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Oliver Hasselmann: Betriebliches Gesundheits­management in KMU

Cover Oliver Hasselmann: Betriebliches Gesundheitsmanagement in KMU. Grin Verlag (München) 2017. 84 Seiten. ISBN 978-3-6684-0941-5. 34,99 EUR.

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Autor

Oliver Hasselmann ist Referent im Team Forschung und Entwicklung beim Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung. Mit dem vorliegenden Text hat er Autor seine Arbeit zur Erlangung des Mastergrades in Health Administration veröffentlicht.

Thema

Der Autor zeigt die Handlungsbedarfe für Kleine und Mittlere Unternehmen – KMU – bezüglich der Herausforderungen im Zuge des demographischen Wandels auf. Als mögliche Lösungsstrategien stellt er das Betriebliche Gesundheitsmanagement – BGM – mit seinen vielfältigen Handlungsansätzen vor. Schnell wird deutlich, dass die bestehenden Lösungsstrategien des BGM nicht eins zu eins übertragen werden können auf KMU. Sie sind von ihrer Ausrichtung und ihren Ressourcen her anders aufgestellt sind als große Unternehmen die bereits das BGM als eine erfolgreiche Methode nutzen. Diese haben dieses Führungsinstrument professionalisiert und in ihre Unternehmensstrategien mit einbezogen und nutzen es für die Herausforderungen im demografischen Wandel.

Aufbau und Inhalt

In den acht Kapiteln führt Oliver Hasselmann den Leser durch das komplexe Thema und zeigt im Rahmen eines Praxisbeispiels die Machbarkeit, aber auch die Schwierigkeiten bei der Umsetzung und Gestaltung des BGM in KMUs auf.

Im ersten Kapitel führt er in das Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements grundlegend ein und führt zu den Zielen die trotz der demografischen Herausforderungen mit den Möglichkeiten und der Umsetzung des BGM erreicht werden können und sollen.

Im zweiten Kapitel geht Oliver Hasselmann auf die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung in Deutschland näher ein. Nach einer grundlegenden Erläuterung der entsprechenden Begrifflichkeiten zeigt er fünf wesentliche Trends des demografischen Wandels auf. Diese sind demnach die Veränderungen in den Bereichen Geburtenentwicklung, Lebenserwartung, Sterberate und Wanderung sowie der längere Alternsprozess. Sie haben direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Als besonderes Stichwort widmet er sich dem lebensphasenorientierten Personalmanagement und zeigt auf, dass dies ein Konzept zur Bewältigung des demografischen Wandels sein kann.

Das dritte Kapitel ist dem BGM als Methode gewidmet. Dort erläutert der Autor die zentralen Begriffe, die notwendigen Rahmenbedingungen, die Handlungsmöglichkeiten und -Ansätze. Begriffe wie Salutogenese und Settings bezogen auf das BGM werden dort ebenso beschrieben wie die integralen Bestandteile des BGM, d.h. das Betriebliche Wiedereingliederungsmanagement -BEM – oder auch den Arbeitsschutz. Oliver Hasselmann bezieht hier die unterschiedlichen Handlungsebenen im Unternehmen ein. Hervorgehoben werden hier die Arbeitsgestaltung als Unternehmens- und Führungsaufgabe, der Arbeits- und Lebensstil des Einzelnen und die überbetriebliche Vernetzung als strategische Maßnahme des Unternehmens.

Im vierten Kapitel wendet sich Oliver Hasselmann konkret den zielgerichteten Handlungsansätzen des BGM zu und verweist auf die möglichen Übereinstimmungen zwischen den Handlungsbedarfen der KMU und den Möglichkeiten des BGM. Deutlich stellt der Autor heraus, das insbesondere KMU bei der Planung, Implementierung und Umsetzung jedoch dringend auf externe Unterstützung angewiesen sind.

Im fünften Kapitel stellt Oliver Hasselmann ein konkretes Praxisbeispiel für die Umsetzung von BGM in KMU vor. Er bezieht sich dabei auf die Gesundheitsoffensive Mühlheim, Essen, Oberhausen – GO MEO aus den Jahren 2013 bis 2015 in der die Beteiligten gemeinsam am Thema BGM gearbeitet haben. Als Zwischenergebnis wurde bereits deutlich, dass es spezielle Anforderungen durch die KMU an das bestehende BGM gibt. Identifiziert werden konnten dabei folgende vier Themenbereiche. Das Nutzen vorhandener Chancen, die Förderung des Nachwuchs, die Sicherung der Beschäftigung und die Stärkung der Unternehmen stärken waren die primären Handlungsfelder. Bei den beteiligten Pilotbetrieben handelte es sich überwiegend um Betriebe aus der Pflegebranche. Daher fokussieren sich die Besonderheiten im Projekt und die Ergebnisse auf diese Branche. Oliver Hasselmann beschreibt das Projekt detailliert, vor allem das betriebliche Vorgehen zur Umsetzung von BGM, die Auswertung und die Handlungspläne. Er nimmt die Akteure und Netzwerkpartner in den Blick und berichtet über deren Nutzen aus dem Erfahrungsaustausch.

Im sechsten Kapitel werden die konkreten Zwischenergebnisse vorgestellt und das einzelne Vorgehen in den Betrieben während des Projektes skizziert. Diese Darstellungen können dabei ohne weiteres für Interessierte an der Umsetzung von BGM im eigenen Unternehmen als Handlungsleitfaden genutzt werden.

Im siebten Kapitel schließlich vergleicht Oliver Hasselmann die Theorie und Praxis der Umsetzung und der Möglichkeiten von BGM in KMU. Er kommt dabei zu drei klaren Feststellungen, erstens existieren zahlreiche und deutliche Umsetzungsschwierigkeiten in der Praxis, zweitens der Prozess des BGM an sich ist hoch komplex, vielschichtig und nur langfristig zu realisieren und drittens hängt der Erfolg immer von vielen ineinander verschlungenen Faktoren ab. Der Autor identifiziert drei Faktoren die ein Scheitern der Umsetzung des BGM in KMU bestimmen. In der Regel mangelt es an einer echten Integration des BGM in die Unternehmensstrategie. Die Übersetzung des theoretisch komplexen Konzeptes des BGM führt in der betrieblichen Praxis in KMU zu erheblichen Umsetzungsproblemen. Sollte das BGM im Unternehmen nur eine Alibirolle spielen, führt dies gleichzeitig zu einem ungewollten aber erheblichen Negativ-Effekt der dann das gesamte Betriebsklima nachhaltig beeinflussen kann.

Trotz allem ist der Autor überzeugt, dass zahlreiche Best-Practice-Beispiele auch zeigen das BGM für die KMU von großem Nutzen sein kann. Eine Beschäftigung damit macht also in jeden Fall sinn um sich den demografischen Herausforderungen zu stellen.

Im achten Kapitel schließlich gibt Oliver Hasselmann dem Leser einen klaren Ausblick. Betriebliches Gesundheitsmanagement kann als wichtiger Baustein mit seinen vielschichtigen Handlungsansätzen und Instrumenten sinnvoll eingesetzt werden, um den zahlreichen Handlungsbedarfe bezogen auf die Bewältigung des demografischen Wandels und dessen Einfluss auf KMUs in der Zukunft zu begegnen.

Fazit

Oliver Hasselmann geht gezielt auf die besonderen Herausforderungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bezogen auf den demografischen Wandeln ein. Er weist in seiner Arbeit daraufhin, dass gerade diese Unternehmensformen anders als große Unternehmen auf diese extern gesetzte Beeinflussung, wie der demografische Wandel, ihre Strategien zum eigenen Weiterbestand aber auch zu ihrer Weiterentwicklung reagieren müssen und sollten. Die für große Unternehmen bereits erstellten und erprobten Handlungsanleitungen können jedoch nicht ohne weiters als Lösungsmöglichkeiten übernommen oder adaptiert werden. Gleichzeitig zeigt der Autor aber auch auf, dass Lösungsideen aus dem BGM sehr wohl für diese Unternehmensgruppen nutzbar gemacht sowie effektiv und effizient eingesetzt werden können. Dies jedoch immer auf dem Hintergrund, dass die allgemeinen Lösungsansätze im BGM vom einzelnen Unternehmen individuell gestaltet, umgesetzt und nachhaltig implementiert werden muss. Für eine nachhaltigen Implementierung benötigen gerade KMU Hilfestellung und Begleitung durch externe Experten.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 20.07.2017 zu: Oliver Hasselmann: Betriebliches Gesundheitsmanagement in KMU. Grin Verlag (München) 2017. ISBN 978-3-6684-0941-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22787.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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