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Käthe von Bose: Klinisch rein (Krankenhaus)

Cover Käthe von Bose: Klinisch rein. Zum Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit im Krankenhaus. transcript (Bielefeld) 2017. 312 Seiten. ISBN 978-3-8376-3811-0. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 42,70 sFr.
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Thema

„Sauberkeit Macht Arbeit. Mit den Fragen, wer für wen putzt und was unter ‚sauber‘ und ‚schmutzig‘ verstanden wird, sind viele grundlegende Themen verbunden. Diese ethnographische Studie zeigt, dass es bei dem Thema Sauberkeit auch in Krankenhäusern nicht nur um hygienische Reinheit geht, sondern zugleich um Fragen gesellschaftlicher Arbeitsteilung, um soziale Grenzziehungen, Geschlechterzuschreibungen und die (widerständige) Arbeit an sozialer Ordnung. Käthe von Bose bietet einen detaillierten Einblick in die vielschichtigen Aushandlungen um Sauberkeit und Hygiene sowie die damit befassten Arbeiten von verschiedenen Krankenhausakteur_innen. So macht sie Reinigen als soziale Praxis und als Verdichtung gesellschaftlicher Machtfragen sichtbar.“ (Klappentext).

Autor

„Käthe von Bose ist Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin. Ihre Dissertation hat sie am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin und am DFG-geförderten Graduiertenkolleg ‚Geschlecht als Wissenskategorie‘ der Humboldt-Universität zu Berlin verfasst. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gender Studies, kritische Migrationsforschung sowie Affekt- und Raumtheorien“ (Seite 2).

Aufbau

Der Haupttext gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel, die theoriegeleitet und empirisch das Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit im Krankenhaus beinhalten.

Inhalt

Das erste Kapitel folgt auf eine kurze einführende Einleitung und befasst sich mit „Sauberkeit Macht Arbeit: Aushandlungen um Reinigungsarbeiten erforschen“ Dabei geht die Autorin auf einen ethnographischen Zugang der Feldforschung auf Reinigungsarbeiten im Krankenhaus ein. In diesem Kontext beschreibt sie die Spezifika des Forschungsfeldes und des ethnographischen Eintauchens. Weiterhin geht sie auf das Forschungsdesign, die Auswahl der Fälle, das Material und dessen Auswertung ein. Zusätzlich nähert sie sich an zentrale Begriffe ihrer Arbeit und deren wissenschaftliche Verhandlung an. Sie befasst sich in diesem Kontext mit den Begriffen der Sauberkeit, Schmutz, Hygiene, Arbeit, Reinigungsarbeit, Aushandlung und sozialer Ordnung. Abschließend geht sie auf theoretisch-methodologische Perspektiven im Kontext von Raum, Affekt und Macht ein. Dabei konzentriert sie sich auf Macht, Handlungsmacht, Subjektivierung, Raum- und affekttheoretische Perspektiven.

Das darauffolgende Kapitel „Von unsichtbaren Gefahren und keimfreier Sauberkeit: Kulturelle Imaginationen von Hygiene“ fokussiert zunächst die Akteure, Praktiken und Imaginationen klinischer Hygiene und geht auf die Hygiene als fragile Praxis zwischen richtiger und übertriebener Hygiene ein, um sich anschließend den Anstrengungen und Ambivalenzen hygienischer Maßnahmen zu widmen. Darauf folgt eine historische Darstellung von Sauberkeit und Hygiene, die sowohl die Bakteriologie als auch die Diskurse des frühen 19. Jahrhunderts zur Hygiene fokussiert und diesen abschließend in den Kontext von Herrschaftsverhältnissen stellt.

Im dritten Kapitel „Komplexe Reinigungsarbeiten: Zum dynamischen Management des Schmutzes“ verankert die Autorin die Reinigungsarbeiten im Kontext des Krankenhauses. Dabei befasst sie sich mit Arbeitsbedingungen und -prozessen, den verschiedenen Bedeutungen von Sauberkeit im Hinblick auf Prävention, Ästhetik und Prestige und den unsichtbaren Anforderungen von Reinigungsarbeiten in Form von affektiven Aspekten, wie der Zuwendung, dem Beruhigen und dem Aufheitern.

Das vierte Kapitel befasst sich sehr anschaulich mit dem Thema „Mit Hygiene argumentiert: Von Grenzziehungen und Spielräumen“ Dabei liegt der Fokus der Autorin zunächst auf der umkämpften Arbeitsteilung. Dabei geht es um das Aushandeln von Schmutzbereichen in Form der Grenzziehung hinsichtlich der Zuständigkeiten bzgl. der Herstellung von Klarheit und Ordnung und der Zuschiebung und Zurückweisung von Arbeit als Umgangsform mit Unklarheiten. Weiterhin widmet sich die Autorin der Kontrolle von Sauberkeit und fokussiert dabei die Wirkungsweisen institutionalisierter Kontrollarbeiten und die Bedeutung sozialer Kontrolle von Sauberkeit. Abschließend befasst sich die Autorin in tiefgreifender Weise mit der sozialen Kontrolle der Sauberkeit im Hinblick auf die Sichtbarkeit und die Frage, wer sauber arbeitet. Dabei geht es vor allem um Verschiebungen und Umdeutungen sozialer Anordnungen und die Verfestigung und Abgrenzung im Hinblick auf Hierarchien. In diesem Kontext geht es vor allem um Machtspielräume einzelner Akteure.

Im fünften Kapitel „Zum Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit: Resümee“ fasst die Autorin die Ergebnisse der Arbeit zusammen und fokussiert sich dabei auf die Bedeutung von Sauberkeit und die Arbeit an Sauberkeit und sozialer Ordnung.

Diskussion

Bei der Lektüre des Buches bestechen zunächst die umfänglichen Darstellungen der Feldnotizen und Interviewpassagen, die die Autorin im Rahmen ihrer ethnographischen Studie immer wieder einfließen lässt. Diese vermitteln zusätzlich zu den theoretischen Ausführungen die Vielschichtigkeit des Themenbereiches und die Bewegungen sozialer Ordnung im Rahmen der Hygiene- und Reinigungsarbeiten. Die macht-, raum- und affekttheoretische Perspektive, mit der die Autorin das Themenfeld erschließt, verdeutlicht die Aushandlungsprozesse der Akteure im Kontext von Hygiene und Sauberkeit im Krankenhaus auf verschiedenen Ebenen. Die Kapitel sind sinnvoll gegliedert und bauen aufeinander auf, sodass der rote Faden erkennbar ist.

Das Buch kann sowohl für alle Akteure im Krankenhauskontext als auch für andere in diesem Kontext forschende Personen hilfreich sein. Es bietet sowohl theoretisch fundiertes Fachwissen als auch plastisch dargestellte Empirie. Es schafft Verständnis für die Sicht der Akteure und verdeutlicht die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses unterschätzten Themenfeldes.

Dieses Buch kann sowohl zur Aneignung theoretischer Kenntnisse genutzt werden als auch zu einer Vertiefung des Verstehensprozesses sozialer Ordnung, Grenzziehungen und gesellschaftlicher Arbeitsteilung in einem Arbeitsbereich beitragen, der sich nur an der Oberfläche mit hygienischer Reinheit befasst. Besonders angenehm ist dabei die leicht verständliche Schreibweise der Autorin.

Fazit

Das Buch richtet sich an Praktiker in Krankenhäusern, an forschende Personen in diesem Arbeitskontext und an andere an diesem Themenfeld interessierte Menschen. Es eignet sich jedoch auch als Literatur für wissenschaftliche Arbeiten und als Denkanstoß und Horizonterweiterung im Rahmen von Gesundheitsforschung und Gender Studies.


Rezensentin
Helen Schneider
M.A.
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Zitiervorschlag
Helen Schneider. Rezension vom 04.08.2017 zu: Käthe von Bose: Klinisch rein. Zum Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit im Krankenhaus. transcript (Bielefeld) 2017. ISBN 978-3-8376-3811-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22687.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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