Universität zu Köln.

Autorinnen und Autoren

  • Ivanessa Mirastschijski koordiniert den Campus im Dialog der Universität zu Köln, ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Qualität der Lehre, Beratung und Betreuung, quantitative Auswertungsmethoden, Hochschuldidaktik, Seminargestaltung und Evaluationsforschung.
  • Anna-Linda Sachse arbeitet als psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) beim Campus im Dialog.
  • Katja Meyer-Wegner, ebenfalls Mitarbeiterin im Campus im Dialog beschäftigt sich mit Qualität der Lehre, Beratung und Betreuung, sowie quantitativen und qualitativen Auswertungsmethoden.
  • Sara Salzmann, Mitarbeiterin im Campus im Dialog, interessiert sich neben der Qualität der Lehre für Bildungssoziologie, Selbstkontrolle und -Regulation.
  • Claudius Garten, Mitarbeiterin im Campus im Dialog, beschäftigt sich mit Qualität der Lehre, quantitativen und qualitativen Auswertungsmethoden, Wirtschaftssoziologie und Stadtsoziologie
  • Mareike Landmann, Diplom-Psychologin, leitet den Campus im Dialog und befindet sich derzeit in Elternzeit.
  • Stefan Herzig obliegt die wissenschaftliche Leitung des Campus im Dialog.

Alle HerausgeberInnen sind an der Universität zu Köln tätig.

Entstehungshintergrund

Der Bericht erhält Ergebnisse einer Studierendenevaluation beruhend auf der Rückmeldung von 1852 Studierende der Universität zu Köln, die im Wintersemester 2015/2016 zu Beginn und zur Mitte des Semesters in 25 ausgewählten Lehrveranstaltungen mittels eines Papierfragebogens befragt wurden.

Aufbau

Der Zusammenfassung schließen sich fünf Kapitel und ein Fazit an:

  1. Einleitung
  2. Theoretische Basis
  3. Erhebungsdesign
  4. Hinweise zum Lesen des Ergebnisberichts
  5. Ergebnisse

Inhalt

In der Zusammenfassung halten die AutorInnen fest, dass für den Bericht sowohl quantitative Daten, wie personen- und veranstaltungsbezogene Merkmale sowie Skalen zur Motivation und Lernorientierung der Studierenden berücksichtigt wurden als auch qualitative Daten, wobei 10.176 Einzelnennungen inhaltsanalytisch ausgewertet wurden. Gute Lehre identifizieren die Kölner Studierenden in Lehrveranstaltungen mit aktivierenden und unterstützenden Merkmalen in Bezug auf Materialien und Lerninhalte. Die Studierenden schätzen gute Erklärungen, Praxisbezüge, die Möglichkeit Fragen zu stellen sowie gute Präsentationen. Bei Vergleich der Erhebung zu Semesterbeginn und in der Semestermitte zeigt sich, dass die intrinsische Motivation der Studierenden in der Mitte des Semesters höher ist und die DozentInnen öfters als Grund für den Besuch von Lehrveranstaltungen genannt wurden.

Insgesamt ergab sich, dass für Veranstaltungsformen und Fachdisziplinen bestimmte Kriterien häufiger genannt wurden, wohingegen dies bei Motivation und Lernorientierung seltener der Fall war. In Vorlesungen sind Tempo und Präsentationsfähigkeiten wesentlich, in Seminaren der Austausch mit den Mitstudierenden und der Lehrperson. In applied soft Fachdisziplinen (etwa Rechts- oder Erziehungswissenschaften) bevorzugen Studierende Beispiele in der Wissensvermittlung, in applied hard Fachdisziplinen wie Medizin steht der Praxisbezug im Vordergrund. In pure soft Fachdisziplinen (z.B. Geschichte) ist das Klima in der Lehrveranstaltung am wichtigsten, in pure hard Fachdisziplinen (etwa Mathematik) schätzen Studierende Beispiele.

In der Einleitung halten die AutorInnen fest, dass bereits im Wintersemester 2012/13 Studierende zur Qualität der Lehre befragt wurden und sich damals zeigte, dass sie in der Beschreibung der besten jemals besuchten Lehrveranstaltung deutlich unterschiedliche Wahrnehmungen angaben. In der Erhebung im Wintersemester 2014/15 war das Ziel, Personengruppen bzw. Personenmerkmale in Bezug zu Kriterien guter Lehre zu setzen, indem Kriterien qualitativ hochwertiger Lehre im Detail erfasst wurden – und zwar in Bezug auf konkrete Lehrveranstaltungen und abhängig von unterschiedlichen Perspektiven. In einem Best Practice-Ansatz wurden gezielt Lehrpersonen ausgewählt, die bei der ersten Erhebung als gute Lehrende beschrieben wurden. In der Erhebung wurde ein Fragebogen eingesetzt sowie vertiefende Interviews mit Studierenden und Lehrenden geführt. Der Bericht erhält die Ergebnisse aus der Fragebogenstudie.

Im Kapitel Theoretische Basis wird kurz auf theoretische und empirische Auslegungen zu Kriterien guter Lehre eingegangen. In unterschiedlichen Studiendesigns scheinen didaktische und fachliche Kompetenzen sowie soziale Fähigkeiten der Lehrpersonen als wesentlich auf. Allerdings ist die Wahrnehmung von Kriterien guter Lehre abhängig von der Fachdisziplin. Zudem beeinflusst die Unterschiedlichkeit der Studierenden ihre Einschätzung.

Das Erhebungsdesign wurde als Mixed-Methods Design konzipiert und beinhaltete quantitative Teile, etwa Skalen in Fragebögen, und qualitative Teile, wie Freitextfelder im Fragebogen und Interviews. Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass die Skalen und Freitextfelder eine große und aussagekräftige Stichprobe ergeben. Feststehende Merkmale, wie Semester oder Geschlecht wurden einmal abgefragt, Angaben wie Motivation für den Besuch der Lehrveranstaltung oder Lernorientierung wurde zu Semesterbeginn und in der Semestermitte abgefragt.

In Kapitel 4 Hinweise zum Lesen des Ergebnisberichts wird festgehalten, dass die Studierenden nicht jede Frage beantworten mussten und dass Studierende, die für ein Auslandssemester an der Universität zu Köln waren, nicht einbezogen wurden.

Während die Kapitel 1 bis 4 nur jeweils maximal zwei Seiten an Inhalt enthielten, umfasst das Kapitel Ergebnisse fast 100 Seiten, in denen mit großem Detail die Ergebnisse der Datenanalyse beschrieben sind. Die deskriptiven Ergebnisse umfassen demographische Daten, studienbezogene Daten, Zeitverteilung, Motivation, Lernorientierung und Kriterien guter Lehre. An die Präsentation der Gesamtstichprobe schließen sich deskriptive und inferenzstatistische Ergebnisse (aus der Analyse der Rückmeldungen zu beiden Messzeitpunkten) sowie Ergebnisse zur Einwirkung der Perspektive auf die Kriterien guter Lehre basierend auf der Auswertung des zweiten Messzeitpunkts.

Im Fazit halten die AutorInnen fest, dass das Buch Lehrenden Hinweise zur Gestaltung ihrer Lehre geben sollte.

Diskussion

In dem vorliegenden Band werden die Ergebnisse einer Studierendenbefragung zu Kriterien guter Lehre dargestellt, die sich aus den Skalen und Freitextfeldern eines Fragebogens ableiten lassen, wobei bereits vorab die Lehrveranstaltungen „guter“ Lehrender ausgewählt wurden. Die Ergebnisse aus den Interviews mit Studierenden und Lehrenden werden erst in einem späteren Buch zur Verfügung stehen. Neben wenigen beschreibenden Seiten wird eine Fülle an statistischem Material zur Verfügung gestellt. Interessant sind die Vorlieben der Studierenden abhängig von dem gewählten Studienfach. Vertieft man sich näher in die angeführten Tabellen, kann Feedback zu speziellen Facetten des Lehrdesigns gefunden werden.

Auffallend ist, dass in dieser Erhebung Online-Räume, Materialien im Web oder kooperative Online-Lernprozesse nicht erwähnt werden, weder in der Kategorie Veranstaltungsart noch bei den Materialien oder Sozialen Aspekten.

Fazit

LeserInnen, die mit psychologischen Erhebungsmethoden vertraut sind und sich für die Detailanalyse der Aussagen zur guten Lehre der Studierenden zu Köln interessieren, bietet dieses Buch vielfältiges, klar präsentiertes Datenmaterial. Wenn man jedoch statistische Ergebnisse nicht lesen mag oder kann, ist dieses Buch mit seinen wenigen beschreibenden Seiten nicht sehr aussagekräftig.


Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 18.09.2017 zu: Ivanessa Mirastschijski, Anna-Linda Sachse, Katja Meyer-Wegner, Sara Salzmann, Claudius Garten u.a.: Kriterien guter Lehre aus Studierendenperspektive. Eine quantitativ-qualitative Erhebung an der Universität zu Köln. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. ISBN 978-3-8487-3788-8. Weitere AutorInnen: Mareike Landmann, Stefan Herzig. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22678.php, Datum des Zugriffs 19.10.2017.


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