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Karl Köhle, Wolfgang Herzog u.a. (Hrsg.): Uexküll. Psychosomatische Medizin

Cover Karl Köhle, Wolfgang Herzog, Peter Joraschky, Johannes Kruse, Wolf Langewitz, Wolfgang Söllner (Hrsg.): Uexküll. Psychosomatische Medizin. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2017. 8. Auflage. 1264 Seiten. ISBN 978-3-437-21833-0. D: 189,00 EUR, A: 194,30 EUR.
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Thema

Das Herausgeberwerk zeigt sehr umfänglich alle Aspekte, die das Fachgebiet der Psychosomatischen Medizin aufzuweisen hat. Dabei wird das biopsychosoziale Modell zu Grunde gelegt. Aufgrund seiner Komplexität und Fachspezifität richtet es sich v.a. an Ärztinnen und Ärzte mit den Schwerpunkten Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie. Es ist jedoch auch sehr hilfreich für InteressentInnen jeglicher Fachrichtung, die sich auf hohem Niveau in bestimmte Themen der Psychosomatischen Medizin einlesen wollen.

Autor

Thure von Uexküll (1908 – 2004) war Mediziner und Begründer der Psychosomatischen Medizin. In seiner Funktion als Ordinarius trieb er die Psychosomatische Medizin weiter voran und trug mit dazu bei, die Psychologie und Soziologie in das Studium der Medizin zu verankern.

Entstehungshintergrund

Thure von Uexkülls Werk „Psychosomatische Medizin“ nimmt innerhalb der Psychosomatischen Medizin eine besondere Position ein. Seit Jahrzehnten werden in dem Werk alle wesentlichen theoretischen und praktischen Aspekte der Psychosomatischen Medizin vereint. Auch nach dem Tod von Uexkülls wird das Buch als Herausgeberwerk und Sammelband weiterentwickelt.

Aufbau und Inhalt

Das mit rund 1.200 Seiten gewohnt sehr umfangreiche Werk ist in 104 Kapiteln aufgeteilt, die neun übergeordneten Kategorien zugeordnet sind (s.u.). Im Vergleich zur 7. Auflage wurden zahlreiche Kapitel revidiert bzw. neue aufgenommen.

Wie auch in der 7. Auflage ist bei der aktuellen Auflage die zeitlich begrenzte Online-Nutzung für den privaten Gebrauch möglich. Unterstützt wird der Inhalt durch die übersichtliche Darstellung der Themen unter Verwendung von Mehrfarbigkeit in Überschriften, Textkästen, Tabellen, Diagrammen und sonstigen Abbildungen.

Zu Beginn jeden Kapitels werden alle Unterkapitel in Form einer Kapitelgliederung aufgelistet, was die Übersichtlichkeit erhöht. Am Ende jeden Kapitels befinden sich Hinweise auf eine weiterführende Literaturauswahl. Ein ausführliches Sachregister bildet das Ende des Gesamtwerkes. Die weiter oben angesprochenen neun übergeordneten Kategorien sind:

  1. Theoretische Grundlagen
  2. Biologische Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung
  3. Psychologische Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung
  4. Soziale Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung
  5. Diagnostik
  6. Therapie
  7. Institutionalisierung
  8. Klinik
  9. Aus-, Fort- und Weiterbildung

Im ersten übergeordneten Kapitel „Theoretische Grundlagen“ werden die theoretischen Grundlagen – hier v.a. das biopsychosoziale Modell und die „Integrierte Medizin“ – und das Selbstverständnis der im psychosomatischen Rahmen handelnden Ärztinnen und Ärzten angesprochen sowie die Medizin als Handlungswissenschaft erläutert.

Das zweite übergeordnete Kapitel „Biologische Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung“ führt in die Grundlagen der Genetik, Neurobiologie, Psychoneuroendokrinologie und -immunologie ein und geht auf die Interaktion von Umwelt, psychischen Merkmalen und physiologischer Regulation ein.

Im dritten übergeordneten Kapitel „Psychologische Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung“ werden wesentliche Grundlagen der Psychologie, Psychoanalyse und Psychosomatik dargestellt. Ferner werden grundlegende Begriffe wie z.B. Bindung, Körpererleben, Trauma, Resilienz und Entwicklungspsychologie der verschiedenen Alter erläutert.

Im vierten übergeordneten Kapitel „Soziale Grundlagen der Anpassung und ihrer Entwicklung“ geht es um Soziopsychosomatik, Migration, Arbeit, Gesundheit und Gender.

Das fünfte übergeordnete Kapitel „Diagnostik“ zeigt die verschiedenen Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 und die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik auf. Neben der Arzt-Patienten-Kommunikation werden auch die Psychologische Diagnostik und die Prävention besprochen.

Im Rahmen des sechsten übergeordneten Kapitels „Therapie“ werden die verschiedenen relevanten Therapieformen der Psychosomatik wie z.B. Psychotherapie, Psychoanalyse, die Psychoedukation und kognitiv-verhaltenstherapeutische und weitere Verfahren sowie die Psychopharmakotherapie dargestellt.

Im siebten übergeordneten Kapitel „Institutionalisierung“ wird anhand zahlreicher Beispiele aufgeführt, wie die Psychosomatische Medizin in die verschiedene Sektoren der medizinischen Versorgung (ambulant, stationär) implementiert wird bzw. werden kann.

Das achte Kapitel „Klinik“ macht das größte übergeordnete Kapitel des Buches aus und kann als das „Herzstück“ des Werkes bezeichnet werden. Es nähert sich in ausführlicher Form allen häufigen bzw. besonderen Krankheitsbildern der Psychosomatik, wobei Fachgebieten wie der Chirurgie, Gynäkologie, Gerontopsychosomatik usw. gesonderte Kapitel reserviert werden.

Das abschließende neunte übergeordnete Kapitel „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen der Lehre in der Psychosomatischen Medizin sowie der Begutachtung und Qualitätssicherung.

Diskussion

Das Herausgeberwerk „Psychosomatische Medizin. Theoretische Modelle und klinische Praxis“ bietet in seiner achten Auflage einen umfassenden fachlichen Überblick über die gesamte Psychosomatische Medizin. Die einzelnen Kapitel führen auf aktuellem Stand ebenfalls in die Tiefe des Fachgebietes, wobei eine gute Untergliederung und Lesbarkeit z.B. durch übersichtliche Textkästen, Tabellen und Abbildungen gewährleistet wird. Der Praxisbezug wird neben der Expertise der zahlreichen AutorInnen durch eine Vielzahl von Patientengeschichten in anonymisierter Form sichergestellt.

Fazit

Das Herausgeberwerk „Psychosomatische Medizin“ kann man nach wie vor als das Standardwerk der Psychosomatischen Medizin betrachten. Es schildert in sehr detaillierter, doch auch übersichtlicher Form alle Aspekte dieses Fachgebietes, wobei die theoretischen, biologischen, psychologischen und sozialen Grundlagen sowie die Diagnostik, Therapie und Klinik der Erkrankungen umfassend und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft dargestellt werden. Obwohl sich das Werk zunächst an Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie richtet, sei es auch allen anderen Interessierten empfohlen, die sich ein tiefergehendes Wissen auf hohem Niveau über das Fachgebiet bzw. einzelne Teilaspekte verschaffen wollen.


Rezensentin
Prof. Dr. Susanne Wolf
Lehrgebiet Sozialmedizin Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf
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Zitiervorschlag
Susanne Wolf. Rezension vom 17.07.2017 zu: Karl Köhle, Wolfgang Herzog, Peter Joraschky, Johannes Kruse, Wolf Langewitz, Wolfgang Söllner (Hrsg.): Uexküll. Psychosomatische Medizin. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2017. 8. Auflage. ISBN 978-3-437-21833-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22774.php, Datum des Zugriffs 21.11.2017.


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