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Hans Lautenschlager, Johann Hamdorf: Ambulante Pflege (Zertifizierung für Pflegedienste)

Cover Hans Lautenschlager, Johann Hamdorf: Ambulante Pflege. Anleitung zur Zertifizierung für Pflegedienste nach DIN EN ISO 9001. Beuth Verlag (Berlin, Wien, Zürich) 2017. 419 Seiten. ISBN 978-3-410-24457-8. D: 53,00 EUR, A: 49,40 EUR, CH: 63,90 sFr.

DIN Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.).
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Autoren

Johann Hamdorf ist u.a. Fachautor für die Bereiche Lebensmittelhygiene, HACCP und Qualitätsmanagement.

Hans Lautenschlager ist Inhaber mehrere Pflegedienste und hat die Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO eingeführt und in der Pflegepraxis umgesetzt und ausgeführt.

Aufbau und Inhalt

Die Autoren gehen in ihrem Buch auf die Zertifizierung von ambulanten Diensten auf der Basis der Normung über Dienstleistungen in der Gesundheitsvorsorge – DIN EN ISO – ein. Basis bilden die gesetzlichen Bestimmungen und damit die rechtlichen Rahmenbedingungen für ambulante Dienste eingearbeitet in die internationalen Normenvorgaben der DIN EN ISO 9001:2008 erweitert auf die deutschen Normenvorgaben durch die DIN EN ISO 9001:2015. Als Vorbilder dienten bereits in der Praxis mehrfach zertifizierte Dienste aus den Bereichen ambulanter Pflege und ambulanter Intensivpflege die auch den gesetzlichen vorgegebenen Qualitätsprüfungen im Rahmen des SGB XI (Pflegeversicherung) durch die medizinischen Dienste der Krankenkassen standhielten. Aus diesen gesetzlichen Vorgaben ergeben sich acht Qualitätsgrundsätze die im Buch detailliert beschrieben werden. Diese Grundsätze sind die Kundenorientierung, die Führung, die Einbeziehung der Mitarbeiterschaft, der prozessorientiertere Handlungsaufbau, die systemorientierten Managementstandards, die ständigen Verbesserungen, die sachbezogene Herangehensweise an Entscheidungen sowie die Beurteilung von Lieferantenbeziehungen. Zum Einstieg in das Thema werden von den Autoren vorab alle für den Umgang mit der Din EN ISO notwendigen Begrifflichkeiten erläutert.

Im ersten Kapitel erklären Hamdorf und Lautenschlager das Qualitätsmanagement als Führungsmethode allgemein und die Inhalte die durch die DIN EN ISO 9001:2008 und der DIN EN ISO 9001:2015 aufgeziegt werden. Der Leser erhält bereits hier einen guten Einblick in die Vielschichtigkeit und die inhaltliche Komplexität des Themas. Gleichzeitig bieten die Autoren bereits hiermit einen guten Überblick und eine klare Darstellung des Portfolios eines Qualitätsmanagements für die Praxis und für den Einstieg in eine individuelle Gestaltung. Anhand dieses Leitfadens ist es dem Leser möglich für seine eigene Einrichtung eine aussagekräftige Gliederung für ein individuelles Qualitätshandbuch zu erstellen und damit den Grundstein zu legen.

Im zweiten Kapitel widmen sich Hamdorf und Lautenschlager sich der besonderen Verantwortung der Leitungsfunktion im Qualitätsmanagement. Die Autoren stellen hier deutlich die Aufgaben heraus die auf die Führungsebene einer Einrichtung bzw. eines Unternehmens zu kommen. Diese gehen weit über die Festlegung der Qualitätspolitik und der Qualitätsziele eines Unternehmens oer eines Dienstes hinaus. Neben der Verantwortung für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zählen hierzu auch die regelmäßige Managementbewertung und die internen Audits zur Überprüfung der Erreichung der gestellten Ziele. Nicht zuletzt gehört dazu die Verantwortung der Führungsebene für die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen um die Erfüllung und Entwicklung der Qualitätsvorgaben und -inhalte realisieren zu können.

Im dritten Kapitel gehen die beiden Autoren konkret auf das Management dieser Ressourcen ein. Hier werden alle grundlegenden rechtlichen Vorgaben erläutert und vorgestellt. Hamdorf und Lautenschlager bieten dem Leser als Einstieg konkrete Musterkonzepte an. Diese können entsprechend auf das eigene Unternehmen oder die eigene Einrichtung adaptiert werden. Beispielweise bieten sie Vorlagen für die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern, ein Datenschutzkonzept, ein Hygienekonzept, Vorgehensweise zum Meldewesen im Hinblick auf Infektionsschutzkrankheiten, Stellenbeschreibungen und vieles mehr. Mit diesen Vorlagen kann der Leser direkt in das Verfahren einsteigen und erhält aktuelle Materialien zur Umsetzung an die Hand.

Im vierten Kapitel geben Hamdorf und Lautenschlager direkte und konkrete Handlungs- und Verfahrenshinweise zu den Dienstleistungen die in einem ambulanten Pflegedienst regelhaft angeboten werden. Auch hier bieten sie praxistaugliche Vorlagen zum Beispiel für ein Pflegekonzept und -leitbild, den Umgang mit der Dokumentation, die ärztliche Versorgung im Bereich der häuslichen Krankenpflege usw. Ebenfalls mitgeliefert werden Muster für Dienst- und Verfahrensanweisungen die für die Information der Mitarbeiter eingesetzt werden können.

Nicht zu Letzt finden sich hier auch umfangreiche und vielzählige Muster-Verfahrensanweisungen zu den aktuellen nationalen Expertenstandards, zur Behandlungspflege und nicht zuletzt zum Schlüsselmanagement.

Im fünften Kapitel bieten Hamdorf und Lautenbach Informationen und Erläuterungen zu den Instrumenten und notwendigen Verfahren für ein nachhaltiges und effektives zertifiziertes Qualitätsmanagement. Hier werden von den Autoren die Grundlagen für die Messung, Analyse und die Verbesserung der Qualität in den unterschiedlichen Bereichen gelegt. Am Beispiel des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) als Kernpunkt jedes Qualitätsmanagements verdeutlichen die Autoren beispielsweise den PDCA-Zyklus (Regelkreis: plan-do-check-act) der als zentrales Instrument für die Entwicklung, Weiterentwicklung und Verbesserung aller Qualitätsinhalte gilt, aber auch die Basis einer nachhaltigen Zertifizierung darstellt.

Fazit

Insgesamt bietet das Buch einen kurzen aber inhaltlich gut ausgewogenen Einblick in die Erfordernisse zur Zertifizierung eines ambulanten Dienstes und in ein tragfähiges Qualitätsmanagement. Der Leser kann anhand des Buches direkt in das Thema einsteigen und die notwendigen Schritte in Anlehnung an die Informationen und Vorlagen gehen um ein individuelles Qualitätsmanagement aufzubauen und dieses zertifikationsfähig zu machen.

Trotz aller Musterbeispielen, Musterkonzepten und praxistauglichen Vorlagen weisen Hamdorf und Lautenschläger deutlich darauf hin, dass jede Eirichtung sich entsprechend ihrer eigenen Vorstellungen und Verfahrensweisen die unternehmens- oder diensteigenen Qualitätsmerkmale definieren, ermitteln, überprüfen und verbessern muss. Vor dem Einsatz der Mustermaterialien muss jedes Unternehmen, jeder Dienst sich Gedanken über die Inhalte und Ausführungen der eigenen Qualitätspolitik machen. Nur dann wird das Qualitätsmanagement, ob zertifizierbar oder nicht, ein tragfähiges und zukunftstaugliches Führungsinstrument für das Unternehmen bzw. den Dienst werden.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 20.07.2017 zu: Hans Lautenschlager, Johann Hamdorf: Ambulante Pflege. Anleitung zur Zertifizierung für Pflegedienste nach DIN EN ISO 9001. Beuth Verlag (Berlin, Wien, Zürich) 2017. ISBN 978-3-410-24457-8. DIN Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22786.php, Datum des Zugriffs 17.12.2017.


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