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Klaus Jacobs, Adelheid Kuhlmey u.a. (Hrsg.): Pflege-Report 2017

Cover Klaus Jacobs, Adelheid Kuhlmey, Stefan Greß, Antje Schwinger, Jürgen Klauber (Hrsg.): Pflege-Report 2017. Schwerpunkt: Die Versorgung der Pflegebedürftigen. Schattauer (Stuttgart) 2018. 380 Seiten. ISBN 978-3-7945-3244-5. D: 54,99 EUR, A: 57,99 EUR.
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Thema

Im „Pflege-Report 2017“ geht es um die Pflegebedürftigen und ihre Versorgung. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei der Zustand „Pflegebedürftigkeit“ mit seinen vielfältigen Facetten und der Versorgungsbedarf verschiedener Teilgruppen der Pflegebedürftigen.

Herausgeber*innen

Für die Herausgabe des vorliegenden Sammelbandes, der als jährliche Publikationsreihe des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) nun bereits zum dritten Mal erscheint, zeichnen sich Prof. Dr. rer. pol. Klaus Jacobs (seit 2002 Geschäftsführer des WIdO), Prof. Dr. phil. Adelheid Kuhlmey (seit 2014 Prodekanin für Studium und Lehre der Charité – Universitätsmedizin Berlin), Prof. Dr. rer. pol. Stefan Greß (Dekan des Fachbereichs Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda), Antje Schwinger (Pflegewissenschaftlerin und Gesundheitsökonomin, seit 2013 mit dem Aufbau der Pflegeanalysen im WIdO betraut) sowie Jürgen Klauber (seit 2000 Leiter des WIdO) verantwortlich.

An den Beiträgen haben insgesamt 42 kompetente Autor*innen aus namhaften Forschungseinrichtungen mitgewirkt.

Entstehungshintergrund

Unter dem Motto „Forschung für mehr Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen“ versorgt das Wissenschaftliche Institut der AOK (www.wido.de/) das Gesundheitswesen regelmäßig mit aktuellen Zahlen und Analysen, unter anderem mit dem „Krankenhaus-Report“, dem „Versorgungs-Report“ und dem „Pflege-Report“.

Nach dem Pflege-Report 2015 („Pflege zwischen Heim und Häuslichkeit“) und dem Pflege-Report 2016 („Die Pflegenden im Fokus“), der sich schwerpunktmäßig den Personen zuwandte, die diese Versorgung professionell leisten, nimmt die aktuellen Ausgabe nunmehr die Pflegebedürftigen selbst und ihre Versorgung in den Blick.

Aufbau

Nach dem Vorwort und der Einführung ins Thema „Die Pflegebedürftigen und ihre Versorgung“ seitens der Herausgeber*innen zeigt der Band den folgenden Aufbau, wobei die einzelnen Kapitel jeweils zahlreiche Unterkapitel enthalten:

    Teil I Schwerpunktthema: Die Versorgung der Pflegebedürftigen

  1. Der Zustand Pflegebedürftigkeit und seine Einflussfaktoren im hohen Lebensalter (Stefan Blüher, Susanne Schnitzer und Adelheid Kuhlmey)
  2. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff im Recht der Pflegeversicherung – Paradigmenwechsel (auch) für die pflegerische Versorgung (Heike Hoffer)
  3. Pflegebedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen und ihre Bedeutung für die Familien (Christopher Kofahl, Oliver Matzke, Pablo Bade Verdugo und Daniel Lüdecke)
  4. Pflege von Menschen mit Behinderung – Herausforderungen und Handlungserfordernisse (Karin Tiesmeyer)
  5. Pflege von Menschen mit Demenz (Sabine Bartholomeyczik und Margareta Halek)
  6. Pflegebedürftige mit komplexem therapeutisch-technischem Unterstützungsbedarf am Beispiel beatmeter Patienten (Michael Ewers und Yvonne Lehmann)
  7. Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund (Hürrem Tezcan-Güntekin und Oliver Razum)
  8. Technikeinsatz bei Pflegebedürftigkeit (Uwe Fachinger)
  9. Sicherung und Koordination der (zahn)ärztlichen Versorgung bei Pflegebedürftigkeit (Heinz Rothgang)
  10. Psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Pflegebedürftigen (Hans Gutzmann, Martina Schäufele, Eva Kessler und Michael A. Rapp)
  11. Einsatz von Psychopharmaka bei Pflegebedürftigen (Petra A. Thürmann)
  12. Herausforderndes Verhalten bei Demenz: Die Sicht der Pflege (Antje Schwinger, Chrysanthi Tsiasioti und Jürgen Klauber)
  13. Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus (Sabine Kirchen-Peters)
  14. Palliativversorgung von pflegebedürftigen Menschen (Sabine Pleschberger und Gabriele Müller-Mundt)
  15. Der Zustand Pflegebedürftigkeit – Pflege und Versorgungsprobleme geriatrischer Patienten (Nils Lahmann, Ursula Müller-Werdan, Kathrin Raeder, Simone Kuntz und Antje Latendorf)
  16. Gewalt in der Versorgung von Pflegebedürftigen (Beate Blättner und Henny Annette Grewe)
  17. Schnittstellenprobleme bei der gesundheitlichen Versorgung von Pflegebedürftigen (Klaus Jacobs und Stefan Greß)
  18. Versorgungsübergänge im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung (Ilse Heberlein und Ingo Heberlein)
  19. Rehabilitationspotentiale zur Vermeidung, Verzögerung und Verminderung von Pflegebedürftigkeit im Alter – Wie weit hilft die Evidenz? (Norbert Lübke)
  20. Integrierte Versorgungskonzepte für Pflegebedürftige (Mathias Fünfstück)

    Teil II Daten und Analysen

  21. Pflegebedürftigkeit in Deutschland (Antje Schwinger, Kathrin Jürchott und Chrysanthi Tsiasioti).

Inhalt

Der „Pflege-Report 2017“ vereint im ersten Teil („Die Versorgung der Pflegebedürftigen“) 20 Beiträge, die sich mit drei Schwerpunktthemen beschäftigen.

Die acht Beiträge des ersten Schwerpunkts widmen sich dem Zustand Pflegebedürftigkeit in seinen vielfältigen Facetten als Ausgangspunkt für gezielte Versorgungsleistungen sowie verschiedenen Teilgruppen von Pflegebedürftigen mit ihren jeweils spezifischen Versorgungsbedarfen. In den Blick genommen werden dabei unter anderem die Pflegebedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen, die Herausforderungen und Handlungserfordernisse bei der Pflege von Menschen mit Behinderung, die spezifischen Versorgungserfordernisse von Menschen mit Demenz, die Versorgungserfordernisse von Pflegebedürftigen mit komplexen therapeutisch-technischem Unterstützungsbedarf am Beispiel beatmeter Patienten, ebenso wie die Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund.

Der zweite Schwerpunkt, der ebenfalls acht Beiträge umfasst, nimmt Herausforderungen bei der gesundheitlichen Versorgung von Pflegebedürftigen in den Blick beziehungsweise wendet sich der Versorgung von Pflegebedürftigen mit gesundheitlichen Leistungen zu. Dabei wird insbesondere die Versorgung von Pflegebedürftigen in einzelnen Versorgungssegmenten beschrieben und herausgearbeitet, welche Hinweise für Unter- und Fehlversorgung vorliegen, welche Ursachen hierfür verantwortlich sind und wie gezielte Lösungsoptionen aussehen können. Hierbei wird nicht nur nach der (zahn)ärztlichen sowie psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung von Pflegebedürftigen gefragt, sondern auch nach dem Einsatz von Psychopharmaka, dem Verhalten bei Demenz, der Palliativversorgung und den Versorgungsproblemen geriatrischer Patienten. Mit in den Blick genommen werden aber auch das Phänomen von Gewalt gegen und durch Pflegebedürftige sowie der gezielte Einsatz von technischer Unterstützung.

Die vier Beiträge des dritten Schwerpunkts richten den Blick auf die zukünftigen Herausforderungen bei der pflegerischen und gesundheitlichen Versorgung von Pflegebedürftigen. Dabei reicht das Spektrum der Darstellung von ordnungspolitischen Überlegungen zur Organisation von Versorgungs- und Finanzierungszuständigkeiten über Rehabilitationspotentiale und deren verbesserte Ausschöpfung bis zu konkreten Optionen zur Verbesserung der integrierten Versorgung von Pflegebedürftigen.

Insgesamt betrachtet richtet der „Pflege-Report 2017“ seinen Fokus auf die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wer sind die Pflegebedürftigen und was ist ihr Versorgungsbedarf?
  • Wie ist die pflegerische und gesundheitliche Versorgung von Pflegebedürftigen heute ausgestattet?
  • Werden die heutigen Versorgungsstrukturen den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen gerecht?
  • Wie kann die Versorgung der Pflegebedürftigen gezielt verbessert werden?

Die Darstellung umfasst dabei nicht allein die pflegerische Versorgung im engeren Sinn, sondern insbesondere auch präventive und rehabilitative Leistungen sowie die Gesundheitsversorgung von akut und chronisch kranken Pflegebedürftigen.

Im zweiten Teil („Daten und Analysen“), der lediglich einen Beitrag umfasst, liefern Antje Schwinger, Dr. rer. nat. Kathrin Jürchott und Chrysanthi Tsiasioti vom WIdO ein ausführliches Bild zum Stand der Pflegebedürftigkeit in Deutschland sowie zur gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen. Die vorgelegten Analysen basieren auf standardisierten AOK-Daten und stellen Pflegeprävalenz, Pflegeverläufe und Pflegeversorgungsformen dar. Darüber hinaus weisen die Autorinnen Kennzahlen zur gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen aus. Im Fokus stehen dabei die Inanspruchnahme von ärztlichen und stationären Leistungen, risikobehaftete Arzneimittelverordnungen wie Polymedikation und Verordnungen gemäß der PRISCUS-Liste sowie die Verordnungsraten von Psychopharmaka. Die Ergebnisse werden jeweils der Versorgung der Nicht-Pflegebedürftigen gleichen Alters gegenübergestellt und nach Schwere der Pflege und den spezifischen Versorgungssettings unterschieden.

Diskussion

Pflegebedürftig zu werden und damit im Alltag auf Hilfe und Unterstützung angewiesen zu sein, gehört zu den allgemeinen Lebensrisiken vor allem für sehr alte Menschen. Im Jahre 2015 waren rund 2,8 Millionen und damit vier von Hundert gesetzlich versicherten Bundesbürger pflegebedürftig. Mit Verabschiedung des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes zum 1. Januar 2017 wurde zugleich ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Danach wird Pflegebedürftigkeit in Deutschland als Grad der Beeinträchtigung der Selbständigkeit und der Abhängigkeit von personeller Hilfe in unterschiedlichen Lebensbereichen und bei Aktivitäten bestimmt. Wenngleich es bis heute noch keine international vereinbarte und gültige Definition darüber gibt, besteht doch ein Konsens dahingehend, dass in jedem Fall eine Abhängigkeit von personeller Hilfe besteht.

Nach dem Pflege-Report 2015 („Pflege zwischen Heim und Häuslichkeit“) und dem Pflege-Report 2016 („Die Pflegenden im Fokus“), der sich schwerpunktmäßig den Personen zuwandte, die diese Versorgung professionell leisten, nimmt die aktuellen Ausgabe nunmehr den Zustand „Pflegebedürftigkeit“ mit seinen vielfältigen Facetten und den Versorgungsbedarf verschiedener Teilgruppen der Pflegebedürftigen in den Blick. Analysiert wird dabei nicht nur die Bedarfsgerechtigkeit der heutigen pflegerischen und gesundheitlichen Versorgung, sondern es werden auch Perspektiven zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Versorgung aufgezeigt. Ergänzt wird die Darstellung durch umfangreiches Datenmaterial zur deutschlandweiten Entwicklung der Pflegebedürftigkeit und der Inanspruchnahme verschiedener Pflegeformen und -leistungen.

Zur Bedeutung und Intention der Veröffentlichung schreiben die Herausgeber*innen in ihrem Vorwort: „Der Pflege-Report will dazu beitragen, dass die Pflege auf eine Weise Beachtung findet, wie es ihrer immensen Bedeutung entspricht. Herausforderungen im Pflege-Kontext werden systematisch analysiert und es wird nach geeigneten Lösungen gesucht. Der Pflege-Report will zudem Brücken bauen zwischen Wissenschaft auf der einen sowie Praxis und Politik auf der anderen Seite“ (S. V).

Seinem selbst gestellten Anspruch wird der aktuelle Pflege-Report in jeder Beziehung gerecht. Wer sich über die Versorgung von Pflegebedürftigen informieren möchte, findet hier – differenziert nach den verschiedensten Gruppen Pflegebedürftiger – eine Vielzahl aktueller Zahlen, Daten und Fakten, ohne deren Kenntnis eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema nicht möglich ist. Insofern ist die Veröffentlichung nicht nur eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, sondern auch für den Diskurs in der Pflege- und Gesundheitswissenschaft. Insofern sollte der Band wie seine beiden Vorgänger in keiner Bibliothek des Gesundheitswesens fehlen.

Fazit

Der „Pflege-Report 2017“ ist eine unverzichtbare Grundlage für alle, die sich über das Thema „Pflegebedürftige und ihre Versorgung“ umfassend informieren beziehungsweise kompetent und fundiert mitreden möchten.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 14.06.2017 zu: Klaus Jacobs, Adelheid Kuhlmey, Stefan Greß, Antje Schwinger, Jürgen Klauber (Hrsg.): Pflege-Report 2017. Schwerpunkt: Die Versorgung der Pflegebedürftigen. Schattauer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-7945-3244-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22718.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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